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Titel Ausgabe 58



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Zurück Ausgabe 58 vom 23.10.1990 • Seite 18ohne Login!

• Glosse

Computer, Computer

Wolfhard H. König

Obwohl ich während meines Mathematik-Studiums bereits mit Informatik Kontakt hatte, und von diesem Wissenshintergrund aus nicht unbedingt Angst vor einer Herausforderung durch die Computertechnik haben musste, hatte ich mir doch irgendwie in den Kopf gesetzt, dass die intensive Arbeit mit Computern meiner Generation noch erspart bleiben werde. Also dachte ich allen Ernstes, ich würde mich mit dieser Technik nicht mehr gross auseinanderzusetzen haben.

Als dann die ersten Astro-Computer aufkamen (Astrodata, Cortex etc.) war ich zwar begeistert, wie schnell und einfach man nun zu exakt gerechneten und sogar gut gezeichneten Horoskopen kommen konnte (die Plotter, die farbige Horoskopzeichnungen in Windeseile durchführten, hatten meine besondere Hochachtung), aber die damals noch sündteuren Geräte bestätigten mich eher in meiner Auffassung: Hier würde sich ein neues Gewerbe bilden und diese Dienstleistungen entsprechend erfüllen.

Dann aber kam diese rasend schnelle Entwicklung, vor allem im PC- (Personal-Computer) Bereich bis hin zu den jetzt auf den Markt drängenden Portables, oft nicht schwerer und grösser als eine Aktentasche, die man auch noch überall mithinnehmen kann. Und die Preisentwicklung! Dass heute eine recht gute, komplette Ausrüstung (auch mit Plotter) schon für etwa DM 5000,– zu haben ist, war damals kaum vorstellbar.

1. Akt: Aufweichung

Die «Computer-Front», um in so einer Metapher zu sprechen, ging geschickt vor. Nicht etwa, dass sie mich zwingen wollte oder mein Haus im Sturm zu nehmen gedachte.

Nein, ganz langsam ging alles zunächst vor sich. Die Schreibprogramme tauchten auf, «Word» z.B. Ich sah bei einigen Kollegen (aus dem universitären, bzw. psychoanalytischen Bereich) wie phantastisch schnell und einfach sich nun Artikel oder wissenschaftliche Arbeiten schreiben liessen. Man tippte den Text in den Computer, speicherte ihn, und konnte ihn dann beliebig oft ändern, umstellen, nachträglich beliebige Einfügungen und Ergänzungen machen, Tippfehler gab es nur noch, wenn man sie hartnäckig übersah etc.

Da tauchte zum ersten Mal der Gedanke auf: Das wäre doch was für meine Arbeit mit den Studenten an der Uni in München, wie einfach könnte ich für die Vorlesungen dann Literaturlisten oder Zusammenfassungen tippen, was sich jetzt immer noch recht mühevoll gestaltete. Und gerade im Fach Psychosomatik, das ich unterrichte, wäre dies wertvoll, erscheinen hier doch laufend neue Forschungsberichte und Veröffentlichungen, auf die Bezug zu nehmen ist. Aber auch unsere Weiterbildungsteilnehmer an der Akademie für Psychoanalyse in München liessen sich besser mit guten Texten zu den Seminaren versorgen, sogar einfache Graphik (Skizzen) lässt sich heute schon recht gut mit dem Computer erstellen. Und schliesslich würden auch unsere API-Kursteilnehmer profitieren, auch hier wären nun Anregungen und Forschungsergebnisse leichter zu veröffentlichen (siehe z. B. Astrolog Nr. 46-49 etc.) Kurzum: die Begehrlichkeit war geweckt.

2. Akt: Der Durchbruch

Dann jedoch ging alles ganz schnell. Ein langjähriger Astrologie-Schüler und beruflich als Computer-Spezialist tätig, Dr. Gerhard Kadzioch aus München, erstellte ein Astro-Programm für PCs: Astrovisa. Und dieses erstklassige Programm eröffnete mir nun die enormen Vorteile, solche Möglichkeiten im Haus und damit ständig bei der Hand zu haben. Astro-Ergebnisse wie Horoskop-Bilder oder Alterspunkt-Ausdrucke jederzeit am Bildschirm oder aus dem Drucker zur Verfügung zu haben, ohne Bestellwartezeiten etc., war schon phantastisch. Und wenn man die Mehrkosten nicht scheute, sich einen Plotter anzuschaffen, hatte man auch noch brillant gezeichnete Bilder sechsfarbig vor sich.

