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Titel Ausgabe 44



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Zurück Ausgabe 44 vom 21.06.1988 • Seite 22ohne Login!

• Deutungspraxis

Dreidimensionale Planetenlehre, Teil 2

Louise Huber

Die drei geistigen Planeten

Die drei geistigen Planeten Uranus, Neptun und Pluto symbolisieren die Überhöhung der Ich-Kräfte, sie stehen auf einer transpersonalen Ebene, die nicht jedem Menschen ohne weiteres zugänglich ist. Das individuelle Bewusstsein muss erst dorthin reifen, bevor es als geistige Potenz individuell eingesetzt werdenkann.

Wir wissen, dass die drei neuen Planeten eine verändernde und verwandelnde Leitbildfunktion auf die Entwicklung der gesamten Menschheit hat. So betrachtet haben sie eine dynamische Evolutionswirkung für den ganzen Planeten. Viele Menschen, die noch nicht individualisiert sind, werden durch die geistigen Planeten in Kollektiv-Schicksale verwickelt, ohne dass sie etwas dagegen tun können. Sitzt man z.B. in einer Eisenbahn, die entgleist, dann ist man Mitleidtragender, ob man das will oder nicht. Lebt man unbewusst, dann gerät man leicht in solche unausweichlichen Situationen, die man schon in der klassischen Literatur mit der Wirkung dieser drei neuen Planeten in Verbindung gebracht hat.

Wenn wir aber wissen, was die geistigen Planeten für unser Wachstum bedeuten und darüber reflektieren, meditieren und forschen, dann kommen wir langsam dahinter, dass sie unserem geistigen Wachstum dienen, ja dass sie der Höheren Triade, der Monade oder dem Höheren Selbst entsprechen. Wer sich mit der esoterischen Psychologie befasst, weiss, dass diese geistige Ebene nur nach der Transformation der Ichkräfte schadlos betreten werden kann. Sie stehen über der Ich-Sphäre und sagen aus, dass dort kein Ich sein darf. Die geistigen Planeten sind transpersonale Kräfte, sie liefern die Potenz, einen schöpferischen Beitrag an die menschliche Evolution zu leisten.

Der Uranus

Beim Uranus handelt es sich auf der physischen Ebene wieder um ein Sicherheitsstreben, jedoch aus einer anderen Motivation heraus als beim Saturn. Der Uranus hält nicht, wie der Saturn, am Alten fest, weil alles funktioniert und er keine Sicherheit verlieren möchte, sondern der Uranus sucht seine Sicherheit in neuen Dimensionen, in neuer Verteidigung, in neuen Absicherungen. Er ist der Planet der Erfinder, jener Menschen, die die technischen Systeme und Maschinerien erfunden haben, damit das Leben erleichtert wird und in gewissem Sinne sicherer abläuft.

Psychisch haben wir den Uranus als Umsturzqualität bislang auch in der Literatur beschrieben. Das macht exzentrisch, weil der Uranus auf der psychischen Seite eine Kraft entwickelt, um mit Problemen besser fertig zu werden. Man möchte die Grenzen überwinden, und Sie kennen das Symbol vom Uranus mit dem Punkt im Kreis und dem Pfeil, der nach aussen schiesst. Dieser Pfeil ist es, der Grenzen überschreiten und Vorhandenes überwinden will. Der Uranus kommt gleich nach Saturn, dem letzten der 7 klassischen Planeten. Dieser zeigt die Grenzen an, die durch den Uranus überwunden werden wollen. Dieses grenzüberschreitende Prinzip vom Uranus ist technisch orientiert. Der Uranus stürmt nicht einfach in nebulösem Zustand drauf los, sondern er sucht neue Möglichkeiten. Daher auch der Reformator und derjenige, welcher versucht, mit neuen Erfindungen die Probleme im Leben zu lösen.

