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Titel Ausgabe 52



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Zurück Ausgabe 52 vom 23.10.1989 • Seite 28nur mit Login!

• Grundwissen

Die dreidimensionale Häuserlehre, Teil 7

Louise Huber

Das 11. Haus

Das elfte ist das Haus der Freundschaft, des idealen Menschenbildes, der Ethik. Es ist ein fixes Haus, weshalb stabilisierende oder kristallisierende Kräfte am Werk sind. Hier werden Gedankenformen gebildet, an die man sich halten kann, die zu Prinzipien werden und Träger einer höheren Lebensphilosophie sind. Aber es können auch kleinliche moralisierende Gedanken sein, die zu fixen Vorstellungen, zu Voreingenommenheiten führen, von denen man nicht mehr loskommt, die Enttäuschungen in menschliche Beziehungen bringen. Im 11. Haus sucht man Gleichgesinnte, damit man selbst stark ist, man braucht andere, weil man sich sonst hilflos vorkommt. Viele brauchen einen Status, sammeln Mittel und Geld, bauen sich ein Haus, damit sie mit Höhergestellten standhalten können. Bei vielen besteht eine intellektuelle Unsicherheit, weshalb man sich an besonderen Persönlichkeiten oder an geistigen Prinzipien menschlicher Werte orientiert.

Die Dreistufigkeit in diesem Haus ist offensichtlich:

l. Materielle Ebene

Auf dieser sind die Kristallisationskräfte am stärksten, deshalb gibt es hier den Fanatiker, den Sektierer. Menschen, die kompromisslos sind und nur die eigenen dogmatischen Ideen gelten lassen. Andersdenkende werden abgelehnt und verurteilt. Freunde sind nur jene, die die gleichen Ansichten teilen, alle anderen sind Feinde. Die Auserwählten-Theorie: "Wir sind die Guten, ihr seid die Schlechten". Der Selektivmechanismus ist anspruchsvoll, elitär und oft asozial, der"Snob".

2. Gefühls-Ebene

Liebe und Gefühle werden nur für jene geteilt, die gleich empfinden, die dazugehören und den gleichen Status oder einen höheren haben. Man fühlt sich nur wohl unter Gleichgesinnten, ist ständig auf der Suche nach den richtigen Freunden, macht sich von ihnen und ihrer Gunst abhängig und ist rasch enttäuscht, wenn sie die eigenen Erwartungen nicht erfüllen.

3. Mental-Ebene

Hier sucht man sich im fairen Austausch mit anderen zu vereinen. Man gründet einen Kreis von Gleichgesinnten, eine ideologische Gemeinsamkeit, die mit dem Zeitgeist harmoniert und sich der Lösung menschlicher Probleme oder geistiger Aufgaben widmet. Man weiss um seine eigene Originalität und toleriert deshalb auch die der anderen. Auf dieser Stufe kann "die Harmonie der Originale" verwirklicht werden.

Auf der materiellen Stufe ist man zweckorientiert und sucht Beziehungen, die in irgendeiner Weise Vorteile bringen (Vetternwirtschaft). Freunde und Mitarbeiter werden dahingehend ausgesucht, inwieweit sie für das eigene Fortkommen nützlich sind. Andere Kontakte sind nicht interessant, man lässt sie rasch wieder fallen, wenn sie keinen Nutzen mehr bringen, oder wenn sie sich nicht so verhalten, wie man es erwartet. Aber an Menschen, die etwas zu bieten haben, hängt man fest, man rennt ihnen sogar nach. Man wacht eifersüchtig darüber, dass ihre Aufmerksamkeit nicht nachlässt, tut alles, um sie nicht zu verlieren. Viele betteln um die Gunst Stärkerer, reden ihnen nach dem Mund, schmeicheln ihnen und bewundern sie, damit sie angenommen bleiben. Auf dieser Stufe ist die Elfthaus-Ethik nicht reflektiert, sondern nachgebetet, man spurt nach den aufgeprägten Prinzipien, lebt liniengetreu nach dogmatischen Grundsätzen, ist abhängig von geistigen Ideen oder Führern und bleibt damit unmündig und wird sektiererisch. Bewusst oder unbewusst übt man auf andere einen Zwang aus, die eigenen Vorstellungen zu erfüllen. Die intellektuelle Unsicherheit zeigt sich darin, dass man andere, die sich anders verhalten, moralisch fertigmacht. Man schaut auf sie herunter, kommt sich als etwas Besonderes vor und verurteilt alles Mittelmässige. Der elitäre Anspruch basiert auf Formen, auf Doktrinen, auf materiellem Besitz, woran der eigene Wert aufgebaut wird, er entbehrt der inneren Reife. Absicherung geschieht meistens dadurch, indem man zu einem Verein, einem Zirkel, einem Club gehört, aus dem man nicht so leicht herausfallen kann, weil das Dazugehören materiell abgesichert ist, durch Kastengeist, Statuten oder Geld.

