Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 49



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 49 vom 20.04.1989 • Seite 6ohne Login!

• Deutungspraxis

Frau und Astrologie

Renata Klaesi

Die Planeten

Die Planeten sind das Handwerkszeug, das wir zur Bewältigung des Lebens zur Verfügung haben. An ihrer unterschiedlichen Deutung im Laufe der Zeit können wir sehr gut den Wandel des Zeitgeistes erkennen. Früher kannte man nur die 7 klassischen Planeten, von der Sonne und Mond die zwei Lichter genannt wurden. Sie waren die Symbole für Yin und Yang, für das Weibliche und das Männliche. Theoretisch standen sich damit zwei gleichwertige Pole ergänzend gegenüber. In der Praxis hatte aber eindeutig die Sonne Priorität, denn sie war das absolute Zentrum, um das alle anderen Planeten ein-schliesslich der Mond, kreisten, und von dem sie ihre Lebenskraft bezogen. Wie wichtig die dominante Stellung der Sonne genommen wurde, zeigt sich auch in der Deutung. Von der Schwäche oder Stärke der Sonne war die Entfaltung aller anderen Planeten abhängig. Im männlichen Horoskop waren die Männer selber durch ihre Sonne dargestellt, und der Mond war das Symbol für die Mutter und die Ehefrau, im weiblichen Horoskop war es umgekehrt.

Die Sonne

Sie war der strahlende Mittelpunkt des Planetensystems und verkörpert das männlich-väterliche Prinzip der Autonomie und Autorität. Sie herrschte über die anderen Planeten und war daher auch ein Symbol des Königs und Regenten. Sie verkörpert Schubkraft, Selbstbewusstsein, Mut, Kreativität, Selbstausdruck, Unabhängigkeit, Risiko- und Experimentierfreude. Folgerichtig standen diese Werte an höchster Stelle, und als Folge dieser einseitigen Betonung führte es zu den Auswüchsen dieses Prinzips in unserer patriarchalen Gesellschaft: zu Wettbewerbsdenken, Konkurrenzkampf, Leistungs- und Erfolgszwang, Egozentrik, Männlichkeitsfixierung, Rücksichtslosigkeit und Machtstreben. Das hat dazu geführt, dass die Männer dazu erzogen wurden, sich durchzusetzen, der Erste zu sein, im Mittelpunkt zu stehen, sich eine Stellung in der Welt zu erkämpfen, es zu Ansehen, Prestige und Macht zu bringen, hierarchisch zu denken, Gefühle und Empfindungen zu unterdrücken, ihre Aggressionen nach aussen zu projizieren bis zur Paranoia, Krieg als normal anzusehen, ebenso das Ausbeuten ganzer Völker und der Natur. Frauen werden zwar nicht mehr zur Unterwerfung erzogen, aber auch noch nicht zu den positiven Eigenschaften der Sonne. Die schöpferischen Fähigkeiten und das Sonnenbewusstsein müssen wir uns erst erarbeiten, dessen sollten wir uns bewusst sein. Und wir müssen es auch wirklich wollen. Viele Frauen schrecken aber immer noch davor zurück, denn das heisst, wirklich erwachsen zu werden, das Leben selber in die Hand zu nehmen und die Verantwortung nicht mehr abschieben zu können. Wenn wir die Sonne aber weiterhin auf die Männer projizieren und uns fremdbestimmen lassen, können Neid-, Hass- und Minderwertigkeitsgefühle denen gegenüber nicht ausbleiben, die selbständig sind, die sich ausdrük-ken können und sich etwas zutrauen. Mit der Unzufriedenheit und der stummen Wut kommen dann die Depressionen, die nach innen gerichtete Aggression. Ausserdem sollten wir aufpassen, dass wir nicht die patriarchalen Werte verinnerlichen, dem gleichen Männlichkeitswahn verfallen und uns selber abwerten. Abschliessend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die traditionelle Deutung der Sonne einem veralteten Weltbild entspricht, da wir unser Sonnensystem heute nicht mehr isoliert betrachten, sondern im Verhältnis zur Milchstrasse und zum Kosmos sehen, als eine Sonne unter Milliarden anderer, was ihre einzigartige Stellung wohl relativiert.

