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Titel Ausgabe 45



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Zurück Ausgabe 45 vom 22.08.1988 • Seite 2ohne Login!

• Astrologie & Natur

Natur, Wissenschaft und Astrologie

Wolfgang Kirsch

Übersicht und einführende Gedanken

Astrologie und Naturwissenschaft im Spannungsfeld

Ist es nicht höchst vermessen und anmassend, Astrologie und Naturwissenschaft, die natürlichen Erbfeinde, in einem Atemzug zu nennen? Sitzt man damit nicht zwischen zwei unbequemen Stühlen? Wie man als Insider so weiss, sehen die Astrologen in den Naturwissenschaftlern meist beschränkte, den Weltuntergang heraufbeschwörende Ignoranten, denen sich die höheren Sphären wohl für immer verschlossen haben. Die reinen Naturwissenschaftler hingegen sehen in den Astrologen abergläubische Spinner, die «Otto Normalverbraucher» verdummen und dabei noch kräftig Geld verdienen. In dieser Angelegenheit haben beide, Astrologe wie Naturwissenschaftler, zunächst mal eines gemeinsam, nämlich die Art und die Intensität ihrer gegenseitigen Wertschätzung.

Eine kleine Geschichte

Wir alle kennen folgende oder eine ähnliche, fast schon alltägliche Geschichte:

Der klassische Astrologe C. Ampanus macht die Entdeckung seines Lebens; findet er doch genialerweise heraus, dass Mars und Saturn mit auffallender Häufigkeit zur Todeszeit eines Menschen in Konjunktion zur Radix-Sonne stehen – welch praktikable Erkenntnis für Leute, die eine Erbschaft anstreben!

Der notorisch kritische, traditionelle Wissenschaftler P. Ingelig, ein fanatischer Gegner der Astrologie, überprüft mit allen statistischen Werkzeugen und sonstigen Raffinessen, die ihm zur Verfügung stehen, diese überragende Entdeckung des Astrologen C. Ampanus hochnotpeinlich und kommt zu dem sowieso schon von ihm vermuteten Ergebnis, dass die Theorie des Astrologen C. Ampanus wissenschaftlich unhaltbar und ansonsten purer Unsinn ist. – Scherbenbruch! Astrologie ein Aberglaube!

Ist der Widerspruch auflösbar?

Die beiden Welt-Anschauungen, Astrologie und Naturwissenschaft, scheinen offensichtlich unvereinbar! Jedoch von einem übergeordneten Standpunkt aus gesehen kann man beide Systeme zueinander in Beziehung setzen und die krassen Widersprüche auflösen.

Um dies zu tun, ist es allerdings notwendig, bei beiden Welt-Anschauungen eine Art Systemanalyse durchzuführen. Dies wird der Gegenstand des nächsten grösseren Kapitels sein, in dem wir uns mit dem naturwissenschaftlichen und astrologischen Erkenntnisgewinn beschäftigen werden. Dabei wird die Subjekt-Objekt-Wechselwirkung-Beziehung oder astrologisch ausgedrückt, die Verknüpfung von kardinalem, fixem und veränderlichem Kreuz im Vordergrund stehen.

Das deterministische Weltbild

Aber kommen wir zurück zu unserer Geschichte: Der Astrologe C. Ampanus wie auch der Wissenschaftler P. Ingelig haben noch eine grundlegende Gemeinsamkeit. Beide sind nämlich sogenannte Deterministen. Sie pflegen ein kausal mechanistisches Denken. In den Hinterköpfen der beiden spukt die Vorstellung, dass das Universum wie ein riesiges Uhrwerk funktioniert. Diese Vorstellung hatte im 18. Jahrhundert der Mathematiker Pierre Simon Laplace auf der Grundlage von Newtons Himmelsmechanik entwickelt. Das Weltbild unseres gestrengen Wissenschaftlers P. Ingelig beruht also, ebenso wie das Weltbild des Astrologen C. Ampanus, auf den Gesetzmässigkeiten der Planeten in unserem Sonnensystem. Bei dieser Sichtweise wird davon ausgegangen, dass bei Kenntnis der Orte und Geschwindigkeiten aller Teilchen im Universum für alle Zeiten die Zukunft voraussagbar ist. Dieses Weltbild wurde auch auf den Menschen übertragen, mit der philosophischen Schlussfolgerung, dass das menschliche Verhalten vollständig vorherbestimmt sei. Ein freier Wille ist demnach nicht existent, und alles ist determiniert.

