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Titel Ausgabe 2



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Zurück Ausgabe 2 vom 21.06.1981 • Seite 3ohne Login!

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Ein Neubeginn der Astrologie

Pamela Tyler

– Die Substanz überwindet die Form –

In den letzten Jahren haben drei Ereignisse die tiefe Spaltung innerhalb der Astrologie aufgezeigt. Jedes bedeutet einen wichtigen Wegzeiger in der Entwicklung der modernen Astrologie. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit diesen Veränderungen im Hinblick auf den Uranus-Transit vom Skorpion in den Schützen.

Im Oktober 1975 unterzeichneten 186 Nobel-Preisträger eine in der Zeitschrift »The Humanist« publizierte Petition gegen die Astrologie. Dies geschah zum Zeitpunkt eines genauen Saturn-Uranus-Quadrates von 0 Grad Löwe zu 0 Grad Skorpion. Anscheinend wollten die Herren der Materie (Saturn im Löwen) das Wiederauftauchen von mittelalterlicher Magie und Aberglauben (Uranus im Skorpion) unterdrücken. Seither haben die Astrologen sich in zweifacher Weise kräftig gegen den Angriff zur Wehr gesetzt. Die von der Zensur der Materialisten Bedrohten schlossen sich mit den Wissenschaftlern zusammen, um die Astrologie zu beweisen. Auch sie teilten die Furcht der Wissenschaft vor der Verbindung der Astrologie mit den mystischen und unbekannten Dimensionen des Universums. Vermutlich war ihre Untersuchung der Astrologie durch das Bedürfnis nach der Beherrschung und Manipulation der Umwelt veranlasst worden. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich das rasche Wachstum von Forschung und Technologie beobachten.

Diejenigen Astrologen, die sich weniger um die akademische Anerkennung oder um kausale Erklärungen der Wirkungsweise der Astrologie kümmern, suchten Anschluss bei den heilenden Berufen. Die Aufmerksamkeit wurde vom prognostischen oder materialistischen Verständnis des Gegenstandes abgelenkt. Man konzentrierte sich mehr auf den Bereich der Entwicklung des Menschen und seines persönlichen Wachstums. Der Anstoss dazu lag wohl im Bedürfnis des Menschen, den Sinn hinter eigenen Erfahrungen zu finden und nicht notwendigerweise darin, einen Beweis für die Astrologie durch die exakte Spiegelung von Ereignissen zu liefern. Probleme von Determination und Willensfreiheit kamen an die Oberfläche. Psychologisch eingestimmte Astrologen arbeiteten in Richtung auf eine Demystifizierung der Astrologie-Rolle. Die Astrologie Hess mehr die persönliche Freiheit hervortreten als dass sie den menschlichen Willen einschränkte.

Die schwerwiegende Polarisierung wurde durch das Erscheinen von Geoffrey Dean's Buch »Recent Advances in Astrology« (Neue Fortschritte in der Astrologie) verdeutlicht. Die Antwort Dean's auf die Foderung der Wissenschaft nach einer wissenschaftlichen Überprüfung der Astrologie nahm von den Beiträgen Rudhyars, Tyles, Greenes und B. u. L. Hubers keine Kenntnis.

Die psychologische Astrologie wurde in das gleiche Gebiet wie die Jahr-markt-Handleserei zurückverwiesen. Da nichts von ihrer Wirksamkeit quantitativ gemessen werden konnte, war auch ihr qualitativer Wert bedeutungslos. So forderte der Uranus-Transit durch den Skorpion die Verbindung der Astrologie mit der Materie heraus (Opposition zum Stier). Es folgte eine Zersplitterung der Gruppen. Die Astrologen hatten sich mit ihren eigenen Zweifeln an der Natur der Astrologie auseinanderzusetzen. Astrologie-Techniker, die ihre Illusionen verloren hatten, fingen an, die philosophische 'Grundlage ihres Gegenstandes zu untersuchen. Gewisse psychologische Astrologen begannen formale Forschungsprojekte. Die meisten verloren sich dabei hoffnungslos im Kampf mit »statistischen Signifikanzen«. Praktiker, die den Zweck der Astrologie als einen Dienst an der Menschenseele verstanden, zogen sich in ihr Inneres zurück. Wenige nur bemühten sich, die wissenschaftliche Seite in Frage zu stellen. Ihre zahlenmässige Stärke wurde erst im Winter 1980/81 bekannt. Im April 1981 trafen sich über 1000 Astrologen aus 5 Kontinenten, verbunden durch ihre Einstellung zur Astrologie, zum ersten Weltkongress in Zürich. Geleitet vom Weitblick und der organisatorischen Begabung von Bruno und Louise Huber, unterstützt von Claude Weiss und Ueli Sauter, stellte der Weltkongress den Beginn eines neuen Kapitels in der Astrologie-Geschichte dar. Symbolisch dafür war der Eintritt von Uranus in den Schützen, unmittelbar vor dem Kongress. Nicht nur die Grössenordnung, der internationale Charakter und das professionelle Niveau deuteten auf den Einfluss des Schützen, - wichtiger war es noch, die gemeinsame Geistesrichtung der Gruppe und das mutige Bekenntnis ihrer astrologischen Überzeugung zu beobachten.

