Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 49



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 49 vom 20.04.1989 • Seite 16ohne Login!

• Astronomie

Die himmlische Opposition

Fred Krotky

Was soll das, wird sich bei diesem Titel so mancher Leser fragen. Zugegeben, eine Opposition astrologisch als "himmlisch" anzusehen, darauf dürfte von uns wohl noch keiner gekommen sein. Und doch – es gibt sie, diese scheinbare Himmlische Opposition. Zu ihrer Auffindung müssen wir allerdings unser Sonnensystem verlassen. Daraus folgt, dass an Stelle von Planeten Fixsterne das Betrachtungsfeld dieser Opposition beleben. Und noch etwas müssen wir beim Betrachten der Himmlischen Opposition berücksichtigen: Zentrum dieser Konstellation und damit Bezugspunkt ist der Polarstern. Dieser in mancher Hinsicht sehr wichtige Stern steht fast genau senkrecht über dem Nordpol. Da sein minimaler Aktionsradius am nächtlichen Himmel mit unseren Augen nicht feststellbar ist, können wir mit seiner Hilfe das ganze Jahr hindurch ganz leicht die Himmelsrichtungen bestimmen und die ihn umkreisenden Zirkumpolar-Sternbilder erkennen. Das Auffinden des Polarsterns ist relativ einfach, wenn man vom Sternbild des Grossen Bären ausgeht. Verlängert man die beiden letzten Sterne des 'Bären nach "oben" um etwa das Fünffache, so trifft man in einer verhältnismässig sternarmen Gegend auf den Polarstern. Wie wir aus Figur l ersehen, nimmt aber der Grosse Bär nicht immer die gleiche Stellung am Himmel ein. Je nach Jahreszeit und Zeit der Beobachtung steht das Sternbild in einer anderen Stellung am Himmel. Doch wo er sich auch befinden mag: die Verlängerung der beiden letzten Sterne des Bären führen uns stets zum Polarstern. Wenn nun allerdings der Grosse Bär nach seiner absteigenden Phase eine sehr horizontnahe Stellung (Herbst) einnimmt, kann es je nach Sichtverhältnissen schon vorkommen, dass man seine dannzu-mal weit auseinandergezogene Figur leicht übersieht. Hier hilft uns ein anderes zirkumpolares Sternbild, den Polarstern schnell und einfach zu orten. Es strahlt zu dieser Zeit hoch über uns fast im Zenit: die Kassiopeia, genannt auch das Himmels-W. Aber auch diese Sternfigur verändert im Jahresablauf durch ihre Drehung um den Polarstern ihre Form. Mit dem Grossen Bären und der Kassiopeia sehen wir also zwei in ihrer Form markante Oppositions-Sternbilder, die sich "ruhelos" im Uhrzeigersinn um den Polarstern drehen. (Das ist natürlich eine Täuschung. Nicht die Sterne drehen sich um den Polarstern, sondern die Erde dreht sich um ihre Achse. Da aber die Verlängerung der Erdachse nach dem Polarstern zeigt, so entsteht für uns die Täuschung, als ob sich Sterne und Sternbilder um dieses Gestirn bewegen würden.) Da sich alle Sterne dieses "Schauspiels" aus unserer Sicht zirkumpolar bewegen, können wir, wann immer wir wollen, uns diese Vorstellung anschauen.

Um den "Dreh" der Himmlischen Opposition voll bewundern zu können, tut man gut daran, die Beobachtungszeit exakt einzuhalten und wegen der Sommerzeit auf eine spätere Abendstunde anzusetzen.

So kennen wir nun eine Opposition, die zwar kein Überlegungs- und Wortgefüge verlangt, uns aber trotzdem, wenn auch auf ganz anderer Ebene, beschäftigen kann: indem wir ab und zu nur raufschauen und lauschen, wenn Raum und Zeit über Ereignisse im Universum sprechen. . .

Auch für den heutigen Menschen, wenn er durch die Nacht geht, ist es ein anderes, ob er nur so durch die Nacht geht oder ob er sich noch die Empfindung gewahrt hat, dass da oben eine andere Welt ist, dass Gestalten und Figuren auf ihn herniederblicken, die ihn da durch die Nacht begleiten.