Auf der Mentalebene stellt Uranus die schöpferische Intelligenz dar, den Forschergeist, der nach neuen Dingen und nach brauchbaren Lösungen für bestehende Probleme sucht. Auf dieser Ebene finden Geistesblitze statt, er bricht in das Bewusstsein in Form von Ideen herein, von Gefühlen und Erkenntnissen, die vorher nicht vorhanden waren, die aber die ganze Situation mit einem Schlag verändern können. Der schöpferische Geist scheut keine Mühe, nimmt Widerstände, Hindernisse und Rückschläge in Kauf, um das Neue zur Manifestation zu bringen. Ja, an den Widerständen entzündet sich der uranische Geist, die schöpferische Intelligenz kommt erst zum Durchbruch, wenn Notlagen oder Probleme auftauchen, wenn er gefordert wird. Deshalb hat der Uranier die grösste Befriedigung, wenn er Missstände beseitigen und bessere Zustände herstellen kann. Seine tiefste Motivation ist die Flucht nach vorwärts, und Uranus auf der Mentalebene hört nicht auf, nach neuen Ufern zu streben.

Der Neptun

In unserer Schule ist Neptun das höhere Liebesideal, ein Leitbild, das unsere Vorstellungen über Liebe und Zusammenleben idealisiert, veredelt und ständig wandelt.

Auf der physischen Ebene wirkt Neptun grenzauflösend. Hier will man der Wirklichkeit entkommen, ihr einen anderen Sinn geben. Man weicht den harten Realitäten aus, flüchtet sich in eine Phantasieoder Traumwelt. Tatsächlich wirkt Neptun – wie in vielen Büchern beschrieben – auf dieser Ebene vor allem auf dem Gebiet der Liebe und des intimen Kontaktes täuschend, vernebelnd, haltlos, weil hier noch zu starke Ego-Motive mitspielen. Trotz der Neigung zur Idealisierung und zum Opferwillen fällt man Täuschungen und Trugbildern anheim. Die eigenen Wünsche werden nicht erfüllt, viele Hoffnungen und Vorstellungen zerfliessen in Nichts. Da Neptun das Prinzip der Entgrenzung und Auflösung darstellt, verursacht er naturgemäss auf der materiellen Ebene Unsicherheit und Chaos. Das geschieht auch deshalb, weil man glaubt, diese neue neptunische Erfahrung sollte nahtlos in das vorgefasste, bisherige Lebenskonzept passen. Das ist aber nicht der Fall, weil gerade Neptun eine Dimension darstellt, die ausserhalb unserer Kontrolle liegt, jenseits des alltäglichen Lebens.

Auf der psychischen Ebene wirkt Neptun besonders stark, denn hier gehört er hin, stellt er doch die Überhöhung des Mondes dar, der die zweite, die Gefühlsebene, beherrscht. Er hat also auf dieser Ebene mit der Liebeserfahrung zu tun. Wenn die neptunische Liebe über uns kommt und alles aus den Angeln hebt, dann werden alle vorherigen materiellen Ziele ausgelöscht, unwirksam oder sinnlos. Deshalb kommen auch Menschen hier auf die Idee, alles zu verlassen, um sich geistigen Idealen zu widmen, sie wollen anderen helfen, fühlen mit den Notleidenden, das soziale Engangement ist stark, manchmal übertrieben. Auch die Liebesfähigkeit, die Sensitivität kann über das gesunde Mass hinaus gesteigert werden, weil Neptun immer den Drang erzeugt, über die irdische Mittelmässigkeit hinauszuwachsen, um sich selbst in einem anderen Bewusstseinszu-stand wiederzufinden. Es ist der Drang, allen Einschränkungen der materiellen Existenz zu entfliehen, um teilzuhaben am ewigen Sein, an der göttlichen All-Liebe. Dieser neptunische Identifikationszustand verursacht oft eine Auflösung des eigenen Ich-Standortes; solche Menschen verlieren sich selbst, um sich entweder zu zerstören oder sich in der mystischen Vereinigung wiederzufinden. Viele geraten auf dieser Stufe in einen entgrenzten, oft haltlosen Zustand, es entstehen psychische Störungen oder Neurosen mit seltsamen Neigungen. Solche Menschen können sich an nichts festhalten und werden leicht das Opfer von stärkeren Menschen, von denen sie irregeführt und ausgenutzt werden. Bei manchen entsteht eine religiöse oder mystische Neigung, in allem das Höchste zu sehen und sich diesem Ideal voll und ganz hinzugeben. Manche suchen sich schwierige Menschen in der Liebe, wo sie helfen können, verlangen nichts für sich, weil die bedingungslose Liebe ihr geistiges Lebensziel ist.

