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Titel Ausgabe 43



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Zurück Ausgabe 43 vom 19.04.1988 • Seite 9ohne Login!

• Unser Zodiak

Das Galaktische Zentrum und die Zeitalter-Lehre

Bruno Huber

Das Galaktische Zentrum ist, besonders für eine Astrologie die sich auch um das Geistige im Menschen bemüht, von grosser Bedeutung. Dies haben schon die beiden Artikel in den Heften 41 und 42 skizziert. Es spielt aber auch im Zusammenhang der astrologischen Zeitalterlehre (Fischezeitalter, Wassermann-Zeitalter, New Age ) eine bisher wenig beachtete, aber eigentlich bedeutsame, ja geradezu erleuchtende Rolle. Die nachfolgenden Ausführungen möchten aufzeigen warum.

Präzession

In der astrologischen Zeitalterbetrachtung wird seit jeher immer nur mit einer einzigen, allgemein bekannten Messweise gearbeitet: man beobachtet die Wanderung des Frühlingspunktes. Diese Präzession der Äquinoktien wird hervorgerufen durch das kreisförmige Pendeln unserer Erdachse. Dadurch entsteht das Phänomen der Verschiebung des gesamten sichtbaren Sternenhimmels gegenüber unserem, durch den Jahreslauf der Sonne gegebenen, festen irdischen Tierkreis, (s.a. Heft 16: Was ist Präzession?)

Diese Verschiebung ist sehr langsam: in rund 72 Jahren beträgt sie nur ein Grad. Und so ist es verständlich, dass die «Astro-logo-nomen» der Antike lange nichts davon wussten. Erst zu einem Zeitpunkt, als die Astrologie schon praktisch ihre heutige Ausformung erfahren hatte (um 400 v.Chr. machte man die ersten «persönlichen» Horoskope) hatte man die Gewissheit über diese Himmelsbewegung erlangt, und konnte sie auch präzise berechnen. Damals war der Frühlingspunkt (0° Widder) beim Stern Hamal, das heisst am Anfang des Sternbildes Widder im zodiakalen Band der Fixstern-Konstellationen angelangt (s.a. Heft 24: Mit Hamal beginnt der Zodiak). Das heisst, dass dannzumal die Sonne bei der Frühlings-Tagundnachtgleiche an diesem Punkt zwischen den Himmelsbildern des Widder und der Fische stand. Und es war diese Zeitepoche, die sich für die Messweise astrologischer Berechnungen an den sinnlich nachvollziehbaren Zeichen (sprich Sonnenbahnabschnitten) des «astrologischen» Tierkreises entschloss. Es ist anzunehmen, dass sich die Köpfe jener Epoche ihre Gedanken zum Phänomen der Präzession machten – wahrscheinlich nachdem sie untersucht hatten, welcher der beiden Tierkreise der wirksame sei.

Mittlerweile hat sich der Widderpunkt rückwärts durch die Fischekonstellation geschoben und steht jetzt schon fast am Anfang dieses grossräumigen Sternbildes. Um durch das ganze Fischegebiet zu laufen braucht er immerhin 3743 Jahre. Dann erst (in etwa 1300 Jahren ab heute) wird das Fische-Zeitalter endgültig vorbei sein. Und hier taucht auch schon das Problem mit der Zeitalterlehre auf:

Wo immer man über das New Age, über das kommende Wassermannzeitalter liest – man scheint immer von zwölf gleichlangen Epochen von je etwa 2200 Jahren (genauer müssten es 2151 sein) auszugehen. Doch das scheint eher fragwürdig zu sein, wenn man sieht wie ungleich lang die Stern-Konstellatio-nen sind, durch welche sich der Widderpunkt unseres Zodiak mit gleichbleibender Geschwindigkeit zu bewegen scheint. Der Unterschied ist markant! Das kürzeste Sternbild, der Krebs, ist 21°07' gross; das entspricht einer Durchlaufzeit von nur 1514 Jahren. Während sich der Frühlingspunkt durch die längste Konstellation (Jungfrau = 56°01') während sage und schreibe 4017 Jahren abmüht. Auch das Fischebild erstreckt sich in seiner Gesamtlänge über 52°12'; das bedeutet für den Frühlingspunkt eine Durchlaufzeit von 3743 Jahren! Was fangen wir da mit den schön gleich-mässigen Zeitaltern an, die uns alle Literatur nahelegt – und die ja oft sehr aufwendig geschichtlich begründet werden?