Was nun aber nach einiger Erfahrung mit dem Astro-Programm Be-geisterung bei mir aufkommen liess, waren die Perspektiven für die Forschung im Rahmen der Astrologie. Es gibt nämlich die Möglichkeit, auch Horoskop-Bilder (also Zeichnungen) schnell und einfach über den Drucker ausdrucken zu lassen. Sie sind etwa zwei Drittel so gross wie die geplotteten Normal-Horoskope etwa von Cortex. Wenn der Drucker eine Farboption hat, kann er diese Horoskope auch sechsfarbig ausdrucken. Man erhält also ein farbiges, exaktes Horoskop in gut ausreichender Grosse und Qualität. Man erhält es sehr einfach und billig: auf Normalpapier, und man benötigt nur ein entsprechendes Farbband für den Drucker.

Das erlaubt nun Horoskope schnell und in grosser Zahl erstellen zu können. Reihenuntersuchungen sind damit praktisch für jeden Astrologen in greifbare Nähe gerückt. Schnell und ohne grosse Kosten oder lange Rechenzeiten lassen sich nun Dateien mit bestimmten Horoskopen erstellen.

Zum Beispiel bin ich hier in München gerade dabei, Daten zu sammeln von Kindern, die den sog. plötzlichen Kindstod gestorben sind. Sobald eine grössere Zahl von Horoskopen vorliegt, lassen sich wohl astrologische Arbeitshypothesen bilden und weiter verfolgen. Das mag vielleicht gerade von Interesse sein auf einem Gebiet, auf dem bis heute auch Medizin und Psychologie noch nicht viel wissen.

Auch haben wir hier in München begonnen, uns mit Fragen der sexuellen Identitätsbildung aus astrologischer Sicht zu beschäftigen, bzw. Daten zu sammeln, z. B. von Homosexuellen etc.

Schliesslich dürfte mir meine Arbeit im Psychosomatik-Bereich der Uni München zunehmend Möglichkeiten geben, auch Horoskope von Menschen mit bestimmten psychosomatischen Erkrankungen in grösserem Umfang zu sammeln, z. B. Ulcus-Patienten oder Herzinfarkt-Patienten etc.

Der Computer macht es nun möglich, auch eine grosse Anzahl von Horoskopen schnell und billig zur Verfügung zu bekommen. Man kann also auch Daten-, bzw. Horoskop-Sammlungen zu verschiedenen Forschungsthemen nebeneinander laufen lassen, ohne den ganzen Tag nur mit Zeichnen, bzw. Rechnen beschäftigt zu sein.

Vielleicht erlaubt der Computer hier eine ganz neue Art von Datensammlung und Forschung, wie sie in der bisherigen jahrtausendelangen Geschichte der Astrologie noch nie möglich war. Gerade in früheren Jahrhunderten, bzw. Jahrtausenden standen exakte Daten (Geburtsminuten) nur selten zur Verfügung und das Erstellen von Horoskopen war technisch so aufwendig, dass jeder Astrologe wohl nur eine recht begrenzte Anzahl von Horoskopen in seinem Leben zu sehen bekam, meist wohl auch eine Zufallsauswahl.

Heute kann eine sehr grosse Anzahl von Horoskopen auf obige Weise von jedem «computergestützt» arbeitenden Astrologen gesammelt werden, vielleicht in wenigen Jahren so viele Daten, wie früher in einem ganzen Astrologenleben. Und das besonders Wertvolle liegt für mich dabei weniger darin, dass dies von einigen wenigen grossen Instituten schon seit geraumer Zeit praktiziert wird (jedenfalls schon seit es dafür Computer gab, wenn sie auch noch gross und teuer waren), sondern darin, dass heute eine grosse Anzahl von Astrologen, weltweit in ihren Praxen in einer Art Netzwerk, Datensammlungen und -auswertungen betreiben können.

