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Titel Ausgabe 52



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• Biografie

Seine einzige Sicherheit war die ständige Veränderung - Pablo Picasso

Rita Keller

PICASSO, Pablo

25.10.1881 21.30.00 Malaga (E)

Zwei verschiedene Geburtszeiten sind von Picasso im Umlauf. Mehrere Biographen führen die Geburtszeit 23.10h an, Picasso selber aber sagte 21.30h. Ein Geburtszertifikat ist nicht bekannt.

(Nach dem eingeben der Daten in Megastar entstand ein anderes Horoskop als im Astrolog Nr.52 abgebildet, die Recherchen gehen weiter, bis dahin erscheint kein Horoskop im Archiv)

Auf Grund des Alterspunktes bin ich zum Schluss gekommen, dass 21.30h richtig sein müsste und übereinstimmt mit wichtigen Ereignissen in seinem Leben und der Art, wie er sich zum Ausdruck brachte.

Dass zwei verschiedene Zeiten von Picasso verwendet werden, könnte damit zusammenhängen, dass er in der Nacht des 25. Oktober 1881 tot geboren wurde – so glaubte man. Er atmete und bewegte sich trotz Bemühungen nicht, und die Hebamme wandte sich schliesslich von dem scheinbar leblosen Wesen ab und kümmerte sich um die Mutter. Ein Arzt und Verwandter, der sich ebenfalls im Hause befand, beugte sich schliesslich über das Kind und blies ihm den Rauch seiner Zigarre in die Nase, was mit dem ersten Schrei des Kindes beantwortet wurde.

Picassos Vater war Maler und seine Liebe zur Malerei leidenschaftlich, verbissen und unermüdlich. Trotzdem zweifelte er an seinem Talent, wuchs er doch in Malaga auf, wo der Volksmund besagte, dass "ein Maler und ein Taugenichts das selbe sei".

Pablo, der Erstgeborene und einzige Sohn der Familie, genoss die uneingeschränkte Aufmerksamkeit seiner Eltern bis zur Geburt seiner Schwester Lola im Dezember 1884. Es war für ihn ein niederschmetterndes Ereignis und leitete sein Talpunktjahr im ersten Haus ein. Er musste die Zuwendung seiner Eltern teilen, die sich bis anhin auf ihn konzentriert hatte. Doch bald entdeckte er, wie er die Aufmerksamkeit wieder auf sich lenken konnte. Mit vier Jahren begann er Tiere, Blumen und fremdartige Wesen seiner Phantasie aus Papier auszuschneiden und sie in der Art chinesischer Schattenspiele an die Wand zu projizieren. Er hatte Publikum und wurde bewundert.

Die Schule war für ihn ein Alptraum. Er hasste Regeln und befolgte sie nur selten. Seine Aufsässigkeit war jedoch der Ausdruck einer tiefsitzenden Angst, allein gelassen zu werden. Nach der Geburt seiner Schwester, die er dafür verantwortlich machte, dass er selber nicht mehr Mittelpunkt war im Leben seiner Mutter, klammerte sich an seinen Vater, den er immer mehr verehrte.

Am 30. Oktober 1887 war die Geburt seiner zweiten Schwester, wenige Tage, nachdem er die zweite Häuserspitze erreichte. Seine Mutter war noch mehr beschäftigt, doch Pablo hatte früh gelernt sich durchzusetzen, und wenn es nur durch seine Aufsässigkeit war, trotzdem Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

1889 entstand Pablos erstes Gemälde «Der Matador». Es zeigt einen Picador zu Pferde in der Arena. Anreiz dazu war das Erleben eines Stierkampfes zusammen mit seinem Vater. Im Gegensatz zu seinen Misserfolgen in der Schule konnte Pablo seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten durch Malen und Zeichnen unter Beweis stellen. Bereits Ende 1890 zeichnete er «Herkules», zur selben Zeit, als sein Vater arbeitslos wurde. Im April erhielt er jedoch eine Stelle als Zeichenlehrer in La Coruna an der Atlantikküste, der Umzug war für Oktober geplant. Wieder musste sich Pablo in seinem Talpunktjahr mit seiner starken fixen Besetzung Skorpion/Stier in den fixen Häusern 5/11 einer völlig neuen Situation stellen. Vor dem Umzug musste er Prüfungen für die Hauptschule ablegen. Der Vater wusste, dass Pablo dies nur schaffen würde mit Hilfe eines Freundes, und solche Hilfe konnte er nur in Malaga arrangieren.

