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Titel Ausgabe 76



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Zurück Ausgabe 76 vom 22.10.1993 • Seite 6ohne Login!

• Psychosynthese

Was ist Psychosynthese

Bruno Huber/Barbara Schmidt

(Vortrag von Bruno Huber vom 14. Juni 1993 in Elba. Nach einer Tonbandniederschrift redigiert von Barbara Schmidt, Crenzach.)

Was versteht man unter Psychosynthese und woher kommt dieser Begriff? Urheber der Psychosynthese ist Professor Roberto Assagioli, geboren in Venedig 1888, gestorben 1974. Er war Arzt und Psychiater unt hat auch mit C. G. Jung zusammengearbeitet.

In der wissenschaftlichen Psychologie gibt es die bekannten Strömungen: die Psychoanalyse, die auf Freud zurückgeht, und die von C. G. Jung begründete Analytische Psychologie. Bereits in der Zeit, als Jung in Zürich Chefarzt war und Roberto Assagioli sein Assistent, fand er, dass die alleinige Betonung des Analytischen nicht ungefährlich ist. Er hatte sehr oft mit Menschen zu tun, die wie eine "mentale Stückesammlung" herumliefen. Sie hatten sich, wie Assagioli es ausdrückte, durch die Analyse zerlegen lassen.

Analyse

Analysieren heisst zerlegen, in Teile auflösen, um die Teile einzeln ansehen zu können. Assagioli fand, man müsse den Menschen in erster Linie zusammensetzen, und das, wenn möglich, richtig. Sein Gedanke war also antithetisch zu dem damals üblichen analytischen Arbeiten, um an die psychologischen Problemwurzeln heranzukommen. Natürlich ist erst einmal eine Analyse notwendig, doch muss dann auch die Synthese erfolgen.

In seiner Praxis fand er, dass zu viele Menschen, die durch Analysen gelaufen sind, danach als Persönlichkeiten wie zerbröckelt waren. Sie wussten um ihre einzelnen Qualitäten und Fertigkeiten und vor allem um ihre Probleme sehr detailliert Bescheid und konnten darüber reden. In den USA ist es heute noch durchaus üblich, dass man seine Komplexe im Partygespräch ausbreitet, seine Analyseresultate schön aufreiht, memoriert und genau sortiert. Das kann aber sehr gefährlich sein, wenn man dadurch mit seinen Komplexen nur herumspielt und ganz zufrieden ist, dass man auf eine ganz besondere Art komplexbeladen ist. Roberto Assagioli war wahrscheinlich der erste, der in der Psychologie ein holistisches, das heisst ganzheitliches Bild vom Menschen entwickelt hat. Darum war es ihm auch grundsätzlich immer darum zu tun, den Menschen zu einem funktionierenden und sich selbst genügendem Ganzen zusammenzufügen.

Analytische Astrologie

Wir haben heute eine Menge Astrologen, die die Psychologie benutzen, wobei es darunter immer noch antiquierte Leute gibt, die behaupten, Astrologie habe nichts mit Psychologie zu tun. Astrologie hat mit dem Menschen zu tun, ist für den Menschen da und hat folglich sehr wohl mit Psychologie zu tun.

Die meisten Astrologen, die sich der Psychologie bedienen, arbeiten analytisch, und das ist mit der klassischen, mittelalterlichen Astrologie relativ einfach. Es bietet sich deshalb an, weil sich alle Deutungen auf einzelne Stellungen konzentrieren und diese schlagwortartig erfassen. Diese alte klassische Technik gleicht im wesentlichen dem, was heute der Computer macht. Jedes definierbare Detail wird analysiert und in einer Reihe von untereinander nicht verknüpften Einzelaussagen aneinander gehängt. Es ist zuweilen erschreckend, was dabei herauskommt. Das kann man in jeder schriftlichen Analyse, die aus dem Computer kommt, nachvollziehen. Man erkennt unüberblickbare Gegensätzlichkeiten, die bis zum Widerspruch gehen, und was geschieht damit? Nichts. Man hat das vor sich, was Assagioli als Stückesammlung bezeichnet hat, einen Haufen Einzelteile, die nicht zusammenpassen.