Der Saturn

Neben dem Vaterbild der grosszügigen, expansiven, lebenserhaltenden, wärmenden, alles überstrahlenden, aber auch sich über alles hinwegsetzenden Sonne gab es aber noch ein anderes, eher düsteres Vaterbild, das des strengen (aber gerechten?) Vaters, des Saturn. Er stellte strenge Regeln und Massstäbe auf, denen sich die anderen Familienmitglieder zu beugen hatten und strafte unbarmherzig jedes Vergehen bei Übertreten dieser Regeln, was man disziplinieren nannte, womit er die Familie tyrannisierte. Es wirft natürlich ein Licht auf die damaligen Erziehungsmethoden, wo das Kind zuerst einmal eine feste, beziehungsweise harte Hand brauchte und zum Ausgleich dazu eine liebe- und verständnisvolle Mutter, die es tröstete, in Schutz nahm und sich womöglich heimlich mit ihm verbündete. Dass dieses Modell angesichts der heutigen Erziehung überholt ist, versteht sich.

Saturn ist in der Astrologie aber auch immer das Symbol für die Materie, die Form und den Körper gewesen, wie es sich ja schon im Planetensymbol ausdrückt. Dass Saturn solange als Bösewicht galt, hängt nicht zuletzt auch mit der Abwertung des Körpers und der Körperfeindlichkeit der letzten 2000 Jahre zusammen. Saturn macht uns unsere körperliche Begrenzung, Verletzlichkeit und Abhängigkeit bewusst. Die Geborgenheit im Mutterschoss vermittelt ein völliges körperliches Aufgehobensein und Sicherheit. Als Säuglinge sind wir körperlich total ausgeliefert. Verlassenheitsgefühle haben hier ihren Ursprung, wenn wir als Babies vernachlässigt wurden, wenn wir allein gelassen wurden, und wenn auf unser Schreien hin niemand kam. Aber auch die Liebe der Eltern erfahren wir zuerst über den Körper, indem unsere körperlichen Bedürfnisse befriedigt werden, wenn wir berührt und gestreichelt, wenn wir angesprochen werden, wenn mit uns gespielt und geschmust wird. Als Kinder sind wir den Erwachsenen körperlich immer unterlegen. Wir erfahren diese Abhängigkeit auch, wenn uns der Körper bei Krankheiten und Unfällen einen Strich durch unsere Pläne macht. Er zwingt uns aber auch ohne das immer wieder zu Ruhepausen. Wir müssen schlafen und mit unseren Kräften masshalten. Im Alter, wenn wir womöglich hinfällig und pflegebedürftig werden, führt er uns unsere Vergänglichkeit vor Augen. Daran werden wir aber nicht gern erinnert, und wir nehmen heute dem Alter seine Würde und schieben es in die modernen Ghettos ab. Den Tod versuchen wir mit allen Mitteln hinauszuzögern. Der Körper wird als lästig und einschränkend empfunden. Er wird als Maschine behandelt, derer man sich bedient und die zu funktionieren hat. Im Krankheitsfall geht es dann darum, sie möglichst schnell zu reparieren. Es gibt da zum Beispiel den Ausdruck vom Körper als Vehikel als etwas rein Mechanischem.

Frauen werden durch den monatlichen Zyklus dazu gezwungen, ihrem Körper mehr Beachtung zu schenken und sind für seine Bedürfnisse sensibilisiert. Auch durch Schwangerschaften und Geburten Venus, Mosaik, römisches Reich, 3. Jh. n. Chr. sind sie mit ihrem eigenen Körper und ihrer Natur vertrauter. Frauen haben sich immer um das leibliche Wohlergehen ihrer Angehörigen gekümmert, indem sie für die Ernährung sorgen und Kinder und Kranke pflegen. Daraus ergibt sich ganz natürlich die Verbindung zur Heilkunde. Aber mit der Verfolgung und Ausrottung der weisen Frauen ist dieses Wissen grösstenteils verloren gegangen, dafür haben wir heute die technisierte pa-triarchale Medizin.