Auf der mentalen Ebene wird die universelle Liebe als höchstes Ideal angestrebt. Der Neptun wird über alle Grenzen irdischer Realität hinausführen und eine neue Form des Zusammenlebens kultivieren. Auf dieser schöpferischen Denkebene kann die Kluft, die zwischen Liebesideal und vorgefundener Welt besteht, überwunden werden. Es entsteht eine neue Form der Kommunikation, des Zusammenlebens, die alle Schranken durchbricht und von Herz zu Herz strömt. Es ist das, was Assagioli das "liebende Verstehen" genannt hat. Diese liebevolle Zuwendung zur materiellen Daseinsebene, die in einem anderen Zusammenhang auch Erlösung genannt wird, ist eine mentale und vernünftige Neptun-Erfahrung. Neptun ist hier somit auch eine schöpferische Potenz der Liebe in Aktion. Die Liebe als reine Vernunft, als Sensitivität, liebevolle Zuwendung und Identifikation mit allem Lebendigen, lässt den Heiler auf der Mentalebene erstehen. Die feineren Schwingungen werden wahrgenommen, das "zwischen den Dingen schwebende Geheimnis" (wie Thomas Ring die Neptunwirkung nennt), das unsichtbare Band, das alles, was lebt verbindet, wird als Einheitserlebnis erfahren und als Liebe ausgestrahlt. Im sensitiven Eingehen auf diese Schwingung wird eine neue Aera des Zusammenlebens eingeleitet, in der Liebe als Vernunft in allen menschlichen Beziehungen das Haupt-Motiv sein wird.

Der Pluto

Auf der physischen Ebene hat der Pluto immer mit Machtproblemen zu tun, Man beansprucht einen uneingeschränkten Machtbereich, weil man glaubt, der Beste, der Grösste, der einzig Richtige zu sein. Daraus entsteht bei verhärteten Ego-Kräften Grössenwahnsinn, oder ein Ich-Wahn, womit jemand glaubt, nur er habe recht, alle anderen seien Stümper. Mit Gewalt werden Ziele und Machtansprüche durchgesetzt und Hindernisse rigoros auf die Seite geschoben. Rücksichtslosigkeit gegenüber den Ansprüchen anderer, das "über Leichen gehen", sind dann die unangenehmen Seiten eines materiell verstandenen Plutos. Das aktiviert auch zerstörerische Kräfte, die die eigene Sicherheit untergraben. Dadurch wird der innere Widerstand noch grösser. "Entweder bist Du für mich oder gegen mich", ist die Parole eines machtgierigen Plutoniers auf dieser Ebene. Er mobilisiert dann alle seine Kräfte, kämpft wie ein Besessener um seinen Posten, seinen Status, seine Macht; alles was ihm die Macht streitig machen will wird beseitigt, alles was sich ihm entgegenstellt als Feindbild angegriffen und vernichtet.