Der Grosse Bär ist das wohl bekannteste Sternbild am Nordhimmel. Ein Teil der Sternfigur wird als Grosser Wagen bezeichnet. Es gibt auch Gebiete, wo man ihn als Himmelswagen kennt. Darunter versteht man die sieben Hauptsterne des Grossen Bären.

In der griechischen Sage hatte Zeus ein Liebesverhältnis mit der Prinzessin Kallisto. Als Zeus' Gemahlin Hera diese Beziehung entdeckte, verwandelte er Kallisto in eine Bärin und versetzte diese an den Himmel. Nach einer anderen Aussage soll Hera selbst aus Eifersucht diese Verwandlung vorgenommen haben.

Auch andere Völker hatten von jeher eine besondere Beziehung zu diesem Sternbild. So nannten die Römer die sieben Sterne des Grossen Wagens "die sieben Dreschochsen, die um den Himmelspol wandern". Nordamerikanische Indianer wiederum saften in dieser Figur einen "Schöpflöffel". Am subtropischen Luftgürtel Mittelamerikas galten sie als "einbeiniger Riese" (Hunrakan). Während der Unsichtbarkeitszeit dieses Sternbilds toben in der Karibik oft heftige Stürme, die davon abgeleitet als Hurrikans oder Orkane bezeichnet werden.

Fast alle Sterne des Grossen Bären haben mit annähernd 80 Lichtjahren nahezu dieselbe Entfernung von uns. Sie alle gehören zu einer Sternansammlung mit gemeinsamer Bewegungsrichtung im Raum, den man auch Bärenstrom nennt. Man nimmt an, dass sich unser Sonnensystem inmitten des Bärenstroms befindet, ohne aber an dessen Bewegung teilzunehmen.

Die Kassiopeia ist neben den Grossen Bären zu stellen. Durch ihre auffällige Figur ist sie heute auch dem flüchtigen Himmelsbetrachter wohlbekannt.

Für die Griechen aber war sie nicht nur ein abstraktes Buchstabenzeichen, sondern, von vornherein als menschliche Gestalt gesehen, Gemahlin des Königs Kepheus von Äthiopien. Kassiopeia rühmte sich, die schönste Frau aller Länder zu sein. Dies missfiel dem Meeresgott Neptun. Er sandte zur Strafe einen gewaltigen Walfisch an die Küste Aethiopiens. Der Walfisch hatte den Auftrag, das Land zu verwüsten, indem er eine ungeheure Sturmflut auslöste. Darauf befragte man in aller Eile und voller Sorge das Orakel. Der Spruch lautete: Man könne das Land nur dadurch retten, indem man die Prinzessin Andromeda dem Walfisch zum Frass vorwirft. Tatsächlich brachte man daraufhin Andromeda, mit Ketten gefesselt, an die Küste. Da fliegt in höchster Not Held Perseus durch die Luft heran, der bereits die Gorgonen besiegt hat und führt in dem hellen Stern Algol (Teufel), wie er heute mit seinem arabischen Namen genannt wird, das unheimliche Haupt der Meduse mit sich. Ein Blick auf dieses ungewöhnlich scheussliche Antlitz der Meduse erschreckte den jeweiligen Betrachter so stark, dass dieser, wer immer er sein mochte, in einen Steinklotz verwandelt wurde. Mit dieser "Geheimwaffe" konnte Perseus den Walfisch besiegen. Zum Dank erhielt Held Perseus Prinzessin Andromeda zur Frau.

Da Kassiopeia innerhalb der Milchstrasse liegt, weist ihr Ausbreitungsgebiet einen verhältnismässig grossen Sternenreichtum auf. In diesem Sternbild leuchtete im Jahre 1572 ein neuer Stern auf (Supernova), der kurze Zeit so hell strahlte wie die Venus. Heute kann man an dieser Stelle nur noch einen schwachen Nebel feststellen.