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Titel Ausgabe 46



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Zurück Ausgabe 46 vom 23.10.1988 • Seite 21ohne Login!

• Grundwissen

Die dreidimensionale Häuserlehre, Teil 1

Louise Huber

Im vergangenen Jahr habe ich in einer Artikel-Serie die dreidimensionale Denkweise im Hinblick auf die Horoskopdeutung behandelt. Ich habe mit den Aspekten und Planeten begonnen und im Heft 44 mit den drei geistigen Planeten aufgehört. Heute möchte ich mit diesem Denkmodell weiterfahren und es auf das Häusersystem applizieren. Dabei handelt es sich nicht um die drei Bereiche eines Hauses, die wir bei der differenzierten Planetendeutung berücksichtigen müssen (kardinaler, fixer und veränderlicher Bereich), sondern um eine qualitative Unterscheidung. Um diesen Gedanken zu veranschaulichen, wollen wir die Dreiteilung der Häuser in eine "horizontale" (waagrechte) und in eine "vertikale" (senkrechte) Betrachtungsweise einteilen.

Im folgenden möchte ich die Wirksamkeit der einzelnen Häuser auf den 3 Daseinsebenen, der physischen, emotionalen und mentalen, beschreiben. Wie bereits ausführlich in Heft 41 geschildert, kennt jeder Mensch diese 3 Ebenen. In ihnen leben wir alle als dreifache Persönlichkeit. Sie sind für uns Menschen eine Realität, niemand kann sie ableugnen oder anzweifeln, jeder nimmt bewusst oder unbewusst an ihnen teil. Deuten wir in einem Horoskop die einzelnen Elemente ohne Unterscheidung dieser 3 Daseinsebenen, dann enthalten unsere Aussagen nur ein Bruchstück der Wahrheit. Eine glaubwürdige Horoskopdeutung ist gewährleistet, wenn wir bei der Beurteilung eines Planeten, eines Hauses, Zeichens oder Aspektes diese dreifache Ausdeutung beachten. Bei den Häusern handelt es sich bekannterweise um formale Bezugsbereiche des äusseren Lebens. Hier sind die Verhaltensweisen angezeigt, die Art und Weise, wie wir uns mit den einzelnen Lebensgebieten befassen. Das Häusersystem differenziert die Einflussnahme der Umwelt auf unser persönliches Leben. Von den Stellungen der Planeten in den Häusern leiten wir ab, wie wir auf die Umwelt reagieren, was wiederum abhängig ist von Erziehungsfaktoren, Milieueinwirkung, Konditionierung, Kindheitsprägungen, Verhaltensweisen, etc. Im Hinblick auf die dreidimensionale Horoskopdeutung ist deshalb das physische, emotionale und mentale Verhalten ausschlaggebend für den Gebrauch unserer Fähigkeiten in der Welt. Sind wir in einem Haus mehr physisch programmiert, d.h. materiell orientiert, dann sind meistens die zwei anderen Ebenen nicht von Bedeutung. Haben wir eine entsprechende Erziehung genossen oder im Leben etwas dazugelernt, dann werden wir auch die Gefühlswelt, die menschlichen Beziehungen und das Zusammenleben als soziale Komponenten betonen, dann ist die psychische Bedeutung der Häuser wichtiger. Sind wir in einem intellektuellen, auf ethische oder spirituelle Ziele ausgerichteten Milieu aufgewachsen oder haben wir diese Dimension selbst kultiviert, dann wirken sich die Häuser weitgehend in ihrer mentalen Bedeutung aus.

Da unser Leben, unsere Entwicklung nie statisch ist, sondern sich in ständiger Wechselwirkung von innen und aussen abspielt und sich dadurch immer verändert, bleiben wir niemals auf nur einer Ebene stehen. Wir können, wenn wir das wollen und uns bewusst darauf einstellen, von einer Ebene auf die andere überwechseln. Wenn heute die physisch-materielle Deutung für Sie von Wichtigkeit ist, dann kann das für die momentane Entwicklungsstufe richtig sein, und Sie können das als Bestandteil Ihres Wesens bejahen und annehmen. Das kann sich im Laufe des Lebens ändern, je nachdem, auf welche Seite hin Ihr Bewusstsein sich verlagert und Ihre Entwicklung vorwärtsgeht. Da alles dem Gesetz des Ausgleichs unterliegt, wird die Überbetonung einer bestimmten Seite immer wieder ausgeglichen. Anzustreben ist, bewusst auf allen 3 Ebenen gleichzeitig zu leben, aber wer kann das schon?