Auf der psychischen Ebene kommen dann die unausweichlichen Krisen. Auf dieser zweiten Ebene geraten wir durch die hier herrschenden Gegensätze in innere und äussere Konflikte. Dadurch setzt ein Bewusstwerdungsprozess ein, der mit starken Zweifeln und grossen Ängsten verbunden ist. Man erkennt sich als das verursachende Ego und quält sich mit der Angst, irgendwelche schwerwiegende Fehler zu machen, die als Bumerang zurückkommen und einen selbst zerstören. Aber gerade aus der Angst vor Rückschlägen macht man Fehler, man verschanzt sich hinter scheinbaren Ansprüchen an das Leben, an die Umwelt, an den "Lieben Gott", und Pluto untergräbt subliminal, gewissermas-sen unterirdisch mit seiner meta-morphotischen Kraft all diese Ich-Ansprüche. Die Motivationen des inneren Selbst dringen durch, untergraben die scheinbare innere Sicherheit und vernichten alle Schein-Ich-Formen, die man in falscher Selbstverteidigung aufgebaut hat. Hier treten oft Wandlungskrisen mit starken psychischen Störungen auf. Jetzt ruft man genau so vehement um Hilfe, sucht einen Meister, einen Führer, einen Guru, einen Therapeuten, eine Gruppe. Andere berufen sich auf das Kollektiv, die allgemeinen Rechte, bauen sich ein Weltbild auf, eine Philosophie, die einem das Recht gibt, seine Ansprüche geltend zu machen. Aber diese Ideologien halten dem nagenden Zweifel nicht stand, bis es zu einschneidenden Wandlungen der Grund-Lebensmotivation kommt.

Auf der mentalen Stufe gibt Pluto Einblick in die Evolutions-Gesetzmässigkeit, in das zukünftige Entwicklungsziel. Da er ja das Pneuma, der Nukleus, die Kernenergie jedes menschlichen Egos ist, so wirkt dieses erschaute Ziel wie eine Befruchtung, die den metamorphotischen Wandlungsoder Wachstums-Prozess in Gang setzt. Sie beflügelt den geistigen Willen, schenkt die notwendige Kraft und Energie, alle Wandlungen durchzustehen, alles daranzusetzen, um dieses geschaute Ziel zu erreichen. Die Befruchtung durch die Vision verändert die Lebensmotivation, sie hat eine Leitbildfunktion für das ganze Leben, ja für alle weiteren Leben, weil sie Evolutionscharakter hat. Dabei kommt es zum Erreichen jener "kritischen Masse", durch welche die verwandelnde Kraft des höheren Selbstes einsetzt und augenblicklich alles auslöscht, was sich dem entfaltenden Leben entgegenstellt. Deshalb wirkt Pluto hier auch reinigend und befreiend. Es kommt zu Umgestaltungen im Charakter mit einer grundlegenden Änderung der Lebenshaltung, der Lebensmotivation. Als Folge verändert sich im gleichen Masse auch die Umwelt. Pluto als Bild des Höheren Selbstes setzt eine eskalierende Dynamik in Gang, die sowohl das eigene Ich wie auch das der anderen reinigt, regeneriert, in Einklang mit dem Evolutionsziel fortschreiten lässt. Synthese ist das neue Wort für den vereinten Willen zum Wachstum.

Dreidimensionale Betrachtungen

der drei neuen Planeten

1 physisch, 2 psychisch, 3 mental

Uranus

1 Sicherheitsstreben, technische Systeme und Absicherungen, Verteidigungsmechanismen , Strategie, Maschinerie

2 Exzentrik, Überwindung der Grenzen und der Angst, Erfinderwahn reformatorisch, umstürzlerisch, magisches Wirken

3 schöpferische Intelligenz, Originalität, Forschergeist, Geistesblitze, Freiheitsstreben, Problemlösungen

Neptun

1 Idealität, Liebesideal, Opferwille, Täuschungen, Trugbilder

2 Hingabe, Helfergeist, Selbstaufgabe, soziales Gewissen, übertriebene Ideologien, irrational, Wundergläubigkeit

3 Idealismus, geistige Identifikation, Einheit, universelle Menschenliebe, Illusionismus, Mystizismus

Pluto

1 Masken, Überich-Formen, Ich-Wahn, Machtausübung, Willen aufzwingen, Zerstörungswut, rücksichtslos, Metamorphose

2 Grössenwahn, Getriebensein, Idole, Wandlungen, Krisen

3 Geistiger Wille und Motivation, Zielgerichtetheit, Macht, Synthese, weitreichende Wirkung