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Titel Ausgabe 47



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Zurück Ausgabe 47 vom 21.12.1988 • Seite 24ohne Login!

• Grundwissen

Die dreidimensionale Häuserlehre, Teil 2

Louise Huber

Der 2. Quadrant, die Häuser 4 und 5

In diesem Heft wollen wir mit der Serie über die dreidimensionale Deutung der Häuser weiterfahren. Dabei unterscheiden wir die Häuser in ihrer Wirksamkeit auf den drei Ebenen unseres Daseins, der physisch-materiellen, der psychisch-seelischen und der mental-denkerischen Ebene. Eine weitere Analogie zu diesen drei Ebenen unseres Erlebens stellen die drei Hauptplaneten dar. Wir können auch sagen, auf der ersten materiellen Stufe herrscht Saturn, auf der zweiten psychischen der Mond und auf der dritten denkerischen herrscht die Sonne. Heute kommen wir zum 2. Quadranten, der vom IC bis zum DC reicht und die Häuser 4, 5 und 6 umfasst.

Den zweiten Quadranten nennen wir "Instinkt-Quadrant". Die Häuser nach dem IC befinden sich auf der Du-Seite des Horoskopes, weshalb sie auf das DU bezogen sind, hier spielen sich alle instinkthaften Beziehungen ab, wobei unbewusste Aktions- und Reaktions-Muster unser Kontaktverhalten bestimmen. In diesen Häusern sind wir mit der Umwelt verbunden, verwoben, abhängig, integriert.

Das 4. Hans

Hier finden wir den Wurzelboden, das Elternhaus, die Familien- und Kollektiv-Zugehörigkeit. Aus den Stellungen im vierten Haus leiten wir unseren Ursprung, unsere Herkunft ab, wodurch Individualität und Charakter zu einem bestimmten Grade vorgeformt sind. Deshalb spricht man hier von der Tradition, dem Milieu, in dem wir aufgewachsen sind, von ererbten Charaktereigenschaften, von Basiskräften und innerem Halt, von konservativen Einstellungen.

Die 3 Ebenen

1. Elternhaus, konservative Einstellung, Abhängigkeit

2. Eigenes Heim, Zugehörigkeit, Anpassung

3. Mütterliche Funktionen, bewirtschaften, haushalten.

Auf der materiellen Ebene herrscht Saturn, weshalb man sich im vierten Haus mit allem, was die Tradition im engeren oder weiteren Rahmen bietet, absichert. Man ist abhängig vom Urteil der Eltern oder des Kollektivs, man hat keine eigene Meinung, passt sich der Mehrheit an und nimmt seine Pflichten der Familie, der Gemeinde gegenüber sehr ernst. Man kommt gar nicht auf die Idee, dass man etwas anders machen könnte, als wie es die Eltern schon seit Hunderten von Jahren gemacht haben. Man ehrt das Andenken der Ahnen, treibt einen Kult mit der Vergangenheit, der Ahnenforschung, der Herkunft. Alles Neue wird als Bedrohung, ja Schändung des Herkömmlichen, der heiligen Tradition angesehen. Gegen alles Fremde ist man misstrauisch und ablehnend. Man ver-schliesst sich hinter den eigenen Mauern, grenzt sich ab, will niemanden in die eigene Familie hereinlassen, der nicht dazugehört. Fremde werden als Eindringlinge betrachtet und kalt und unbarmherzig abgewiesen. Es ist auch ein starkes Streben nach materieller Sicherheit durch Grund und Boden vorhanden, man hängt an Haus und Hof und bleibt sein ganzes Leben lang am gleichen Ort sitzen. Man nimmt häusliche Pflichten sehr ernst, ist gewissenhaft und arbeitsam, nimmt Opfer und Lasten auf sich, damit das Alte erhalten bleibt.