Eine Tasse zerbricht

Aus diesem Weltbild resultiert ein lineares mechanistisches Denken, mit dem wir unser tägliches Leben sehr gut meistern können. Die alltäglichen Vorgänge wie z.B. Autofahren, Kaffeetrinken, Hausbauen, Flugzeugfliegen beruhen auf den Gesetzen der Mechanik, denen dieses Denken zugrunde liegt.

Das mechanistische Denken ist strikt kausal, deterministisch. Ursache und Wirkung sind unmittelbar miteinander verknüpft und meist auch direkt beobachtbar. Handlungen sind reproduzierbar: jeder weiss, wenn man eine Tasse auf den Boden wirft, zerbricht sie. Dieses Wissen gibt dem Menschen Lebenssicherheit, man kann alles vorherberechnen, man kann sich die Folgen eines Tuns schon im voraus vorstellen.

Je... desto...

Mechanistisches oder auch lineares Denken drückt sich z.B. in "je... desto..." Formulierungen aus. Ein Beispiel: Je kleiner der Fehler ist, den ein Bogenschütze beim Zielen macht, desto näher sitzt der Pfeil am Mittelpunkt des Zieles. Je grös-ser der Zielfehler ist, desto weiter weg befindet sich der Pfeil vom Ziel. Dies ist eine sogenannte lineare Beziehung – keine grosse Besonderheit.

Ein chaotischer Pfeil

Aufsehenerregend wäre es jedoch, wenn der Pfeil beim geringsten Zielfehler nicht mehr zur Zielscheibe, sondern in alle möglichen Himmelsrichtungen fliegen würde. Dies wäre ein nichtlineares, total chaotisches Verhalten, weil es nicht mehr nach dem strengen Kausalprinzip vorhersagbar wäre. Das Verhalten des Pfeils wäre unvorher-bestimmbar, nicht mehr determinierbar, und Bogenschiessen wäre nicht mehr reproduzierbar durchzuführen. Einem traditionellen Wissenschaftler wie Herrn P. Ingelig würden bei so einer Sache die Haare zu Berge stehen.

Die Natur ist chaotisch

Nun haben "leider Gottes" die naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse der letzten zehn Jahre gezeigt, dass sogenannte chaotische Systeme in der Realität der Natur die Regel sind, und dass streng deterministische Systeme eher die Ausnahme darstellen, bzw. dass es sie überhaupt gar nicht gibt. Ein anschauliches Beispiel eines chaotischen Systems ist das Billardspiel. Wenn man Billardspielern zusieht, hat man den Eindruck, dass sie ein hochpräzises Spiel betreiben. Die Kugeln werden so gestossen, dass sie sich auf genau vorausberechneten komplizierten Bahnen wieder treffen. Eigentlich das Gegenteil von Chaos!

Man hat aber nun folgende erstaunliche Tatsache herausgefunden: Allein die Schwerkraft, die ein einziger Zuschauer ausübt – eine fast unmessbare Kraft –, hat schon eine so grosse Wirkung auf die Billardkugeln, dass man den Ausgang des neunten Zusammenstosses der Billardkugeln nicht mehr vorhersagen kann. Dabei ist aber vorauszusetzen, dass die Reibung die Kugeln nicht schon vorher zum Stillstand gebracht hat. Selbst unser hochseriöser Wissenschaftler P. Ingelig ist mit all seinen Methoden nicht mehr in der Lage vorherzusagen, in welche Richtungen die Kugeln auseinanderspritzen. Es ist prinzipiell nicht möglich. Woran liegt das?

Die Gravitationskraft, die der Zuschauer ausübt, bewirkt anfangs

eine total unbedeutende Abweichung von der vorherbestimmten Bahn. Bei jedem Zusammenstoss aber potenziert sich diese anfangs geringe Abweichung derart, dass spätestens beim neunten Zusammenstoss der Reflexionswinkel der Kugeln beliebig gross wird. Die Kugeln verhalten sich chaotisch. Wir haben hier ein chaotisches System vorliegen.