Durch ihre engere Verbindung zum Körper wurden die Frauen mit Körper und Materie überhaupt gleichgesetzt. Da der Verstand über den Körper gesetzt wurde, das heisst der Körper, die Materie als minderwertig angesehen wurde, die es zu beherrschen und nach Möglichkeit zu überwinden galt, galten auch die Frauen als minderwertig. Verstand und Geist, die sowieso in einen Topf geworfen wurden, wurden ihnen kurzerhand abgesprochen, im letzten Jahrhundert übrigens auch die Seele. Der Körper der Frau war als Lustobjekt zugleich begehrens- und verachtenswert. Den Frauen selber wurde die sexuelle Lust nicht gegönnt, im Gegenteil, sie wurde verteufelt. Diese moralische Verwerfung findet ihren Niederschlag noch in bestimmten Aspektdeutungen. Die Fleischeslust galt als verwerflich, man sprach vom schwachen Fleisch, der Körper wurde gezüchtigt und kasteit, um nur ja nicht auf dumme Gedanken zu kommen. Wir haben ja auch eine Ideologie des Leidens und Tötens und nicht der Freude und der Lust entwickelt. Damit galt auch das körperliche Leben nicht so viel.

Der Körper ist aber der Tempel der Seele, ein geniales Kunstwerk, das aus Unwissenheit und Borniertheit abgelehnt wurde. Heute sind wir dabei, den Körper wiederzuentdecken und Körper, Seele und Geist als Einheit zu sehen. Ich weise nur auf die vielen Körpertherapien hin. Heute wissen wir, dass in jeder Körperzelle der ganze Kosmos enthalten ist, dass in jeder Körperzelle alle unsere Erfahrungen gespeichert sind. Der Körper vergisst nicht und der Körper lügt nicht, auf seine Signale können wir uns verlassen. Die Körpersprache eines Menschen ist somit ehrlicher als seine verbalen Aussagen.

Der Mond

Der Mond war das Symbol des Empfänglichen und Mütterlich-Weibli-chen. Die Übertragung der biologischen Empfänglichkeit der Frau als Merkmal auf ihre Gesamtpersönlichkeit hatte üble Folgen, denn das verurteilte die Frau zur Passivität und damit zum Desinteresse ihrem eigenen Leben gegenüber. So wie der Mond sein Licht von der Sonne empfängt und ihren Glanz spiegelt, so sah man die Aufgabe der Frau darin, den Glanz des Mannes zu spiegeln, ohne eigenes Profil, ohne eigenen Willen, ohne eigene Meinung und ohne eigene Rechte. Und wie die Planeten um die Sonne kreisen, so hatten Frau und Kinder um den Vater zu kreisen als dem Nabel ihrer kleinen Welt (wenigstens offiziell). Der Mond war auch das Symbol des Volkes, der Masse, der Fahrenden, der Vagabunden, desGesindels, der Minderwertigen nach damaliger Auffassung. Kinder gehörten auch in diese Kategorie.

Mit seinen wechselnden Phasen galt der Mond auch früher schon als Symbol des Gefühlslebens. Da aber für Gefühle die Frauen zuständig waren, da sie von Männern als Schwäche angesehen wurden, galt der Mond auch aus diesem Grund als Symbol der Frauen. Ganz unberechtigt war das nicht, und seltsamerweise trifft das auch heute oft noch zu, wie ich es in Beratungen öfters erlebe.

