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Titel Ausgabe 46



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Zurück Ausgabe 46 vom 23.10.1988 • Seite 13ohne Login!

• Mythologie

Pluto – die verborgene Kraft

Fritz Gehre

Zuerst möchte ich aussagen, was Pluto für uns psychologisch und mythologisch bedeutet. Von da soll seine Kraft in drei Horoskopen verschiedenartig gezeigt werden: einmal als persönlich empfundene Angst, dann als schöpferische Umwandlung und zuletzt als tödlicher Unfall im kollektiven Vollzug.

Was bedeutet uns Pluto?

Er ist ein Mittler kollektiver Kräfte, noch unpersönlich, also ohne persönlichen Gott, zwar gerecht, aber unbarmherzig. So sieht es Däne Rudhyar, und von dort werden uns die neuen Wege und Strukturen verstehbar, welche die Menschen bereits in ihren sozialen Beziehungen zu gehen versuchen. Da Pluto erst 1930 entdeckt wurde und über 249 Jahre zu seinem elliptischen Umlauf braucht, geht diese Wegfin-dung nur langsam vor sich, für viele Menschen bleiben die Schläge und Katastrophen, die Pluto austeilt, eben im Kollektiven verborgen und erscheinen sinnlos. Erst aus einem ganzheitsbezogenen Bewusstsein wird er für jeden Einzelnen bedeutsamer, wirkungsvoller und kann dann in mir eine Neugeburt vollziehen, zumindest eine Änderung alles Bisherigen! Wo Jupiter noch in den Grenzen des Saturn bleiben muss, geht Pluto über die Polarität hinaus, er macht Platz für die Totalität und, wie G.G. Jung es sieht, für das Selbst als die Geburt des lebendigen Gottes. Diesen Initiationsweg zu beschreiten ist unsere Aufgabe, um in uns die Inkarnation Gottes zu erkennen. Vielleicht dienten die Blutopfer der Weltkriege einer unermesslichen kosmischen Befruchtung. Wir brauchen es nicht zu wissen, um es rational nachvollziehen zu können. Wir sollen aber aus unserer inneren Stimme gewiss sein, dass Pluto, der Herrscher über die Mysterien, uns in allen Schmerzen helfen kann, wenn wir uns seiner Kraft bewusst werden.

Mythologisch wurde der Name Pluto nur ungern ausgesprochen, da er mit Hades assoziiert wurde und deshalb gefürchtet war. Ploutos = griechisch reich, war auf eine Tochter von Kronos als die "Reichtum Spendende" bezogen; es war das Gold in Lydien, das man in den Bergen fand und das die Flüsse trugen. So war Pluto der Überfluss, die Macht und damit Glück und Segen. Seit dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert ist er auch (jetzt männlich) Herr der Toten und deren Ratgeber. Darauf bezieht sich auch Phönix, der mythische Vogel – halb Adler, halb Kranich – in seiner rötlichen Farbe ähnlich der Sonne. Mit 500 Jahren, so heisst es, flog Phönix weg, sammelte Myrrhen und baute sich ein Nest aus den Krautern; darin verbrannte er sich, und nach drei Tagen auferstand er neu aus der Asche und fliegt in sein Ursprungsland zurück. Dieser Vogel ist unverwundbar und nimmt keine gewöhnliche Nahrung zu sich. In Pluto, analog Phönix, entdecken wir die ausdauernde und ständige Erneuerung, das Ewige, was sich im Strahlennimbus des Vogels zeigt. In dem Ort Heliopolis, wo die Verbrennung stattfand, wird die Sonne berührt wie auch der Lebensbaum.

Die Mythen sprechen vom Knaben-Opfer, von den Ritualen in orgiastischer Form, der symbolischen Hochzeit und vom Hüter der Schwelle, der einen Helm aus Hundshaut (Kerberos) trägt, damit er unsichtbar bleibt. Von da verstehen wir Eros und Thanatos (Totengott) für Skorpion und das achte Haus.: in beiden Fällen, ob Orgasmus oder Tod, wird das Diesseitige überschritten und die uns irrationale Ebene der Wandlung berührt! Erst im "Tod der Materie" kann sich das Wort, der Logos, wandeln. Das heisst: inneres Sich-los-Lassen macht Platz für neue Dimensionen. Die zerstörende Kraft soll bedeuten, dass ich mich abtrennen soll von dem, was mir den jenseitigen Weg versperrt. Pluto kann somit wohlwollend wie auch unheilvoll wirken: es kommt auf meine eigene Bereitschaft an, wie offen ich dem Stirb- und Werdeprozess gegenüberstehe!