Im September 1892 wurde Pablo in der Kunstschule, wo sein Vater sein Lehrer war, aufgenommen. Wusste der Lehrer, lange bevor der Vater es sich eingestehen konnte, dass er ein Wunderkind in der Klasse hatte?

Noch nicht ganz 13 Jahre alt, verliebte sich Pablo in ein Mädchen seiner Klasse. Doch ihre Eltern behinderten diese unschuldige Liebe, wo sie nur konnten und schickten sie in ein Internat. Pablo war damals zwar erst 13, doch war "etwas ganz Zartes und Grundlegendes in ihm zerstört worden", wie es Palan i Fabre, der Chronist seiner Jugendzeit, formulierte.

Am 10. Januar 1895 starb seine acht Jahre alte Schwester. Die Eltern entschieden sich danach, mit Pablo nach Barcelona zu ziehen, wollten jedoch den Sommer in seiner Geburtsstadt Malaga verbringen, die er als Zehnjähriger verlassenmusste. Er kehrte zurück als Maler mit ausserordentlichem Talent. In Barcelona angekommen, musste das Wunderkind, das Malaga in Erstaunen versetzt hatte, ein gewöhnlicher Schüler werden. Aufnahmeprüfungen an der Kunstschule La Lonja standen bevor. Seine eigene Unzulänglichkeit als Schüler, der mit Regeln und Lehrplänen nicht umgehen konnte, verdeckte er hinter einer arroganten Überheblichkeit. Seine Haltung passte gut zu seiner Umweltsituation und dem Kollektiv, in dem er sich befand. Beim Übergang Uranus im 3. Haus herrschte in Barcelona rebellische und anarchistische Stimmung. Die Zeitungen waren voll von Bombenmeldungen, Überfällen, Verhaftungen und öffentlichen Hinrichtungen. Pablo, damals 16 Jahre alt, nahm während seinen Streifzügen durch die Strassen von Barcelona eine Stimmung wahr, die an Ausgestossenheit und Entwurzelung grenzte. Doch brachte ihm das Jahr 1897 auch öffentlichen Erfolg mit seinem Gemälde «Wissenschaft und Nächstenliebe». Gleichzeitig startete er seinen ersten Versuch (TP 3. Haus), sich von den Eltern zu lösen. Er war seines Vaters Kritik überdrüssig. Der kannte nur zu gut die Schwächen und Stärken seines Sohnes. Dagegen war das bewundernde Unverständnis der Mutter weniger anspruchsvoll und deshalb angenehmer. Obwohl der Vater die künstlerische Entwicklung Pablos von Kindheit an gefördert hatte, idealisierte Pablo seine Mutter, obwohl sie die Familie, im besonderen ihren Ehemann, beherrschte.

Am 1. Februar 1900 war die erste Ausstellung seiner Bilder in Barcelona, die mit herablassender Kritik eines Kunstlehrers kommentiert wurde. Dieser konnte nicht akzeptieren, dass ein Künstler seinen eigenen Weg gehen konnte, ohne Abschluss an der Lonja.

Picassos Wunsch, nach Paris zu reisen, verstärkte sich. Kurz vor seinem 19. Geburtstag reiste er mit Hilfe seines Vaters, zusammen mit einem Freund in die französische Hauptstadt. Nach einem kurzen, ausschweifenden Leben und ohne Erfolg reiste er zurück nach Spanien, um die Anerkennung zu suchen, die ihm Paris verweigert hatte. Doch er stiess nur auf Ablehnung und Armut. In dieser Zeit half ihm Manyac – ein Fabrikbesitzer in Barcelona aber auch Kunsthändler – der sich in der Pariser Welt bereits einen Namen geschaffen hatte, zu überleben. Doch das Überleben war nie Picassos Ziel. Er wollte gehört werden, Zeichen setzen, die Welt aus ihrer Lethargie aufrütteln.

