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Titel Ausgabe 47



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Zurück Ausgabe 47 vom 21.12.1988 • Seite 2ohne Login!

• Astrologie & Religion

Astrologische Weihnachts-Symbolik

Dr. Beat Imhof

Jede biblische Erzählung kann auf drei verschiedenen Ebenen verstanden und erklärt werden: auf der historischen Ebene, wo das berichtete Ereignis als geschichtliche Tatsache geglaubt wird; auf der theologischen Ebene, wo es um die Vermittlung einer religiösen Heilsbotschaft geht, und schliesslich auf der esoterischen Ebene, die mit ihrer Symbolik auf innerseelische Vorgänge hinweist. Die Heiligen Schriften aller Völker sind reich an mythologischen und archetypischen Bildern, und wer deren Aussagen wörtlich-real begreifen will, der ist nicht auf dem Heilsweg, sondern auf dem Holzweg. So ist es auch mit der Weihnachtsgeschichte, wie sie uns in den Evangelien des Lukas (2,1–20) und des Matthäus(2,1–12) erzählt wird.

Datum der Christgeburt

Erste Zeugnisse aus dem 2. und 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung lassen darauf schliessen, dass an verschiedenen Orten des christlichen Abendlandes recht unterschiedliche Daten für den Tag der Geburt Jesu Christi angenommen wurden. Aus den Evangelien ergeben sich hierfür keine eindeutigen Anhaltspunkte. Es ist recht wahrscheinlich, dass Jesus nicht zur Winterszeit in Bethlehem geboren wurde, denn es war damals nicht üblich, die Schafherden in jener Gegend anfangs des Winters während der Nacht noch auf den Feldern zu hüten.

In den ersten christlichen Jahrhunderten wurden verschiedene Kalenderdaten für die Christgeburt vorgeschlagen. Klemens von Alexan-drien nahm hierfür den 20. Mai an. Vielerorts wurde der 21. März als der Beginn des neuen Sonnenjahres auch als Anfang der neuen Zeitrechnung gewählt. Andere feierten den Geburtstag Christi am 25. März mit der Begründung, der erste biblische Schöpfungstag müsse bei Frühlingsbeginn am 21. März stattgefunden haben, und dementsprechend sei die Sonne, das Christus-Symbol, gemäss biblischer Aussage vier Tage später, also am 25. März erschaffen worden. Der armenische Schriftsteller Ananias von Shirah vertrat die Ansicht, Christus sei an einem Sonntag geboren worden, weil dieser Wochentag der Sonne und damit dem christlichen Sonnen-Gott genau so entspreche wie dem Amun Re der Ägypter, dem Helios der Griechen und dem Apollo der Römer. Eine lateinische Inschrift aus dem Jahre 243 bezeichnet den 28. März als den Tag der Geburt Jesu. Andere Chronisten nennen hierfür den 24. oder 25. Tag des ägyptischen Monats Parmuthi, also den 19. oder 20. April nach unserer Zeitrechnung. In einem frühen Text heisst es, Christus sei im 28. Regierungsjahr des Kaisers Augustus am 25. Tag des ägyptischen Monats Pachum zur Welt gekommen, was dem 20. Mai entspricht. Der 24. Dezember wird uns um die Mitte des 4. Jahrhunderts erstmals als Geburtsfest des Herrn bezeugt. Diese Verlagerung des Weihnachtsgeschehens vom Frühjahr an den Winteranfang hat tiefe symbolische Bedeutung und steht im Zusammenhang mit dem heidnischen Sonnen-wende-Fest.

