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Titel Ausgabe 48



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Zurück Ausgabe 48 vom 18.02.1989 • Seite 16ohne Login!

• Astronomie

Pluto – ein Chaot?

Bruno Huber

Plutos Bahn um die Sonne ist "chaotisch", sagen die Astronomen. Er fügt sich nicht lückenlos in die Ordnung des Sonnensystems ein und ist deshalb über grössere Zeiten unberechenbar.

Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben zwei Astronomen (Sussman und Wisdom) mit einem Grossraumcomputer in dem zehn Rechner zusammengeschaltet wurden, einen Grossrechenversuch durchgeführt. Auf der Basis der seit der Entdeckung des Pluto 1930 gemachten Bahnmessungen liessen sie die Bewegungen der fünf äusseren Planeten über 845 Millionen Jahre (!) durchrechnen. Sie fanden dabei heraus, dass Pluto – vor allem wegen seiner Gravitationsresonanzen mit Neptun – eine sich immer wieder verändernde Bahn zeigt, die letztlich unberechenbar ist.

Der Begriff "chaotische Bahn", wie er in der Fachsprache verwendet wird, heisst natürlich nicht, dass Pluto völlig wider alle Regeln willkürlich durch den Raum irre. Keines der bekannten Naturgesetze wird von ihm verletzt. Es bedeutet aber, dass kleinste Störungen, die wir nicht berechnen können oder die uns als Schwerkraftfaktoren nicht bekannt sind (wie zum Beispiel Kleinstkörper, die von ausserhalb oder innerhalb des Planetensystems in Plutos Nähe kommen), ihn in seiner Bahn zwar momentan nur wenig beirren, auf längere Sicht aber in eine völlig neue Bahn ablenken können. Kleine Ursache also, aber grosse Wirkung. Das hat Pluto mit etlichen Kleinplaneten (Asteroiden) und mit periodischen Kometen gemeinsam. Auch sie laufen auf "chaotischen Bahnen".

Schon bei der Erstellung der Rechenprogramme zeigte sich die grosse Abhängigkeit der beiden Planeten Neptun und Pluto voneinander. Es mussten zur Plutoberechnung insgeamt fünf Bahnverzerrungen allein für die Resonanz mit Neptun einbezogen werden (Störrechnungen).

Der Versuch sollte verschiedene Fragen über den noch immer nicht genügend verstandenen Pluto beantworten. Unter anderem wollte man wissen woher er kommt – ob er zum Beispiel a) irgendwann von aussen ins Sonnensystem eingedrungen sei oder b) vielleicht ursprünglich ein Trabant (Mond) des Neptun gewesen sei, der sich verselbständigt habe. Die Trabantentheorie (b), die lange unter Astronomen die bevorzugte Erklärung war, die aber durch die Entdeckung des Plutomondes Charon ins Wanken geriet, konnte durch die Berechnungen gültig widerlegt werden. Die Transgressionstheorie (das von aussen Eindringen) hingegen bleibt weiter eine Erklärungsmöglichkeit für die seltsame Bahn Plutos.

Eine neue und wahrscheinlichere Erklärung wird aber jetzt von Wisdom postuliert: Pluto könnte bei der Entstehung des Sonnensystems vor etwa fünf Milliarden Jahren wie andere kleine Körper (er ist nur halb so gross wie unser Mond) an den äusseren Rand des Sonnensystems "verdrängt" worden sein. Er wäre dort in eine Schwerefeld-Resonanz mit Neptun gekommen (die ja heute noch weitestgehend sein Bewegungsverhalten bestimmt) und so nicht dem Sonnensystem verlorengegangen, wie das wahrscheinlich für viele im Schöpfungsprozess entstandene kleine Körper der Fall gewesen sein muss.

Diese neue Theorie hat einen hohen Wahrscheinlichkeitswert, obschon sie gerade wegen der chaotischen Bahn Plutos nicht endgültig bewiesen werden kann. Es könnte zum Beispiel nach diesen neuen Berechnungen, auf Grund der unendlich vielen, möglichen Plutobahnen auch passieren, dass er eines Tages plötzlich in eine andere Bahn weiter drinnen im Sonnensystem einschwenkt. Es ist höchst unwahrscheinlich (gemäss Berechnung), dass so etwas schon in den nächsten einhundert- oder Zweihunderttausend Jahren geschieht – aber es würde dann für einige Jahrhunderte oder gar Jahrtausende in unserem vertrauten Planetensystem ein ziemliches Durcheinander enstehen, bis sich die Planeten in einer neuen Ordnung im solaren Gravitationsfeld ausbalanciert hätten.