Auf der psychischen Ebene hat das vierte Haus eine starke Abhängigkeitswirkung auf das Gefühlsleben. Man braucht immer jemanden, den man liebt, zu dem man gehört, den man in Obhut nehmen kann. Die Familie, das Kollektiv, von dem man sich als integraler Teil fühlt, stehen an erster Stelle. Man tut alles für die eigene Familie und gibt die eigene Entwicklung zugunsten der Lieben auf. Viele wollen nicht heraus aus dem Nest, sie möchten in der Geborgenheit, in der wärmenden Ruhe verweilen. Auf irgendeinem Gebiet bleibt man unmündig, ge-fühlsmässig gebunden und abhängig. Andere Menschen beherrschen einen mit Schuldgefühlen oder Liebesentzug, man tut alles, was sie wollen, weil man Angst hat, ausgestossen zu werden. Manche bleiben in Gefühlsdingen unreif, kindlich angepasst und weigern sich erwachsen zu werden. Sie leben fremdbestimmt, verstecken sich in schwierigen Situationen hinter dem Rockzipfel der Mutter, berufen sich auf die Gesetze des Kollektivs. In ausweglosen Situationen hoffen sie auf Hilfe von den Eltern, auf irgendeine Rettung von einer übergeordneten Macht oder Instanz und versagen selbst. In dieser Unmüdigkeit bleibt man unfähig, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und gibt die Schuld am eigenen Versagen den Eltern, den Umständen, der ganzen Welt.

Auf der mentalen Ebene wird das vierte Haus zum Auftrag, zum Ort der Selbstverwirklichung. Es ist ein starkes Bedürfnis vorhanden, sich einen eigenen Lebensraum zu schaffen, in dem man unbehelligt ist, wo man sich wohl fühlt, selbständig und autonom sein kann, wo man geehrt und geachtet wird. Man will ein eigenes Heim oder Haus haben, wo man sein eigener Herr ist. Sein Haus, seine Wohnung will man sich so einrichten, wie man es selbst gerne hat, das eigenen schöpferischen Vorstellungen entspricht und Geborgenheit und Sicherheit gibt. Hat man Familie, dann will man, dass es allen gut geht, man sorgt mütterlich oder väterlich für die Seinen, gibt jedem das, was er braucht, bewirtschaftet und haushaltet für alle bestens. Man sorgt dafür, dass in der Familie alles in Ordnung ist, weil man die Kraft zum Handeln und Wirken aus einem harmonischen gemeinschaftlichen Leben empfängt. Man setzt viel Energie ein, sich in der Gemeinschaft einen Platz zu sichern und übernimmt auch Aufgaben, die die grössere Gemeinschaft angehen. Im vierten Haus ist auch ein Zugang zur eigenen inneren Verwurzelung im Sein. Um für grössere Aufgaben bereit zu sein, muss man sich einen starken inneren Halt schaffen. Durch das Verankertsein im eigenen Urgrund strahlt man Sicherheit aus und kann anderen ein Vorbild sein. Immer wieder muss man sich ins eigene Innere zurückziehen, um äussere Eindrücke zu verarbeiten und neue Kraft für neue Taten zu schöpfen.

Das 5. Haus

Das fünfte Haus ist einem kosmischen Spielplatz ähnlich. Hier kann man sich erproben und seine eigenen Fähigkeiten ausprobieren. Man will alles selbst erleben, eigene Erfahrungen sammeln und setzt dabei oft alles aufs Spiel. Deshalb wird es auch das Haus der Risikofreudigkeit, der schöpferischen Kräfte, der Künste, Spiele, der Liebe und Erotik, der Kinder genannt.

Die 3 Ebenen

1. Besitzansprüche in der Liebe, Eifersucht, Grenzsetzung

2. Liebesverhältnisse, Erotik, Abenteuer, Risiko und Spiele

3. Experimente, schöpferische Gestaltung,

eigene Unternehmungen

Auf der materiellen Ebene wird man nach Sicherheit streben, man hält alles fest, was einem dieses Haus bietet und ist eifersüchtig auf alle, die einem den Rang ablaufen und den Lebensgenuss streitig machen könnten. Man ist ein schlechter Verlierer, weshalb man lieber wenig wagt, um wenigstens etwas zu gewinnen und nichts zu verlieren. Man gibt sich mit Geringem zufrieden, weil das Wagnis fehlt, der kühne Unternehmungsgeist, der schöpferische Impuls. Die Risikofreudigkeit dieses Hauses ist herabgemindert, man grenzt sich ab, vermeidet das Erproben, weshalb die Grenzen frühzeitig abgesteckt werden. Es werden Regeln geschaffen, die das intime Kontakt-Leben kontrollieren oder regulieren, damit nichts Unvorhergesehenes passiert. In diesem Haus, in dem Liebe und Erotik erfahren werden, wird man auf dieser Ebene sich besonders im engen Kontakt festlegen und Besitzansprüche stellen. Liebe, die im spontanen Erleben am schönsten erfahren wird, wird im ängstlichen symbiotischen Anspruch erstickt, sie kann sich nicht weiterentwickeln, weil sie eingekerkert wird. Hoffnungen und Enttäuschungen werden sich abwechseln, bis man zur nächsten Stufe erwacht und lernt, dass Liebe nur im spontanen Nehmen und Geben ihre höchste Kraft entfaltet. Im besten Fall wird man auf dieser Stufe seine eigenen Grenzen finden und fähig sein, aufgrund dieser Grenzerfahrungen "Ja" zu sich und zu den Umständen zu sagen und damit zufrieden zu sein, was man hat und was man wirklich kann. Auf diesem sicheren Raum kann auch Freude erlebt werden, weil in der Wiederholung und Routine Sicherheit erfahren wird.

