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Titel Ausgabe 52



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Zurück Ausgabe 52 vom 23.10.1989 • Seite 12ohne Login!

• Deutungspraxis

Bin ich Mann oder Frau

Theres Hügli

Ich habe einen Mann nach seinem Lebenslauf gefragt. Dieser Mann ist ein Transvestit. Als ich mit ihm sprach, wusste ich nicht, dass er in einer ernsten Krise steckt. Ich wusste zwar, dass er einmal als Mann und einmal als Frau erscheint, aber ich erlebte ihn immer fröhlich und scheinbar ohne Sorgen.

Seine Lage ist aber ziemlich ernst, und er will auch einen Psychiater aufsuchen. Er hat mir deshalb seinen Lebenslauf gegeben, weil er darin Hilfe vermutet, eine Art Appell an die Öffentlichkeit richten will, um dadurch mehr Verständnis für sein Aussenseiter-Verhalten zu erreichen, auch für andere Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Er hat zwar Freunde, trotzdem ist so ein Mensch sehr einsam.

Dominik/Marlen – Kampf um gesellschaftliche Anerkennung

Es handelt sich um einen Mann im Alter von 43 Jahren. Sein Name ist Dominik. Man kennt Dominik als ein nach aussen hin fröhlicher, humorvoller, pflichtbewusster und korrekter Mensch, der zu allen liebenswürdig und freundlich ist. Bevor ich auf seinen Lebenslauf eingehe, versuche ich, sein Horoskop kurz zu deuten.

Das Aspektbild weist durch die Strichfigur auf eine bewegliche, unruhige, immer nach neuen Zielen fragende Lebensmotivation hin. Die Obenlagerung befähigt zu bewusstem Planen, Überdenken und überlegtem Handeln. Die überwiegend waagrecht laufenden Aspekte bedeuten ein Ich-Du-Grundthema, den Kontakt und das Bezogensein auf die Umwelt, auf das Du. Die Lagerung der Aspekte zielt sowohl in den Denkraum, in den Raum der bewussten Anpassung und Lebenseinstellung, als auch in den Seinsquadranten, wo es um die bewusste Ich-Gestaltung und Selbstverwirklichung geht.

Die Schwerpunkte in Dominiks Horoskop liegen im 8. und im 10. Haus. Einerseits hat er mit Saturn, Mars und Mond im 8. Haus das Bedürfnis, Sicherheit und Geborgenheit in der Gesellschaft zu finden. Seine Ängste, in der Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden, treiben ihn ehrgeizig dazu, seine Kräfte dafür einzusetzen, ein gewisses Prestige zu erlangen und den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen. Anderseits mit Jupiter, Venus und Neptun im 10. Haus drängt es Dominik dazu, seine eigene Überzeugung und die Identifikation mit dem weiblichen Prinzip, dem Ästhetischen oder Künstlerischen in der Öffentlichkeit auszudrücken.

Als Wassertypus möchte Dominik gerne seine Gefühle ausdrücken können, Gefühlsaustausch pflegen, die mehr weibliche Seite zum Ausdruck bringen. Das blau-grüne Aspektbild zeigt einen friedliebenden Menschen mit sensitivem Einfühlungsvermögen.

In der Erziehung wurde viel Wert auf Ethik und Moral gelegt (alle Persönlichkeitsplaneten in fixen Häusern). Seine Tatkraft und Gefühle durften nur in einem begrenzten Rahmen zum Ausdruck kommen.

Die dynamische Auszählung zeigt die grösste Pluszahl im Stier. Das bedeutet, dass Dominik auf Sicherheit, Standfestigkeit und Durch-haltevermögen in bezug auf die Existenzbewältigung (Stier im 6. Haus) konditioniert wurde.

Mit der Sonne im Skorpion im 11. Haus und dem Widderzeichen im 4. Haus wird sich Dominik von alten Familientraditionen und dem Verhaftetsem in der Vergangenheit befreien wollen. Um die Sonne zu integrieren, ist Selbsterkenntnis und die Auseinandersetzung mit seinem Unbewussten (Trigon Mondknoten) sowie mit geistigen Erkenntnissen über grössere Zusammenhänge, die nicht allein von dieser Welt sind (Merkur in Skorpion im 12. Haus), von Bedeutung.

