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Titel Ausgabe 46



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Zurück Ausgabe 46 vom 23.10.1988 • Seite 16ohne Login!

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Und sie stimmt doch!

Michel Gauquelin

GAUQUELIN, Michel 13.11.1928 22.1500 Paris F

Aus dem Englischen übersetzt von Elisabeth Zürcher

Michel Gauquelin, der in astrologischen Kreisen wohl bekannte Forscher, wurde während seinem kürzlichen Besuch im «Heart Center» von Michael Erweline interviewt. Die komplete Video-Aufnahme dauerte beinahe zwei Stunden. Hier einige kurze Ausschnitte für die Leser des «Astrolog», die uns von Michel Gauquelin überlassen wurden.

Michael: Ich bin überrascht zu erfahren, dass Sie schon als Kind begannen, Astrologie zu studieren. Die meisten Astrologen halten Sie für einen Wissenschaftler.

M. Gauquelin: Ich interessierte mich für Astrologie schon als ich noch sehr jung war. Ich erinnere mich, dass ich als Elfjähriger lernte den Aszendenten zu berechnen. Mein Vater, der den Beruf eines Zahnarztes ausübte und sehr an Astrologie interessiert war, unterstützte mich dabei. Ich weiss eigentlich nicht, warum ich mich so sehr für diese Materie interessierte ... ist mir völlig unerklärbar. Soweit ich zurückdenken kann, war ich an Astrologie interessiert. Im Alter von zirka sechzehn Jahren las ich viele Astrologiebücher. Ich selbst schrieb ein kleines Lehrbuch, wenn auch ein ganz rudimentäres. Es handelte von praxisorientierter Astrologie. Von Hand geschrieben natürlich. Damals gab es noch keine Computerspeicher. Ich habe dieses wertvolle Dokument immer noch in Paris.

Michael: Investieren Sie, wie die meisten von uns, einen Grossteil Ihrer Zeit ins Lesen und Studieren von Astrologiebüchern, seien es nun populäre, im "Kochbuchstil" gehaltene, oder was immer auch für welche, die Ihnen unter die Hand kamen?

M. Gauquelin: Ja. Zuerst begann ich mit ganz einfachen, nicht sehr wissenschaftlichen, nicht einmal ausgesprochenen Fachtexten – ganz niedriges Niveau. Es interessierte mich zu erfahren, was mit mir in meinem Horoskop geschah. Mit siebzehn Jahren kaufte ich noch einige langweilige Bücher dazu. Eines war von Paul Choisnard, dem französischen Astrologen. Er kam im Jahre 1867 zur Welt und starb 1930. Er schrieb sein Werk um die Jahrhundertwende herum und war der erste, der Statistiken aufstellte, um die Astrologie zu beweisen. Er veröffentlichte sechs oder mehr Bücher. Einige davon sind immer noch erhältlich. Ich begeisterte mich für seine Ideen, da ich der Überzeugung war, dass dies die richtige Art sei, die Sache anzugehen. Gleichzeitig begann ich langsam auch ein gewisses Gespür für Astrologie zu entwickeln, gelang mir doch eine kleinere Vorhersage für einen Freund, der mich damals "Nostradamus" nannte.

Michael: Das tönt aber gar nicht nach dem Wissenschaftler, für den Sie die meisen Astrologen halten. Die glauben nämlich, dass Sie eine rein wissenschaftliche Vergangenheit haben. Somit ist also Ihre Basis sehr ähnlich derjenigen von uns allen?

M. Gauquelin: Ich denke ja. Natürlich bin ich jetzt etwas eingerostet, aber zu jener Zeit war ich wirklich fähig, ein Horoskop zu erstellen und zu interpretieren... so wie der Astrologe das tut. Ich habe eine gute Grundlage dazu.

Michael: So machten Sie also Horoskop -Analysen ?

M. Gauquelin: Nur zu meinem Vergnügen. Es funktionierte sehr gut. Aber ich hatte irgendwie das Gefühl, dass das ganze doch nicht so ganz hieb- und stichfest sei... möglicherweise eine Art Selbsttäuschung. Ich bestand mein Examen, fand aber die Schule für Dekorative Kunst, die ich damals besuchte, langweilig und brach mein Studium ab. Ich entschied mich, Psychologie und Statistik zu studieren. Ich wollte die Richtigkeit der Aussagen von Paul Choisnard und seinen Anhängern nachprüfen, vor allem des Schweizers Karl Krafft. Er veröffentlichte ein Buch auf französisch im Jahre 1937 mit dem Titel «Abhandlung über Astro-Biologie». Choisnard und Krafft waren in dieser Zeit die "Grossen" der wissenschaftlichen Astrologie in Europa.

