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Titel Ausgabe 8



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Zurück Ausgabe 8 vom 21.06.1982 • Seite 14ohne Login!

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Lächerliches Affentheater. Wenn Wissenschaftler Pamphlete schreiben

Ursula Hunkeler

Heft Nr.08/21 Juni 1982

(Titel eines „Anti-Astrologieartikels“, erschienen in der Woche)

Das Interesse an der Astrologie scheint ein immer grösseres Ausmass anzunehmen. Wohl kaum eine Zeitung oder Illustrierte, die nicht in letzter Zeit ein paar Spalten oder gar ganze Serien dem Thema Astrologie gewidmet hat, sei es nun in positiver oder negativer Form.

Bei den Astrologie-ablehnenden Artikeln - oft von Wissenschaftlern verfasst - erstaunt immer wieder die mangelnde Wissenschaftlichkeit. Zum mindesten dürfte man von einem guten Journalisten erwarten, dass er sich wenigstens um Objektivität bemüht. Doch wird man den Eindruck nicht los, dass Astrologie für viele ein Abfalleimer ist, in den man seinen angestauten emotionalen Müll wirft.

Ich habe kürzlich folgenden Ausspruch gelesen:

Wissenschaft befasst sich nur mit dem reinen Wissen, der Verstand wird vollständig ausgeschaltet.“

Dieser Satz stammt aus dem Munde eines jungen Menschen, der noch zur Schule geht. Ja, das Wissen um des Wissens willen ist ein sinnloses Wissen. Denn jedes Wissen - und sei es noch so umfassend -, das ein Mensch haben kann, ist immer nur ein Teilwissen, ein winziges Teilchen, gemessen am grossen Ganzen. Und gerade diese Erkenntnis sollte uns und nicht zuletzt die sich so gerne Wissenschaftler nennenden Menschen ein bisschen weniger anmassend, ein bisschen bescheidener machen, toleranter werden lassen. Denn nur so bleiben wir offen für eine Wahrheit, die wir vielleicht ganz einfach noch nicht „entdeckt“ haben.

Zu glauben, „genug“ zu wissen, die Wahrheit zu kennen, ist wohl der gefährlichste Irrtum, dem wir Menschen unterliegen können. Irrtum führt - wie das Wort schon andeutet - unweigerlich in die Irre. Und dann stimmt eben gar nichts mehr.

Ich werde immer sehr skeptisch, wenn ein Mensch sich verhält, als ob er wisse, was jedenfalls „richtig“ und was ganz bestimmt „falsch“ ist, als ob er die Weisheit mit Löffeln gegessen hätte ... In Wirklichkeit hat er zur Gabel gegriffen, und so ist dann leider das meiste zwischendurchgefallen.

Im Moment liegen vor mir vier Astro-logie-Verriss-Artikel, die in einer deutschen Tageszeitung erschienen sind. Heinz Haber, der Autor dieser Serie, wird als Professor der Physik und Astronomie und als Grosser unter den Wissenschaftsjournalisten vorgestellt.

Dass sein Fachgebiet eben nicht Astrologie ist, wird sehr schnell klar, wenn man zu lesen beginnt. Würde mich die Astrologie nicht schon seit meiner Jugend faszinieren, solche Artikel würden mich für diesen Wissensbereich neugierig machen. Denn wenn man mit dermassen unfairen Mitteln und demagogischem Aufwand versucht, etwas in den Boden zu stampfen, so muss doch etwas sehr wichtiges Positives dran sein.

Anderseits ist mir klar, dass solche Schreibereien auch eine gegenteilige Wirkung haben. Sie können Menschen schliesslich davon abhalten, sich mit etwas zu befassen, was für sie wichtig sein könnte. Und dies ist der einzige Grund, warum ich nachstehend ein paar Punkte dieser demagogischen Ergüsse beleuchten will.

Es sind eigentlich immer die gleichen verstaubten alten Maschen, anhand derer versucht wird zu beweisen, dass Astrologie nicht „stimmen“ kann.

?Warum der Widder in Wirklichkeit ein Fisch ist? steht da in dicken Lettern über dem einen Artikel. Nun, wenn ein Mensch z.B. an einem 1. April geboren wurde, so ist er eben ein Widder und kein Fisch. Denn das heisst eben nicht, dass die Sonne im Sternbild Widder stehen muss, sondern sie steht im Tierkreis im Zeichen Widder. Und das ist eine völlig andere Betrachtungsweise.

Wenn man die astrologische Denkweise verstehen will, so muss man wissen, dass sie eine auf unsern Planeten Erde bezogene Betrachtung des Kosmos ist. Denn wir leben nun mal auf der Erde und nicht auf der Sonne.

Den Zodiak oder Tierkreis sehen wir zwar nicht, doch können wir ihn uns als breites Band am Himmel vorstellen, durch das die Sonne in einem Jahr scheinbar wandert und in dem der Mond und die Planeten sich ebenfalls bewegen. Scheinbar deshalb, weil es sich um unsere subjektive Betrachtungsweise handelt. Für den Astronomen steht die Sonne im Mittelpunkt aller Bewegungen, für den Astrologen bezieht sich alles auf die Erde. Ihm geht es im Endeffekt nicht um die Sterne, sondern um den Menschen, der auf der Erde lebt, um sein Verwobensein mit den kosmischen Zusammenhängen. Deshalb muss der Kosmos so beschrieben werden, wie der Mensch ihn tatsächlich sieht.