Auf der emotionalen Ebene wird das fünfte Haus starke Gefühle der Zu- und Abneigung hervorrufen. Da es mit der Liebe, dem engen Kontakt, der Sexualität zusammenhängt, kann eine nicht erfüllte Liebe sich stark im Unbewussten festsetzen und das Selbswertgefühl belasten. Solche Menschen fühlen sich immer zurückgesetzt, sind rasch beleidigt, wenn man sie übersieht und sinnen im Stillen auf Rache, wenn das Ich-Gefühl verletzt wird. Manche bleiben gefühls-mässig stark an einer Person haften, trauern einer Liebe nach, die nie erfüllt werden kann und werden neurotisch.

Aber im fünften Haus muss man das Wagnis der Liebe auf sich nehmen, um sich selbst zu erfahren. Das zurückgehaltene Ich-Gefühl wird immer wieder durchbrechen und neue Abenteuer suchen, auch wenn es schmerzhafte Erfahrungen sein mögen. Der Glaube an die Liebe, die damit verbundenen Freuden, das gewonnene Glücksgefühl, wollen stets neu erlebt werden, wodurch alle Hindernisse, alle Ängste und Befürchtungen, alle vorherigen Niederlagen und Frustrationen mit einem Schlag durch eine neue Liebe weggeschwemmt werden können. Durch neugewonnene Erlebnisse wird das Selbstgefühl bereichert und wächst über das alltägliche Erleben hinaus. Der Erlebnishunger kann manchmal auch übersteigert sein und ungestillt bleiben, er hinterlässt die Sehnsucht nach neuen Erfahrungen. Vergnügungen, die der Erholung dienen, Sport in diesem Sinne wie auch Glücksspiele geben dem Leben jenen Kick, der das alltägliche Einerlei vergessen lässt. Deshalb wird man im fünften Haus immer wieder ausbrechen, um Lebensfreude durch neue Erlebnisse zu suchen.

Auf der mentalen Ebene wird das autonome Prinzip des fünften Hauses wirksam. Hier wird die Selbsterprobung, die Selbstverwirklichung mit allen Mitteln verfolgt. Die innere Potenz – sowohl sexuelle wie schöpferische – gilt es ins Leben einzubringen. Man will seinen Teil beitragen, mitgestalten und mitbestimmen. Man will etwas zu sagen haben, seinen eigenen Kompetenzbereich aufbauen, wo man sich voll entfalten und herrschen kann. Der eigene Unternehmungsgeist, die Handlungsbereitschaft, der Mut zur individuellen Tat steigern das Selbstwertgefühl. Nur das, was man selbst geschaffen hat, zählt, man ist stolz auf eigene Leistungen, eigene Schöpfungen.

Das selbstgeschaffene Werk wird herumgezeigt, man setzt sich in Szene, um die nötige Anerkennung von der Umwelt zu erringen. Das eigene Ich will in seiner Potenz und Präsenz Eindruck machen und sich gegebenenfalls die Anerkennung selbst verschaffen. Die schöpferische Potenz, die in diesem Haus verborgen liegt, muss durch eigene Experimente, Schwung und Tatkraft zuerst geweckt und ans Tageslicht gebracht werden. Die Erfüllung hängt ab von der höchsten ästhetischen Forderung des künstlerischen Ausdrucks und von dem Wagnis, sich selbst zu stellen, seine Chancen auszuprobieren. Es braucht immer eine innere zentrale Kraft, um den nötigen Mut zusammenzubekommen, der über die Ängste hinausträgt und Barrieren überwindet, damit schöpferische Kräfte freiwerden. Der Ansporn zu aussergewöhnlichen Leistungen kommt aus der Selbstüberzeugung, dass man es schafft, dass man etwas in sich hat, das über die persönlichen Begrenzungen hinausführt, ein inneres Selbst, ein Charisma, das in ausweglosen Situationen die Grenzen sprengt und neue Lebensenergien zum Fliessen bringt.