Chaotische Systeme

Worin unterscheidet sich nun ein chaotisches von einem nichtchaotischen System? Ganz einfach: beim nichtchaotischen System wächst im Laufe der Zeit der prinzipiell vorhandene Fehler sehr viel langsamer und tritt daher während der menschlichen Beobachtungszeit nicht auf. Zum anderen kann es sein, dass es sich um ein reguliertes System handelt, bei dem der prinzipielle Fehler durch Systemfaktoren ausgeglichen wird. Beispiele für gut regulierte Systeme sind biologische Systeme. Ist die Regulation gestört, werden diese Systeme schnell chaotisch und brechen zusammen. So ist z.B. vor einem Herzinfarkt immer ein typisch chaotischer Herzschlagrhythmus zu erkennen.

Startbedingungen

Von herausragender Bedeutung bei der Chaostheorie ist die Tatsache, dass in der Naturwissenschaft zum erstenmal die zeitliche Entwicklung eines Systems entsprechend gewürdigt wird. Bei der zeitlichen Entwicklung kommt es auf die Anfangsbedingungen, die Startbedingungen des Systems an. Sind sie geringfügig anders, kann die Entwicklung des Systems in eine völlig andere Richtung verlaufen. Dann fliegt der Pfeil des Bogenschützen nicht mehr ins Ziel, sondern z.B. quer in die Wiese, was nicht mehr vorhersagbar ist.

Parallelen zur Astrologie

Hier haben wir wieder Parallelen zur Astrologie. Gerade bei der Berechnung des Horoskops wird ein grosser Wert auf die Genauigkeit der Startbedingungen, sprich Geburtsdaten, gelegt. Auch hier kann eine geringfügige Aenderung der Anfangsbedingungen ein ganz anderes, überraschendes Ergebnis zur Folge haben; der Mensch stellt erwiesenermassen ein nichtlineares, chaotisches System dar. Es gibt also keinen Determinismus, wie es sich Herr C. Ampanus und Herr P. Ingelig vorstellen. Das heisst, der Astrologe wird mit seiner deterministischen Theorie über den Todeszeitpunkt dem nichtlinearen System Mensch überhaupt nicht gerecht. Ebenso fehlt der Wissenschaftler mit seiner wissenschaftlichen Überprüfung dieser Theorie, weil es noch gar keine wissenschaftliche Methode gibt, die so ein komplexes, nichtlineares System, wie es der Mensch darstellt, erfassen kann. Beide machen also einen gravierenden systematischen Fehler, beide hängen einer überholten Denkstruktur an. Welche Gemeinsamkeiten die beiden doch haben!

Nun ist es in den letzten zehn Jahren gelungen, ganz einfache chaotische Systeme mit Hilfe des Computers zu erfassen. Hinter dem Chaos stecken geometrische Strukturen, mit denen man diese Phänomene veranschaulichen kann.

Diese Strukturen nennt man chaotische Attraktoren. Mit diesen werden wir uns noch in einem späteren Kapitel beschäftigen, da die Chaostheorie die Astrologie meines Er-achtens sehr inspirieren kann.

Chaos ist ästhetisch

Nun ist es in den letzten zehn Jahren gelungen, ganz einfache chaotische Systeme mit Hilfe des Computers und vor allem mittels der Computergraphik zu erfassen. Hinter dem Chaos stecken geometrische Strukturen, mit denen man diese Phänomene veranschaulichen und wissenschaftlich genau untersuchen kann. Diese Strukturen nennt man chaotische Attraktoren.

Abbildung 2 zeigt solch einen Attraktor in Schwarz-Weiss-Dar-stellung; auf der Titelseite ist ein Teilbereich eines Attraktors in Farbe dargestellt. Wie Sie sehen, bestechen Attraktoren vor allem durch ihre Ästhetik. Auffallend ist der grosse schwarze Mittelbereich, der wie eine umgefallene Acht aussieht. Dies ist der eigentliche Attraktor; er wurde von den Wissenschaftlern liebevoll auf den Namen «Apfelmännchen» getauft. Der Attraktor, wie der Name schon sagt, übt nämlich auf seine Umgebung eine Anziehungskraft aus, denn im Attraktor, also im Apfelmännchen selbst, herrscht strikte Ordnung.