Synthese

Unsere Schule vertritt da einen anderen, den psychosynthetischen Standpunkt. Das hat zur Folge, dass wir in der Astrologie methodisch anders vorgehen müssen als bisher üblich. Wir versuchen grundsätzlich, das Horoskop als ganzes Bild zu erfassen und damit auch den Menschen als Ganzes zu verstehen. Natürlich gibt es auch in der Psychosynthese analythische Phasen, in denen versucht wird, einzelne problematische Bereiche zu den Wurzeln hin zu verfolgen, zum Beispiel zurück in die Kindheit. Aber das ist eben nur ein Teil der Therapie. Die Therapie der Psychosynthese arbeitet auf das Zusammenfügen zu einer Ganzheit des Menschen hin.

Wenn man einem Menschen zum ersten Mal begegnet, hat man eine Persönlichkeit vor sich, und hat von ihr einen ersten Eindruck. Manche hören auf diesen ersten Eindruck, andere nicht. Man sollte aber auf ihn vertrauen, denn er ist meist zutreffend.

Was ist dieser erste Eindruck? Er ist total, ganzheitlich und daher wohlproportioniert. Jeder Teil des Menschen der später unterscheidbar wird, hat seinen proportionalen Anteil und ist Funktion des Ganzen. Dies ist neuerdings in der alternativ denkenden Welt eine primäre Forderung, nämlich zunächst das Ganze zu sehen und zu verstehen. Zunächst soll man Teile, vielleicht weil sie einem besonders gut gefallen, nicht hervorheben und damit überbetonen.

Assagioli hat ein Buch herausgegeben, das eine Sammlung von Techniken, wie er es nannte, oder Methoden der Psychosynthese enthielt, und das sind recht viele. Diese Methoden stammen nicht alle von ihm selbst. Verschiedene hat er von anderen Spezialisten übernommen. Er selbst hat das Buch schon beim Entstehen nicht gemocht und später als "schlechtes" Buch bezeichnet, Und das, obwohl es sein Gedankengut enthielt und er im Laufe der Zeit diese Techniken auch sämtlich eingesetzt hat.

Keine Rezepte

Einer seiner Grundsätze war: es gibt kein Rezept dafür, wie man einen Menschen behandeln kann, sondern es gibt nur eine völlig individuelle Rezeptur. Man muss die Techniken, die für einen Fall die genau richtigen sind, unter den vielen möglichen finden und einsetzen. Und das hat Assagioli sehr konsequent verfolgt. Rezepturen zu verabreichen, war ihm ein absoluter Greuel. Seine Maxime war, auf den Menschen individuell einzugehen, ihn da abzuholen, wo er steht, und seine Sprache zu sprechen. Diese Formulierungen sind heute wohlbekannt, aber Assagioli war mit Sicherheit der erste, der das verlangt hat.

Von zentraler Wichtigkeit ist also: zuerst das Ganze sehen, und erst nachher jene Details betrachten, die sich im Bereich der Persönlichkeit eventuell als Probleme zeigen.

Mit seinen Fallgeschichten hat Assagioli sehr gut zeigen können, dass ein Problem meist nicht an einem einzigen Faden hängt, wie Analytiker sehr oft meinen. Sie gehen zu irgend einem Schlüsselerlebnis der Kindheit zurück und hängen daran dann alles auf. Assagioli bewies, dass das nicht richtig ist. Bestimmte Kindheitserlebnisse reihen sich im Laufe der Jahre wie eine Perlenschnur aneinander und ergeben zum Schluss so etwas wie einen Komplex. Diese Erlebnisse können völlig unabhängig voneinander sein, mit völlig verschiedenen Personen und Umständen zu tun haben, müssen kausal also gar nicht miteinander verknüpft sein. Dennoch arbeiten aber alle irgendwie ins selbe Loch und hinterlassen eine Wunde, die dann die Psyche, um sich zu schützen, abzukapseln und zu isolieren versucht.

Verdrängungen

Der Mensch hat dafür Mechanismen zur Verfügung, wie zum Beispiel das Verdrängen, eine unserer wichtigsten Schutzmechanismen. Wir verdrängen und vergessen etwas, wenn wir es bewusstseinsmässig nicht verkraften können. Das Vergessen ist also eine grosse Kunst. Aber es schafft Rückstände in tiefen Bereichen der Psyche, die sich zu Problemen auswachsen können. Da wir sie nicht wahrnehmen und wahrhaben wollen, können sie zu Störfaktoren werden. Hier muss man psychologisch eingreifen. Dann ist erst einmal eine Teilung, ein analytischer Vorgang notwendig, um an die Wurzel des Übels, an die Ursprungsgeschichte heranzukommen. Da das sehr komplex zusammengesetzte Ursachen sein können, macht das die Analyse nicht so einfach, wie man sich das im Allgemeinen so denkt. Infolgedessen hat Assagioli auch Methoden angewandt, die gar nicht in dem Sinne analytisch waren, sondern eher assoziativen oder auch projektiven Charakter hatten,

Er hat sehr viel mit Bildmaterial gearbeitet, über das er frei assoziieren liess. Damit hat er sehr viel an Lebendigem hervorgeholt. Er ging davon aus, dass ein Bild ein komplexes, aus vielen Details zusammengesetztes Ganzes ist. Beim schnellen Betrachten eines Bildes hat man einen ersten Eindruck, der besagt, wie dieses Bild subjektiv aufgenommen wird.

Komplexe

Dieses subjektive Aufnehmen hat Assagioli ganz besonders betont: jeder Mensch sieht die Welt so, wie er sie braucht, damit er sie verkraften kann. Es gibt deshalb auch keine Wahrheit, die für alle die gleiche ist. Es gibt letztlich nur subjektive Wahrheiten. Und daher kann es auch keine allgemeingültige Rezeptur für Menschen geben, die zum Beispiel einen Vaterkomplex haben. Denn jeder Vaterkomplex ist in seinem Entstehungs- und Erfahrungsmechanismus anders zusammengesetzt. Es gibt nicht "den Vaterkomplex", es gibt eine Vielzahl von Vaterkomplexen, und das gilt ebenso für alle anderen Komplexe. Das ist der Grund, warum man bei der Behandlung eines Vaterkomplexes nicht nach einer Rezeptur verfahren kann, sondern ermitteln muss, wie dieser Mensch das Thema Vater in allen seinen verschiedenartig zusammenhängenden Phasen erlebt hat und noch erlebt, Meist hat man es mit erwachsenen Menschen zu tun, die diesen Vaterkomplex in viele Bereiche ihres Erwachsenenlebens hineinprojizieren und dort die entsprechenden Probleme haben.

Komplexe sind also etwas sehr Individuelles. Man kann sie nach Gruppen sortieren, aber der Entstehungsvorgang ist individuell völlig verschieden. Und so ist es ein ganz wichtiges Prinzip, dass man Komplexe nicht gleich behandeln kann, auch wenn sie den gleichen Namen haben.

Ganzheitliche Betrachtung

Ähnlich gehen wir heute in unserer Schule auch mit dem Horoskop um: gleiche Planetenstellungen bedeuten nicht, dass wir hier gleiche Leute mit gleichen Erfahrungen vor uns haben. Gleiche Planetenstellungen werden von jedem Einzelnen anders erlebt und bewertet.

Wie kommt man aber dahinter, wie wer empfindet? Auch da müssen wir synthetisch vorgehen. Aus der Notwendigkeit heraus, ganzheitliche Betrachtungen anstellen zu können, habe ich besondere Methoden entwickelt, die bisher in der Astrologie nicht bekannt waren. Nach Roberto Assagioli liegt der Sinn nie im Detail, sondern immer nur im Zusammenhang. Das Ganze gibt den Teilen den Sinn, gibt die Anweisung, wie und zu welchem Zweck sie zu funktionieren haben. Die Persönlichkeit ist also ein Ganzes, das eine Lebensaufgabe hat. Diese Aufgabe gibt allen Teilen, die einzeln in der Person definiert werden können, die Marschrichtung an. Und sie gibt diesem Menschen seinen ganz eigenen Deutungsschlüssel für alle Lebensvorgänge, denen er begegnet.

Fragen Sie zehn verschiedene Leute, die Augenzeugen an einem bestimmten Ereignis waren, und Sie bekommen zehn verschiedene Schilderungen davon. Und wenn Sie nicht wissen, dass es sich um dasselbe Ereignis handelt, müssen Sie annehmen, dass es zwischen fünf und zehn verschiedene Vorgänge waren, die da beschrieben werden. Zeugen können nicht objektiv sein, wie Menschen überhaupt nicht objektiv sind. Jeder sieht die Welt so, wie er sie mit dem Bewusstsein verstehen, verkraften und somit kontrollieren kann. Denn es ist ein Urbedürfnis im Menschen, seine Lebenssituation unter Kontrolle zu haben, sonst läuft sie einem aus der Hand und man wird Opfer.

Aus diesem Grund selektieren wir aus den Wirklichkeiten die Wahrheiten, mit denen wir umgehen können. Das kompliziert naturgemäss das ganze Arbeiten im psychologischen wie im astrologischen Feld. Denn man muss zuerst einmal herausfinden, wo der Schuh bei diesem Menschen drückt oder welche Sprache er spricht.

Astrologische Psychosynthese

Es geht also auch in der astrologischen Psychosynthese darum, das Gesamtbild eines Menschen zu erfassen, um daraus seine Lebensmotivation und den Sinn seines Lebens erkennen zu können, so dass alle Teile, die man im folgenden analysieren kann, einen sinngemässen Platz im Ganzen haben, und nicht nur einen sogenannten objektiven Wert, der niemandem etwas nützt. Jupiter ist zum Beispiel nicht einfach das grosse Glück und Mars nicht das kleine Unglück. Für den einen ist Mars der beste und höchste Gott und für den anderen der leibhaftige Teufel und dazwischen liegt noch alles Mögliche,

Meine Bemühungen, die Psychosynthese in die Astrologie umzusetzen, waren nicht so einfach, weil das ganze Rüstzeug, das man in der traditionellen Literatur findet, eigentlich nur analytisch ist. Aber nicht nur das, es ist fahrlässig oberflächlich, da es nur von äusserer Verhaltensbeobachtung hergeleitet ist. Was für eine Motivation, was für Pläne, Zielsetzungen oder auch Ängste hinter dem Verhalten eines Menschen stehen, das er so reagiert wie er reagiert, wird nicht berichtet.

Die Entwicklung der Psychologie zeigt das sehr deutlich.

Verhaltenspsychologie

Vor der Psychoanalyse gab es die Verhaltenspsychologie und die definiert nur genau die Verhaltensweisen, die am Menschen sichtbar werden. Man stellt den Menschen in eine bestimmte Situation und beobachtet, wie er reagiert. Dann stellt man einen nächsten in die gleiche Situation und dann hunderte und so weiter. Es wird eine Statistik erstellt, und man erhält das "übliche" Verhalten. Hier steht die Verhaltenspsychologie noch heute, und das ist auch der Hauptgegenstand an den Universitäten beim Psychologiestudium. Die Menschen, die nicht wie der grössere Teil reagieren, werden dabei nicht berücksichtigt. Viele Psychologen meinen, sie könnten aus den Verhaltensweisen Ursachen für ein Fehlverhalten ableiten, aber das ist ein Irrtum. Verhaltensweisen sind Symptome eines komplexen Charakters, der bestimmte bewusste oder unbewusste Absichten im Leben verfolgt. Diese Absichten oder Ziele bestimmen, wie er seine Fähigkeiten einsetzt, und bestimmen vor allem, wie er sich selbst und seine Lebensrealitäten bewertet. Infolgedessen muss man an diese Zielsetzungen herankommen, um zu verstehen, wo dieser Mensch eigentlich hin will, was ihn am Leben reizt, was er vom Leben erwartet. Sonst kann man nicht verstehen, warum ein Mensch in einer Situation so reagiert und sich so verhält. An den Symptomen kann man das nicht erkennen, denn Menschen verschiedenster Motivation können in gleichen Reizsituationen gleich reagieren. Es ist logisch, dass sich ihre Verhaltensweisen nicht erklären lassen. Die gleiche Reaktionsweise kann zum Beispiel anerzogen sein, und dann ist es keine Eigenreaktion.

Mit den Mitteln der klassischen Astrologie lassen sich also nur Symptome eines Charakters feststellen, nicht die ursprüngliche Bauweise und schon gar nicht die Lebensmotivation. Die Verhaltenspsychologie kann Symptome ändern, sie spricht da von umtrainieren. Asoziales Verhalten lässt sich also in soziales umtrainieren, aber das heisst noch lange nicht, dass dieser Mensch auch innerlich verändert ist. Er wird innerlich weiter asozial sein. Bei der nächsten Situation, die ihm aus der Kontrolle gerät, wird er in seinen Aktionen wieder asozial werden. Das lässt sich nicht vermeiden. So erklärt sich auch die Rückfälligkeit von Kriminellen. In den Gefängnissen wird nichts getan, um die Ursachen der besonderen Art von Kriminalität als solcher zu erkennen und zu beheben. Man zwingt die Menschen einfach nur in eine Wohlverhaltensschablone, mit der sie zurechtkommen sollen.

Fünf Schichten im Horoskop

1. Ebene die Aspekte die Lebens-Motivation; die Ur-Absicht und Aufgabenstellung

2. Ebene die Planeten die Lebensorgane; Fähigkeiten, die Identitätserfahrung bringen

3. Ebene die Zeichen die genetische und archetypische Prägung; angeborenes Verhalten

4. Ebene die Häuser der Bezug zur Umweltwirklichkeit; erlerntes Verhalten

Deshalb gehen wir in unserer Astrologie vom Ganzen aus und legen grossen Wert auf das Aspektbild, das ein zentraler Schlüssel oder Schaltplan für die Gesampersönlichkeit ist. Ausserdem unterscheiden wir sehr klar die verschiedenen Ebenen, die in einem Horoskop erkennbar sind.

Ein kardinaler Fehler, der immer wieder in der Astrologie gemacht wird ist, dass man die einzelnen Ebenen miteinander vermischt, das heisst nicht unterscheidet, woher einzelne Elemente stammen. Ein klassischer Fehler ist unter anderem der, dass man den AC oder auch MC mit den Planeten in Verbindung bringt.

Der Aszendent

Der AC entstammt der untersten Ebene, der formalsten im menschlichen Wesen, nämlich seiner Verhaltensstruktur. Im Häusersystem zeigt sich, was wir als Kind und Heranwachsender aus der Erfahrung gelernt haben und was uns anerzogen wurde. Da wir Egowesen sind, und wir uns am AC sehen, ist dieser natürlich ein besonders wichtiger Punkt. Hier stellt man sich der Umwelt und sich selbst vor. Aber der AC ist nicht das ICH, sondern nur das Schild, dass das ICH vor sich hinhält, um anzumelden, wie es von seiner Umwelt gesehen werden möchte. C. G. Jung nennt das Persona oder Maske, die ich der Welt hinhalte, damit sie einen ganz bestimmten, gewollten Eindruck von mir bekommt. Das ist zum grossen Teil das Resultat der Erziehung und kommt zum geringsten Teil aus dem bewussten Wollen.

Ohne es zu wissen, trägt man dieses Image dann mit sich herum.

Die Sonne befindet sich auf der dritten Ebene und kann daher nicht mit dem AC gleichgesetzt werden. Sonne und AC haben nur noch thematisch etwas miteinander zu tun. Es geht in beiden Fällen um das ICH. Die Sonne ist ein eigener wesenhafter ICH-Ausdruck, um das ICH klar erleben zu können. (ICH denke, also bin ich.) Dazu brauche ich nicht die Hilfe der Umwelt. Um aber den AC als ICH erleben zu können, brauche ich ausschliesslich die Umwelt, denn ich kann hier nur beobachten, wie die Umwelt auf mich reagiert. Das macht deutlich, dass das wirklich zwei ganz verschiedene Dinge sind.

Menschen, die behaupten, der AC sei wichtiger als die Sonne, zeigen damit ihre Einstellung. Sie halten nichts von Persönlichkeit, sondern nur von schauspielerischer Selbstdarstellung. Das sind meist Menschen, die in einer gewissen Identitätslosigkeit leben. Sie holen sich ihre Identität in der Widerspiegelung der Umwelt und sind abhängig von deren Reaktion.

Es gibt grundsätzlich in allem, was auf dieser Welt existiert, eine hierarchische Ordung, eine vertikal verlaufende Unterscheidung in den Ebenen der Bedeutung. Die höchste Ebene ist im Horoskop der Kreis in der Mitte, das Selbst oder die Seele. Hier ist die Ursache unseres Daseins zu finden. Es ist die wichtigste Ebene, da sie die sinngebende ist. Die niedrigste ist die letzte formale Auswirkung von dem, was zuoberst ursächlich in Gang gesetzt wird. Im Horoskop ist die nächste Ebene das Aspektbild. Hier ist das ursächliche Wollen einem Lebenswillen gleichzusetzen, der eine bestimmte, individuelle Richtung hat. Das Wollen aus dem Aspektbild wird dann an die Organe, die dar anhängenden Planeten weitergeleitet.

Das Aspektbild

Ein Astronom würde in diesem Fall behaupten, dass die Planeten im Sonnensystem untereinander genormte Winkelabstände (Aspekte) haben und daher das Aspektbild durch die Planeten bestimmt wird. Denken wir psychosynthetisch, müssen wir umgekehrt argumentieren, Es gibt ein Aspektbild, und das zwingt die Planeten in eine bestimmte Ordnung. Zuerst gibt es das ursächliche Wollen, einen Lebenswillen, der bestimmte Wirkungen entfaltet, an bestimmte Ziele kommen will, und dem ordnen sich die verfügbaren Organe in der richtigen Lagerung bei.

Das Aspektbild kann man mit einem Gravitationsmuster vergleichen. Die Planeten im Sonnensystem wirken mit ihren Gravitationsfeldern aufeinander ein und bewirken in der Magnetqualität des Magnetkörpers jedes Planeten bestimmte Reaktionen. Die Anordnung der Planeten im Sonnensystem zu einem bestimmten Zeitpunkt, zeigt ein ganz bestimmtes Gravitationsmuster (unser Aspektbild) auf. Die Seelen fallen zu dem Zeitpunkt "ins Fleisch" (Inkarnation), wenn das Gravitationsmuster für sie stimmt. Alles fällt dann an seinen Platz, wo es hingehört. Das ist eine echte Kreation, die geschieht, die wir aber nicht bewusst vollziehen, sondern die nach strengen Naturgesetzen abläuft und sich immer in dieser hierarchischen Ordnung von Ebene zu Ebene nach unten bewegt.

Die Persönlichkeit ist ursprünglich, bevor sie sich völlig manifestiert hat, eine Einheit, ein integriertes, vollständiges Ganzes. Wenn der Mensch auf die Welt kommt, beginnen Kräfte aus der Umwelt an seiner Persönlichkeit zu zerren. Sie wollen dieses Wesen in ihre Zeit und Kultur integrieren. Wenn aber die Integration des Charakters eine andere ist als die Integration der Zeit, kommt es zu Zug- und Druckerscheinungen, die zur Desintegration des Charakters führen müssen.

Desintegration

Dagegen setzt der Mensch sich unbewusst aus seiner Natur mit verschiedenen Mitteln zur Wehr, zum Beispiel mit Verdrängung, Er ignoriert beziehungsweise kapselt das ab, was mit dem eigenen Charakter nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann. Dadurch fühlt er sich dann einigermassen im Lot, trägt aber irgendwo eine Beule mit sich herum. Von der Umwelt wird das dann Eigenart genannt. Die Toleranz unter Menschen gegenüber solchen Defekten ist sehr gross, solange sie eine sozial tragbare Form haben. Die Abkapselung bleibt aber eine Störung im System, die dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich ist.

Wir haben es dann mit Problemen oder Komplexen zu tun, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen. Die erste Reaktion darauf ist dann noch einmal eine Verdrängung in Form der Projektion. Man projiziert seine Fehler auf seine Mitmenschen. Geeignete Objekte und Subjekte finden sich immer.

Was sind desintegrierende Faktoren?

Jede Komplexstruktur, das heisst verdrängte Qualität, ist ein Störfaktor, der auf die Gesamtheit der Persönlichkeit desintegrierend wirkt. Die Psychosynthese strebt die Integration aller Qualitäten an. Das gelingt nicht immer und ohne weiteres, denn je mehr Bereiche des Charakters desintegriert funktionieren, um so schwieriger wird die Synthese.

Das leuchtende Ganze

In unserer Astrologie ist der psychosynthetische Vorgang völlig analog. Wir gehen nicht von den Fehlern oder dunklen Seiten eines Menschen aus, sondern von seinen Qualitäten, dem "leuchtenden" Ganzen. Wir versuchen im Horoskop das in sich integrierte Bild zu erkennen, denn das garantiert eine harmonische, mit sich selbst im Einverständnis existierende Lebensform. Das ist im psychosynthetischen Denken sehr wichtig. Alles was im Leben eines Menschen eine Rolle spielt, sollte stimmig werden und keinen Anlass zu Druck geben, der nicht verkraftet wird. Was nicht heisst, dass kein Druck mehr vorhanden ist. Es gibt Drücke, die Anreiz und Herausforderung sind, und es gibt Drücke, die eine Belastung darstellen. Das sind desintegrierende Teile, die man nicht unter Kontrolle hat und, je nach Reizwirkung, eine andere Richtung nehmen. Den daraus entstehenden Leidensdruck aber will man möglichst ausschalten. Im Horoskop kann zunächst einmal eine Überbetonung in bestimmten Bereichen festgestellt werden, die zu gewissen Problemen im Leben führen können. In welchem Grad das bei dem betreffenden Menschen der Fall ist, ist damit noch nicht festgelegt. Es gibt Menschen, die werden mit wesentlich mehr Problemen fertig als andere. Auch kann man nicht feststellen, welchen Grad an Bewusstheit ein Mensch zu dem Zeitpunkt hat. Das ist erst im Gespräch möglich.

Bis zum zwanzigsten Lebensjahr hat das Horoskop sicher einmal gestimmt. Dann fängt ein Mensch aber an, sein Leben und sich selbst als Charakter immer bewusster an die Hand zu nehmen, da er ja dauernd auf dieses Leben reagieren muss, und dabei erkennt er sich immer besser. Wie weit er in seiner Selbsterkenntnis fortgeschritten ist, kann man aus dem Geburtshoroskop nicht entnehmen. Deshalb ist das Gespräch für die Horoskopdeutung so wichtig.

Blinddiagnosen für einen Menschen über zwanzig sind eine Fiktion, das heisst sie werden, je älter ein Mensch ist, um so untauglicher. Denn kein Mensch ist mit vierzig gleich lebensunerfahren wie mit zwanzig Jahren.

