Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 3



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 3 vom 23.08.1981 • Seite 10ohne Login!

• Grundwissen

Die Mondknoten

Hans-Peter Sauerwein

Neben den bekannten Symbolen der zehn Planeten finden wir im Horoskop noch ein weiteres, den sogenannten aufsteigenden Mondknoten. Dieser ist kein Himmelskörper, sondern ein mathematischer Punkt, der die Mondknotenlinie mit dem aufsteigenden Mondknoten und dem absteigenden bezeichnet. «Knoten» nennt man die Berührungspunkte zweier sich schneidenden Ebenen, die eine gemeinsame Schnittlinie bilden. Die Erde bildet in ihrer Umlaufbahn um die Sonne, die Ekliptik, eine Ebene, genauso wie der Mond, wenn er um die Erde kreist. Dabei ist die Mondbahn um ca. 5 Grad gegenüber der Ekliptik geneigt und der Mond läuft zeitweise oberhalb, nördlich der Erdbahnebene, zeitweise unterhalb, südlich von ihr. Diese Punkte bewegen sich langsam rückläufig über die Ekliptik, im Tag um ca. 3 Minuten, in 18,6 Jahren (18 J, 7 M, 10 Tg/18 J 219 Tg) um 360 Grad. Auch alle anderen Planeten haben entsprechende Bahnknoten. Als bedeutungsvolles Element sind die Mondknoten bereits seit der Frühzeit der Astrologie bekannt, weil mit ihnen eine Sonnen- bzw. Mondfinsternis errechnet werden kann. Nur wenn der Mond bei Neumond (Mo-Ko-So) oder Vollmond (Mo-Opp-So) hinreichend nahe einem seiner Bahnknoten steht (Mo-Ko/Opp-MoKn), kann eine Sonnen- oder Mondfinsternis stattfinden.

Bedingungen für das Entstehen von Finsternissen: Wäre die Mondbahnebene gegenüber der Erdbahnebene nicht geneigt, so müßte jeden Monat eine Mond- und eine Sonnenfinsternis stattfinden. Beide Ebenen bilden aber einen Winkel von etwa 5 Grad. Nur wenn die Schnittlinie der beiden Bahnebenen ( Knotenlinie) gegen die Sonne zeigt , und zu gleicher Zeit der Mond sich sehr nahe dieser Schnittlinie befindet, sind Finsternisse zu erwarten.

Im mythischen Denken des Altertums stellte man sich einen riesigen Drachen vor, der die Sonne bzw. den Mond auffrass. So kam es zu den seltsamen Bezeichnungen «Drachenkopf» für den nördlichen, und «Drachenschwanz» für den südlichen Mondknoten.

Der nördliche, aufsteigende Mondknoten stellt eine allzeit gegebene Kontaktstelle zu dem Lebensbereich, dem Thema (Haus) dar, durch das man mit der Bereitschaft zu ständiger Bemühung um Offenheit zur persönlichen Weiterentwicklung, zum Fortschritt kommen kann.

Mit der bewussten Orientierung auf den aufsteigenden Mondknoten in seinem Zeichen und Haus kommt man in Kontakt mit allen Personen, Situationen und Dingen, die seine

Stellung im Horoskop anzeigt, man findet den Durchlass, das «Nadelöhr» zur Weiterentwicklung. Man nimmt auf einmal ganz neue Möglichkeiten für eine zukunftorientierte Lebensgestaltung wahr. Der aufsteigende Mondknoten ist also ein Wegweiser, ein Aufstiegspunkt zur weiteren geistig-seelischen Entwicklung, ein «Punkt» permanenter Gelegenheit, und immer ein Schritt nach vorne. Er ist auch ein korrektives Element und steht in der Regel kompensativ zur Gesamtstruktur des Horoskopes. Dadurch kann eine Befreiung von Karma und Determination, von Zwängen und Normen erfolgen, die die Persönlichkeit beengen. Die dem nördlichen Mondknoten zugesprochene jupiterhafte Wirkung ist in der sinn-, ziel- und zukunftsorientierten Sensitivität dieses Punktes enthalten. Bei ihm liegt die Entscheidung, das letzte Wort, wohin die Entwicklung gehen soll. Bei Nichtbefolgung seiner Weisung kann es sowohl zu psychosomatischen Erkrankungen wie auch zu permanenten Schuldgefühlen kommen.