Wir haben es hier mit einem Menschen zu tun, der sehr viel Bewegung braucht, den Kontakt mit Menschen, mit denen er seine Gefühle austauschen und wo er sein sensitives Einfühlungsvermögen einbringen kann. Somit würden helfende, dienende oder künstlerische Berufe in Frage kommen, bei denen Sensitivität, Hingabe und liebevolle Pflege gefragt sind. Aber auch Berufe, wo es darauf ankommt, Verborgenes an die Oberfläche zu bringen, z.B. in therapeutischen Berufen, die die Auseinandersetzung mit Gefühlen, Aggressionen und Tabuthemen erfordern (8. Haus und Skorpion).

Nachfolgend erfahren Sie, was sich im Leben von Dominik in Wirklichkeit abgespielt hat und mit was für einem grossen Problem er in unserer Gesellschaft fertig werden muss:

Dominik wurde am 27. Oktober 1945 10:35 Schwyz / Schweiz mit AC Schütze geboren. Er zeigt sich in der Öffentlichkeit stets fröhlich, aufgeschlossen und mit Humor. Sein Erinnerungsvermögen beginnt zwischen drei bis vier Jahren. Damals verlor er bei einem tragischen Unfall zwei Finger (Quincunx Saturn/Mars). Als Dominik vier Jahre alt war, bekam er ein Schwesterchen. Nach weiteren zwei Jahren hatte er bereits drei Geschwister. Er ging über zwei Jahre in den Kindergarten, weil seine Mutter vielerorts als Aushilfe tätig war. Auf die lange Kindergartenzeit war er stolz.

Nun fängt Dominiks Lebensproblem an. Zwischen der ersten und der zweiten Klasse fühlte er sich immer mehr zu Mädchenspielen hingezogen. Bubenspiele reizten nicht mehr. Er fing an – natürlich im Versteckten – mit Puppen zu spielen und sie zu wickeln. Es drängte ihn schliesslich dazu, Kleider von der Mutter anzuziehen (Quinkunx Uranus). Dieses Geheimnis war bis dahin noch angenehm und unproblematisch. Bei der Marsopposition bekam Dominik noch ein Brüderchen.

1955/56 schlug sein Vater ihn ohne besonderen Grund, bis die Nase zu bluten begann (Quadrat Sonne). Der Vater war wegen seiner Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oft unbeherrscht. Dies änderte sich erst, als er sich einer Magenoperation unterziehen musste. Dominik war damals elfjährig.

Sein Firmpate verdächtigte Dominik, sich an einem Mädchen vergangen zu haben. Obwohl der Vater als Zeuge wusste, dass diese Beschuldigung falsch war, zeigte er kein Interesse für diese Angelegenheit und äusserte sich nicht dazu (Opposition Pluto). Welch ein Ohnmachtsgefühl für Dominik! Erst eine Untersuchung, worauf der Firmpate bestand, machte den Verdacht hinfällig.

Vor Beginn der Lehre arbeitete Dominik in einer Messerfabrik. In dieser Zeit äusserte er den Wunsch, Coiffeur zu werden, um auf diese Weise seine Weiblichkeit zu leben. «Lerne etwas, wo ich nicht draufzahlen muss!», meinte sein Vater, und damit war dieser Wunsch ausgeträumt (Quinkunx Saturn/Mars/Mond). Dominik hätte niemals gewagt, seinem Vater den Grund, warum er Coiffeur werden wollte, mitzuteilen, denn damit hätte er die schlimmsten Prügel seines Lebens erwartet. Die "normalen" Prügel waren schon schlimm genug.

Vor seinem sechzehnten Geburtstag kam noch ein Schwesterchen auf die Welt. Das war eine glückliche Zeit, denn Dominik hatte jetzt eine lebendige Puppe, die er verwöhnen, wickeln und schöppeln konnte, ohne dass sein Wunsch, selber ein Mädchen zu sein, erkannt wurde (Quadrat Uranus).

Dominiks Vater war stolz, dass sein Sohn eine dreijährige Lehre als Maurer begann. Aber kein Mensch fragte Dominik, was er fühlte und ob er damit glücklich sei. Trotzdem schaffte er die Lehre mit einer guten Note. Dabei hat ihm seine jüngste Schwester sehr geholfen. Bei ihr konnte er Gefühle zulassen, sie gern haben, seiner inneren Weiblichkeit nachgehen, ohne ausgelacht zu werden. Dominik hatte einen grossen inneren Drang, eine Frau zu sein. Die Fasnacht war die einzige Möglichkeit, als Frau verkleidet in die Öffentlichkeit zu gehen.