Die Quadranten

Bevor wir mit den einzelnen Häusern beginnen, möchte ich kurz auf die Quadrantenlehre hinweisen, weil diese die Hauptorientierung in der räumlichen Betrachtung des Horoskopes ist und die Grundbedeutung der Häuser weitgehend bestimmt. Betrachten Sie zur Erinnerung die Zeichnung aus dem Buch "Die astrologischen Häuser", Seite 82:

Das Fadenkreuz teilt das Horoskop in 4 Teile, die 4 Quadranten. Unter dem Horizont befindet sich das Unbewusste, oben das Bewusstsein, links ist der Ich-Raum und rechts der DU-Raum. Die 2 linken Quadranten befassen sich also mit der Ich-Erfahrung, die 2 rechten mit der DU-Zuwendung.

Die in dieser Nummer beschriebenen ersten 3 Häuser stehen also im Ich-Raum, dem sogenannten Triebquadranten. In diesen Häusern ist das Ich massgebend, hier will sich das Ich manifestieren, darstellen, durchsetzen. Die Heranbildung eines starken Ich-Zentrums ist in diesen Häusern Hauptgegenstand der Betrachtung.

Das 1.Haus

Es ist das Haus der Persönlichkeit, so wie sie der Welt erscheint. Nach G.G. Jung die "Persona", die Maske, das Image, das wir der Welt zeigen wollen. Es ist das Haus der Selbstdarstellung. Wie könnte man diese Funktion nun auf die drei Ebenen verteilen? Lassen Sie mich das Thema zuerst durch ein paar Schlagwörter abgrenzen, die selbstverständlich nicht vollständig sind, wie Sie aus nachfolgenden Ausführungen ersehen können.

1. Physische Ebene: Das Eigene, Ewig-Ungeborene, unkorrigierbare Veranlagung.

2. Psychische Ebene: Persönliche Strahlkraft, Selbstgewissheit, Geltungstrieb.

3. Mentale Ebene: Arbeiten am Charakter/Image, Selbstsicherheit, Ichbehauptung.

Auf der materiellen oder physischen Ebene zeigt sich das persönliche Auftreten, die Persona, vorwiegend in der physischen Gestalt, in der Körpersprache, der Gebärde, dem Mienenspiel. Es kennzeichnet die eingeborenen Haltungen, den Habitus und die Gepflogenheiten, sich zu geben. Auf dieser Ebene sind wir meistens determiniert und blind, den Erbfaktoren ausgeliefert, die durch das Aszendentenzeichen gekennzeichnet sind. Sie schlagen durch und kontrollieren uns. Damit einher gehen unkorrigierbare Veranlagungen, Verhaltensweisen, Ichbezogenheit, Egoismus, Eigensinn, unberechtigte Ichansprüche. Hier kommt man nicht auf die Idee, an seinem Image, seiner Persönlichkeit zu arbeiten, man ist überzeugt, dass man so, wie man ist, richtig sei. Dies zeigt sich in einer sturen Selbstgewissheit mit einer Kritiklosigkeit gegen sich selbst. Diese Undifferenziertheit macht unbeweglich, einseitig, ichhaft, je nach Zeichen narzisstisch, um sich selbst kreisend. Das Selbstverständnis ist so gross, dass man nicht über die eigene "Nase" hinaussehen kann. Die Welt kreist um einen, man lässt nichts anderes gelten als nur sich selbst.