Der südliche, absteigende Mondknoten stellt die bereits geleistete Arbeit, die •wohlbekannte Fähigkeit, den durch Wiederholungen entstandenen Automatismus dar. Es ist der bequeme Pfad, der Weg des geringsten Widerstandes, weil zur Bewältigung der gegenwärtigen Aufgabe, das Leben zu meistern, ohne Mühe die in der Vergangenheit (in vorherigen Leben) erworbenen Mechanismen eingesetzt werden können. Diese weitere Benutzung alter Talente bewirkt, dass keine neuen Qualitäten entwickelt werden, führt zu einer Fehlanpassung an neue Bedingungen und Umstände, sowie zu einer Bewegung im Kreise, die auf Dauer einen Stillstand der Entwicklung und einen Abstieg bringt. Nicht umsonst wird er auch «Saturnpunkt» genannt.

Da man gerne dazu neigt, sich mit dem zu identifizieren, was einem am leichtesten fällt, kann man den absteigenden Mondknoten auch als Punkt des «Bildes» von sich selbst bezeichnen, das aber die falsche Persönlichkeit, die

Persona im Sinne G.G. Jungs, darstellt. Hier kann man auch die Verbindung vom Aszendenten zum Mondknoten sehen. Zu Beginn der Persönlichkeitsentwicklung zeigt der AC das Image, das Bild an, das man von sich macht, wie man gerne sein und gesehen werden will. Mit der Bewusstwerdung des aufsteigenden Mondknotens ändert sich auch die Bedeutung des AC. Er stellt nun das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung, den «Weg von 1000 Meilen» dar, zu dem der Mondknoten der permanente 1. Schritt ist, und bei diesem Weg kommen die Sonnenkräfte zur Entfaltung. Bei Verharrung auf dem absteigenden Mondknoten wird diese «Reise» unterbrochen, man fällt reflexhaft in alte Gewohnheiten, die aber im ständigen Fluss des Lebens und seinen Veränderungen untauglich sind. Deshalb kommt es zu Auflösungen und Trennungen, damit durch diesen Schmerz der Mensch wachgerüttelt wird und weiter an seiner Entwicklung arbeitet, d.h. sich am aufsteigenden Mondknoten orientiert.

Die Mondknotenlinie zeigt in Zeichen und Häusern eine permanente Thematik an, die im Individuationsprozess eine wichtige Rolle spielt, da sie Vergangenes, Erworbenes und Zukünftiges, noch zu Erwerbendes bewusst macht. Um auf diesen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung und des Wachstums hinzuweisen, wird im Horoskop nur der aufsteigende Mondknoten eingezeichnet, damit wir immer den Weg nach vorne, zur Weiterentwicklung vor Augen haben.

In der Mondknotenlinie wird auch die Bedeutung verschiedener Schnittlinien in der Astrologie sichtbar, und ihre Verwandtschaft untereinander. Die Mondknotenlinie, Schnittlinie zwischen der Mond- und der Erdbahn, zeigt am nördlichen Mondknoten den ständigen 1. Schritt zur Persönlichkeitsentwicklung. Der Aszen-dent, Tag- und Nachtlinie, gebildet von der Sonnenbahn (Ekliptik) und dem Horizont (Erdrotation), zeigt die Zielrichtung der individuellen Entwicklung an. Der Frühlingspunkt, (Präzession, Tages- und Nachtgleiche), gebildet zwischen der Sonnenbahn und dem Himmelsäquator, gibt einen Anhaltspunkt über die Zielrichtung der kollektiven Entwicklung. Und in jedem Horoskop gibt es noch die Schnittpunkte zwischen dem innersten Zentrum und der Umwelt, den Häusern. Diese sind die jeweiligen Talpunkte. Alle diese Schnittpunkte sind Kreuzungen von Raum und Zeit, an ihnen finden Manifestationen bzw. Geburtsvorgänge statt, Prozesse des Werdens und Vergehens. Am Aszendent findet die körperliche Geburt statt, am Mondknoten das erste Erwachen, am Talpunkt oft eine Wandlungskrise.