Astrolog-Archiv

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Titel Ausgabe 1



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Zurück Ausgabe 1 vom 20.04.1981 • Seite 17ohne Login!

• Humor

Astro und Psyche stellen sich vor

Redaktion

Geschätzter und hoffentlich geneigter Leser!

Wir, der Astro und die Psyche, wollen uns Ihnen hier, in dieser neuen Zeitschrift, erstmals vorstellen. Schliesslich soll der »Astrolog« unser Lebensraum sein, durch seine Seiten werden wir künftighin geistern, schleichen, hüpfen und kriechen - und da wir uns, Sie und wir, immer aufs neue trigonal, quadratisch und quincunxisch, manchmal wohl auch oppositär begegnen werden, sind wir der Meinung, dass Sie eben wissen sollen, wer wir beide sind.

Aber damit diese Rede nicht total Konjunktion bleibt, lösen wir uns voneinander ab, und jeder tut's mit eigenen Worten. Also:

Ich bin die Frau von Astro, die Psyche. Ich erinnere mich ganz genau an unsere erste Begegnung: Es war so gegen Ende des Sommers, ich sass an einem wunderschönen See inmitten des voll erblühten Schilfes auf einem warmen Stein.

Und ich sass da, wie schon oft, und genoss die Stille der Natur. Aber noch nicht lange sass ich an jenem Tag, hatte eben erst zu sitzen begonnen, eben erst in die Stille hineingehorcht - da: ein Schrei, ein Wasserplumps, dann eine Folge von deutschen, schriftdeutschen, zürideutschen und undeutschen

Wörtern von der unflätigsten Art, - dann Stille. Ich horchte auch in diese Stille hinein, die eine so ganz andere war, aber es blieb still. Neugierig und bebenden Herzens schob ich mich durchs Schilf. - und dann sah ich ihn: Im seichten Wasser lag er, keuchend, fahrig vor Schreck und furchtbar bemüht, allerlei Gerät im Schlamm zusammenzusuchen. Ich konnte das Lachen, trotz des gewissen Ernstes der Situation für ihn, nicht unterdrücken. »So helfen Sie mir doch!!!« Kurz und gut: ich half ihm, hörte ihm dann zu wie er ausführlichst die Vorteile dieses Platzes für Himmelsstudien pries, und irgendwann später sass er dann auf meinem Sofa, in eine Decke gehüllt, Tee schlürfend ... naja ...

Leser, Astrologen! Eigentlich hätten Sie ja das Recht auf einen klaren und objektiven Bericht über jene Vorfälle, die zur Bekanntschaft mit Psyche, später gar zur Ehe mit ihr, geführt haben. Aber hier geht's lediglich ums Vorstellen, und so will ich mich einer astrologischen Transitäranalyse enthalten. Dass ich prognostisch damals alles schon vorweg detailliert hatte, aufs wirkliche Geschehen also bestens vorbereitet war und nur kurz, ganz kurz, eine mentale Trübung erlitt, sei nur am Rande erwähnt.

Soll ich Ihnen sagen, was Sie grade über mich denken? Ich tu's nicht, keine Angst, ich tu's nicht.

Also: mein Name ist Astro, manche nennen mich Astrolux.

Mein Zeichner hatte die Idee, mich und meine Gemahlin hier einzubringen. Die Redaktion war einverstanden, was mich nicht erstaunt. Blöd sind die ja nicht; die haben schnell gemerkt, dass sie noch was lernen könne. Da wird einiges rauskommen, beim Saturn, denn ich bin alt, ich hab Geschichte ... Auch mein Zeichner dachte damals, er hätte mich erfunden - als ob er Babylonier sei. Zürcher ist er, nicht Babylonier, Zürcher!

Um zum Schluss zu kommen: Fragen Sie mich nicht nach einer Prognose für diese Zeitschrift! Schon der Redaktion musste ich es mühsam klarmachen: Astrologische Prognosen bergen Erfüllungszwänge in sich – und wer geht schon gerne baden, nicht wahr?

Das wärs fürs Erste!

ASTRO-Gruss

Rene Röthlisberger