Ich entschied, die Gültigkeit der wichtigsten Behauptungen von Choisnard nachzuweisen. Eine davon betraf Transite. Anhand von 200 Beispielen verglich er die Position der Geburtssonne mit der Position des transitierenden Mars und Saturn. Er tat dasselbe auch mit dem Mond und dem Aszendenten. Er behauptete, dass die Möglichkeit eines Todesfalles dreimal grös-ser sei, wenn der transitierende Saturn in Konjunktion mit der Sonne, dem Mond oder dem Aszendenten steht. Eine sehr starke Wirkung, und sehr leicht nachzuweisen. Jedenfalls war ich überzeugt, dass ich das könne.

So begann ich meine statistischen Forschungen – aber auf einer grös-seren Skala, als er das getan hatte. Ich überprüfte 1000 Horoskope, aber ich konnte nichts dergleichen feststellen. Ich war überrascht und machte einen erneuten Versuch: 7000 Horoskopvergleiche, aber auch diesmal ohne jegliche Ergebnisse. Ich fand heraus, dass bei einem Saturntransit zur Sonne keine Tendenz zu sterben besteht. Ich verstehe nicht, warum Choisnard, der doch sehr gewissenhaft zu sein schien, darauf kam. Tatsache ist, dass keine solche Wirkung besteht.

Ich studierte auch das grosse Buch von Karl Krafft. Er behauptet viele Dinge. Ich war sehr beeindruckt, als ich eine gebrauchte Kopie dieses vergriffenen Buches kaufte. Ich war zu Beginn sehr beeindruckt. Später stellte ich dann fest, dass er viele Fehler gemacht hatte, statistische und demographische. So wandelte sich meine Liebe auf den ersten Blick in Ablehnung. Die Leute, von denen ich dachte, dass sie die geeignetsten wären, die Astrologie statistisch zu beweisen, versagten unter meinen Nachprüfungen. Es ist so, wie wenn deine Geliebte dich verlässt. Jedenfalls fühlte ich mich so. Ich war sehr verärgert, aber gab meine Nachforschungen nicht auf. Ich probierte andere Dinge und erhielt viele relativ entmutigende Resultate. Wahrscheinlich war irgend etwas in meinem Innern, das mir sagte, dass ich trotzdem weitermachen solle.

Ich entschied mich, einige Beispiele, basierend auf der Geburtszeit, zu sammeln. Es ist nicht einfach, die Geburtszeit zu erfahren, da diese schriftlich erfragt werden muss. Das Ganze ging langsam voran. Ich war jung und hatte kein Geld. Ich brachte eine Gruppe von 576 Mitgliedern der französischen Akademie für Medizin zusammen. Diesmal resultierte das Ganze in einem völlig unerwarteten und sehr bedeutsamen statistischen Ergebnis.

Die meisten dieser Leute waren kurz vor der Kulmination des Saturn oder dem über den Horizont tretenden Mars geboren. Das war sehr bedeutungsvoll. Astrologisch betrachtet können wir sagen, dass diese Leute mit grösserer Häufigkeit geboren wurden, wenn die erwähnten Planeten sich im 12. Haus oder im 9. Haus befanden. Wie Sie wissen, bedeutet "über den Horizont treten", dass der Planet kurz vor der Konjunktion mit dem Aszendenten steht, und "Kulmination", dass er kurz vor der Konjunktion mit der Himmelsmitte (MC) steht. Ich fand dieses Ergebnis sehr überraschend. Aber so ist es, wenn man verschiedene Dinge ausprobiert, es ergeben sich manchmal so unerwartete Resultate.

Als erstes entschied ich, eine Wiederholung der Untersuchung mit neuen Beispielen von bekannten französischen Ärzten zu machen. Das war nicht einfach, aber andererseits konnte ich die ersten Beispiele nicht nochmals gebrauchen. So sammelte ich eine neue Gruppe von ca. 500 Personen. Das erste Resultat bestätigte sich. Ich war unglaublich überrascht, und mein Interesse wuchs. Zuerst stieg die Frage in mir auf, ob das Ganze nicht einfach ein Zufall war. Zur Kontrolle ging ich daran, eine Gruppe von gewöhnlichen Leuten der gleichen Jahrgänge wie meine Beispielsärzte zu untersuchen. Aber bei diesen Menschen zeichnete sich der Mars/Saturneffekt nicht ab. Ich glaubte, den Anfang von etwas zu sehen. Die Methode, Horoskope berühmter Berufsleute, wie zum Beispiel Ärzte, zu sammeln schien zu funktionieren. Ich wiederholte das Ganze mit anderen Berufsgruppen, deren Namen ich aus Büchern entnahm. Ich sammelte'Horoskope von Spitzensportlern, Militärführer, Schauspieler, Politiker als Beispiele.