Die Frauen gehörten ins Kollektiv und galten als unbewusst, launisch, kindlich, freundlich, naiv, hilfsbereit, nachgiebig und anschmiegsam. Dabei handelte es sich aber um die Vorstellung und Phantasie der Männer und sprach dem schweren Los vieler hart arbeitender und früh verschlissener Frauen Hohn. Durch dieses Bild blieb die Vormachtstellung des Mannes unangetastet. Die Entscheidungen wurden vom Familienoberhaupt getroffen und die Frauen in der Rolle des unreifen, unmündigen Kindes gehalten, abhängig vom Wohlwollen und den Mitteln des Mannes, was eine Partnerschaft von Anfang an verunmöglichte.

Die Mutterschaft wurde in den höchsten Tönen gelobt. Im Dritten Reich übrigens auch, wo die Frauen als Gebärmaschinen für Kanonenfutter gebraucht wurden. Von den Frauen wurde erwartet, uneigennützige Mütter zu sein, die auf ihre eigenen Bedürfnisse gerne verzichteten. Die Frauen wurden nicht zur Selbstverwirklichung und -entfaltung erzogen, das sind Schlagwörter unseres Jahrhunderts, sondern zur Anpassung und Unterordnung (wie es ja schon in der Bibel steht) und damit zur Unselbständigkeit und Autoritätsgläubigkeit.

Ich möchte darauf hinweisen, dass sich in der Auffassung von Mond – Gestirn der Nacht – Frau ausser einem dualistischen auch ein hierarchisches Denken versteckt: denn der helle Tag siegt über die dunkle Nacht, der Sieg des Lichtes über die Finsternis und so weiter. Das sind eindrückliche Bilder, die uns nicht unberührt lassen.

Das Familienmodell

Während die Planetendeutung in der traditionellen Astrologie durch die Vorherrschaft der Sonne, des männlichen Prinzips, eindeutig pa-triarchal ist, wie wir gesehen haben, ist das Familienmodell ein demokratisches. Vater, Mutter, Kind, aber auch Körper, Gefühl und Verstand sind gleichberechtigt, weil sie in der Planetenkolonne in einer Reihe, das heisst auf der gleichen Ebene stehen. Das hat aber noch eine weitere Dimension, denn durch die Einführung des Kindes als dritter Kraft ins Horoskop, wird die polare Aufteilung in zwei gegensätzliche Kolonnen überwunden und eine Synthese möglich. Dabei hat ein Rollentausch zwischen Mond und Saturn als Symbol der Mutter stattgefunden, denn Saturn ist die Mutter und der Mond das Kind.

Das Mutterbild

Nicht mehr der beeindruckbare, hilflose, sanfte und formlose Mond ist jetzt der Gegenpol der Sonne, sondern der feste, reife Saturn, der der verantwortungsvollen -Aufgabe wohl eher gerecht wird als der Mond. Er ist der Sonne ein ebenbürtiger Partner und durchaus geeignet, dieser Paroli zu bieten und sie, wenn nötig, in ihre Schranken zu verweisen. Er (sie) hat Rückgrat (und manchmal Haare auf den Zähnen).

Von einer Mutter werden ganz bestimmte Fähigkeiten verlangt: Als Mutter brauchen wir eine gehörige Portion Geduld. Wir lernen sie, wenn wir neun Monate auf ein Kind warten. Wir lernen sie, wenn wir unser Tempo dem des Kleinkindes anpassen müssen, das über unendlich viel Zeit zu verfügen scheint und dessen Uhren anders laufen. Und wir lernen Geduld in den vielen Jahren, bis wir sie endlich grossgezogen haben. Wir müssen Schutz, Halt und Struktur bieten, Grenzen setzen und nein sagen können, was eine undankbare Rolle ist, mit der man sich nicht gerade beliebt macht. Die Freizeitväter, die keine Lust haben, sich mit Erziehungsproblemen herumzuschlagen, sondern die freie Zeit mit ihren Kindern geniessen wollen, haben es da schon besser. Wir brauchen Konsequenz und Festigkeit. Wh gehen eine jahrelange Verpflichtung ein, aus der wir nicht mehi aussteigen können, wenn es uns nicht mehr passen sollte. Wir müssen auf eigene Wünsche verzichter und oft auch finanzielle Opfer bringen. Oft müssen wir Nerven wie Tierkreis auf einem ägyptischen Sarkophagdeckel, vermutlich 1. Jh. n. Chr. (radierte Kopie des 19. Jh.)