Um sein Selbstbewusstsein zu stärken, lernte er während der Lehre bis zum 21. Lebensjahr Judo und Karate (AP im Widder). Nach der Lehre war er im Baugewerbe tätig. Er arbeitete im Pfahlbau, um Geld für die Rekrutenschule zu verdienen. Eines Tages las Dominik, dass sich ein Mann einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Der Gedanke an diese Möglichkeit verfolgte ihn während der ganzen Rekrutenschule. Dominik war in dieser Zeit oft jähzornig. Nach dem Militärdienst raffte er allen Mut zusammen, verkleidete sich als Frau, schminkte sich und ging so am See spazieren (Sextil Uranus). War das ein Gefühl! Von da an ging Dominik regelmässig an den Wochenenden als Frau verkleidet aus. Dies gab ihm Kraft und innere Ausgeglichenheit für die folgende Woche, auch wenn die Arbeit noch so hart und streng war. Leider musste Dominik bei seinem wöchentlichen Ausgehen als Frau oft böse Beschimpfungen hören, obwohl er niemandem etwas zuleide tat.

Dominik liess sich privat in Kosmetik ausbilden. Er arbeitete als Taxiaushilfe und Barmaid, wo er dank seinem Humor auch angenehme Leute kennenlernte. Mit 24 Jahren wehrte er sich das erste Mal gegen den Vater (Opposition Sonne), nachdem dieser ihn wütend empfing, als Dominik erst frühmorgens von einer Tanzveranstaltung nach Hause kam. Beim Quinkunx Venus, mit 27 Jahren, lernte er eine ledige Frau mit einem zweijährigen Mädchen kennen.

Sein Vater musste sich einer Magenoperation unterziehen (Quadrat Pluto), was einen neuen Arbeitsplatz zur Folge hatte, wo er glücklicher war, und so besserte sich auch ihre Beziehung.

1974 absolvierte Dominik die Car-und eine schwere Motorradprüfung.

Bei der Merkuropposition 1975 ist ein Bruder an Krebs gestorben.

Mit 31, nach vierjährigem Zusammenleben, hat Dominik geheiratet und ist bald darauf Vater geworden. Seine Frau wusste Bescheid über Dominiks Problem und akzeptierte, dass er einmal in der Woche als Frau verkleidet ausging. Dominik hätte seine Frau gerne mitgenommen, aber diesen Wunsch konnte sie ihm nicht erfüllen. Die Schwiegermutter, bei der sie wohnten, wurde böse und nörglerisch, Dominik musste ins Spital eingeliefert werden, weil Magen, Herz und Nerven angegriffen waren. Während dieser Zeit war auch seine Mutter im Spital. Sie starb am 1. April 1977 an Nierenversagen. Dies war für Dominik ein grosser Verlust, denn er hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Mutter. Nur eines konnte er nicht verstehen, nämlich, dass sie Dominiks Ungehorsam dem Vater verriet. Sie wusste doch, wie heftig der Vater reagierte. Am Sterbebett sagte sie zu Dominik: «Ja, da habe ich einen Fehler gemacht.»

Vor dem Eintritt in das Zwillingezeichen hatte er eine neue Stelle als Maurer, Chauffeur und Maschinist angetreten. Auch konnte er eine eigene Wohnung beziehen. Mit Hilfe von Büchern lernte er Maskenbildner.

Im Herbst 1985 wurde Dominik als heterosexueller Transvestit gebeten, im Radio in einer Sendung zum Thema hetero- und homosexuelle Transvestiten mitzuwirken. Die Präsentatorin fragte ihn am Schluss der Sendung: «Was würden Sie sich wünschen, wenn ich Ihnen drei Wünsche erüllen könnte?» Darauf antwortete Dominik: «Nebst einer guten Gesundheit habe ich nur einen Wunsch. Ich möchte die Menschen motivieren, ihre Vorurteile fallen zu lassen und sie soweit bringen, dass sie mit uns diskutieren, um wenigstens zu versuchen, unsere Beweggründe zu verstehen,

Gedanken von Marien:

Liebe kann sehr viel sein.

Liebe ist das Leben.

Wer nicht liebt, lebt nicht.

Alles, was man ohne Liebe macht,

lässt man besser bleiben.

Auch der Respekt vor Mitmenschen,

den ich für so wichtig halte,

ist ein Aspekt der Liebe.

zu verstehen, dass wir auch Menschen sind und als solche behandelt werden möchten.» (AP anfangs Krebs.)

Beim Mondknotenübergang begegnete Dominik einer Frau, die ihm Selbstbewusstsein vermittelte und Tips gab in Frauensachen. Er war glücklich, dass sie mit ihm ausging, obwohl er als Frau verkleidet war, und dass sie sich ein Leben mit ihm vorstellen konnte.