Was ich vor allem feststellen konnte war, dass die Sektoren As-zendent, MC, IC eine gewisse Prominenz nebst allen anderen aufwiesen. Zum Beispiel waren nebst den Ärzten auch die Militärführer, Spitzensportler öfters mit Mars in diesen Sektoren anzutreffen. Astrologisch gesehen würde das heissen das zwölfte, neunte, sechste und dritte Haus. Ich fand auch Jupiter am häufigsten in diesem Bereich bei Schauspielern, Politikern und Journalisten. Bei Saturn bestätigte sich dasselbe mit Wissenschaftlern. Der Mond war häufiger bei Autoren dort zu finden.

Zu Beginn, als ich mein erstes Buch veröffentlichte, versuchte ich Distanz zur Astrologie einzuhalten. Naiv wie ich war, dachte ich, dass es politisch gesehen günstiger sei so zu handeln, um für meine Forschungen bei der Wissenschaft einen Konsens zu finden. Ich musste aber feststellen, dass sich die sogenannten Wissenschaftler schlimmer als die schlimmsten Astrologen benahmen. Sie sind wahrlich Zweifler und Ungläubige und zudem abergläubisch. Wissenschaft ist für sie wie ein Glaube im religiösen Sinn . . . und ohne jegliche Toleranz. Es war eine ungemein reiche Erfahrung. In der Zwischenzeit entdeckte ich auch, dass einige der Leute, die sich mit Astrologie beschäftigen, z.B. John Addey, sehr nett, ehrlich und intelligent waren. Ich revidierte meine Meinung und versuchte mit einigen Astrologen näher in Kontakt zu kommen, nachdem ich doch zuvor sehr distanziert war.

Michael: So fühlten Sie sich mehr zu den Astrologen hingezogen, weil Sie von ihnen mehr Unterstützung bekamen?

M. Gauquelin: Ja, und auch Neu Michelsen half mir mit seiner Computeranlage, einige neue Ergebnisse zu erhalten. Ich bekam keine Unterstützung von Seiten der Wissenschaftler, aber von den Astrologen ja. Ich hatte eine interessante Diskussion mit Doug Pierce und hoffe, mit ihm in irgendeiner Form zusammenarbeiten zu können; eine Zusammenarbeit, ein Gedankenaustausch, den ich im Moment sehr anstrebe. Wir können das mit Wissenschaftlern nicht diskutieren, da diese sogar sagen, was Gauquelin herausgefunden hat, ist nicht glaubwürdig.

Michael: Gehen wir zurück und plaudern wir über das, was Sie gemacht haben, als Sie Ihr erstes Buch veröffentlichten. Wie war Ihre Reaktion, als die Leute einen Blick auf den Titel warfen? Wie hart arbeiteten Sie? Können Sie kurz umreissen, was diese Unternehmung beinhaltete? Sie erzählten mir, dass Sie eine Karriere als Psychologe angestrebt hatten. Hatte die Veröffentlichung dieses Buches eine Auswirkung auf diese Karriere?

M. Gauquelin: Ja, es war ein Fehler meinerseits, das Buch unter meinem Namen zu veröffentlichen. Ich war am Anfang einer akademischen Laufbahn als Psychologe. Die Publikation dieses Buches «Die Wirkungen der Sterne» unter meinem Namen zerstörte mich vollständig.

Michael: Was meinen Sie mit "zerstörte mich vollständig"?

M. Gauquelin: Zum Beispiel hatte ich ein Diplom für meine Psychologiestudien an der Sorbonne Universität. Als der Direktor dieser Schule eine Kopie meines Buches sah, entschied er, mich nicht mehr sehen zu wollen. Das geschah vor 30 Jahren. Er wurde vor kurzem pensioniert, war damals eine mächtige Persönlichkeit, Sie können sich vorstellen ... ein Mitglied mehrerer Akademien usw. Kurzum, nach diesem Vorfall war es mir nicht mehr möglich, Bücher aus der Bibliothek der Universität auszulei-hen.

Michael: Wie verdienten Sie dann während all diesen Jahren Ihren Unterhalt?