Im Juni 1901 traf er wieder in Paris ein. Acht Monate waren es nur, seit er die Stadt verlassen hatte, doch kam er als anderer Mensch zurück, erwachsener, gereifter. Er wohnte mit Manyac zusammen in einem kleinen Atelier. Kurz nach seinem Einzug malte er ein Porträt Manyacs. Er zeigt ihn in einer herausfordernden Pose, männlich und befehlsgewohnt. Er wirkt wie ein Stierkämpfer. Fühlte sich Picasso wie ein Stier, der von Manyac in die Enge getrieben wurde? Oder war es auch ein Selbstporträt, mit dem er ausdrücken wollte, wie er sich damals gerne gesehen hätte? Jedenfalls hatte er durch Manyac viele Vorteile. Er wurde von ihm in die modische Pariser Welt eingeführt und potentiellen Kunden vorgestellt. Doch Picasso musste zulassen, dass Manyac sein Leben und seine Arbeit dirigierte und war hin-und hergerissen zwischen den Vor-und Nachteilen. Trotz seines zunehmenden Erfolges fühlte er sich einsam und konnte das Alleinsein nicht mehr ertragen (eingeschlos-sene Waage). Er war sich des ewigen Wechselspiels zwischen seiner Lebenslust und den ihn beherrschenden Todesgedanken bewusst, fand aber keinen Ausweg. Durch seine zunehmenden Schwierigkeiten mit Manyac wurde ihm klar, dass er Paris verlassen musste. Die einzige Macht, die sein Förderer über ihn hatte, war Geld. Es schien ihm das kleinere Übel, seinen Vater um Geld zu bitten für die Heimreise, als weiterhin von Manyac abhängig zu sein. Doch zu Hause wurde ihm seine kindliche Abhängigkeit von den Eltern schmerzlich bewusst.

Doch selbst Wut und Resignation hielten ihn nicht vom Malen ab. Das Bild «Zwei Schwestern» entstand, das eine Hure und eine Nonne darstellt und Picassos eigenes zutiefst gespaltenes Bild der Frau zeigt. Die Aktzeichnungen, die ebenfalls in dieser Zeit entstanden, zeigen, wie verletzlich, unordentlich und verloren er sich fühlte. Er setzte sich damit auch mit seiner Männlichkeit auseinander, aber auch mit seinen Beziehungen zu Männern und Frauen. Die Zeichnungen widerspiegeln seine ungeklärten Gefühle und tiefsitzenden Konflikte.

Im Mai 1903 entstand sein Gemälde «Das Leben», das symbolträchtige Meisterwerk seiner Blauen Periode. Im Talpunkt des 4. Hauses verliess er das Elternhaus. Manche Bilder aus jener Zeit zeigen junge Menschen, die die Alten trösten aber auch ignorieren, als Ausdruck für seinen Konflikt zwischen Schmerz und Entschlossenheit, unabhängig zu werden.

Ende 1903 begann er seine Abreise nach Paris gezielt vorzubereiten und reiste am 2. April 1904 ab. In einer in dieser Zeit entstandenen Skizze springt ein nackter Mann, die Arme fest angelegt – ins Leere! Picasso hatte sich entschlossen, den Sprung ins Unbekannte zu wagen, in der Hoffnung, den Durchbruch zu schaffen. Im Alterspunkt erreichte er am 30. März 1904 sein Sonnenzeichen Skorpion. Er bezog ein Atelier, wo die Geräusche der anderen Mitbewohner, ebenfalls Künstler, immer hörbar waren.

Am 4. August lernte Picasso Fernande Olivier kennen, eine elegante, selbstbewusste Frau, und es war ihm sogleich klar, dass dies nicht nur ein weiteres sexuelles Abenteuer sein konnte. Es war der Anfang einer ersten richtigen Beziehung und leitete zugleich seine Rosa Periode ein, die eine wesentliche Veränderung in seinem Leben andeutete. Charles Morice, der 1902 Picassos "unfruchtbare Traurigkeit" gerügt hatte, lobte im März 1905 in einem weiteren Artikel seine vertiefte Empfindsamkeit und den Ausdruck der Hoffnung, die sich in Bildern von Kindern verkörperte.