Mal abgesehen von dem eher nebensächlichen Detail, dass sich die Astrologen nicht einigen können, wann denn nun das Wassermannzeitalter beginne oder schon begonnen habe – kann es sein, dass sich ganze Legionen von Autoren durch die Jahrhunderte einfach geirrt haben? Oder dass sie bewusst oder unbewusst die Geschichte bei ihren Begründungen so zurechtgerückt haben, dass sie mit ihren regelmässigen Epochen «reim' Dich, oder ich fress' Dich» zusammenstimmen? – Ehrlich gesagt, ich mag das nicht recht glauben!

Es ist aber eine Tatsache, dass die Astrologen einen Punkt nie richtig begriffen haben. Seit Jahrhunderten haben Sie den Frühlingspunkt an unserem Zodiak entlanggehen lassen und davon die Zeitalterlehre abgeleitet. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum zu glauben, dass sich der Frühlingspunkt im Erdentierkreis bewege und in gleichen Zeitabschnitten von einem Zeichen zum anderen wandere. Der Messkreis der äquinoktionalen Bewegung kann nicht in unserer Sonnenbahn, dem Zodiak liegen, sondern in den Sternbildern weit draussen im Raum.

Arthur Schult, der in seinen zwei Bänden «Astrosophie» viel über die Zeitalterlehre geschrieben hat, begründet seine Ansicht wie viele andere folgendermassen: «Die Erdachse neigt sich nun infolge der Präzessionsbewegung in die verschiedenen Partien des Fixsternhimmels hinein und vollzieht eine volle Umdrehung in 25 960 Jahren, wobei ein Zwölftel dieser Zeit, also 2160 Jahre, die Dauer eines grossen Weltenmonats darstellt.» Und hier kommt der Trugschluss: «Mit der Bewegung der Erdachse gleitet zugleich der Frühlingsanfangspunkt rückläufig auf der Ekliptik entlang, um in jedem der zwölf Tierkreiszeichen von 30 Grad 2160 Jahre zu verweilen. Wie die Drehung der Erde um ihre Achse den Wechsel von Tag und Nacht mit den 12 Doppelstunden bewirkt, wie der Umlauf der Erde um die Sonne die Jahreszeiten und die Gliederung in 12 Monate entstehen lässt, so gliedert der gewaltige Rhythmus der Präzession des Frühlingspunktes mit der Drehung der Erdachse um den Pol der Ekliptik den Ablauf der Menschheitskulturen auf der Erde. Je einem Weltenmonat von 2160 Jahren entspricht eine der grossen Kulturepochen, die wir geschichtlich überblicken können.»

Der Fehlschluss ist klar: Man kann nicht die Bewegung eines Punktes eines sich drehenden Systems (Frühl. Pt, im Zodiak) an eben diesem System messen, denn das bewegt sich ja mit. Um die Bewegung bestimmen zu können, brauchen wir eine Bezugsebene ausser-halb des zu messenden Systems – zum Beispiel den Ring der ekliptikalen Sternbilder draussen im All.

Es gibt aber einen weiteren Ansatzpunkt, der die Sache neu beleuchtet: Wir können das GALAKTISCHE ZENTRUM an Stelle des Frühlingspunktes als Zeiger auf der Uhr der kosmischen Zeitepochen verwenden. Auch das GZ bewegt sich nach den selben Gesetzen, die den Frühlingspunkt durch die Konstellationen bewegen. Nur – in entgegengesetzter Richtung; und diese Bewegung wird an unserem irdischen – das heisst astrologischen – Tierkreis mit seinen gleichmässi-gen 30°-Abschnitten gemessen. Es handelt sich hier nicht etwa um zwei verschiedene Bewegungen, sondern zweimal um die selbe Bewegung aus verschiedenen Gesichtspunkten oder Messweisen gesehen. Aber die Bewegung des Galaktischen Zentrums zeigt uns re-gelmässige Epochenlängen an: Die Präzession braucht für die Vollendung eines vollen Kreises 25815 Jahre. Wir nennen das ein kosmisches Jahr, oder auch Weltenjahr, oder Platonisches Jahr. Ein kosmischer Monat wäre dann 2151 Jahre, und ein kosmischer Tag fast 72 Jahre. Nochmals, genauer:

1 Weltenjahr = 360° (Grosszyklus) 25815.5J.

1 kosm.Monat = 30° (Kulturepoche) 2 151,3 J.