Der Tierkreis nun ist die Teilung der Ekliptik - der schembaren Kreisbahn, die die Sonne im Laufe eines Jahres am Himmelsgewölbe beschreibt - in zwölf 30? grosse Abschnitte. Diese geht von vier astronomisch genau bestimmten Punkten aus, nämlich Frühlings- und Herbstpunkt; sie liegen auf dem Himmelsäquator. Die beiden anderen sind die Orte der Sonnenwenden am Sommer- und Winteranfang, also die Berührungspunkte der Ekliptik mit den Wendekreisen.

Und diese 30?-Abschmtte des Tierkreises sind eben nicht auf die fernen Sternbilder gleichen Namens bezogen sondern auf die Sonnenbahn. Dies zum einen Angriffspunkt.

Die ändern Artikel segeln unter dem Slogan:

Die Sterne lügen nicht, sagt eine Volksweisheit, und Wissenschaftler fügen gerne hinzu: Das besorgen, schon die Astrologen . ..“ Auf zwei Sätze reduziert, ist Astrologie Aberglaube (daher unausrottbar) und Wahrsagerei (die daher in Spannungszeiten Auftrieb erhält).

Ein starkes Stück scheint mir die Aussage im nachfolgend abgedruckten Abschnitt:


...Schwaden der Wahrsagerei und mit ihnen an der Spitze die Astrologie im Aufwind.

Jede Epoche hat dabei ihre eigenen Heroen. In der Nazizeit war es der berühmte deutsche Astrologe Hanussen, dem führende Männer des 3. Reiches, an der Spitze der gro?e Mystiker Rudolf He?, ihr Gehör schenkten. Auch der schreckliche Himmler soll zuweilen Wahrsager beschäftigt haben. Es wäre durchaus einmal einer geschichtlichen Betrachtung wert, inwieweit der damals herrschende unmenschliche Wahnsinn nicht auch durch unheilvolle Einflüsse der Sternendeuter angeheizt worden ist.

In unseren Jahren ist die schöne französische Astrologin Elizabeth...“


Es war in der Vergangenheit und ist offensichtlich auch in der Gegenwart beguem, für Unbegreifliches oder gar Schreckliches, das man eigentlich nicht wahrhaben möchte, den „Schwarzen Peter“ zu suchen. In früheren Zeiten wurden dann solche “Schwarzen Peter“ ganz einfach exekutiert. Heute macht man es anders, man wechselt die Waffen und versucht dasselbe mit Worten zu erreichen. Dies grenzt an Rufmord. Das Motiv für dieses Verhalten ist - meine ich - immer noch dasselbe, nämlich Angst. Und über die Ursache dieser Angst einmal Untersuchungen anzustellen, wäre eine sehr interessante Sache.

Dass Astrologie und Wahrsagerei nicht in einen Topf zu werfen sind, leuchtet wohl jedem ein, der sich mit dem Studium der Astrologischen Psychologie befasst. Sie ist eine Synthese zwischen Psychologie und Astrologie. Das individuelle Horoskop ist Diagnoseinstrument und dient zur Selbstfindung, Charakterdeutung und Konfliktklärung. Ihr geht es um die Erkenntnis innerpsychischer Kräftefelder und ihrer vitalen Prozesse.

Wahrsagerei und andere deterministische Denkweisen lehnt sie ab.

Geistesgeschichtlich gesehen ist die Astrologie ausgesprochen altmodisch. In ihrer modernen Form als Handelsware stammt sie noch voll aus dem vorigen Jahrhundert.. „

Wenn man dies liest, muss man doch vor allem zum Schluss kommen, dass der Autor seine Beurteilung der Astrologie aus antiquierten Quellen bezieht und nicht wahrnehmen kann (oder will?), dass sich auch die Astrologie vorwärts entwickelt hat.

Zumindest wäre doch zu erwarten, dass sich ein namhafter Journalist zur Beurteilung der gegenwärtig praktizierten Astrologie nicht ausschliesslich an Mme Teissier orientiert, sondern ein bisschen umfassendere Recherchen anstellt!

Sicher, es gab und gibt die sogenannten Ereignis-Astrologen, die Voraussagen machen (leider), aber das ist wohl eher ein menschliches denn ein astrologisches Problem. Es gibt fähige und andere Aerzte; es gibt vorzügliche und andere Diagnostiker. Doch wer würde deshalb die Medizin in Frage stellen? Und dies, obwohl sie bei weitem noch nicht am Ende ihrer Weisheit angelangt ist! Es wäre vielleicht gut, wenn der Autor dieser Artikel jenen Ausspruch, den er belächelt, ernster nehmen würde:

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt. . .“

Es war so und es ist noch so. Das beweist doch jede neue „Entdeckung“, jede neue Erkenntnis, eben gerade in der Wissenschaft - die Forscher wären längst ausgestorben, wenn es nicht so wäre ... Ja und wir wären am Ende unserer Entwicklung, es sei denn, wir hätten noch nicht gelernt, unsere Erkenntnisse in der richtigen Weise im Leben anzuwenden. Und da haben wir - wie mir scheint - noch einen langen Weg vor uns..