In dieser Phase lernte Picasso den jungen Dichter Guillaume Apollinaire kennen. In Apollinaire verband sich die für Aussenseiter typische Verachtung geltender Spielregeln mit der Gabe, sie zum eigenen Vorteil zu nutzen. Wenige Tage nach der ersten Begegnung schrieb er einen Artikel über Picassos Bilder. Obwohl sie ihm fremdartig erschienen, konnte er in Worte fassen, was Picasso in Bildern ausgedrückt hatte. Picasso hatte einen Interpreten seiner Kunst gefunden und konnte die damalige Vorstellung, wonach Kunst nur aus dem Leiden entstehen könne, aufgeben. Diese Wandlung beschleunigte seinen Aufstieg von der Armut zum Wohlstand.

1906 zeigt sich in seinen Bildern eine Nostalgie für eine idealisierte Welt. Von der Geburt des Kubismus konnte damals noch nicht die Rede sein, obwohl Picasso bereits in dieser Richtung arbeitete.

In seinem realen Leben war Fernande immer noch Mittelpunkt und begleitete ihn auf all seinen Reisen und Besuchen bei Freunden. Trotzdem machte es ihm Mühe, mit seinem inneren Widerspruch umzugehen, und er zog sich immer häufiger in seine selbstgeschaffene Welt zurück, zu der nur wenige Auserwählte Zugang hatten (Beziehungsachse 5/11, Skorpion/Stier). Seine Wertschätzung den Menschen gegenüber schien davon abzuhängen, ob und wie sehr er sie gerade brauchte. Picassos Wunsch, alles zu beherrschen, war ein unvermeidliches Nebenprodukt seines wachsenden Geltungsbedürfnisses in seinen Beziehungen.

Dahinter stand der Drang, vor jeder Beziehung zu flüchten, wenn sie ihm zu eng wurde.

1911 bereicherte Picasso seine Arbeit um eine neue Zeichensprache, den analytischen, etwas später den synthetischen Kubismus. Es war ein weiterer Schritt in Picassos Entwicklung, weg von der Kunst der Nachahmung, hin zu einer Kunst des Wesentlichen.

Zu dieser Zeit verliebte sich Picasso in Marcelle, die er Eva nannte, eine Frau, die völlig anders war als Fernande. Sie wollte beschützt sein, und wenn es Picasso um etwas Wertvolles zu beschützen ging, zog er sich von der Umwelt zurück, wollte niemand davon wissen lassen. Weit weg von Fernande und der Vergangenheit mietete er eine kleine Villa in der Nähe von Avignon. Eva mag eine wichtige Rolle in Picassos Leben gespielt haben, in seinen Bildern finden sich nur versteckte Hinweise.

Im Mai 1913 starb sein Vater, der ihn Zeit seines Lebens unterstützt hatte. Gleichzeitig fanden in München, Berlin, Köln, Prag und New York Ausstellungen statt. Picassos «Gauklerfamilie» wurde für die damals spektakuläre Summe von 11'500 Francs verkauft. Sein Leben auf materieller Ebene war gesichert, doch brach 1914 der Erste Weltkrieg aus. Im Herbst wurde Eva in eine Klinik gebracht und starb im Dezember an Tuberkulose. Wieder einmal musste er im Talpunktjahr etwas hinter sich lassen. Er war allein mit seinen Erinnerungen an Eva, und wie beim Tod seiner kleinen Schwester erschien ihm der Tod letztlich als Sieger.

1917 lernte Picasso Olga Koklova, eine mittelmässige, russische Ballerina kennen. Gerade ihre Mittel-mässigkeit machte sie für ihn zu etwas Ausser gewöhnlichem. Er hatte bisher alle Extreme, was Frauen betraf, kennengelernt. Er überschüttete sie mit überschwenglichen Gunstbezeugungen, doch ihre Erwiderung war wohldosiert und berechnend. Sie strebte nach sozialem Status, den sie als Picassos Frau erreichen konnte. Picasso selber hoffte, mit dieser Frau endlich Ruhe zu finden, nicht mehr kämpfen zu müssen. Auch erhoffte er sich durch Olgas Zugehörigkeit zum russischen Adel den Zugang zur feinen Gesellschaft, zur Welt des Reichtums. Früher hatte er sich immer gewünscht, die Schranken und Konventionen seiner Herkunft abzustreifen und das Leben eines Zigeuners zu führen. Jetzt strebte er nach einem Leben in Luxus, über das er sich bisher stets lustig gemacht hatte. Der grosse Revolutionär verheiratete sich mit der Aristokratie. Am 12. Juli 1918 fand die Hochzeit statt. Bald danach stand das Ehepaar auf den Gästelisten aller mondänen Parties. Picassos Ausstrahlung erstaunte die Welt in der er sich bewegte, nicht weniger als seine Malerei. Seine Frau genoss in Begleitung ihres berühmten Mannes die Beachtung und Bewunderung, nach der sie sich gesehnt hatte. Am 4. Februar 1921 war die Geburt des Sohnes Paulo, in der Zeit, als Picasso selber als Inbegriff des künstlerischen Erfolgs galt.