Drahtseile haben, nichts für den zartbesaiteten Mond. Und Kinder machen enorm viel Arbeit. Klingt das nicht saturnisch? Dieses Bild dünkt mich auf jeden Fall realistischer als die romantisch verbrämte Idealvorstellung von der Mondmutter.

Das Kind

Früher waren Kinder erst interessant, wenn sie fast schon keine Kinder mehr waren, wenn man mit ihnen etwas "anfangen" konnte. Sie wurden wie kleine Erwachsene behandelt, hatten aber nichts zu melden. Deshalb wäre wohl auch niemand auf die Idee gekommen, dem Kind einen eigenen Platz und ein eigenes Symbol im Horoskop einzuräumen. Erst in diesem Jahrhundert, das auch, wohl etwas voreilig, schon zum Jahrhundert des Kindes erklärt wurde, wurde das Kind zum Forschungsobjekt. Durch die Psychologie wissen wir, dass es sich bei der Kindheit um die entscheidenste Phase unseres Lebens handelt, dass hier die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Frühkindliche Erlebnisse prägen unser Verhalten als Erwachsene sowie unsere Einstellung zum Leben. Und unverarbeitete Traumata aus dieser Zeit können später unser ganzes Leben beherrschen und ruinieren.

Die Astrologie hat relativ spät geschaltet, und erst Bruno Huber hat der Bedeutung des Kindes in uns mit seinem Familienmodell Rechnung getragen.

Der Mond ist unsere sensitive und empfängliche Seite. Nie mehr sind wir so offen und beeindruckbar, so empfänglich für Liebe und Zuwendung, aber auch nie mehr so abhängig und verletzlich, denn es geht letztlich um unser Überleben. Nie mehr verlassen wir uns so auf unsere innere Stimme wie als Kinder. Nie mehr sind wir so ehrlich mit unseren Gefühlen, bis uns das gründlich aberzogen wird. Als Kinder waren unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt, wir waren kreativ, konnten aus nichts etwas zaubern. Wir hatten Zugang zum Irrationalen, wir verkehrten mit Engeln, Zwergen und Feen. Gerne würde ich schon wegen dieser Qualitäten den Mond den Frauen zusprechen. Aber auch Frauen werden patriarchal erzogen, stumpfen ab und haben grosse Mühe, ihr inneres verschüttetes Kind wieder auszugraben.

Abschliessend zum Familienmodell möchte ich noch auf einen anderen wesentlichen Unterschied zwischen der traditionellen und der Huber-schen Astrologie hinweisen. Letzteres definiert ganz klar, dass es sich bei den Persönlichkeitsplaneten um Rollen des Ichs handelt und nicht um das Ich selber. Das Ich ist durch das ganze Horoskop dargestellt. Es geht bei diesen Rollen darum, diese als solche zu erkennen und sich nicht mit einer Rolle zu identifizieren. Rollen sind austauschbar, und um vollständig zu werden, müssen wir lernen, diese verschiedenen Rollen zu handhaben und zu integrieren. Viele alleinerziehende Mütter und Väter müssen beide Elternrollen übernehmen, und die Bewegung von weiblicher und männlicher Emanzipation geht vor allem in diese Richtung. Nur die integrierte Persönlichkeit ist partnerschaftsfähig, hat wirkliches Verständnis für den Partner und ist nicht darauf angewiesen, dass dieser für sie eine Rolle übernimmt. Die integrierte Persönlichkeit ist auch die Voraussetzung für das Verständnis der geistigen Planeten, um diese nicht destruktiv im Sinne einer Kompensation einer schwachen Persönlichkeit zu leben. Der integrierte Faktor aber, unser wahres Selbst, ist durch den Kreis in der Mitte dargestellt. Das ist unsere tiefste Schicht. Hier sind wir frei, auch von männlichen und weiblichen Rollenbildern. Der Kreis in der Mitte bleibt immer leer.