Auf der psychischen Ebene ist man an der Vergrösserung des persönlichen Einflusses interessiert. Man will wahrgenommen werden und durch die eigene Strahlkraft Eindruck machen. Um die persönliche Eigenart demonstrativ zum Ausdruck zu bringen, setzt man sich in Szene, stösst andere zur Seite, man will besser sein als sie. Man begibt sich in Konkurrenz zur Umwelt, betrachtet die anderen als Rivalen, als Gegner, als Feinde. Man weist Kritik energisch zurück, fühlt sich selbst als der alleinig Richtige, und tut alles, damit man die Beachtung findet, die man glaubt beanspruchen zu dürfen. Je nach Zeichen will man sich unter keinen Umständen anpassen, weil man glaubt "Die Welt gehört mir, die anderen müssen sich nach mir richten." Diese psychische Egozentrik ist meistens mit einem starken Geltungstrieb verbunden und mit Zurückweisung anderer bei Nichtbeachtung der eigenen Person. Auf dieser Ebene geraten wir häufig in Konflikt und verschanzen uns hinter einem selbstüberschätzenden Ich-Anspruch, hinter einer Maske. Vor allem in Selbstverteidigungs-Situationen wird das Ich-Bild verzerrt, wächst über das normale Mass hinaus, man kämpft gegen Windmühlen, bricht brüsk jegliche Beziehung zu Menschen ab, die einem nicht passen, ab. Dadurch wird man zum einsamen Ich-Menschen, zum Eigenbrötler, der nur sich selbst kennt und niemanden mehr an sich herankommen lässt, der sich stolz und unnahbar hinter seiner eigenen Ich-Burg verschanzt und kontaktarm wird.

Auf der Mental-Ebene unterscheidet man sich strikt von anderen, das Ich wird gezeigt, bestens dargestellt, die Ich-Sphäre wird als ein besonderer Raum erlebt und muss respektiert werden. Hier arbeitet man intelligent an der Ich-Stärkung und drängt nach selbstbestimmender Tätigkeit. Man will jemand Besonderer sein, etwas Einmaliges leisten, worauf man auch stolz sein darf. Es wird ein grosser Aufwand mit der Ich-Bildung getrieben, man eignet sich Fähigkeiten an, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und überdurchschnittlich sind. Die meisten interessieren sich nur für solche Dinge, die dem eigenen Ich dienen, sie wollen sich durch Brillieren, durch Übertrumpfen, durch Bessersein von anderen unterscheiden. Manche identifizieren sich mit Eigenschaften, die sie nicht besitzen, dann leiden sie unter der ständigen Angst, entlarvt zu werden.

Der geistige Lernauftrag dieses Hauses: Durch das Heranbilden eines starken Ich-Kerns wird man unverwundbar. Das Gefühl der Einmaligkeit soll nicht zu Konkurrenzkämpfen führen, sondern innerlich stark und sicher machen. Für das, was als richtig erkannt wurde, soll man mit seiner ganzen Person eintreten. Man darf sich nicht in die Ecke drücken lassen, sondern muss sich behaupten und mutig Angriffe oder Feindschaften abwehren. Aus diesem starken Erleben der eigenen Kraft kommt die Gewissheit, die Überzeugung, dass man richtig liegt, der eigene Standpunkt kann klargemacht und durchgesetzt werden, Erfolgserlebnisse stärken das Ich.

Das 2. Haus

Es ist das Haus der eigenen Substanz, des Eigentums, der Mittel, die das Ich zur Verfügung hat. Es ist ein ökonomisches Verständnis, das hier dem Ich zur Verfügung steht und es lebensfähig macht. In der Fähigkeit, die vielfältigen Aufgaben des Lebens zu bemeistern, entwickelt sich das eigene Selbstwertgefühl.

1. Materieller Besitz, Habenwollen, Angst vor Verlust, Gier, Geiz.

2. Seelische Substanz, Wärme, Güte, Strahlkraft, Eigenwertgefühl.

3. Geistiges Vermögen, Talente, Können, Sicherheit, Meisterschaft.

Auf der materiellen Ebene wird das 2. Haus immer mit Geld in Verbindung gebracht. Hier ist der materielle Besitz wichtig, man arbeitet, um Geld zu verdienen. Man braucht immer Rücklagen, am besten ein dickes Bankkonto, um sich sicher zu fühlen. Viele können nicht genug bekommen und jagen hinter dem Geld her. Meistens hat man auch die Fähigkeit, die notwendigen Mittel herbeizuschaffen und spart mit viel Energie etwas für Notzeiten auf. Unnötige Ausgaben werden vermieden, ja sogar verabscheut, man kann keinen Substanzverlust ertragen, und die Sparsamkeit artet in unsicheren Zeiten in Geiz aus. Nichts ist so gross wie die Angst vor Mittellosigkeit, vor Armut, deshalb tut man alles um vorzubeugen. Der Selbst wert wird am Besitz, meistens an Geld aufgebaut. Hat man kein Geld, dann ist man nichts wert, man fühlt sich wertlos. Deshalb hält man das, was man hat, eisern fest.

