Astrolog-Archiv

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Titel Ausgabe 2



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Zurück Ausgabe 2 vom 21.06.1981 • Seite 9ohne Login!

• Glosse

Astrologie-Orchester

Margrit Schwaninger

Während ich vor der Schreibmaschine sitze und versuche, einen Artikel über den 1. Astrologie-Weltkongress zu schreiben, scheint mir dies fast ein gewagtes Unternehmen. Wo soll ich beginnen, was beschreiben, wie all die vielen und unterschiedlichsten Eindrücke auf einen Nenner bringen? In unjournalistischer Weise habe ich weder Leute interviewt noch sämtliche Vorträge mitgehört. Nur mitten drin war ich, habe da ein Stück mitgehört, dort etwas geschnuppert, hier beobachtet, da Schwingungen aufgenommen. Und schliesslich haben sich all diese Eindrücke verdichtet zu einem Erlebnis, das mir wie die überwältigende Melodie eines riesigen Orchesters in Erinnerung bleibt.

Wenn ich einzelne Stimmen herausschäle, so setzte sich die Melodie aus den unterschiedlichsten Tönen zusammen, auf ebenso vielen verschiedenen Instrumenten gespielt. Es wurde mir eigentlich erst am Kongress klar, wieviele verschiedene Methoden es in der Astrologie gibt. Es mag einen verwirrenden Eindruck hinterlassen, dass beinahe jeder Astrologe sein eigenes System hat. Wäre also der Kongress die Gelegenheit gewesen, darüber zu Rate zu sitzen und diese Streitfrage im Podiumsgespräch zu klären, wie einige Stimmen forderten? Ich glaube kaum; welches Orchester setzt sich schon zusammen um zu diskutieren, ob nun die Flöte oder die Geige das einzig richtige Instrument sei? Natürlich ist jeder Geiger davon überzeugt, dass die Flöte nur zweit-rangiges Instrument sei, während die Bläser sich heimlich über den Snobismus der Streicher ärgern - denn was bilden die sich eigentlich ein?

Ob nun System X oder Y, ob Flöte oder Geige, beeindruckt hat mich, dass aus der verwirrenden Vielzahl dennoch eine Einstimmigkeit hervorging, nämlich die einheitliche Melodie, deren Ausdruck »ja zur Astrologie als Lebenshilfe, als Weg zur Eigenverantwortlichkeit und Weiterentwicklung des Menschen« war. Da waren schlichte, einfache Flötentöne zu hören, die rein und schön zum Ausdruck brachten, was Astrologie sein kann, wie zum Beispiel der Vortrag von Birthe Kirk. Mit einer erfahrenen und begabten Musikerin wäre Serena Foglia zu vergleichen. Als befreiende und spontane Improvisation empfand ich Noel Tyl, während mir Gauquelins Vortrag erschien wie trockene, nüchterne Trommeltöne, die das Ganze unterstrichen und eine Grundlage gaben. Reich an Substanz und Bestandteil der Hauptmelodie fand ich den Beitrag von Louise Huber. Richard Idemon schien mir erst etwas Mühe zu haben, die Melodie aufzunehmen, stimmte aber schlussendlich in leichter, tänzerischer Weise mit ein. Liz Greene Hess dunkle, fast dumpfe und doch warme und faszinierende Töne vernehmen; als deren Gegenstück empfand ich Thorwald Dethlefsen, der mit seiner kühlen Virtuosität viel Bewunderung einheimste. Als Musterbeispiel des Künstlers darf ich wohl Prof. Keyserling anführen. Er spielte nicht nur sein Instrument meisterhaft, sondern verstand es auch, die Zuhörer aus dem Moment herauszuheben, ihnen höhere Sphären und weitere Räume, Horizonte aufzuzeigen, die zu erfahren die Astrologie als Instrument dient.

Was die Melodie dieses Astrologie-Orchesters zum Tönen brachte, war aber auch der Chor der vielen Zuhörer und Mithelfer, die eine einzigartige Hintergrund-Musik bildeten. Sie nahmen die einzelnen Solis, ob brilliant, genial, gut oder weniger gut auf, umrahmten sie, indem jeder in seiner Weise mitsummte, -sang, -jubelte. Und nicht zu vergessen sind die Kulissen der Organisation, die erst die nötige Grundlage für den »Auftritt« dieses Orchesters gaben.

Es war ein einmaliges Erlebnis, de: welches Orchester lässt schon bei ersten Proben eine so überwältigen und mitreissende Musik ertönen, wie es das Astrologie-Orchester an Ostern 81 tat? Ich denke, dass in allen Teilnehmern die Melodie noch lange nachtönen wird, dass die Töne, die weit über das Kongresshaus hinaus zu hören waren, vom Wind weitergetragen werden, um jenen zu Ohren zu kommen, die nicht teilnehen konnten oder die Welt der Astrologie noch nicht kennen.

Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen.

Albert Einstein