Auf der Gefühlsebene will man im 11. Haus einen Freundeskreis haben, in dem man sich geborgen, verstanden und wohl fühlt. Viele sind immer auf der Suche nach den richtigen Freunden, die ihren Erwartungen, ihren Hoffnungen und Sehnsüchten entsprechen. Man wählt sich ganz sorgfältig einen Kreis von Gleichgesinnten aus, einen verschworenen Zirkel, Freunde, die im Geiste eins mit einem sind. Hierher gehört auch der Geheimbund mit der Neigung zum Sich-Abschliessen gegen die Aussenwelt mit Absicherungsmass-nahmen, damit niemand Unberufener eindringen kann. Es ist oft eine starke Exklusivtendenz vorhanden und stammt meistens daher, dass man sich von der Umwelt bedrängt fühlt und sich deshalb mit ein paar Verschworenen in einem sicheren Raum verschanzt, das kann eine geistige oder materielle Burg sein. Das 11. Haus kann so zu einer Fluchtburg werden, in die man sich vom Leben zurückzieht, sich gegen das Leben mit seinen Hässlichkeiten, Alltäglichkeiten und Schwierigkeiten absichert, eine Fluchtburg, die ganz egozentrisch ist. Manche suchen Zirkel und Gruppen, die exzentrische Ziele verfolgen, die etwas Besonderes sind, lassen sich täuschen und verführen, weil sie glauben, ihre Hoffnungen nach Getragenwerden in der Gruppe, nach Wichtigkeit ihrer eigenen Person, könnten erfüllt werden. Aber oftmals erleben sie abrupte Enttäuschungen, weil Gefühle alleine nicht die Höchstanforderung dieses Hauses der Veredelung des Menschen garantieren. Es genügt nicht, für hochgestellte Persönlichkeiten zu schwärmen, diese als Leitbild für die eigene Entwicklung zu stilisieren und selbst nichts dazu zutun, um zu reifen und zu wachsen. Schwärmerei und Projektionen genügen nicht, um einen Menschen zu veredeln. Deshalb kommt es oft vor, dass Menschen, die alles, was sie selbst als Wert und Fülle in sich haben, in Freunde oder Beziehungen hineinprojizieren, furchtbar enttäuscht sind, wenn diese nicht ihren Erwartungen entsprechen.

Dann fühlen sie sich total leer, missverstanden, betrogen und können an der Welt verzweifeln. Das enttäuschte 11.-Haus-Gefühl kann von Liebe und Bewunderung in Hass und Anklage umkippen. Wie viele gute geistige Ansätze in Gruppen und in Freundschaften sind auf diese Weise schon zerbrochen. Gefährlich ist es, wenn Macht, Eifersucht und Prinzipienreiterei im Spiele sind, dann will man unter allen Umständen den anderen von seiner Richtigkeit überzeugen, als ginge sonst die Welt unter. Man tut alles, um zu seinem Recht zu kommen, streitet um Ansichten, um Worte, um kleine emotionale Dinge. Gehen Liebe, Vertrauen und Verständnis im Getümmel des Kampfes verloren, dann sollte man sich sofort wieder versöhnlich zeigen. Da dieses Haus das tiefe Bedürfnis nach Gleichklang der Seelen, nach Übereinstimmung verlangt, sollen wir lernen, nachzugeben, auch den Standpunkt des anderen zu akzeptieren, auch wenn er total anders sein sollte, als der eigene. Das Zusammenfinden ist der einzige Weg aus dieser Krise heraus, d.h. man sollte wieder das Übereintimmende und nicht das Trennende suchen. Die Gefühlsebene ist immer die Stufe der Krise, die aufgrund von Konflikten zum eigenen geistigen Wachstum und damit zur nächsten Stufe führt.

Die Mentalebene ist für die herausgebildete Ethik und Menschlichkeit von höchstem Wert. Da es sich um ein Lufthaus handelt, soll das geistige Konzept, das man vertritt, weltweit, umfassend und zukunftsweisend sein. Man soll sich mit dem Geist der Epoche auseinandersetzen, sich mit Gleichgesinnten zusammentun, um die Ideale des Zeitgeistes zu verwirklichen, Probleme, die aus menschlichen, technischen und wirtschaftlichen Aufgaben kommen, werden gemeinsam gelöst. Hier kann man futuristische, progressive Ideen entwickeln und schöpferisch werden, wenn man sich in überpersönlicher Weise der Menschheitsprobleme annimmt und den persönlichen Ehrgeiz transzendiert hat. Dann wird man Organisationsformen bilden, welche ideologische Verbindungskanäle zwischenmenschlicher Beziehungen schaffen, wie Netzwerke, globales Bewusstsein, der Wassermanngeist in höchster Vollendung. Viele haben philanthropische Bestrebungen, üben Mäzenate aus, fördern aufkeimende Talente. Die Voraussetzung für eine ideale Freundschaft und Gruppenarbeit ist gegenseitiges Vertrauen, Unterstützung und Akzeptieren der Eigenart des anderen, sowie eine Ethik, die niemanden schädigen will. Als geistige Entwicklungsthematik erkennt man im 11. Haus die Einheit aller Seelen, woraus die wahre Bruderschaft resultiert oder die "Harmonie der Originale", wie ich es eingangs schon erwähnte. Deshalb wird dieses Haus auf dieser Ebene auch ein Wissen um das eigene Selbst bringen. Man lernt täuschungslos sich und seine Charaktereigenschaften kennen, erkennt seinen Platz im Evolutionsgeschehen und kann sich so in das Ganze einordnen. Aber ohne inneren Kampf geht das nicht ab, man muss lernen, einen anderen in sich aufzunehmen und so zu akzeptieren wie er wirklich ist, sogar als Teil seines Selbstes zu lieben und denn-noch als eine abgesonderte Einheit ihm seinen eigenen Weg gehen lassen. Die Toleranz geht so weit, dass wir dem anderen die Freiheit lassen müssen, seinem eigenen Leben die Form zu geben, die er will, selbst wenn sie uns nicht gefällt. Dabei ist es wichtig, in einer solchen Verbindung sich selbst zu sein und zu bleiben und diese Verbindung nicht mit unvernünftigen Forderungen zu belasten. An erster Stelle steht die aus sich selbst heraus gereifte Menschlichkeit, die Würde und Originalität des Menschen gelten lässt. Eine solche Weisheit weist in das Offene einer überweltlichen Zusammenschau, woraus die Heiterkeit entsteht, das Kennzeichen eines überragenden Menschen, der den Überblick gewonnen hat und Vorbild ist für seine Zeit.


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