Als Dominik 42 Jahre alt war, trennte sich seine Frau von ihm. Sie konnte die Worte ihrer Kolleginnen: "Bist du mit einem Mann oder mit einer Frau verheiratet?" nicht mehr ertragen. Nebst dieser Enttäuschung hatte er als Chauffeur einen Verkehrsunfall, bei dem eine Person getötet wurde. Nach zehnjähriger Tätigkeit in einer Baufirma wechselte Dominik zum Strassen-bau, wo er zur Zeit tätig ist. Zu allem Unglück kamen noch Steuerschulden hinzu. Sein wohlhabender, in guter Position stehender Firmpate wollte diese Schulden bezahlen, unter der Bedingung, dass Dominik für immer aufhöre, sich als Frau zu verkleiden. Er dachte an Selbstmord; nur der Gedanke an seine beiden Kinder konnte ihn davor bewahren (AP Spitze 8, Quadrat Neptun, Venus, Jupiter).

Im Oktober 1988 hatte Dominik erneut einen unverschuldeten Verkehrsunfall, bei dem er selber schwer verletzt wurde. Nach 16 Tagen konnte er das Spital mit Krücken wieder verlassen. Er lebt seither nur noch als Frau verkleidet. Der Gedanke, nach der Genesung wieder als Mann arbeiten zu müssen, hat ihn fast krank gemacht. Nach einer Aussprache mit seinem Chef erhielt er die Bewilligung, als Frau verkleidet arbeiten zu dürfen. Im fiel ein Stein vom Herzen! (Halb-sextil Uranus.)

Dominik will nicht mehr Dominik sein. Er will nur noch eines: eine Frau sein, und zwar Marien. Das ist sein fester Entschluss. Deshalb will er mit Hilfe einer entsprechenden Hormonbehandlung weibliche Formen erzielen. Er will mit seinen 43 Jahren jedoch keine totale Geschlechtsumwandlung mehr vornehmen lassen. Sexualität bedeutet ihm nicht viel, umso mehr gefühlsmässiges Erleben und Zärtlichkeit.

Zum heutigen Zeitpunkt steht der AP 6 Grad vor der Konjunktion Saturn, Mars und Mond im Zeichen Krebs im 8. Haus.

Beim AP fällt auf, dass die meisten Uranus-Aspekte Dominik eine Möglichkeit boten oder ihm den Mut gaben, seine Weiblichkeit auf seine Art zu leben, und dass der Grundstein für diese Veranlagung wohl im ersten Lebensjahr bei der Opposition zum Uranus gelegt wurde. Dominik weiss leider nichts darüber.

Die Konjunktion, auf die der Alterspunkt zugeht, verlangt sicher eine Entscheidung. Soll der "Mann" sterben, damit die "Frau" werden kann (8. Haus) oder umgekehrt?

Hat der AP beim Mondknotenübergang die Frau verneint? Im Gegenteil! Dominik (bereits in festen Händen) lernte eine Frau kennen, die ihm zeigte, dass sie sich ein Leben mit ihm als Frau vorstellen könnte. Sie gab ihm den Mut, sich für die Frau in ihm zu entscheiden. Auch die Einladung zur Radiosendung spricht für diese Wandlung.

Der AP stand kurz vor dem Mondknotenübergang.

Es ist kein leichter Entscheid für Dominik, diese Wandlung in der Gesellschaft durchzusetzen, aber der Entscheid bedeutet für Dominik, sich selbst zu sein. Erst wenn man sich selbst sein kann,wird man frei von Ängsten und Zwängen und kann sein Leben erst so richtig leben. Dominik sucht nun eine Partnerin, die ihn so annehmen kann, wie er ist (Uranus 7. Haus). Als individualisierte Persönlichkeit wird er einer künftigen Partnerin viel mehr Zuwendung geben können (Mondknoten 7. / 8. Haus).

Nach seiner Wandlung zur Frau nennt er sich nun Marien.

Menschen mit einem Schicksal wie das von Dominik brauchen sicher

viel Verständnis von Seiten ihrer Mitmenschen. Dies ist Marlens grösster Wunsch, deshalb hat sie mir ihre Lebensgeschichte zur Verfügung gestellt.

Vielleicht schreibt jemand seine Gedanken dazu? Oder jemand möchte gerne mit Marien Kontakt aufnehmen? Ein Echo, das Marien Hoffnung gibt, würde mich sehr freuen.