Der Tierkreis

Der Tierkreis stellt in archetypischen Bildern die verschiedenen Stufen des menschlichen Entwicklungsweges dar. In ihm ist der ganze Erfahrungsschatz der Menschheit seit Jahrmillionen enthalten, der männlichen und weiblichen. In ihm herrscht eine vollkommene Ausgewogenheit zwischen männlichen und weiblichen Prinzipien. Bei den Zeichen als Energiequellen folgen sich immer abwechselnd ein sogenanntes männliches und weibliches. Eins entwickelt sich aus dem anderen, sie beziehen sich aufeinander, ergänzen einander und bilden gemeinsam einen Kreis, ein geschlossenes Ganzes. Sie brauchen einander und sind gleichwertig. Der Tierkreis ist rund und demokratisch. Die Bezeichnung männlich/weiblich bezieht sich auf die Elemente, wobei Feuer und Luft die männlichen, aktiven, extravertierten und abstrakten Elemente sind, Wasser und Erde die weiblichen, passiven, introvertierten, konkreten. Sie entsprechen den vier Funktionen Denken, Intuition. Empfinden und Fühlen. Ich möchte mich aus Zeitgründen auf die weiblichen Elemente und ihre Qualitäten beschränken und ihren Stellenwert und ihre Bedeutung in unserer Zeit kurz beleuchten.

Erde

Früher war die Erde als unsere Mutter geachtet, die uns das Leben hier überhaupt erst ermöglicht, und sie war uns heilig. Wir waren dankbar für den Lebensraum, den sie uns zur Verfügung stellt, die Nahrung, die sie uns schenkt und die Schönheit, mit der sie unsere Sinne erfreut. Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns, wie die Indianer sagen. Dieses Bewusstsein sowie unsere Verbindung zu ihr und allem Kreatürlichen ist heute grösstenteils verloren gegangen, wo die Kinder oft nicht einmal mehr wissen, woher die Milch im Supermarkt kommt. Erde ist passiv, formbarer Lehm, sie muss Übergriffe erdulden und wird ausgebeutet. Sie hat das lange geduldig ertragen, aber da sie ein lebender Organismus ist, fängt sie langsam an, sich zu wehren. Wir sprechen von der Festigkeit der Materie. Aber das ist eine Illusion, denn es gibt keine tote Materie, und ihre innere Bewegung, die der Atome, ist uns nur verborgen.

Die Erdzeichen sind die realistischen und beziehen sich immer auf die Materie und den Umgang mit ihr. Sie sind die praktischen. Sie prüfen alle grossartigen Ideen auf ihre Tauglichkeit und Nützlichkeit. Während die männlichen Elemente dazu neigen, sich in abstrakten Ideen zu verlieren, und damit den Bezug zur Realität, sind es die Erdzeichen, die uns immer wieder auf den Boden holen. Sie bauen keine Luftschlösser sondern akzeptieren die realen Möglichkeiten. Und nur über die Materie können wir unsere Gedanken, Träume und Visionen Wirklichkeit werden lassen. Die Erdzeichen sorgen für den reibungslosen Ablauf und die Bewältigung des täglichen Lebens, sie sorgen für Nahrung, Entspannung und unser körperliches Wohl. Da sie sich um die alltäglichen Dinge kümmern, werden sie gerne als langweilig und mühsam abqualifiziert oder sogar lächerlich gemacht, und ihre Tugenden wie Geduld, Fleiss, Ausdauer, Bewahren und Erhalten stehen nicht hoch im Kurs.

