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Titel Ausgabe 8



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• Horoskope

Das aktuelle Horoskop – Margaret Thatcher

Sophie Grüninger

Heft Nr.08/21 Juni 1982

In dieser Rubrik bringen wir wie immer ein aktuelles Geburtsthema und benutzen dabei die Gelegenheit, um zu zeigen, wie man anhand sorgfältiger Figurenanalyse die Grund-motivationen und mit Hilfe des Alterspunktes die Hauptthemen eines Lebensabschnittes ermitteln kann.

Margaret Thatcher

13.10.1928, 09.00 Uhr Grantham GB

[Bild: 008-02-Thatcher]

Eine traurige Situation bildet diesmal den Anlass für unser aktuelles Horoskop: der Krieg um die Falkland-Inseln, der vielen Menschen so absurd erscheint, weil es dabei bloss um (überholte) Prinzipien und Ablenkung von inneren Krisen in beiden Staaten zu gehen scheint. Margaret Thatcher spielt als Premierministerin von Grossbritannien in diesem Krieg eine entscheidende Rolle. Es sieht aus, als wollte sie der Welt beweisen, dass das British Empire noch bestehe, und dass sie seine Führerin sei.

Es ist natürlich sehr schwierig, unvoreingenommen ein Horoskop eines Menschen zu betrachten, der eine derart wichtige Position einnimmt, und ich habe deshalb auch immer wieder mit ihren Handlungen verglichen, die bekannt sind und die Aussagen darüber machen, wie Frau Thatcher ihr Potential einsetzt. Das Aspektbild erinnert etwas an eine Glocke, die am Läuten ist - eine Glocke mit Sprung allerdings. Aufgehängt ist es an der Sonne/Merkur-

Konjunktion in Waage an der 12. Spitze. Die Sonne als Symbol des Selbstbewusstseins hält alle Fäden in der Hand, fügt alle Figurenelemente zusammen und vereinigt so das Aspekt-gefüge zu einem kohärenten Bild. Nur Mars schert daraus aus, der abgelöst vom Aspektbild als unkontrollierte motorische Kraft seine ganzen Energien zur Durchsetzung kriegerischer Massnahmen einsetzen kann. Im 11. Haus, dem Haus des elitären Denkens und der Freunde, erhält Frau Thatcher nicht nur die Unterstützung einer Minderheit, sondern sie ist auch fanatisch davon überzeugt, dass sie vollkommen richtig liegt.

Die Leistungs- und die Ambivalenzfigur

Mit dieser Sonne - in einem kardinalen Leistungsdreieck mit Jupiter und Pluto auf den Spitzen 3 und 9 (Denkachse) - verfügt Mrs. Thatcher über sehr viel zielgerichtete Energien, einen enormen Ehrgeiz und ein unerschütterliches Selbstvertrauen, dass sie immer recht hat (Opposition Jupiter/Pluto auf der Denkachse 3/9). Diese Eigenschaften werden vom Saturn am Aszendenten in eine Form gebracht, die ihr den Übernamen »the iron lady« (die eiserne Dame) eingebracht hat. Sie verbucht denn auch ihre Erfolge ganz auf ihr eigenes Konto: Schon als Neunjährige antwortete sie auf die Gratulation ihrer Schuldirektorin und die Bemerkung, sie habe Glück gehabt, mit: »Das war kein Glück, ich habe es verdient!« Mit der gleichen Antwort bedachte sie nach ihrer Wahl zur Parteichefin 1975 einen Journalisten, als er nach dem Grund ihres Erfolges fragte.