Die unbesiegbare Sonne

Mit der Wahl des 25. Dezember wurde das Sonnenwendefest heidnischer Kultur-Völker in das christliche Weihnachtsfest umgewertet, wobei die archetypischen Symbole des Sonnenmythos der Form nach beibehalten, jedoch mit neuem Sinngehalt bedacht wurden. Nach einer religiösen Überzeugung der alten Perser wurde ihr Gott Mithras, der Herr und Lichtgott, am 25. Dezember von einer Jungfrau in einer Felsenhöhle geboren. Hirten waren es, die dem Neugeborenen ihre Geschenke darbrachten. Die alten Germanen feierten schon in grauer Vorzeit das Jul-Fest zu Ehren der wieder erstarkenden Sonne zu Beginn der Winterszeit. Ihre Gebräuche und magischen Riten um das Julsingen, das Julfeuer und das Julbrot sind uns im Sternsingen, im Lichterbaum und im Weihnachtskuchen bis heute erhalten geblieben. Bei den Griechen war es Pan, der Gott der Hirten und Herden, der alljährlich am Tag der Sonnenwende neu geboren wurde. An diesem Tag feierten die Römer das Fest der unbesiegbaren Sonne, des Sol invictus. Zur Zeit der römischen Soldatenkaiser galt die Sonne als der oberste Staatsgott des Römerreiches. Noch Konstantin der Grosse (280–337) liess bis zum Jahre 321 Münzen mit dem Bild des Sonnengottes prägen. Nachdem das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde, trat Christus als Licht- und Heilsbringer an die Stelle der Sonne, er wurde zur verheissenen "Sonne der Gerechtigkeit" (Mal 3,20).

Die Dunkelheit der längsten Nacht des Jahres als Symbol für die geistige Finsternis der erlösungsbedürftigen Menschheit wird durch die Sonne, Sinnbild göttlicher Kraft und Liebe, am 21. Dezember überwunden. Die Neugeburt des lichtvollen Gestirns wird den Menschen allerdings erst drei Tage danach, also am 25. Dezember offenbar, genau so wie der junge Mond, das wiedergeborene Kind der himmlischen Mondgöttin, auch erst drei Tage nach der Konjunktion und Vermählung mit der Sonne am Abendhimmel als zarte Sichel sichtbar wird.

Die Kirchenväter Tertullian und Hie-ronymus stellten übereinstimmend fest, dass am 7. Tag vor den Kaienden des Januar, also am 25. Dezember, die Inkarnation eines Strahls der göttlichen Sonne in menschlicher Gestalt erschienen sei. Unter der Regierungszeit des Papstes Anastasius (399 – 401) wurde dann der 25. Dezember nach der Zustimmung der Patriarchen von Jerusalem, Alexandrien und Antiochien endgültig zum Weihnachtstag erkoren, womit der 6. Januar die bis dahin bevorzugte Stellung als Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) verlor und zum Tag der Heiligen Drei Könige umbenannt wurde. Die armenisch-gregorianische Kirche allerdings feiert noch heute die Geburt Christi am 6. Januar.

Aus der Jungfrau geboren

Die bis zum heutigen Tag umstrittene biblische Aussage von der Jungfrauengeburt lässt sich mythologisch und astrologisch einleuchtend erklären. Jungfräuliche Geburt heisst symbolisch aus der Vereinigung von Himmel und Erde, von Göttlichem und Menschlichem, von Diesseitigem und Jenseitigem hervorgegangen. Bekannt ist in diesem Zusammenhang der Bericht, dass Göttersöhne mit den Evastöchtern das Geschlecht der Riesen zeugten. Dieser Mythos war im Altertum weit verbreitet, und so herrschte der Glaube, dass Helden und Göttersöhne stets Erstgeburten waren, gezeugt von einem Himmelsgott mit einer jungen Erdenmutter, Sinnbild der jungfräulichen Erde.

In zahlreichen Mythen wird uns überliefert, dass der verheissene Sonnengott und Erlöser von einer Jungfrau geboren wurde. Im alten Ägypten wurde zur Zeit der Sonnenwende eine Prozession abgehalten, die im Tempel der Göttin Isis endete. Dort trugen Priester ehrfurchtsvoll das Bild des göttlichen /forus-Knaben in der Gestalt eines neugeborenen Kindes herbei. Den anwesenden Gläubigen wurde alsdann verkündet, es sei von der jungfräulichen Mutter ein Kind geboren worden, welches die Welt erretten werde. Beim altsyrischen Astarte-Kult versammelte sich das fromme Volk im Heiligtum der Göttin und erwartete andächtig das Herannahen der Mitternacht. War die Stunde gekommen, eröffnete der Priester, dass die heilige Jungfrau dem göttlichen Kinde Tamuz das Leben geschenkt hat, worauf das betende Volk in den Ruf ausbrach: "Sehet, die Jungfrau Astarte hat geboren, das Licht ist uns erschienen." Andere Gottessöhne, die der Legende nach ebenfalls von einer Jungfrau zur Welt gebracht wurden, waren Adonis, Dionysos und Hermes. Auch Buddha kann hier eingereiht werden.