Mit 42 Jahren schien Picasso alles erreicht zu haben, was das Leben zu bieten hatte. Doch er spürte, dass seine Welt Risse hatte. Die Ehe mit Olga war ein Misserfolg, und Picasso zog sich immer mehr in seine eigene Welt zurück, was seine Frau dazu veranlasste, ihn noch mehr zu beherrschen.

1927 lernte er die siebzehnjährige Marie-Therese kennen. Viele Jahre später schrieb er ihr in einem Brief, dass am 13. Juli (TP 8. Haus) sein Leben durch sie neu begonnen hätte. Es war der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe, und der Umstand, dass diese Beziehung geheim gehalten werden musste, verlieh ihr einen zusätzlichen Reiz.

Doch die innere Spannung zwischen den Gegensätzen seines Lebens wurde ihm immer bewusster. Er war mit Olga verheiratet und liebte Marie-Therese, er verachtete die feine Gesellschaft und gehörte doch zu ihr. Mit Olga passte er sich den gesellschaftlichen Normen an, mit Marie-Therese setzte er sich über das Gesetz, die Moral und alle gesellschaftlichen Konventionen hinweg.

Kurz nach Eintritt in das Fischezeichen vollendete er das bekannte Bild «Kreuzigung». Picassos Wahl der christlichen Symbolik war nicht willkürlich. Er hatte die Religion aus seinem Leben verbannen wollen, doch holte sie ihn immer wieder ein.

Im Juni 1932 sollte in einer Galerie eine Retrospektive seiner Arbeit gezeigt werden. Aus aller Welt wurden über 230 seiner Arbeiten zusammengetragen, was eine Flut von Artikeln hervorrief, die keineswegs alle positiv waren. Der Kunstkritiker Waldemar George schrieb in einem scharfen Urteil über Picasso, dass seine Kunst ein sinnloses Spiel eines krankhaften Kindes sei, das seine Opposition ständig zur Schau stellen müsse – C. G. Jung nannte Picasso schizophren, der in seinen Bildern immer wieder abtauche in die Hölle, ins Unbewusste, und damit die Absage an die Welt der Realität aufzeige.

1933 kam Hitler an die Macht (Opposition Uranus), es herrschte wie im Jahre 1897 (Übergang Uranus) Chaos. Im gleichen Jahr erschien das Buch von Fernande Olivier «Neun Jahre mit Picasso». Picasso war wütend, dass es jemand gewagt hatte, seine Privatsphäre in dieser Art und Weise zu verletzen.

1935 trennte er sich von seiner Frau Olga; Marie-Therese brachte am 5. September eine Tochter zur Welt. Fast zur gleichen Zeit begegnete Picasso der Frau, die die Mutter des neugeborenen Kindes ersetzen sollte, DoraMaar.

1936 feierte die Welt die Kunst Picassos, ausgerechnet in der Zeit, als er nicht mehr malen konnte. Es war die Tragödie eines berühmten Mannes, der die Lust aufs Leben verloren hatte und sich in einer selbstzerstörerischen Krise befand. Doch anfangs April 1936, beim Eintritt ins Widderzeichen, nahm er wieder die Pinsel zur Hand und beteiligte sich in Begleitung seiner Geliebten Dora Maar am öffentlichen Leben. Er war wieder in Hochstimmung, er hatte eine neue Frau und Freunde, die ihn bewunderten. Marie-Therese drängte er an den Rand seines Lebens.