1 kosmischer Tag =1° (Menschenleben) 71,71J.

«Kosmisch gesehen, ist der Mensch eine Eintagsfliege»

In der mittlerweile klassischen Betrachtung (Fische-Zeitalter) ist der Frühlingspunkt unser Bezugs- und Messpunkt. Wir stellen fest, dass dieser Messpunkt – der ja Teil unseres Zodiak ist (0° Widder) – sich vor dem Sternhintergrund langsam von Sternbild zu Sternbild verschiebt. Wobei man sich bewusst sein muss, dass sich nicht nur dieser Punkt unseres Tierkeises, sondern das ganze System der 12 Tierkreiszeichen zusammen als ein festes Gefüge verschiebt.

Wenn wir das Galaktische Zentrum als Messpunkt nehmen, so dreht sich die Betrachtungsweise einfach um: wir sehen, wie sich ein Punkt weit draussen im All (30 000 Lichtjahre entfernt) durch unseren erdgebundenen Tierkreis bewegt. Auch hier ist es nicht nur ein Punkt der sich verschiebt, sondern der ganze sichtbare Fixsternhimmel mit seinen Konstellationen oder Stern-Bildern.

Wir nehmen also im einen Fall einen Fix- oder Messpunkt in unserem eigenen System (0° Widder im Zodiak), und sehen wie er rückwärts durch die Konstellationen des kosmischen Aussenraumes wandert. Im anderen Falle nehmen wir den Fixpunkt (GZ) im äusseren Raum der ekliptikalen Sternbilder, und sehen wie dieser vorwärts durch unseren Sonnen-Tierkreis läuft. Um gleichlange Perioden der Präzession zu erhalten, das heisst 12 x 2151 Jahre, ist also der Frühlingspunkt nicht geeignet, denn er läuft durch ungleichlange Konstellationen, während das Galaktische Zentrum mit verlässlichem Takt gleichlange Zeitalter anzeigt. Für die nächsten 247 Jahre (gerade ein voller Pluto-Umlauf!) sind wir so gesehen noch im «galaktischen Zeitalter» des Schützen. Dann beginnt die Ära des Steinbock.

Schütze-Zeitalter ?

Wenn wir das Geschichtsbild der letzten 2000 Jahre, die wir gemeinhin als Fische-Zeitalter bezeichnen, etwas genauer betrachten, so gibt

es da mindestens zwei herausragende Qualitäten, die sich schlecht, oder überhaupt nicht mit unserer Vorstellung von Fischeeigenschaften decken. Zum einen ist es der hohe Aggressionswert, der diese Epoche geprägt hat, wie das wohl in den Kreuzzügen wie auch bei der Entdeckung und «Missionierung» Amerikas überdeutlich veranschaulicht ist. Zum anderen ist auch die Entwicklung der Naturwissenschaften und der daraus folgende Aufbau der heutigen technologischen Zivilisation kaum mit typischen Fischequalitäten zu erklären. Wir können nicht endlos fortfahren, nur von der «mystischen Verinnerlichung» des Mittelalters, und vom «Aufblühen der Künste» in der Renaissance zu sprechen, wenn wir das Zeitalter der Fische begründen wollen.

Hingegen erhalten gerade die zwei oben genannten, geschichtlich so eminenten Vorgänge eine deutlichere Erkärung, wenn wir annehmen dass der Schütze mitbeteiligt ist. Er ist es doch, der dafür bekannt ist sich feurig/kämpferisch für Ideen einzusetzen, der Kreuzzüge

veranstaltet, der gerne andere mit seiner Wahrheit «beglückt» oder gar aggressiv missioniert. Ausser-dem ist er als typischer Nerven-und Kopfmensch neugierig, wissensdurstig und so optimistisch, dass er einmal erkannte Zielsetzungen mit aller verfügbaren Schärfe seines Intellektes immer weiter verfolgt.

