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Zurück Ausgabe 2 vom 21.06.1981 • Seite 10ohne Login!

• Diskussion

Interview mit Dr. Serena Foglia

Redaktion

Präsidentin des italienischen Astrologenverbandes

Am Weltkongress Astrologie 81 haben wir die Gelegenheit benützt, einige der ausländischen Astrologen zu interviewen. Wir drucken heute das erste Interview mit Serena Foglia ab, und bringen in der nächsten Nummer dasjenige mit Liz Greene (zwei Frauen, weil in den Referaten, die wir gehört haben, Frauen mehr die psychologischen Aspekte der Astrologie betonten, während viele Männer eher neue Methoden und Schemata vorstellten). Interessant scheinen sie uns zu sein, weil diese beiden Astrologinnen in ihrer Arbeit auf den Menschen bezogen sind, ihre Schwerpunkte aber jeweils ein wenig anders setzen: während Serena Foglia z.B. betont, wie wichtig eine umfassende Allgemeinbildung und psychologische Schulung sei, tendiert Liz Greene eher darauf, dass ein Astrologe vor allem an sich selber arbeiten, sich selber gut kennen müsse, um anderen Menschen helfen zu können. Beide sind sich hingegen einig, dass eine astrologische Schule anzustreben ist, die gewisse Maßstäbe setzt.

Hans Peter Sauenvein und Sophie Grüninger interviewten Serena Foglia. (Das Interview mit Liz Greene folgt im nächsten Heft.)

Serena Foglia

Präsidentin des italienischen Astrologenverbandes

Frage: Was hat Astrologie in Ihnen persönlich bewirkt, als Sie damit zusammentrafen?

Antwort: Ich komme von der klassischen Philosophie und Soziologie. Ich habe in diesen Wissenschaften meinen Doktor gemacht. Von daher bin ich daran gewöhnt, logisch rational zu denken. Die Astrologie hat mich dann gelehrt, in Analogien zu denken und hat mir damit ein feineres Verständnis des Lebens ermöglicht. Astrologie hat mich weitere Zusammenhänge erkennen lassen und dadurch einiges erhellt.

Frage: Arbeiten Sie immer noch mit Ihrem eigenen Horoskop an Ihrer persönlichen Entwicklung?

Antwort: Ja, allerdings nicht in dem Sinne, dass ich etwa mit Ephemeri-den und Transiten operiere, sondern ich gehe mit meinem Horoskop »meditativ« um. Durch diese meditative Annäherung an das Horoskop lässt sich ein tieferes Verständnis der Symbole erreichen, dadurch, dass man sie auch in sich selbst erlebt.

Frage: Wann und wie haben Sie mit der Astrologie Bekanntschaft gemacht?

Antwort: Vor 15 Jahren. Ich wurde damals von einem Verleger mit einer Besprechung eines astrologischen Buches beauftragt (das Buch war von Andre Barbault). Ich wies das Ansinnen zurück mit der Erklärung, ich sei mit der Materie nicht vertraut und habe auch keine hohe Meinung von ihr. Aber mit dem Argument, ich werde wohl ein Niveau eines Buches erkennen können, bestand der Verleger auf einer Besprechung. Ich verstand nicht viel von den technischen Ausführungen, war aber beeindruckt vom kulturellen Niveau des Buches. Neugierig geworden, eignete ich mir autodidaktisch Kenntnisse der Astrologie an.

Frage: Wo sehen Sie den Stellenwert der Astrologie heute und in der Zukunft?