Diese Quantität dürfte auf Dauer eine neue Qualität in die astrologische Forschung bringen, dürfte bisher bekannte Zusammenhänge zwischen Horoskop und Charakterstruktur untermauern oder auch differenzieren, bzw. auch, auf Grund der heutigen weitreichenden psychologischen Erkenntnisse, zu Abänderungen und Neuformulierungen führen oder neue Zusammenhänge erschliessen.

Nun bewährt sich für Forschung und Überprüfung nicht nur die schnelle Verfügbarkeit von Daten, sondern auch ihr Umfang: Radix-, Häuser- und Mondknotenhoroskop, aber auch Progressions-Horoskope, Solar-Horoskope, Transit-Vergleichs-Horoskop etc., was gerade dann wichtig ist, wenn diese Methoden umstritten oder auch ungeklärt sind, um Untersuchungen durchführen zu können.

Aber wenn ich an Astrovisa 3.0 denke, so findet sich für die Forschung eine wahre Fundgrube: Verschiedene Häuser- und Orbes-Systeme, auch variabel einstellbare Orbes für die Aspekte etc. Und vor allem: Partnervergleiche (siehe Abb. 3) können gezeichnet werden mit den Planeten beider Partner in einem Horoskop und den Cross-Aspects (den Aspekten von den Planeten des einen Partners zu denen des anderen), und auch hier sind die Orbes wählbar. Gerade was Partnervergleiche betrifft, scheint mir noch viel Forschungsund Abklärungsarbeit an einer möglichst grossen Anzahl von Beispielen nötig zu sein, wobei sich nun erst recht viel anfallende Rechen- und Zeichenarbeit ersparenlässt.

Für die praktische API-Deutungs-arbeit ergab sich noch ein neuer Aspekt: das Triple. Hier werden alle drei Horoskope, das Radix-, Häuser- und Mondknotenhoroskop, auf ein Blatt gezeichnet und lassen sich im Überblick deuten. Gerade wenn es darum geht, Entwicklungslinien zwischen Mondknoten- und Radix-Horoskop herauszuarbeiten und die dazu kommenden Möglichkeiten aus dem Häuser-Horoskop zu berücksichtigen sind, habe ich es als unschätzbaren Vorteil kennengelernt, alle drei Horoskope besonders übersichtlich im Blick zu haben.

Übrigens geht die Idee des Triple auf Gundi Übler aus Nürnberg zurück, die Gerhard Kadzioch dazu anregte, diese Idee in sein Astrovisa-Programm umzusetzen. Cortex griff dann diese Idee auf und verfügt heute auch über die Möglichkeit, Triples herzustellen.

3. Akt: Fazit – Begeisterung oder Sucht?

Solche vielfältigen und neuen Möglichkeiten des Forschens, auch oft nur ganz spielerisch gehandhabt, haben inzwischen sicherlich Begeisterung bei mir ausgelöst.

Da flimmern die Tagesthemen über den Bildschirm und es wird gemeldet: 02.45 Uhr Sonntag nacht - der Vertrag über die Deutsche Wiedervereinigung ist abgeschlossen. Schon sehe ich mich mit einem Notizzettel in der Hand auf dem Weg zur Computeranlage . . .

Meine ersten Eindrücke über solche mundan-astrologischen Zusammenhänge sind übrigens erstaunlich positiv. Der astrologische Abbildungszusammenhang scheint auch hier von Wert zu sein – trotz aller noch offenen Fragen über die Bedeutung von solchen Daten etc.

Ein Nachbar kommt zu Besuch, schaut sich unser Haus an, staunt über die Computeranlage und schon ist sie eingeschaltet und wir studieren seine Aspekte . . .

Kürzlich habe ich erstmals mit besonderem Interesse eine psychologische Abhandlung gelesen, dass Computer auch süchtig machen können. Aber über Astro-Computer stand nichts geschrieben, na also . . .