M. Gauquelin: Das war nicht einfach. Ich beschloss, mich nie allzu-sehr von den materiellen Problemen, die man natürlich nicht ganz ausser acht lassen kann, ablenken zu lassen. So entschloss ich mich, einen Teilzeitjob zu finden. Ganz zu Anfang versuchte ich alle möglichen Dinge. Ich war während einem Jahr auf dem Einwohnerkontrollamt in Paris tätig, wo sich auch das Geburtsregister befindet. Ich versuchte auch während mehreren Monaten Garn zu verkaufen. Während sieben Jahren arbeitete ich als praktischer Psychologe, indem ich Interviews durchführte an der Französischen Gemeinschaft für Psychotechnologie. Das war eine ideale Beschäftigung, da ich von morgens bis ein Uhr mittags arbeitete und nachher frei war, um meinen Interessen nachzugehen.

Michael: Was beinhaltete die Freizeitbeschäftigung? Sie sammelten viele Informationen. Was genau machten Sie über all diese Jahre? Wie brachten Sie alle diese Daten zusammen? Bedeutete das harte Arbeit? Arbeiten rund um die Uhr?

M. Gauquelin: Ja, es war harte Arbeit. Natürlich muss man, wenn man Daten sammeln will, bei Berufsregistern nach dem Namen und Datum sehen, aber die Geburtszeit ist nicht aufgeführt in diesen Büchern. So musste ich, um die Geburtszeit zu erfahren, beim Geburtsregister des Geburtsortes nachfragen.

Michael: Mussten Sie der betreffenden Amtsstelle schreiben ?

M. Gauquelin: Ja, man muss schreiben. Natürlich erwähnte ich'nie die Astrologie. Ich gab nur an, dass es für demographische Zwecke gebraucht werde. Ich hatte meine spezielle Formel dazu. Zum Glück ist es relativ einfach in Frankreich, die Geburtszeiten sind seit der Französischen Revolution 1793 registriert worden.

Michael: Haben Sie in diesem Moment irgendwelche metaphysische Gedanken anzubringen, eine astrologische Anmerkung?

M. Gauquelin: Das ist eine gute Frage, Es ist schwierig für mich, darauf zu antworten. Natürlich habe ich verschiedene Gefühle über diese Themen, da ich mit Astrologie über eine so lange Zeitspanne gearbeitet habe. Vor allem versuchte ich auf nüchterne wissenschaftliche Art Anerkennung für mein Wissen zu erhalten. Ich versuchte auch meine Resultate anhand von wissenschaftlichen Mechanismen zu untermauern. In meinem jüngsten Buch erkläre ich diese Mechanismen, aber ich kritisiere auch mich selbst. Ich glaube nicht, dass es bei unserem heutigen Wissensstand möglich ist zu erklären, wie Astrologie funktioniert. Wir müssen vielleicht einen neuen Weg einschlagen, um eine Erklärung zu finden. Ich sage nicht, dass die Antwort im metaphysischen Bereich liegt. Es scheint, dass eine Art Kommunikation zwischen den Planeten und dem Kind während des Geburtsmoments stattfindet.

Ich glaube, das grösste Rätsel für mich ist nicht nur, dass Astrologie funktioniert, wie schon seit alten Zeiten behauptet wird, sondern vielmehr, dass die Symbolik der Planeten auch zutrifft. Wie war es den Babyloniern möglich, diese genaue und klare Erkenntnis des Einflusses von Mars etc. zu haben?

Michael: Vielleicht weil das einfach so ist.

M. Gauquelin: Ich glaube, es ist sehr schwierig, sich an strikte wissenschaftliche Punkte zu halten. Deswegen sind die Wissenschaftler so in Aufruhr geraten wegen meiner Ergebnisse – auch wenn sie sagen, die Wirkung sei schwach. Wie ich Ihnen schon vorher sagte, sie ist nicht schwach. Aber auch wenn die Wirkung schwach wäre, könnte sie ihr Universum total umwälzen. Für sie könnte das Universum aus den Fugen geraten, falls ich recht hätte. Das ist der wichtigste Punkt. Wenn ich im Recht bin, ist das wie eine kopernikanische Revolution für die Astrologie. Für mich ist die Astrologie wie das schlafende Dornröschen. Ich sage nicht, dass ich der charmante Prinz bin. Jetzt haben wir eine Chance. Die Qualität der Astrologen, die an der Forschung interessiert sind, ist viel besser als damals, als ich mit meinen Forschungen begann. Kein Vergleich zu damals.

Ich kenne den Ursprung der Astrologie nicht. Ich weiss, dass etwas auf den Tontafeln, die von Archäologen gefunden wurden, entziffert werden konnte. Wahrscheinlich ist der grösste Teil des Wissensgutes verloren gegangen. Wir müssen das wiederentdecken. Es gibt noch viel Arbeit zu erledigen.