Auf der psychischen Ebene wird das Anreichern von Substanz wichtig. Man hält viel von seelischen Eigenschaften wie Güte, Wärme, Treue. Man eignet sich all die guten Seiten an, damit das Leben reibungslos genossen werden kann. Man arbeitet, um es schön und bequem zu haben, man geniesst das Vorhandene und sorgt dafür, dass dieser Zustand so lange wie möglich anhält. Die Trägheit des fixen Hauses kann hier dazu führen, dass man unbeweglich wird und alles von sich stösst, was nach Veränderung ausschaut. Man verabscheut jegliche Störung der Harmonie, kämpft gegen alle, die den Lebensgenuss streitig machen wollen. Treten Probleme auf, die den harmonischen Ablauf der Dinge in Gefahr bringen, kämpft man verbissen und verschanzt sich hinter unbegründeten Forderungen. Manche stellen "ihr Licht hinter den Scheffel", fühlen sich zu nichts nütze, verlieren sich in Selbstmitleid und beneiden alle, die es schöner haben. Oft sind sie unfähig, sich aus diesem Zustand des "Status Quo" herauszuarbeiten, die Trägheit, die Inertia nimmt Überhand und verhindert jedes weitere Wachstum.

Auf 'der Mental-Ebene wird das 2. Haus zu einer Fundgrube geistiger Substanz. Hier ist alles vorhanden, was man sich einmal errungen hat an seelischen, geistigen und materiellen Werten, es ist aufgespeichert in der Vorratskammer des eigenen Innern und steht auf Abruf zur Verfügung. Lebensfreude und Urvertrauen sind die Folgen eines Daseins, das in dieser Fülle lebt, eingebettet und getragen ist im kosmischen Rhythmus von Geben und Nehmen. Kultiviert man diese Werte, dann wird das Leben lebenswert. Weil man es liebt, steht man im positiven Austausch mit den Naturkräften. Das bringt Erfolge auf allen Ebenen, Glücksgefühle, beflügelte Substanz vergäbe an die Mitwelt. Es ist eine schöpferische Potenz, die sich im Anwenden der angehäuften Gaben vervielfacht und gleich einer nie versiegenden Quelle immer alles da ist, was man zum Leben braucht. Aber die Angst vor Substanzverlusten bleibt untergründig bestehen, weil sie der Natur dieses Hauses entspricht. Hält man seine geistige Substanz, sein Wissen zurück und gibt es nicht weiter, versiegt die Quelle der Inspiration oder der Erleuchtung früher oder später.

Es ist der Lernauftrag dieses Hauses, das ängstliche Verschanzen hinter scheinbaren Sicherheiten zu überwinden und durch ein gereiftes Bewusstsein vertrauensvoll teilzunehmen am ewigen Lebensstrom.

Das 3. Haus

Hier steht dem Ich-Bildungsprozess das veränderliche Lernprinzip zur Verfügung. Im 3. Haus werden wir mit den vorhandenen Gepflogenheiten des Kollektivs vertraut gemacht und streben nach geistigem Austausch und Ausgleich. Wir wissen, dass ein guter Bildungsstand notwendig ist, um mitreden zu können. Deshalb eignen wir uns im 3.Haus möglichst viel Wissen an.