Die Angst

Wenn Pluto mit einem Helm bedeckt aus der dunklen, nächtlichen Unterwelt kommt, jener Planet, der so weit vom Sonnenlicht entfernt ist, dann entsteht Angst, das beengende Gefühl. Von dorther erhält Pluto die Herrschaft über die tiefsten unterbewussten Schichten. Pluto oben in 10 sich durch Mars Halbsextil selbst verwundet und mit Mond in 12 depressiv, hilflos und isoliert erscheint. Ich kann aber auch über Zwillinge und das 3. Kreuz an das ständige Fragen und Zweifeln erinnern, kann sagen, dass diese Sonne in Mond-Quadrat und mit Saturn eben keine Antwort von draussen annimmt! Um Pluto besser zu verstehen, sehen wir, dass die Horoskopeignerin ihre Gefühle nicht auszusprechen vermag und sie in sich belässt (Saturn Konjunktion Venus: gehemmt und isoliert). Vielleicht ist die Ursache für den Suizid bereits im "abgestellten" Kind mit Mond in 12 im Quadrat Sonne zu finden, besonders da dies schon über den Alterspunkt mit ein bis zwei Jahren in den Aspekten zu Pluto und Mars als eine Todesangst gleichsam vorgegeben war. Wir können auch Merkur als Herrscher von 10 im Plutohaus 8 ansehen, der auch suchend mit Jupiter Quincunx bleibt und am Totpunkt steht. Die Horoskopeignerin verschliesst sich in ihren Geheimnissen und sinniert in l in Jungfrau (Merkurzeichen) darüber nach. Nur eine echte, lebensbejahende Metaphysik könnte sie aus ihrer Negativität befreien! Für mich bedeutet Wandlung, die eigene bisherige Perspektive zu ändern und den Mut dazu aufzubringen. Auch Bach-Blütenessenzen wie Edelsteine oder Mineralien können helfen.

Ist Mars Ärger, so bedeutet Pluto Aggression, und letztere läuft auf ihre Seele in die eigene Einsamkeit zurück! Aus dieser Angst, dieser "Unerlöstheit" nahm sie Gift, als sie mit dem Alterspunkt über Pluto ging; der Auslöser war an dem Tag der Uranustransit 1°27 Jungfrau im Quadrat Sonne. Aber liegt im Suizid nicht etwas von Rache der Welt gegenüber darin, dass sich am Ende der Ausführende selber trifft? Fast möchte ich sagen, dass sich aus der Zukunftsangst das Bewusstsein selbst vergiftet! Dieses beengende Gefühl, in dem ich stecke und aus der Haut fahren möchte, erinnert an die Schlange, die in der neuen Haut das Symbol der Wandlung beinhaltet.

Das Schöpferische

Dies ist eine Pluto-Persönlichkeit, denn: Pluto steht im 8. Haus, und Skorpion ist mit Mond der AC. Die Leidenschaft von Pluto wird mit Neptun auf das Schauspiel bezogen und in dieser Wandlung mit Quincunx Mond vom AC ganz persönlich dargestellt. Ist Pluto mit Sonne, Mond oder Saturn verbunden, kann er leichter vom Bewusstsein transformiert werden. Trotzdem: Pluto bleibt verborgen, drängt sich nicht vor, denn er spielt mit Neptun aus seiner Phantasie, seinen Bildern, und seiner Mystik! Ich erinnere an den Eremiten im Tarot, an den Einzelgänger, der sein Licht in der Dunkelheit selbst entdecken muss. Das Schöpferische liegt in der medialen Aussagekraft ohne Worte, dafür mit Mond und Neptun in der Mimik; ferner können das 8. Haus und Skorpion als ein unmittelbares Hergeben verstanden werden! Chaplin wird von da aus andere Menschen regenerieren und kann aus seinem Eros für viele ein Jungbrunnen werden, d.h. diese Menschen vermögen wieder zu lachen. Diese seelische Zurückgezogenheit, die weit von der üblichen Selbstdarstellung entfernt ist, hat etwas von Trauer oder Tragik an sich. Schaue ich das Horoskop gesamt an, mit Saturn oben, dann "weiss" ich, dass sein Humor aus vielen Hindernissen entstanden ist. Trauern-Können ist plutonisch, wer es nicht kann, hat Angst, seine Gefühle zu zeigen und gibt daher ein falsches Bild von sich ab. Aber sagt jenes chaplineske Zurückschauen nicht mehr aus als jene allgemeine Oberflächlichkeit? Steckt nicht eine tiefe Philosophie dahinter? Statt Ehrgeiz erspüren wir die sich selbstheilende Konfrontation mit allen seinen Belastungen.