Da der Du-Bereich in ihrem Horoskop dem mit zwei Persönlichkeitsplaneten stark besetzten Ich-Raum leer gegenübersteht und erst noch durch die Opposition Jupiter/Pluto abgesperrt ist, dürfte es für Frau Thatcher recht schwierig sein, dem Du gegenüber eine Haltung einzunehmen, die dieses miteinbezieht. Das dürfte sie in ihren persönlichen Kontakten recht einsam machen und könnte mit ein Grund dafür sein, dass sie ihren Ehrgeiz und ihre Entschlossenheit aus dem kardinalen Leistungsdreieck sowie ihren Erfolg als selbstverständlich voraussetzt und so recht selbstgerecht und hart über andere Menschen urteilen kann, die diese Eigenschaften nicht haben. (Über Familien ohne eigenes Haus sagte sie einmal, sie hätten eben nicht genügend gespart.. . Und das im inflationsgeplagten, wirtschaftlich ausgehungerten England!) Waage ist zwar ein auf das Du bezogenes Zeichen, das seinen Intellekt dafür einsetzt, mit dem Du in Harmonie zu leben in dem Sinn, dass jeder seinen Teil zur Partnerschaft beiträgt. Die Waage-Sonne von Frau Thatcher steht aber vor der 12. Häuserspitze, auf der Ich-Seite im Horoskop. Sie setzt deshalb diese Qualität manipulativ für ihre eigenen Zwecke ein.

Dies zeigt sich in vielen ihrer Handlungen als Politikerin. Sie wusste hier taktisch sehr geschickt vorzugehen, um ihre Ideen durchzusetzen. Sie hatte schon 1950/51 bei den Unterhauswahlen kandidiert. Damals unterlag sie zwar, trieb aber den konservativen Stimmenanteil kräftig in die Höhe (der Alterspunkt = AP stand im Alter von 25 Jahren auf 2° Widder im Tri-gon zur Venus). 1959 gelang ihr dann der Sprung ins Unterhaus (AP auf 8° Stier Quincunx Mars); 1961 rief sie MaCMillan als parlamentarische Sekretärin in sein Kabinett (AP am DC, Opposition Saturn). 1970 wurde sie nach dem Wahlsieg der Konservativen Ministerin für Erziehung und Wissenschaft (AP auf 25° Zwillinge, Sextil Neptun, Trigon Merkur) und damit die zweite Frau, die je unter den Tories (Konservativen) ein Ministeramt innehatte. In dieser Funktion verfügte sie bald die Abschaffung der Gratismilch für bedürftige Schüler, was sie auf einen Schlag bekannt (berüchtigt) machte und ihr den Spottruf »Thatcher - milk snatcher«(Thatcher -Milchdiebin) eintrug. Dies illustriert wohl mit am besten die Saturnstellung am Ichpunkt mit der bereits angetönten gänzlichen Unfähigkeit, die Probleme der sozial Schwachen zu verstehen oder auch nur zu sehen. Sie selber („Wir waren weder arm noch reich“) war ja in der glücklichen Lage, nie finanzielle Sorgen und Entbehrungen erdulden zu müssen.

Unter diesem Aspekt war ihre Wahl zur Premierministerin 1979 (AP mit 54 am MC!) eigentlich erstaunlich, und sie löste auch entsprechend zwiespältige Gefühle aus, besonders unter den politisch bewussten Frauen, die sich an und für sich über den Wahlsieg einer Frau freuten, anderseits aber sahen, dass diese Frau in keiner Weise ihren Vorstellungen einer menschlich und sozial engagierten Politikerin entsprach. Ausschlaggebend für ihre Wahl waren aber trotzdem - so hiess es - die britischen Hausfrauen, denen sie mit ihrer Werbung für sich als „Hausfrau unter Hausfrauen“ offenbar imponiert hatte. Das zeigt, dass sie mit Jupiter an der 3. Spitze im Steinbock ein feines Gespür dafür hat, was „das Volk“ hören will, aber auch den Anspruch, eine Rolle darin zu spielen. Mit dem gegenüberstehenden Pluto im 9. Haus -auf das als Teil eines anderen Figurenelementes auch der Mondknoten hinweist - scheint mir allerdings eher ihr Auftrag formuliert zu sein, Gedanken zu entwickeln und mit ihrer Kraft durchzusetzen, die die sozialen Verhältnisse für das Volk verändern könnten. Zusammen mit ihrer Sonne im 12. Haus, wo sie Impulse für die spirituelle Erweiterung der Welt erhalten könnte, könnte sie auf diesem Gebiet erfolgreich wirken, wenn sie es nicht vorzöge, ihre Kräfte für sich selbst, für ihre eigene Macht, einzusetzen.