Der Stier, der sich abgrenzt, die Kräfte sammelt, Substanz bildet und Substanz zu bieten hat, wird oft als beschränkt belächelt, ebenso seine naive Lebensfreude. Die Jungfrau, die vorsichtig, vorsorgend und sorgfältig mit den vorhandenen Mitteln umgeht, was doch eigentlich klug und ökonomisch ist, wird kleinlich bis kleinkariert genannt. Wir richten lieber mit der grossen Kelle an, lassen uns nicht gerne durch Bedenken einschränken. Wir sind ja schliesslich die Herren und Damen der Schöpfung. Bescheidenheit gilt als dumm, man muss sich möglichst gut verkaufen können. Auch an die Tugenden des Steinbocks werden wir nicht gern erinnert: zu verzichten, Entbehrungen zu ertragen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eine einmal begonnene Sache geduldig zu Ende zu führen, allen Hindernissen zum Trotz.

Die Erdzeichen haben ihre fünf Sinne beieinander und wissen sie auch zu benutzen, und sie wissen die sinnlichen Freuden und Genüsse zu schätzen. Nicht umsonst wird ihnen Jupiter, der Planet der ganzheitlichen Sinneswahrnehmung, zugeordnet. Das Empfinden, die sinnliche Freude, werden heute aber abgetötet. Unser Planet verarmt, immer mehr Tier- und Pflanzenarten sterben aus, die Nahrung wird immer eintöniger, konformer und leerer. Unsere Sinnesnerven stumpfen ab durch den Krach und den Gestank, denen wir ständig ausgesetzt sind, und die Hektik, die unser Leben beherrscht, lässt nur noch wenig Zeit für Besinnung und Genuss.

Wasser

Durch den ständigen Wechsel seines Ortes und seiner Gestalt ist das Wasser ein Symbol der sich ständig ändernden und fliessenden Gefühle. Es ist aber auch ein Symbol des Lebensflusses schlechthin. Es ist das stärkste Element, denn es findet immer seinen Weg zum Ziel. Aber seine Stärke liegt nicht im Machen und Beherrschen, sondern im Mitfliessen, Sich-Anpas-sen, Nachgeben, in der Annahme und Hingabe. Wasser ist rätselhaft und geheimnisvoll. Wir wissen nicht, was sich in seiner Tiefe verbirgt. Das Meer, das grosse Wasser, ist das Symbol des Unbewussten. Das Wort Meer, märe, ist mit Maria verwandt, der Grossen Mutter, dem Urschoss, aus dem sich das Leben gebiert. Im Chaos des Wassers liegt das Schöpferische, aus dem das Leben entsteht. Im Wasser liegt die ganze Magie und schöpferische Kraft der inneren Bilder.

Die Wasserzeichen stehen in engem Zusammenhang mit dem Lebenskreislauf, mit Befruchtung, Schwangerschaft und Mutterschaft, mit Tod und Wiedergeburt, mit Anfang und Ende des Lebens. Durch ihren Zugang zum Unbewussten verbinden uns die Wasserzeichen mit der Quelle unseres Seins. Der Weg des Wassers geht nach innen, in die eigene Tiefe und Stille, ins Dunkle. Aber dieses Dunkle ist wie das Weibliche lange abgelehnt worden. Der Weg zum Gipfel führt über den Abstieg in die eigene Tiefe, wozu es mindestens soviel Mut braucht, wie den Gipfel zu stürmen, denn es heisst, den eigenen Dämonen zu begegnen und sie nicht mehr nach aussen zu proji-zieren. Es bedeutet, dass wir durch die Reinigung der Gefühle neugeboren werden. Die Taufe findet im Wasser statt.

Wasser ist gefährlich. Es kann über die Ufer treten und alles überschwemmen. Während wir uns als Meister der Materie wähnen und glauben, Herr im eigenen Haus zu sein, stehen wir der Gewalt der Gefühle oft fassungslos und hilflos gegenüber, wenn sie erst einmal richtig zum Ausbruch kommen, und unsere rationale Welt gerät ins Wanken oder bricht zusammen.

Aber so zerstörerisch das Wasser sein kann, so reinigend und heilend ist es, wenn es durch die Macht der Liebe alle Hindernisse wegspült. Die Wasserzeichen brauchen Zugehörigkeit. Wie in der Natur ohne Wasser alles verdorrt, so verdursten wir seelisch, wenn wir unsere Gefühle nicht austauschen können und unser Bedürfnis nach Liebe nicht gestillt wird. Wie das Wasser unserem Körper Elastizität und Geschmeidigkeit verleiht, so auch unserer Seele, wenn wir den Gefühlsfluss zulassen.