Schlussendlich bedeutet für Chaplin die emotionale Ehrlichkeit alles, und sein Allein-Sein führt ihn von der persönlich gewohnten Ebene in die geistige Wirklichkeit hinein! Diese Transformation ist nur möglich, wenn wir das Leid erleben und es nicht seelenlos von uns wegschieben. Das Leben dieses gebenden Menschen war mit 88 Jahren zeitlich erfüllt, als der Alterspunkt in Opposition zum Saturn stand.

Das Kollektive

Auch hier haben wir wie im vorigen Beispiel einen plutobetonten Menschen, der Pluto hat zu Sonne, Mond und Saturn Aspekte, wirkt also sehr persönlich, und im Pluto-Zeichen Skorpion finden wir gleich drei Planeten. Freilich bin ich mit 18 Jahren, als der tödliche Unfall geschah, zeitlich noch nicht reif genug, oder wenn Sie wollen, noch nicht "fertig", um jene esoterischen Planeten Uranus, Neptun und Pluto umsetzen zu können. Ich erinnere an die jungen Menschen, die – noch "unschuldig" – im Krieg ihr Leben lassen mussten! Ein Pluto in 10 gibt immer Kritik gegen jedwede Autorität, und wenn es der Vater ist (Pluto = Vaterimago) –, also eine ganz unbewusste Protesthaltung gegen alle elterlichen Erwartungen. Sein Vater war mein Arzt, ein seelisch offener und gutmütiger Mensch, doch für den Sohn ist er im Trigon Pluto Sonne ganz einfach da wie im Quadrat Saturn die Mutter! Vielleicht muss, so gesehen, von einer familiären Abhängigkeit gesprochen werden, die jenseits jeder Schuldfrage liegt. Ein Löwe-Pluto hat bereits mehr Wohlstand und sieht seine Anerkennung als ein Geburtsrecht an, wird sich also in keiner Weise beherrschen lassen. Indes, in diesem roten Dreieck steckt ein unerledigtes Schuldgefühl wie auch eine bohrende Angst vor dem Unbekannten. Es ist das, was der Narr im Tarot als sein Karma mit sich trägt. Immer, wenn ich diese scheinbar sinnlose Todesart erlebe, spüre ich deutlich, dass der Tod niemals das Ende sein kann; der Eros geht über den Thanatos seither, die Liebe wirkt über den Tod hinaus!

Von echter Schuld kann erst dann gesprochen werden, wenn ich meine Macht bewusst missbrauche.

Hier ist es eine unbewusste Belastung vom Vater (Sonne Trigon), Mutter (Saturn Quadrat) und Kollektiv (Mond Quincunx). Was den Unfalltod auslöste war ein Neptun-Transit 5°30 Skorpion auf Venus und Mars, ferner stand Saturn auf dem Mond in 1° Steinbock (wieder die nur vom Kollektiv verstehbare Begrenzung! Vielleicht ist es vom Allgemeinbild interessant, dass die 3 Planeten Uranus, Neptun und Pluto oben stehen und 8 Aspekte haben. Liegt in dieser Stellung nicht schon eine Überforderung darin? Und wer kann, wenn der Alterspunkt ganz unten steht, schon die esoterischen Planeten als seine eigenen erkennen?

Allgemein: Mit dieser Pluto-Betrachtung möchte ich auf den gegenwärtig laufenden Pluto aufmerksam machen: Er verlangt von uns jetzt die innere Antwort ganz besonders, verlangt elastisch zu bleiben und für unser Dasein zu danken. Dies gerade deswegen, um innerlich allen Katastrophen gegenüber stark zu bleiben und von dort den eigenen, richtigen Weg selbst zu entdecken.

Die Mythen sprechen vom Knaben-Opfer, von den Ritualen in orgiasti-scher Form, der symbolischen Hochzeit und vom Hüter der Schwelle, der einen Helm aus Hundshaut (Kerberos) trägt, damit er unsichtbar bleibt. Von da verstehen wir Eros und Thanatos (Totengott) für Skorpion und das achte Haus.: in beiden Fällen, ob Orgasmus oder Tod, wird das Diesseitige überschritten und die uns irrationale Ebene der Wandlung berührt! Erst im "Tod der Materie" kann sich das Wort, der Logos, wandeln. Das heisst: inneres Sich-los-Lassen macht Platz für neue Dimensionen. Die zerstörende Kraft soll bedeuten, dass ich mich abtrennen soll von dem, was mir den jenseitigen Weg versperrt. Pluto kann somit wohlwollend wie auch unheilvoll wirken: es kommt auf meine eigene Bereitschaft an, wie offen ich dem Stirb- und Werdeprozess gegenüberstehe!