Dass sie das aber tut, könnte durch die Angst der Zeichen Skorpion und Stier auf der Begegnungsachse noch unterstützt werden: die Angst, sich etablierten Meinungen gegenüber zu exponieren, so dass sie die konservative Haltung ihrer Partei, wenn auch überspitzt, so doch loyal vertritt - und dafür von der Partei Unterstützung erwartet. Auch der Aszendent verstärkt diese konservative Haltung. Saturn, der direkt am Aszendenten steht, verlangt eine Perfektion von ihr, die sich z. B. in ihrer tadellosen Erscheinung ausdrückt (unterstützt von der Venus, die sehr darauf aus ist, zu gefallen, sowohl vom Schützen her als auch vom Quadrat zum Mond): nie erlaubt sie auch nur einem einzigen Haar, nicht an seinem ordentlichen Platz zu sein. Diesen Ordnungssinn, der zuweilen fast fanatisch wirkt (wenn sie, wie eine Anekdote erzählt, im Vorbeigehen in fremden Gärten Unkraut ausrupft), hat sie von ihrer Mutter. Alles muss proper sein, bieder aussehen. Beispielsweise hat sie ihre Sprache, ein Oberklassen-Englisch, wie eine Fremdsprache von einem Privatlehrer gelernt, den ihr Vater bezahlte. Es geht also auch viel um Anpassung, das tun und sagen, was gefragt ist (dabei ist nicht zu vergessen, dass sie aber Möglichkeiten hat, das, was gefragt ist, zu beeinflussen). Dahinter steckt wohl der Wunsch nach Verstanden- und Akzeptiertwerden des Waagezeichens.

Und dieses Anpassungsbedürfnis muss sie in Einklang bringen mit der impulsiven Kraft des Leistungsdreiecks (Sonne Quadrat Jupiter und Quadrat Pluto), das seine Energien voll einsetzen will.

Bezeichnend ist ausserdem, dass ihr AP vor ihrer Wahl zur Premierministerin gerade über den Mond gegangen war, der im Schatten der 10. Spitze einen ausserordentlichen Beliebtheitswunsch hat und mit der Konjunktion zu Neptun ein unendliches Publikum braucht, dem sie gefallen will (vielleicht gelang es ihr da, „ihr Dach mit Stroh zu decken“, damit es harmloser aussah - „thatched“ heisst nämlich „strohbedeckt“). Nicht nur Beliebtheit will diese Mond/Neptun-Konjunktion, sondern im eigentlichen Sinne Heiligung. Margaret Thatcher ist denn auch in einer Familie aufgewachsen, die den Methodisten angehörte, einer Erweckungsbewegung, die nachdrücklich die persönliche Heilsgerechtigkeit und das ernsthafte Streben nach Heiligung predigt (und der hauptsächlich Menschen aus unteren sozialen Schichten angehören). Sie übernahm vom dominanten Vater, der Kolonialwarenhändler und Laien-prediger, später Bürgermeister von Grantham war, die Prinzipien, die sie heute noch leiten: Disziplin, Sparsamkeit, Frömmigkeit; nach dem Motto: »Arbeit und Sauberkeit sind der Gottseligkeit am nächsten«. Sie hat ihre Waage-Fähigkeit bisher wenig wahrgenommen, eine Philosophie des Füreinander und Miteinander zu verwirklichen.

So sieht es leider bei Niederschrift dieses Artikels noch so aus, dass sie sich den Rufen (die auch in ihrer eigenen Partei immer stärker werden) nach einer Beilegung des bewaffneten Konfliktes mit Argentinien widersetzt. Ganz im Gegensatz dazu gelingt es ihr, mit der Unterstützung der englischen Boulevard-Zeitungen, eine eigentliche Kreuzzugsstimmung zu verbreiten, und ihr reflexhaftes Reagieren, das so gar nicht in unsere Zeit passen will, findet Anklang im Volk. Pluto im Krebs und Jupiter im Steinbock als Vertreter von „Sicherheit durch Angriff“?