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Titel Ausgabe 52



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• Astronomie

Das Sommer-Dreieck

Fred Krotky

In einem Verzeichnis der Sternbilder wird man vergebens nach einem «Sommer-Dreieck» suchen. Es gehört nicht zu den 88 "offiziellen" Sternbildern, die jeder einschlägige Katalog aufführt. Aber drei helle Sterne bilden den auffälligen Schwerpunkt des abendlichen Sommerhimmels, die man landläufig "Sommer-Dreieck" nennt. Es ist gewissermassen das Gegenstück zum Winter-Sechseck (siehe Astro-log Nr. 5). Das Sommer-Dreieck setzt sich aus den jeweils hellsten Sternen dreier Sternbilder (Leier/ Schwan/Adler) zusammen; sie heis-sen: Wega, Deneb und Atair.

Das Sternbild Leier (zirkumpolar) gehört zu den kleinen, aber sehr markanten Sternbildern, enthält sie doch den hellsten Stern des nördlichen Sternenhimmels, die Wega. Wega ist eine arabische Bezeichnung und bedeutet "Der herabstürzende Adler". Dieser Fixstern strahlt ein grelles, bläulich-weisses Licht aus. Der Abstand von der Erde beträgt 28 Lichtjahre (1 Lichtjahr = 9,46 Billionen Kilometer). Die Leuchtkraft der Wega ist 45mal grösser als die der Sonne. Bei den babylonischen Astrologen hiess die Wega "Dilgan", was Botschafter des Lichtes bedeutet. Neben der Wega sieht man bei sehr klarem Himmel vier schwächere Sterne in der Form eines kleinen Rhombus: sie sollen den Leierkasten dieses himmlischen Musikinstruments andeuten.

Der Schwan (teils zirkumpolar) gehört zu den prächtigsten Sternbildern unseres Sommernachthimmels. Er fliegt durch die Sternwolken der Milchstrasse. Feldstecherbesitzern sei ein Blick in die Schwangegend angeraten. Eine enorm grosse Sternenansammlung lässt hier die Milliarden Sonnen unserer Galaxis erahnen. Das Sternbild Schwan hat die Form eines Kreuzes. Man spricht deshalb auch vom "Kreuz des Nordens", dem Gegenstück zum kleineren "Kreuz des Südens", das ja in unseren Breiten nicht zu sehen ist. Es ist beim "Kreuz des Nordens" nicht schwer, aus den hellsten Sternen die Figur eines fliegenden Schwans zu erkennen, wie dies schon die alten Völker taten. Der Hauptstern Deneb – ein Eckstern des Som-mer-Dreiecks – gehört zu den absolut hellsten Sternen, die man kennt. Er ist 1500 Lichtjahre von uns entfernt, zeigt die lOOOOfache Sonnenleuchtkraft und hat eine gelblich-weisse Farbe. Südöstlich von Deneb befindet sich eine sternarme Gegend (nördlicher Kohlensack). Hier verdeckt ein Dunkelnebel die Milchstrasse.

Vom Sommer-Dreieck steht das Sternbild Adler am südlichsten. Über ein Drittel des Sternbilds liegt südlich des Himmelsäquators. Es ist ein sogenanntes Äquatorsternbild und daher auf der ganzen Welt zu sehen. Der Adler gleicht tatsächlich einem fliegenden Vogel, dessen Kopf der Hauptstern Atair (arabisch "der Fliegende") ist. Mit "nur" 16 Lichtjahren Entfernung ist er ein Stern der Sonnennachbarschaft.

Seine beste Sichtbarkeit hat das Sommer-Dreieck in den Monaten Juni, Juli und August. In mittleren Nordbreiten (Mitteleuropa) kulminiert es dann in Zenithöhe. Dabei weist seine "Spitze" (= der Stern Atair) nach Süden. Doch dank seiner relativ hohen Deklination kann dieses markante Sternbild-Trio auf unseren Breiten bis weit in den Spätherbst hinein gut gesehen werden.