Aber gerade das haben wir nicht gelernt. Wir werden dazu erzogen, unsere Gefühle zu verdrängen und vor anderen zu verbergen. Intensive Gefühle werden abgelehnt, aus Angst, zurückgewiesen zu werden. Sie werden nach Möglichkeit zu umgehen versucht, um Schmerzen zu vermeiden. Denn sie machen uns unsere emotionale Abhängigkeit und Verletzlichkeit bewusst, und dass wir doch nicht so autonom sind, wie wir uns gerne weismachen möchten. Frauen haben vor allem nicht gelernt, mit ihren negativen Gefühlen wie Wut und Hass umzugehen, aus Angst, emotional abgewertet zu werden, während sie Trauer eher zulassen können. Bei Männern ist es meistens umgekehrt. Aber alle schneiden sich von ihrer Wurzel und Energie ab.

Die Wasserzeichen gelten als primitiv und instinktiv, ihre drei Symbole sind alles Tiersymbole. Da sie gut mit der dunklen Seite der menschlichen Natur vertraut sind, können sie sich gut in andere einfühlen und haben Verständnis für ihre Sorgen und Nöte. Sie haben Sinnn für Zwischentöne und die Fähigkeit, Unterschwelliges wahrzunehmen. Das Wasser mit seinem Weg nach innen ist in unserer veräusserlichten gefühlsarmen Welt nicht so gefragt. Dabei sind es gerade seine Gaben wie Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, Verständnis und Fürsorge für andere, die uns heute fehlen.

Wenn wir nun die Elemente auf ihre Ausgewogenheit hin anschauen, sozusagen ob die Mischung stimmt, dann stellen wir fest, dass die patriarchale Entwicklung eindeutig auf Kosten der weiblichen Elemente ging. Die Dominanz der männlichen Elemente mit ihrer Eroberungswut, ihrem Egoismus und Grössenwahn haben zum Verlust der Menschlichkeit geführt. Wir stehen physisch, psychisch und geistig an einem Ab-grund, und es ist dringend nötig, die weibliche Seite wieder zu integrieren.

Ich möchte schliessen mit einem Zitat aus dem Buch «Störfall», Nachrichten eines Tages, das Christa Wolf kurz nach Tschernobyl geschrieben hat, und das den Tag danach schildert, an dem sich ihr Bruder einer Hirnoperation unterzieht. Das Buch endet: «Vor dem Einschlafen habe ich jene Vorrichtung in den Intensivstationen vor mir gesehen, die sie "Tropf" nennen. Hängst du am Tropf, Bruder? Schläfst du? Da hat mir eine Stimme bis in den Schlaf hinein aus dem Märchen vorgelesen, in dem die wahre Königin in eine Ente verwandelt ist. In der Nacht aber sah der Küchenjunge, wie eine Ente durch die Gosse geschwommen kam, die sprach: Königssohn, was machst du, schläfst du oder wachst du...

Spät in der Nacht bin ich von einer Stimme hochgeschreckt und von einem Heulen. Die Stimme hat von weither gerufen: A faultless monster! Das Heulen, habe ich nach geraumer Zeit gemerkt, ist von mir gekommen. Ich habe im Bett gesessen und geheult. Mein Gesicht ist von Tränen überströmt gewesen. Soeben war in meinem Traum ein riesengrosser, naher, ekelhaft in Zersetzung übergegangener Mond sehr schnell hinter dem Horizont versunken. Am nachtdunklen Himmel war ein grosses Foto meiner toten Mutter befestigt gewesen. Ich schrie. Wie schwer, Bruder, würde es sein, von dieser Erde Abschied zu nehmen.»

Wahre Lebensweisheit besteht dcirin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Pearl S. Bück