Gebrochene Ränder

Man sieht, dass die Ränder des Apfelmännchens nicht glatt, sondern ausgefranst sind. Dies sind die Grenzen zwischen Ordnung und Chaos. Die verschiedenen Graustufen kennzeichnen die Bereiche gleicher Chaosintensität. Je weiter man sich vom Apfelmännchen (schwarzer Bereich) entfernt, desto grösser werden in der Regel die Chaosanteile. Aber trotzdem gibt es mitten im Chaos immer wieder unerwartet kleine Ordnungsinseln. Sie sind bei dieser Abbildung nicht so gut zu erkennen, da die Auflösung nicht optimal ist. Je nachdem nun, in welchem Punkt man sich befindet, bewegt man sich auf das Apfelmännchen zu, oder man gleitet ins Chaos ab; und das ist auch der eigentliche Bedeutungsinhalt dieser Darstellung des chaotischen At-traktors.

Wie im Mikrokosmos, so im Makrokosmos

Faszinierend dabei ist, dass immer wieder dem Apfelmännchen ähnliche Gebilde, also sogenannte «Apfelsöhnchen» oder «Apfeltöch-terchen», gefunden werden, wenn bestimmte Bereiche, vor allem die Randbereiche des Apfelmännchens – der Grenzbereich zwischen Ordnung und Chaos – mit dem Computer genauer untersucht d.h. vergrössert werden. Sie stellt eine Vergrösserung . aus einem Randbereich des Apfelmännchens dar. Beim genauen Hinsehen werden Sie bestimmt ein Apfelsöhnchen entdecken!

Die chaotischen Attraktoren haben nämlich die herausragende Eigenschaft der Selbstähnlichkeit. Offensichtlich scheint der chaotische Attraktor ein Gebilde zu sein, bei dem der alte esoterische Satz, «Wie im Mikrokosmos, so im Makrokosmos», Gültigkeit hat.

Wie die Jungfrau zum Fischschwanz kommt...

Überhaupt, astrologisch gesehen, erscheint mir, dass mit der Entdeckung der chaotischen Systeme von der Naturwissenschaft zum ersten Mal die Existenzachse Jungfrau/Fische umfassend beschrieben werden kann. So können dem Zeichen Jungfrau bzw. dem 6. Haus die nichtchaotischen, linearen Systeme zugeordnet werden, bei denen, wie schon erwähnt, der Fehlerzuwachs im Laufe der Zeit entweder geringfügig ist oder

derartig auskompensiert wird, dass in diesen Systemen eine stabile Ordnung vorhanden ist. Bei den nichtchaotischen Systemen herrscht Merkur, als Verkörperer des klaren Denkens und der fehlerfreien Logik, mit der man die Dinge vorausberechnen kann. Das Element Erde weist auf den realen Alltagsbezug dieses Denkens hin, mit dem man sein tägliches Leben bewältigen kann.

Fische = Chaos?!

Die chaotischen Systeme – Systeme also, die einen explosionsartigen Fehlerzuwachs haben – dürften dem Zeichen Fische oder dem 12. Haus zugehörig sein. Auf den ersten Blick scheint in dem Zeichen Fische bzw. dem 12. Haus «chaotisches Chaos» zu herrschen. Aber auch hier sind Ordnungsstrukturen vielleicht sogar «Überordnungsstrukturen» vorhanden, für die das Apfelmännchen mit seinen Apfelkindern ein schönes Beispiel darstellt.

Der alte Herr

Die Ordnung dieser hochkomplexen Strukturen in den Fischen jedoch ist für Merkur und das Zeichen Jungfrau nicht so ohne weiteres zu erfassen. Sie ist offensichtlich nur mit Jupiter, dem Zeichenherrscher der Fische, erfahrbar. Jupiter beschäftigt sich nicht mit kleinkarierten Ordnungsstrukturen. Fehler und Fehlerzuwachs, chaotische Abläufe spielen für ihn in seiner Jovialität keine so grosse Rolle. Ihm kommt es eher auf das Ordnungsmuster als solches an. Jupiter betont als Herrscher der Sinnesorgane vornehmlich den visuellen Wahrnehmungskanal, das visuelle Muster.

Sind nicht gerade diese chaotischen Attraktoren ein grossartiges Beispiel für den «alten Herrn» Jupiter als Zeichenherrscher in den Fischen! Sie zeigen auf einen Blick optisch in glanzvoller Schönheit das Muster von Ordnung und Chaos.