Müssten wir also nicht richtiger von einem Fische- und Schütze-Zeitalter reden? Und beim Kommenden vom WASSERMANN-STEINBOCK-Zeitalter? Warum nicht? -Aber eigentlich müsste dem Astrologen hier etwas auffallen! Beachtet man nämlich die Herrscher der beiden genannten Zeichenpaare, so findet sich's, dass es «zufällig» je die gleichen sind. Fische und Schütze haben klassisch den Jupiter, und Wassermann und Steinbock den Saturn als Herrscher. Und wenn man den Frühlingspunkt und das Galaktische Zentrum in die Vergangenheit zurückrechnet, so zeigt sich auch dort dasselbe Muster: dass sich nämlich die beiden Messpunkte grosso modo immer (mit kleinen Randüberschneidungen) in herrschergleichen Zeichen und Bildern bewegen. Nachfolgende Tafel macht das deutlich:

Planeten-Zeitalter

Grafik als PDF

Anstatt Fische- / Schütze-Zeitalter zu sagen (siehe oben) könnten wir jetzt – sozusagen als Sammelbegriff – diese Kulturepoche als Jupiterära bezeichnen. Das aufkommende Neue Zeitalter wäre dann eine Saturnepoche (anstatt Wassermann/Steinbock). Aus astrologischer Tradition ist das sicherlich zunächst eine etwas ungewohnte Sichtweise. Aber bei näherem Hinsehen entpuppt sie sich als eine sehr trächtige Art, die viel mehr Tiefgang in der geschichtlichen Betrachtung erbringt, als die bisherige, eher übervereinfachte Darstellungsweise mit der Wanderung des Frühlingspunktes.

Ich möchte im nächsten Heft diese neue Betrachtungweise etwas ausführlicher darstellen. Um dies tun zu können, müssen wir hier aber noch eine kurze Überlegung machen, die auch einen Rückgriff auf das persönliche Horoskop erfordert. Wir haben in den letzten sieben Nummern des Astrolog eine ganze Anzahl von Artikeln und Leserbeiträgen zu zwei Themen gehabt, die für diese Betrachtung interessant sind. 1. der Nullpunkt im Zodiak, Planeten auf 0° der Zeichen, und 2. das Galaktische Zentrum, seine Bedeutung im individuellen Horoskop. (Nebenbei gesagt: diese Häufung ist rein «zufällig», das heisst sie wurde von der Redaktion nicht geplant.)

Diese beiden Punkte haben sich als im persönlichen Horoskop vielfach bedeutungsvoll erwiesen – ob-schon sie eigentlich aussersolare, kosmische Bezüge darstellen, die den Rahmen individueller Horoskopierung bei weitem übersteigen. Der Nullpunkt im Zodiak (0° Widder) ist für die horoskopisch erfasste, menschliche Persönlichkeit die Eintrittstelle vom, und die Austrittstelle zum, kosmischen Aussenraum – vom Kosmos her gesehen, die Türe zu unserem subjektiven, erdgebundenen, menschlichen Lebensraum. Er ist identisch mit dem (oben abgehandelten) Frühlings-punkt der uns die Wanderung unseres Systems durch die kosmisch bedingten Kulturepochen der Menschheitsgeschichte aufzeigt.

Das Galaktische Zentrum ist demgegenüber ein weit ausserhalb unseres irdischen und menschlichen Raumes liegender Punkt – das dirigierende Kräftezentrum eines gigantischen übergeordneten Systems – der Milchstrasse – in der unser horoskopisch erfasstes Sonnensystem nur die Funktion eines kosmischen Stäubchens unter Milliarden hat. Es ist eine Raumentität im Universum, von deren Beschaffenheit und Lebensform wir im besten Falle nur eine dunkle Ahnung haben – obschon wir von ihr Bestandteil sind. In unserem solaren Tierkreis ist es also so etwas wie der Finger Gottes, der uns den verschlungenen Weg durch unseren Zodiak zu ihm zeigt. Jede Kulturepoche (Ära des Schützen, des Steinbock usw.) hat deshalb ihre eigenen Vorstellungen von Gott, und vom göttlichen Potential im Menschen.

Wenn wir diese beiden kosmischen Punkte auf die persönliche Enge unseres Horoskopes reduzieren, so liesse sich der Widderpunkt mit

dem individuellen Aszendenten, und das GZ mit dem eigenen Sonnenstand vergleichen. Diese Analogie möchte ich als gedankliche Anregung bis zum nächsten Heft im Räume stehen lassen...

...im Weltraum natürlich!