Antwort: Die Aufgabe und das Ziel der Astrologie ist es, die Selbsterkenntnis des Menschen zu fördern. Da das Interesse an Astrologie spürbar wächst, ist es wichtig, zwischen soge-nanntcr »Pop Astrology« und einer fundierten, psychologischen Anwendung der Astrologie zu unterscheiden. Meiner Meinung nach ist zum verantwortlichen Betreiben der Astrologie ein breites Grundlagenwissen in den Kulturwissenschaften, der Psychologie, der Mythologie und der Geschichte unentbehrlich, wenn im Beratungsgespräch eine konstruktive Begegnung stattfinden soll. (Bei »schnellgebleichten« Astrologen ist die Gefahr des Determinierens und des Auslösens von Erfüllungszwängen bei ihren Kunden eine grosse Gefahr.) Auch ist dieses Grundlagenwissen wichtig, weil in einem Beratungsgespräch – wie in anderen Begegnungen – Projektionen auch vom Astrologen auf den Klienten vorkommen, die man erkennen können muss. Natürlich passieren solche Projektionen sogar bekannten Astrologen (und auch Psychologen) gelegentlich ... Deshalb und um der Astrologie wieder zum ihr gebührenden Stellenwert zu verhelfen - scheint es mir wichtig, dass Astrologie wieder als Lehrfach an die Universitäten gebracht wird. Ich unternehme momentan in Italien grösste Anstrenungen mit diesem Ziel. Allerdings sind die Vorurteile -speziell der akademischen Kreise - nach wie vor sehr stark, und der Weg an die Universitäten ist schwierig.

Frage: In der heutigen Zeit sind viele Menschen religiös desorientiert und suchen nach neuen Inhalten, eventuell nach einem Religions-Er-satz. Kann die Astrologie in diese Lücke springen?

Antwort: Nein. Astrologie ist nicht eine Frage des Glaubens. Religion ist die Beschäftigung mit Gott, sie stellt transzendente Fragen. Astrologie ist ein Instrument zur Selbsterkenntnis. Allerdings ist für das tiefere Verstehen der Astrologie eine spirituelle Sensitivität notwendig, die erst geistiges Wachstum ermöglicht.

Frage: Wo setzen Sie den Hauptakzent Ihrer astrologischen Arbeit?

Antwort: Ich möchte nochmals betonen, dass Astrologie vorwiegend ein Mittel zur Selbsterkenntnis ist und eine fundierte Ausbildung des Astrologen voraussetzt, und zwar nicht allein fundiertes Wissen in Astrologie, sondern ebenso in Psychologie, Mythologie und Geschichte, wie schon erwähnt. Denn erst mit diesem Wissen kann man einem gegenüber sitzenden Klienten die Richtung seiner Suche weisen. In dem Zusammenhang habe ich Erfahrungen als Beraterin eines Psychoanalytikers, dem ich mit Hilfe der Astrologie gute Hinweise für Therapieansätze geben kann. Diese Zusammenarbeit ist sehr fruchtbar und zeigt, dass der Astrologe mit dem Psychologen speziell bei Neurotikern - in der Psychose wird das allerdings sehr viel schwieriger - im Interesse des Patienten oder Klienten gut zusammenarbeiten kann. Der Astrologe kann dem Psychologen vor allem ein schnelleres Erfassen der Entstehungszeiten und Kausalitäten psychischer Krankheiten ermöglichen.

Frage: Welche Hilfe kann dem Suchenden gegeben werden?

Antwort: Mit dem steigenden Interesse für Astrologie wird auch eine Ratlosigkeit sichtbar, wenn diese Menschen dann vor dem enormen Bücherangebot stehen, das der Markt ihnen anbietet - ohne Auslese der Qualität. In dem Zusammenhang sind vor allem astrologisch-psychologische Schulen wie diejenige von Bruno und Louise Huber sehr hilfreich, weil sie den Interessenten einmal ein Wissen über die Grundlagen der Prinzipien vermitteln und die Rezeptbuch-Astrologie vermeiden. Ausserdem kann in einer solchen Schule auch ein Gedankenaustausch zwischen den Schülern stattfinden, der sicher schnell die Ansprüche aller an die Astrologie hebt.

Frage: Betreiben Sie selber eine Astrologieschule?

Antwort: Nein, leider ist es mir neben meiner festen Arbeit, - die mit Astrologie übrigens nichts zu tun hat, - neben den Beratungen, meiner Schriftstellerarbeit und ausserdem dem Haushalt nicht möglich, auch noch eine Schule zu führen.

Frage: Sind Ihre Bücher in deutsch oder englisch erhältlich?

Antwort: Bis jetzt liegen meine Bücher nur in italienischer Sprache vor. Ich nehme aber an, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft auch übersetzt werden.