Sogar die Namen der jungfräulichen Gottesgebärerinnen sind sich erstaunlich ähnlich. So hiess die Mutter des Mithras Mir, die des Hermes Maia, die des Adonis hiess Myrrha, die Mutter des Buddha war Maya, und die Mutter Jesu hiess Maria. Den Anfangsbuchstaben «M» dieser Namen finden wir nicht nur im astrologischen Symbol des Tierkreiszeichens Jungfrau, sondern ebenso in den weiblichen Wörtern Mater (Mutter), Märe (Meer) und Materia Prima (Urstoff der Schöpfung). Maria, die Mutter Jesu, wird denn auch gerne als «Mutter der Lebendigen» und als «Stern des Meeres» verehrt. Die römische Göttin Maia wurde als Blumen- und Fruchtbarkeitsgöttin gefeiert. Ihr war die Blütezeit des Frühjahres geweiht. Daher stammt der Name des Wonnemonats Mai. Dass die Mutter Jesu mit dieser Frühlingsgöttin symbolisch gleichgestellt wurde, erkennen wir aus ihrem Ehrentitel «Maienkönigin».

Nehmen wir eine astrologische Aszendenten-Tabelle zur Hand, stellen wir fest, dass in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember in der Zeit von 23.30 bis 00.30 Uhr, also zur angenommenen 'Zeit der Geburt Christi, am Osthorizont das Tierkreiszeichen Jungfrau aufgeht. Das neugeborene Sonnen- und Christuskind wird also alljährlich aus der Jungfrau geboren. Astrologisch gesehen hatte das Christkind einen Jungfrau-Aszendenten, was sehr gut mit der psychologischen Bedeutung dieser Horoskop-Position im Hinblick auf den irdischen Auftrag des Erlösers übereinstimmt, nämlich: Dienen, Hingabe, Harmoniestreben, Opfermut. Schon der mittelalterliche Gelehrte Albertus Magnus (1200-1280) schrieb in bezug auf das Geburtshoroskop Christi: "Wir wissen, dass unser Herr Jesus Christus bei Aufgang der himmlischen Jungfrau geboren wurde und dass alle göttlichen Geheimnisse seiner Menschwerdung von seiner Geburt bis zu seiner Himmelfahrt durch Konstellationen gekennzeichnet in den Sternen, die ihn weissagten, vorgebildet waren." Erstaunlicherweise zeigt auch das Todes-Horoskop Christi, eini-germassen sicher berechenbar für den 7. April des Jahres 30 zwischen 15 und 16 Uhr, einen Jungfrau-Aszendenten (1).

Stern von Bethlehem

Nach der biblischen Weihnachtserzählung kamen Astrologen, die von den Römern damals Chaldei und Babylonii genannt wurden, aus dem Osten und folgten einem Stern, den sie für das Licht des neugeborenen Gotteskindes hielten (Math. 2,1-12). Seit altersher gilt der Stern als Heils- und Glückszeichen. Er ist Symbol des höheren Wissens, der Weisheit und der Hoffnung. Er verkündet die Anwesenheit eines Gottes oder eines Wesens himmlischer Herkunft. Deshalb tragen die Himmelsköniginnen Isis, Aphrodite und Maria eine Ster-nenkrone. In Indien ist der vier-strahlige Stern das Zeichen für Samas, den Gott der Sonne und der Liebe. Der fünfzackige Stern (Pentagramm) ist Symbol des Menschen und der Menschlichkeit, während der sechseckige Stern (Hexagramm) als Davidsstern und Salo-monsiegel die Vereinigung der Gegensätze darstellt und bis zum heutigen Tag ein Schutz- und Abwehrsymbol geblieben ist. Zur Zeit tragen 59 Staaten in ihrer Flagge einen oder mehrere Sterne. Mit Ausnahme von vier Ländern wählten alle den Fünfstern zu ihrem Glücksstern.

