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Titel Ausgabe 8



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Zurück Ausgabe 8 vom 21.06.1982 • Seite 21ohne Login!

• Astrologie & Philosophie

Bedrohung durch die Astrologie?

Rene Röthlisberger

Heft Nr.08/21 Juni 1982

Seit ich mich mit der Astrologie befasse, treffe ich immer wieder auf ein bestimmtes Phänomen. Ich sitze mit irgendwelchen Leuten zusammen, sei dies zum Essen oder bei sonstigen Gelegenheiten, wo man sich im Gespräch unterhält. Dabei kommt meistens die Frage, was ich denn beruflich so mache. - Ich sei Astrologe.

Beim Wort »Astrologe«, kaum habe ich es fertig ausgesprochen, zeigen sich unmittelbar Reaktionen bei meinem Vis-a-vis, ein leichtes Augenheben, ein mildes Lächeln, oder - „oh, so“, oder einfach - „Glauben Sie an das?“ Dies ist an und für sich, beim Ruf, den die Astrologie heute hat, nicht erstaunlich. Doch was mein Interesse, ja meine Neugier so richtig in Bewegung setzte, waren jene Leute, die von wahren Gefühlsausbrüchen überfallen wurden beim Hören meiner Antwort. Hätte ich irgendwelche Stellung dazu genommen, woran sich mein Vis-ä-vis hätte aufregen können, wäre das noch verständlich. Es bestand auch keine negative Vorbelastung dieser Personen, die allenfalls dazu hätte Anlass geben können. Es wurde über mich und die Astrologie hergezogen, so z. B.: „Selig, selig sind die geistig Armen“. Mein Erstaunen auf solches Reagieren liess mich meistens schweigen.

Diese Leute machten mir eigentlich den Eindruck von intelligenten, kritischen und bewusst lebenden Menschen, und ihre Reaktionen erschienen mir befremdend.

Hier beginnt meine Frage:

Wo liegt der Grund für solche Aeusserungen? Wenn mir ein Fachgebiet unbekannt ist, liegt es mir am nächsten, mich ihm fragend anzunähern (sofern es mich interessiert), und so kann ein Gespräch beginnen. Doch darauf wollten sich die Leute gar nicht einlassen. Solche

„Bauchreaktionen“ zeigen offenbar, dass etwas betroffen ist.

Um hier klare Ansätze für die Fragestellung zu gewinnen, sollten einige grundsätzliche Aeusserungen zum menschlichen Da-Sein aufgezeigt sein, in denen sich der Mensch

Vor-Finden kann. Diese Grundarten, in denen man sich vorfindet, können so oder so sein oder gerade im Wechsel von einer zur ändern. Doch immer ist man m einer dieser Befindlichkeiten, in einer Stimmung. So hat jeder von uns eine Grund-Stimmung, zu der das alltägliche Gestimmt-Sem dazu kommt. Man spricht ja auch von der Ver-Stimmung, der Zu-Stimmung usw.

Offensichtlich löste das Wort „Astrologie“ bei diesen Menschen eine Verstimmung aus. Was kommt mit diesem Wort auf diese Menschen zu und wo trifft es sie, was wurde berührt, dass sich dieses Gefühl so in den Vordergrund schiebt?

Jeder Mensch bildet ein „geschlossenes Ganzes“, eine Einheit, so wie eine mittelalterliche Stadt mit einer Mauer umgeben war und durch ihre Ausdehnung klar zeigte, was hier innen und was aussen ist. Im Innern dieser Stadt sind klar gefügte Strukturen wie Wege, Strassen, das Rathaus und weitere Gegebenheiten, über die man ganz genau Bescheid weiss. Dadurch ist Sicherheit gewährleistet. Der bewusste Zustand ist ansässig. Wie sieht es aber ausserhalb der Stadtmauer aus, das Land liegt in seiner mehr oder weniger in seiner unbekannten Beschaffenheit da. Nahe der Mauer ist noch eine gewisse Übersicht möglich, tritt man aber weiter hinaus ins unwegsame Gelände, schwindet die Vertrautheit, Möglichkeiten der Bedrohung können sich zeigen. Der Zustand des Verborgenen liegt hier.

Hier liegt die Stadtgrenze, ein wichtiger Bereich, wo Inneres und Aeusseres, Kontrolle und Spontanes aufeinandertreffen. Befragte ich einen solchen Menschen auf seine Reaktion nach seiner Meinung dazu, wurde meistens mit einer einfachen Erklärung die Sache als erledigt angesehen. Zudem gebe es darum gar nichts weiter zu reden, weil man ja wisse, dass im allgemeinen die Astrologie nur Scharlatanerie sei. Das Ganze sei nicht ernst zu nehmen.

Gelingt aber hier die Hinterfragung des Phänomens, wird der Betreffende auf sich zurückgestellt und Verunsicherung tritt ans Tageslicht. Wurde vorher noch nach aussen gegriffen, an kollektiven Werten sich abstützend, treten die Halterungen langsam aus ihren Verankerungen. Der Grund wird wankend. Der so auf sich zurückgeworfene Mensch erlebt jetzt, dass da sich etwas zeigt, was vorerst für ihn nicht bewusst greifbar war, der eigene Standpunkt kann sich zeigen. Normalerweise wird hier - bei Nichtaufgreifen der Situation - das Bewusstsem sich sehr schnell wieder m seine alte Lage zurückbegeben, so dass der Betroffene davon bewusst kaum Kenntnis nimmt.

Die Bedrohung, die durch die Begegnung des Spontanen, Unvertrauten, offen Fliessenden entstanden ist, die Aufschliess- und Erschliessungsmöglichkeit - wird wieder verschüttet. Gelingt die Stabilisation nicht, ist die Erschütterung zu stark, kann die Bedrohung voll erlebt werden.