Für uns Astrologen ergeben sich aus diesen neuen astronomischen Erkenntnissen einige interessante Hinweise für die Deutung von Pluto (den wir ja auch noch nicht so voll im Griff haben):

1. Unberechenbarer Chaot

Die relativ plötzlichen Verhaltensänderungen, die Pluto zeigen kann, haben bisher in der Fachliteratur wenig Niederschlag gefunden. Auch das Chaotisch-Unberechen-bare wird kaum richtig in Betracht gezogen. Es sei denn, dass die vielfach angeführte "Zerstörung", die er hervorrufen soll diesen Wesenszug vielleicht etwas einseitig darzustellen versucht. Natürlich ruft eine plötzliche Verhaltensänderung eine Störung der bisher gewohnten Ordnung hervor. Und das wird verständlicherweise als Zerstörung empfunden, wenn man nur die äus-serlichen Symptome beobachtet. Bei etwas genauerem Hinsehen und Nachdenken besteht aber Ursache für die Veränderung. Sol-chermassen lässt sich wohl auch der vielverwendete, ursprünglich von Thomas Ring kreierte Begriff der Methamorphose (Gestaltwandlung) hier verstehen. Wobei man wohl auch voraussetzen muss, dass das Ganze einen Sinn habe, ein Ziel verfolge.

2. Schicksalsgemeinschaft

Pluto ist – wann immer er in die heutige Bahn geraten sein mag – hier eine Schicksalsgemeinschaft mit Neptun eingegangen. Es war und ist die vielfältige Resonanz (und vielleicht auch Dissonanz) mit Neptun, die Pluto für das Sonnensystem in seiner jetztigen Bahn festhält. Zwar bildet das Schwerefeld unseres Planetensystems eine in sich geschlossene Einheit, die jedem in ihm vorhandenen Körper seinen Platz zuweist. Aber die beiden äussersten Planeten haben eine eigenartige Sonderrolle im Ganzen, indem sie die starre Ordnung etwa der Titius-Bode-schen Abstandsregel durchbrechen, die bei den übrigen Planeten eine gleichmässige Progression des Abstandes von der Sonne bewirkt. Das ergibt für Pluto eine extrem geneigte und exzentrische Bahn, bei Neptun aber das genaue Gegenteil; er hat unter allen Planeten die konzentrischste, nämlich eine fast kreisförmige Bahn – ein echtes Kunststück!

Pluto definiere ich als das Ideal des perfekten Menschen, des Göttlichen im Menschen. Er ist der Animos, das Vater-Leitbild, das Imago des Helden, das mich nach dem Höchsten streben lässt. Neptun dagegen ist das Ideal der Liebe, das mich nach der perfekten Beziehung suchen lässt. So nah wie bei Pluto Genie und Wahnsinn stehen, so eng sind unter Menschen bei Neptun Liebe und Hass verknüpft. Das bezeugt die vielfach beobachtete Gegenwart Neptuns in Kriegskonstellationen.

Wenn wir, vereinfachend, die geistigen Prinzipien dieser beiden Planeten in je ein Wort fassen, so steht Pluto für den Willen und Neptun für die Liebe. Pluto ist durch das Reagieren auf die Gravitationsresonanz von Neptun in seine Bahn gekommen: also hat sich der Wille der Gesetzmässigkeit der Liebe untergeordnet! Das wird in unserer heutigen Zeit noch einmal unterstrichen durch zwei Tatsachen:

(1.) Pluto und Neptun laufen während etwa

hundert Jahren dauernd in Sextil-Abstand zueinander, was sie in Zuneigung aneinanderkettet – und

(2.) Pluto läuft jetzt innerhalb der Neptunbahn, die ihrerseits vom Abstandsgesetz her eine eigentliche Un-Bahn ist, welche es gar nicht geben dürfte! – Pluto, der "Unbotmässige", der mit seiner Kraft Grenzen durchbricht und uns zum Höchsten anreizt, im Auftrag und unter der Anleitung der Liebe, die ihrerseits keine Grenzen kennt. ..

Ist das nicht eine "Botschaft der Sterne", die wir sehr ernst nehmen sollten in unserer Zeit? – Sind wir – um der Liebe willen – bereit, gewohnte Bahnen zu verlassen?