Die naturwissenschaftliche Erforschung der chaotischen Systeme wäre ohne diese ästhetischen Muster gar nicht möglich.

Und so braucht der Fisch die Jungfrau...

Allerdings kann man sich mit diesen Mustern nicht so ohne weiteres im alltäglichen Leben behelfen. Sie sind eher abstrakt und stellen vielmehr ein Destillat der möglichen Zustandsordnungen – besonders aufgrund des Wassertemperamentes des Fischezeichens – der Gefühle im Leben dar. Somit beinhalten sie eher eine visionäre Sichtweise über die möglichen Ge-fühlszustände, genau so wie es den Fischen oder dem 12. Haus entspricht. Allerdings sollte man sich immer vor Augen halten, dass chaotische Systeme ohne Computer – eigentlich primitive, merkurische, ins 6. Haus gehörende Geräte – nicht erforschbar wären. Das bedeutet im übertragenen Sinne, dass das 6. Haus die Basis für das 12. Haus darstellt, und die Mittel für das Erforschen des 12. Hauses zur Verfügung stellt.

Mit der Chaostheorie werden wir uns in einem späteren Kapitel noch intensiver beschäftigen, da dieser Ansatz die Astrologie meines Er-achtens sehr inspirieren kann.

Unschärfe

Die junge «Chaoswissenschaft» bringt das mechanistische, deterministische Weltbild, von dem wir uns so ungern trennen, auf makroskopischer Ebene zum Sturz. Anfangs unseres Jahrhunderts wurde es schon auf mikroskopischer Ebene stark erschüttert, nämlich durch die Quantenmechanik. Ein zentrales Axiom dieser Theorie ist das Heisenbergsche Unschärfeprinzip. Danach gibt es in Mikrosystemen eine grundsätzliche Grenze für die Genauigkeit, mit der gleichzeitig Ort und Geschwindigkeit bestimmt werden können. Je genauer man die Geschwindigkeit eines Teilchens, z.B. eines Elektrons, misst, desto unschärfer, ungenauer wird dann die Ortsmessung. Auf die Astrologie übertragen hätte dies folgenden Sinn: Je genauer man z.B. einen Planeten punktuell analysiert, desto ungenauer, unschärfer wird das übrige Horoskop.

Vielleicht sollte man sich als Astrologe auch mit einer prinzipiellen Unscharfe beim Horoskopdeuten abfinden; höchstwahrscheinlich wird dann die Interpretation aus ganzheitlicher Sicht genauer.

Der Welle-Teilchen-Dualismus

Ein weiteres Thema der Quantenmechanik ist der Welle-Teilchen-Dualismus, wie er z.B. beim Licht auftritt; astrologisch gesprochen: eine Art Opposition der Teilchennatur und Wellennatur des Lichts. Dabei ist interessant zu beobachten, wie die Naturwissenschaft mit einer Opposition fertig wird.

Mit diesen beiden genannten Themen aus der Quantenmechanik werden wir uns ebenfalls noch intensiver beschäftigen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse auf astrologische Fragestellungen übertragen.

Eine Anmerkung zur Astrologie

Wie Sie sehen, sind es sehr moderne naturwissenschaftliche Theorien, die ich mit der Astrologie in Zusammenhang bringen will. Dabei muss ich allerdings noch etwas zur Astrologie anmerken. Man kann die modernen naturwissenschaftlichen Theorien nicht auf die klassische Astrologie anwenden, in der linear, mechanistisch, punktuell und deterministisch gedacht wird. Nur ein moderner, komplexer astrologischer Ansatz, wie es die Huber'sehe Methode darstellt, ist hierfür geeignet. Die Konzeption des Huber-Systems bietet sich geradezu an, da – wie Sie hoffentlich in dieser Serie sehen werden – in diesem Deutungsmodell das moderne naturwissenschaftliche Weltbild seine astrologische Ausformung schon längst erfahren hat.

Literatur

Die Ausführungen über die Chaos-Theorie stützen sich auf folgenden Artikel:

Uli Deker/Harry Thomas Unberechenbares Spiel der Natur die Chaos-Theorie Bild der Wissenschaft, Januar 1983, S. 63-75