Über die wahre Natur des Sterns von Bethlehem wurde im Verlauf der Jahrhunderte viel gerätselt und viel gedeutet. Nach dem modernen Theologen Eugen Drewermann ist der Weihnachtsstern nicht ein Gegenstand im Raum, sondern eine "Vision des Herzens" (2), ähnlich wie Drews die Drei Könige mit den Gürtelsternen des Orion in Verbindung bringt, die am Abendhimmel zur Zeit der Wintersonnenwende dem Sternbild der Jungfrau im Osten gegenüberstehen (3).

Im Volksglauben ist der Stern von Bethlehem ein Komet. Im Altertum galt dieser Himmelsvagabund als Künder ausserordentlicher Ereignisse. Die Kometentheorie scheint der Kirchenlehrer Origenes (185 – 254) begründet zu haben, der schrieb: "Wir sind der Meinung, dass der im Osten gesehene Stern ein neuer war und keinem der gewöhnlichen glich, dass er vielmehr jener Art von Sternen angehörte, die von Zeit zu Zeit erscheinen oder Schweifsterne heissen." Im Mittelalter hat der italienische Maler Ciotto (1266–1337) in seinem berühmten Gemälde «Anbetung durch die Heiligen Drei Könige» den Stern von Bethlehem als Halley'schen Kometen wiedergegeben.

Wohl die bekannteste Erklärungsweise für den Weihnachtsstern stammt vom Astronomen Johannes Kepler (1571-1630). Er ging aus vom Evangelienbericht, dass Jesus von Nazareth noch zu Lebzeiten des Königs Herodes I geboren wurde. Dieser Herrscher starb nachweislich am 13. März des Jahres 4 unserer Zeitrechnung. Für die Jahre davor berechnete Kepler eine dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Zeichen der Fische, die im Jahre 7 v. Chr. stattgefunden hat. Entsprechende astronomische Aufzeichnungen finden sich in alten, ausgegrabenen babylonischen Keilschrifttexten (4). Die damalige Konstellation am Sternen-himmel kann heute leicht in einem Planetarium nachgestellt werden, wie es zur Weihnachtszeit alljährlich im Verkehrshaus in Luzern geschieht (5).

Beachtenswert ist, dass Jupiter dem babylonischen Staatsgott Marduk entspricht, während der Saturn als «Stern Israels» gilt. Deshalb ist der Samstag als Saturntag (englisch Saturday) auch heute dem Judenvolk ein geheiligter Feiertag.

Eine weitere Erklärungsmöglichkeit für den Stern von Bethlehem bietet uns die Nova-Theorie an. Diese hat bereits Kepler erwogen, und sie ist von britischen Astronomen der Universität London neuerdings wieder aufgegriffen worden. Nach Berechnungen dieser Wissenschaftler, die durch astronomische Aufzeichnungen aus dem alten China und aus Korea angeregt wurden, erschien im Jahre 5 v. Chr. ein neuer Stern, eine Supernova, mit einer maximalen Helligkeitsdauer von 90 Tagen. Aus dieser Sicht könnte der Weihnachtsstern tatsächlich eine einmalige Himmelserscheinung gewesen sein, der die drei mesopotamischen Astrologen auf ihrer Wanderung nach Westen folgten.

So begegnen uns alljährlich um das Weihnachtsfest uralte Symbole und Bilder, die uns immer wieder auf vergessene Wahrheiten und Weisheiten hinlenken wollen, um das Weihnachtswunder in uns lebendig zu erhalten. Wer sich der tieferen Bedeutung dieser Sinnbilder bewusst wird, ahnt etwas vom Geheimnis jener geistigen Neugeburt, die in den antiken Einweihungsmysterien jedes Jahr zur Zeit der winterlichen Sonnenwende von Wissenden und Eingeweihten gefeiert wurde.

Literatur

(1) Voss, Gerhard: Astrologie – christlich, Regensburg 1980, S. 148

(2) Drewermann, Eugen: Tiefenpsychologie und Exegese, Ölten 1984, S. 503

(3) Drews, A.: Die Christusmythe, Jena, 4. Aufl. 1910,8.57

(4) Ferrari, Konradin: Der Stern der Weisen, Geschichte oder Legende? Wien, 2. Aufl. 1977

(5) Gerhardt, Oswald: Der Stern des Messias. Das Geburts- und Todeshoroskop Jesu Christi nach astronomischer Berechnung, Leipzig 1922, S. 74