Die Presse nahm in grossem Umfang vom Kongress Notiz. Interessanterweise tauchte das gleiche Medium, das sich 1975 hinter die Attacke des »Humanist« gestellt hatte, wieder auf, um diesmal bereitwillig das astrologische Ereignis zu preisen.

Ebenso bemerkenswert war beim Zürcher Kongress der Wechsel in der Zusammensetzung der Teilnehmer. Die Mehrzahl des Publikums schien sich durch ein mehr konservatives Äusseres, einen stabilen Lebensstil auszuzeichnen. Die Astrologie hat anscheinend im Mittelstand Eingang gefunden. Die Charakteristiken einer Randgruppe traten weniger in Erscheinung. Ein weiterer hervorragender Faktor am Weltkongress war der Trend zum Professionalismus. Die Organisatoren zeigten ihr eigenes Verständnis für ihre Kollegen dadurch, dass sie für ihre Gastreferenten Unterkunft, Reisekosten und Kongressgebühren übernahmen.

Leider entsprachen die Vorbereitungen einiger Referenten nicht völlig der ihnen in Zürich angebotenen Plattform. Einige mögen die grosse Bedeutung des Kongresses in der Geschichte der Astrologie nicht erkannt haben. Andere wurden vielleicht von der unerwarteten Grosse des Auditoriums einfach überrascht. Einer bemerkte indessen, das Format des Kongresses (Einzelvorträge, keine Diskussion, übersetzte Dokumentation) habe anscheinend eine Reihe verschiedener psychologischer Reaktionen bei den Referenten ausgelöst. Erfahrene Redner wichen von ihrem Konzept ab. Andere erhoben Anklage gegen die Schwarzweiss-Astrologie. Einige reagierten mit theatralischen Gesten. In gewisser Weise konnte man die Rückläufigkeit von Uranus in den Skorpion als Anzeichen für das plötzliche Abschwenken einiger Redner zur Religion und den Gefahren magischer Astrologie erkennen. Man konnte die Rückläufigkeit auch als Möglichkeit für eine Klärung unserer Kollektiv-Psyche verstehen.

So war womöglich der wichtigste Beitrag des Weltkongresses die Gelegenheit für die Astrologie, ihre kollektiven und individuellen Schwachstellen zu erkennen. Er schenkte uns eine klare Möglichkeit, die von uns selbst erwählten Leitfiguren zu beurteilen. Er erinnerte uns daran, dass wir es uns nicht länger leisten können, auf den in der Vergangenheit errungenen Lorbeeren auszuruhen.

Wir haben von diesem Kongress den Auftrag erhalten, unseren Blick zu schärfen, unsere Aufmerksamkeit auf das 9. Haus zu richten. Wir sind gleichzeitig gewarnt, nicht den Gefahren des schützehaften Eifers zu erliegen. Wir wollen uns nicht blind mit unseren Kenntnissen brüsten, noch uns von astrologischer Intoleranz gefangennehmen lassen. Vielmehr wollen wir in Tat und Beispiel weiterhin die Erkenntnisse der Astrologie als eine göttliche Wissenschaft miteinander teilen. Doch sollten wir zuerst, mit den Worten des Schützen Voltaire, »unseren Garten pflegen«.