1937 erteilte ihm die spanische Regierung den Auftrag für das Gemälde «Guemica» für die Weltausstellung in Paris. Wie stets hatte er eine Abneigung gegen die Verpflichtungen, die ein solcher Auftrag mit sich brachte. Erst im April mobilisierte er seine schöpferischen Kräfte und stellte innerhalb eines Monats ein grossformatiges Gemälde fertig. Gleichzeitig beendete er die Radierung der «Suite Vollard», eine Folge von 100 Blättern, an denen er jahrelang gearbeitet hatte. Den Erlös der Graphiken spendete er einem Hilfsfonds für spanische Kinder.

Vom Beginn der deutschen Besatzung 1940 bis zur Befreiung von Paris im August 1944 wohnte Picasso in der Rue des Grand-Augustins ohne Unterbrechung und ohne eine Reise zu unternehmen. Sein Freundeskreis engte sich in diesen Jahren ein, viele Nahestehende starben. 1943 entstand der Stierkopf, eine figürliche Skulptur, aus Sitz und Lenkstange eines Fahrrades gefertigt.

Im Oktober 1944 (Übergang Pluto) wurde Picasso durch den Eintritt in die kommunistische Partei plötzlich zu einer politischen Figur im öffentlichen Leben Frankreichs. Der bekanntgegebene Beitritt löste zahlreiche Angriffe aus, und er sah sich genötigt, eine Rechtfertigung zu veröffentlichen: "Mein Beitritt ist die logische Folge meines ganzen Lebens, meines ganzen Werkes. Denn ich habe die Malerei nie als eine Kunst der puren Unterhaltung und Zerstreuung betrachtet. Ich wollte mittels der Zeichnung und der Farbe, da sie nun einmal meine Waffen sind, immer tiefer in die Kenntnis der Welt und der Menschen eindringen, damit diese Kenntnis uns alle mit jedem Tag freier mache ... /a, ich bin mir bewusst, dass ich mit meiner Malerei wie ein wahrer Revolutionär gekämpft habe. . . Nein, Malerei ist nicht dazu da, die Appartements zu schmücken. Sie ist eine Waffe zu Angriff und Verteidigung gegen den Feind.» Hätte Picasso seine innere Struktur besser beschreiben können? Seine Worte zeigen ganz offensichtlich seinen eigenen inneren Kampf, zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten, zwischen Freiheit und Unterdrückung, den er sein Leben lang gekämpft hatte (Eintritt Zwillinge). – Für ihn begann wieder ein neuer Lebensabschnitt durch ein immer weiter ausgreifendes Aneignen der äusseren Welt, zahlreiche Reisen sowie das Experimentieren mit neuen künstlerischen Techniken und Materialien, durch Vervielfältigungstechniken, durch die seine Kunst eine internationale Verbreitung fand, die sie zuvor nie gehabt hatte.

1946 bis 1953 war die Malerin Francoise Gilot seine Lebensgefährtin. Sie bekam zwei Kinder, 1947 den Sohn Claude, 1949 die Tochter Paloma. 1953 verliess Francoise Picasso. Sein Kommentar ist in seinen Bildern des Winters 1953/54 als Symbole einer bedrohlich empfundenen Weiblichkeit enthalten.

1953 am Aszendenten angelangt (AP Mars), stellte er ein grossformatiges Gemälde fertig, das bewaffnete Männer zeigt, die im Begriff sind, eine Gruppe von Frauen und Kindern zu ermorden. –

Picasso kämpfte weiter und wurde 91 Jahre alt. Er starb am 8. April 1972 (7. April Eintritt Waage). Kein anderer Künstler dieses Jahrhunderts war so umstritten und keiner so berühmt geworden. Er wollte nicht durchschaut werden, datierte jedoch all seine Werke: "Weil es nicht genügt, die Arbeiten eines Künstlers zu kennen, man muss auch wissen, wann, warum, wie und unter welchen Bedingungen er sie schuf!" – Er wurde weltberühmt und hat sich persönlich unverstanden gefühlt, hat die Höhen und Tiefen des Menschseins in intensivster Weise durchlebt. Er hat sich Zeit seines Lebens die Frage gestellt, ob Menschen fähig sind, ohne Leiden zu lernen, mit Freude das Leben zu geniessen.

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Literatur:

Stassinopoulos, Arianna: Genie und Gewalt – Ein Leben Verlag Droemer Knaur

Wiegand, Wilfried: Picasso Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH