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Titel Ausgabe 77



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Zurück Ausgabe 77 vom 21.12.1993 • Seite 22nur mit Login!

• Deutungspraxis

Die Ambivalenzfigur mit Sonne, Saturn und Mond, Teil 5

Sylvia Wenk

Tod
In diesem Sinne kann sie auch als immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit dem Thema "Tod" erfahren werden. Tod ist die Verlängerung von Form, Struktur, die nicht weiter in der Lage ist, Geist zu tragen. Das heisst, die einer Entwicklung und sichtbaren Entfaltung des inneren, geistigen Wesens oder bestimmter trans-personaler Ideen (auf der kollektiven Ebene zum Beispiel) im Wege steht, da sie mittlerweile überaltert ist und das Neue nicht mehr tragen kann.
Da im gesamten Universum keine Energie vergeudet wird, es keinen kosmischen "Müllhaufen" für in ausgedienten, fixen Formen gebundene Energie gibt (unsere Unfähigkeit für "psychisches Recycling" spiegelt sich direkt in unseren Müllbergen wider), ist der Tod ein äusserst praktischer "Müllschlucker und -verwerter". Der Prozess der Umwandlung von form-gebundener Energie ins Formlose und in neue Form kann auf einer persönlichen Ebene als sehr schmerzhaft und beängstigend erfahren werden. Menschen mit Sonne/Saturn-Opposition werden sehr stark zur Form hingezogen, Ihr Lebensplan sieht Selbstverwirklichung in der Form vor und klare äussere und innere Strukturierung.

Womit sie durch diese Ausrichtung ganz zwangsläufig auch konfrontiert werden, ist die Auflösung der Form. Es ist, als würden diese Menschen alles daran setzen, für sich etwas Solides, Dauerhaftes und Handfestes aufzubauen (bis dahin ist schon einmal ein langer Weg, denn meist müssen sie erst Durchhaltevermögen und mehr Spannungstoleranz entwickeln), nur um als nächstes erfahren zu müssen, dass die so mühsam entstandene Form (innere Sicherheit, eine Beziehungsform, eine berufliche Etablierung und
so weiter) mittlerweile überholt ist und mehr hindert als nützt. Schon fängt das Festgefügte an, sich zu verschieben, löst sich in seine Einzelteile auf und ein Gefühl von zunehmender Haltlosigkeit aus. Bald ist nichts mehr festzumachen, und das bewusste Ich gerät in einen Strudel frei fliessender, scheinbar nicht kontrollierbarer Energien. Man ist zutiefst verwirrt. Das Ich scheint mit den alten Strukturen auch seine Kon-trolle verloren zu haben und die Gesamtpersönlichkeit mittels dieses Ichs nicht mehr "manövrierbar".

Die Angst kann dann sehr beherrschend werden. Solche Todesprozesse be-wusst zu durchleben, ist ein weiteres zentrales Thema der Menschen mit dieser Opposition von Sonne und Saturn. Was sie unter anderem darüber erlangen können, ist ein erweitertes Verständnis des Ich-Begriffs. Ihre vielfältige Erfahrung mit dem "Tod im Leben" kann sie das Wesen des Ichs verstehen und seine spezielle Funktion innerhalb der sehr viel umfassenderen Gesamtpersönlichkeit erkennen lassen. Vielleicht entdecken sie auch, dass das einzig Beständige in ihrer persönlichen Welt das "Ich bin" des Bewusstseins ist – das Einzige, was durch alle Erfahrungen hindurch unverrückbar und unzerstörbar in der Mitte ihres Seins steht. Und letztendlich die einzige Sicherheit.

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