Integration

Integration setzt voraus, dass man die Teile, die desintegriert sind, erkennt, versteht und Wege findet, wie man sie wieder einfügen kann. Das wichtigste ist dabei, dass man seine Desintegration akzeptiert. Kämpft man dagegen an, ist man auf verlorenem Posten, denn es bringt einen stetig grösser werdenden Kampf mit den verschiedenen Teilen seiner selbst (Teilpersönlichkeiten). Man sollte erst einmal versuchen, mit dem, was einem nicht behagt und das Probleme schafft, zu leben. Das ist ähnlich, wie man mit der Angst umgehen sollte. Schliesst man vor der Angst die Augen oder läuft davon, kann man sie nicht vertreiben, sondern sie wird mit jedem Wegschauen grösser. Es bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Angst zu konfrontieren, und sie als Schmerz zu durchleiden. Indem man sie akzeptiert und durchleidet, spürt man, in welcher Art sie wehtut. Und so geht es mit jedem Problem und mit jeder Teilpersönlichkeit. Wir sind Menschen einer Zivilisation, die krampfhaft mit allen Mitteln versucht, jeder Belastung, die ein bisschen an den Kräften zehren könnte, auszuweichen, sind nicht mehr fähig, Schmerz zu ertragen. Die Natur hat uns aber mit einem hohen Grad an Schmerzfähigkeit ausgestattet. Das sieht man an Menschen, die in Extremsituationen kommen und damit fertig werden.

Alte esoterische Erfahrung sagt, dass es eine grosse Fähigkeit ist, Schmerz zu ertragen. Wer das kann, ist auch für grössere Erleuchtung bereit. Das heisst natürlich nicht, dass wir schmerzgebeugt durchs Leben gehen sollen, um zu zeigen, wie erleuchtungsfähig wir sind.

Schmerzfähigkeit

Schmerzfähigkeit ist die Voraussetzung, dass wir mit unseren Problemen, den desintegrierten Teilen, fertig werden können, um zu erkennen, wie sie beschaffen sind, und auf welche Art und Weise sie falsch und unkontrolliert funktionieren. Ist man dazu nicht bereit, geschieht gar nichts. Desintegration trifft man im Prinzip in allen Teilen bei allen Menschen. Sie tritt in Form von verschiedenen Neben- oder Teilpersönlichkeiten auf, die sich selbständig gemacht haben und autonom geworden sind. Auflösen kann man diese nur, indem man bewusst erlebt, wie sie programmiert sind und wie falsch sie funktionieren. Und das bedeutet Schmerz oder Trauer über sich selbst.

Lächeln

Wenn man den Mechanismus verstanden hat, kann man anfangen, ihn zu korrigieren. Das geht aber nur schrittweise vor sich und braucht viel Zeit. Irgendwann kommt man dann zu dem Punkt, an dem man anfängt, über den erkannten Mechanismus zu lächeln. Das ist der wichtigste Punkt der eigentlichen Auflösung. Rückfälle werden einem immer wieder passieren, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht wird dem Komplex der Saft genommen, und er wird mit der Zeit an energetischer Unterernährung zu Grunde gehen. Das ist der ideale Heilmodus. Der Komplex wird dann nicht mehr mit angsterfüllter Energie genährt, sondern mit dem Lächeln wird jede Energiezufuhr gestoppt und kehrt zu einem selbst zurück.

Psychosynthese, auch in der Astrologie, bedeutet Integration der Teilpersönlichkeiten, der desintegrierten Komplexe, Probleme und Krankheiten, indem man nicht gegen sie ankämpft, sondern sie ruhig anschaut, damit man ihren Mechanismus und ihre Wirkungsweise erkennt. In jedem autonomen Komplex steckt eine Motivation, Komplexe sind Qualitäten, die zum grössten Teil durch die Erziehung der Lebensenergie entzogen wurden, aber zur Ganzheit gehören. Im Erkennen und Akzeptieren ist der erste Schritt zur Integration getan.

Und hier zum Schluss noch die fünf Stufen von Roberto Assagioli, wie man mit diesen Komplexen und desintegrierten Teilen umgeht:

1. Erkennen

2. Akzeptieren

3. Koordinieren, Verwenden

4. Integrieren

5.Transformieren

Nicht mehr hoffen auf den nächsten Transit -

bleib nur offen, und der Himmel macht mit.

Daniel Cury