1. Genormte Denkweise, vorprogrammiertes Verhalten, Unselbständigkeiten.

2. Meinungs-Anpassung, Beeinflussbarkeit, Mitteilungsbedürfnis, Verständnis

3. Lerneifer, Wissensanhäufung, Form von Sprache, Schrift, Stil, Ausdruckskraft

Auf der materiellen Ebene wirken die kollektiven Denknormen stark. Es sind vorgezeichnete Schablonen, auf denen man entlang marschiert. Man kann sich dem allgemeinen Strom schwer verschliessen, schwimmt gewissermassen mit, denkt nicht weiter nach und glaubt, dass alles in Ordnung sei. Man lässt sich leiten und in die Richtung führen, die vorgezeichnet ist. Man will hier gleich sein wie die anderen und sich nicht unterscheiden, man übernimmt unreflektiert alles, was die Zeitungen, die Medien mitteilen. Auf dieser blinden Strasse sind Menschen programmiert verführbar und werden als Werkzeuge von stärkeren Denkern benutzt, sie gleichen Marjonetten.

Auf der psychischen Ebene wirken seelische Motive mit herein. Das programmierte Denken wird deshalb angezweifelt. Man lehnt sich auf, will Eigenes mit hereinbringen und gerät dadurch in Konflikte mit Lehrern, Eltern, Vorgesetzten, mit traditionsgebundenen Denknormen. Man passt sich immer wieder an, weil man abhängig ist vom Kollektiv und sich schwächer als andere fühlt. Man fragt sich: "Was kann man schon alleine gegen die Überzahl tun?" Dann unterliegt man rasch, passt sich wieder an, lernt das, was verlangt wird, denkt das, was andere bereits gedacht haben. Vielfach sind im 3. Haus Minderwertigkeitsgefühle im Denken vorhanden. Man vergleicht sich mit anderen und findet immer wieder einen Mangel im eigenen Charakter, im Wissen, im Milieu. Obwohl man sich ständig bemüht, so gescheit wie möglich zu sein, damit man ernst genommen wird, hat man subjektiv das Gefühl, die anderen hören mir nicht zu. Viele haben Angst, dass Wissenslücken sichtbar werden, dass man anderen unterlegen und ihrem Spott oder ihrer Kritik ausgesetzt ist.

Auf der Mental-Ebene ringt man um die richtige Form im Ausdruck, man will mit seinem Wissen Eindruck machen, andere überzeugen, belehren. Die Kritik aus der Umwelt wird beantwortet mit einem leidenschaftlichen Auflehnen gegen Allgemeinplätze und Kriterien, an denen man gemessen wird. Man will sich nicht mehr berwerten lassen, leidet unter der Abhängigkeit von "grossen Denkern", denen man nachbeten muss. Man lehnt sich auf gegen Autoritäten, will sie von ihrem Wissensthron herunterholen, misst sich in Diskussionen, Debatten, Aussprachen, redet stundenlang über ein und dasselbe Thema und kommt doch nicht zu einem befriedigenden Ergebnis. Man muss immer weiter lernen, das was heute richtig war, ist morgen schon wieder überholt. Wahrheiten, die man gefunden hat, werden rasch zu alten Zöpfen, zum Allgemeingut und sind deshalb nicht mehr interessant. Im Gedankenaustausch mit anderen kommen die eigenen Mängel zum Vorschein, man merkt, dass man über irgendetwas weniger Bescheid weiss als andere und schämt sich, man will es ihnen gleich tun. Deshalb büffelt man im Stillen, eignet sich das notwendige Rüstzeug an, um mitreden zu können. Seine eigenen Lücken und Mängel hütet man sorgfältig, damit sie nicht gesehen werden. Daraus entstehen Schein-Ichformen, man spielt der Umwelt etwas vor, weil man nicht beurteilt werden will. Man lernt all die Tricks, um durchzukommen, spielt die verlangte Rolle, die einem das Kollektiv zuteilt, so gut wie möglich, passt sich an und bleibt in dieser Beweglichkeit, wenn auch unsicher und angepasst, immer lernfähig.

Der Lernauftrag des 3. Hauses ist die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen, mit dem das Ich intelligent umgeht und mitreden kann. Das Gelernte muss man anwenden und in der richtigen Form an den Mann bringen. Daraus entsteht die Sicherheit des intelligenten Menschen, der sein Fach beherrscht, über alles Bescheid weiss und sein Wissen geschickt weitergibt.

Für manche Leute ist Moral eine Stilfrage.

Cogitor