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Titel Ausgabe 3



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Zurück Ausgabe 3 vom 23.08.1981 • Seite 18ohne Login!

• Zeitgeschichte

Das aktuelle Horoskop – Papst Johannes Paul II

Bruno Huber

In dieser Rubrik bringen wir jedesmal ein oder mehrere aktuelle Geburtsthemen, und benützen diese Gelegenheit um zu zeigen wie man anhand sorgfältiger Figurenanalyse die Grundmotivationen und Hauptprobleme herausarbeiten kann.

Johannes Paul II. 18.5.1920 /11.5l Uhr Wadowice / Polen

Wir hätten gerne dieses Horoskop schon in Heft 2 gebracht. Wir hatten aber keine verlässlichen Geburtszeitangaben: sie schwankten im Bereich Jungfrau und Waage als Aszendent. Nun hat Sandor Belcsak (Präs, der Österreichischen Astrologischen Gesellschaft), der uns als sorgfältiger Geburtsdatenforscher bekannt ist, in einer Beilage des MERIDIAN 3/81 das auf obigen Daten basierte Horoskop veröffentlicht. Laut seinen Angaben hat er die Zeit «von einem Zeugen seiner Geburt» lautend: «um die Mittagszeit».

Wenn man also von der runden Zeit 12:00 Uhr ausgeht und berücksichtigt, dass Polen von 1919 bis 1922 OEZ (Osteurop. Zeit) hatte, so ergibt sich als Aszendent: 27° 5 7' LÖWE.

Ich habe mit den Erlebnissen von KAROL WOJTYLA seit seiner Wahl zum Papst eine Zeitkorrektur anhand der Altersprogression vorgenommen, und bin auf Hh51m20s gekommen (AC: 26°24' LÖWE). Allerdings fehlen mir Erlebnisdaten seines Lebens vor der Papstwahl. Somit mag die Korrektur etwas ungenau sein.

Es würde mich interessieren, ob Sie, lieber Leser - falls Sie über mehr Daten verfügen, oder nach klassischen Korrekturmethoden arbeiten – zum selben Resultat kommen.

Es ist ausserordentlich schwierig, einen Mann in so besonderer und hoher Stellung ganz objektiv zu beurteilen. Und es geschieht leider zu oft in der Astrologie, dass politische oder religiöse Voreingenommenheiten die Urteilskraft des Deutenden beeinträchtigen. Geben Sie mir also einen Vorschuss an Toleranz, wenn ich im folgenden doch für das vorliegende Horoskop Stellung beziehe, weil es mir nach meiner Kenntnis der Person unter allen Versionen das wahrscheinlichste ist.

Die Gesamt-Aspektfigur besteht aus zwei deutlich getrennten Teilen. Der eine - das senkrecht stehende Dreieck aus einer Opposition und zwei Quadraten gebildet – enthält nur weiche, empfindsame Planeten (MERKUR, VENUS, JUPITER, NEPTUN und dazu den aufsteigenden MONDKNOTEN), obschon es aus harten Aspekten besteht. Der andere – das waagrecht liegende Dreieck aus einer Opposition und diesmal einem Sextil und einem Tri-gon, mit einem zusätzlichen, von der Figur weglaufenden Quadrat - ist hauptsächlich aus harten Planeten geformt (SATURN, URANUS und PLU-TO).

Das erstere nennen wir ein LEISTUNGS-DREIECK, das zweite ein AM-BIVALENZ-DREIECK. Sie stehen in ihrer Dynamik (Bewegungsrichtung) über Kreuz und sind hauptachsengebunden. Daraus wird eine schwer zu erfüllende Doppelmotivation sichtbar: ein Mensch, der gleichzeitig mit seiner persönlichen Umgebung in gutem Einvernehmen sein möchte (Horizontthematik: AC-DC), aber auch in der Welt eine führende Rolle spielen will (Meridianthematik: IC-MC).

Auf jeder der Hauptachsen je eine Spannung (Opposition) liegen zu haben, bedeutet, ganz abgesehen von den beteiligten Planeten, starken Forderungen oder auch starken Problemen gegenüberzustehen. Karl Wojtyla war also schon als Kind gehalten, ein kontaktfreudiger und gleichzeitig ein strebsamer Junge zu sein. In beiden Richtungen läuft ein entsprechender Ehrgeiz, der sich allerdings sehr verschieden verwirklicht.

In der senkrechten Figur stehen am MC MERKUR und im zwölften Haus JUPITER, also zwei der klassischen Intelligenzplaneten, die mit einerseits VENUS ein schöngeistiges Streben, und zum ändern mit NEPTUN in 12 ein religiöses Suchen ergeben. Hier haben wir die echt abstrakt-geistige Neigung, die sich allerdings im MONDKNOTEN (IC) mit der Realität, den üblichen kollektiven Meinungen und Haltungen auseinandersetzen muss. Das Dreieck steht in fixen Zeichen und hat somit die Neigung, sich an den in der Gesellschaft vorliegenden Strukturen zu orientieren. Mit anderen Worten: dieser Geist läuft, bei aller Beweglichkeit und der durch schnelle Auffassungsgabe gegebenen grossen Lernfähigkeit, entlang konservativen Linien. Es besteht sogar in der Linie SKORPION-STIER die eigentliche Angst, sich gegenüber etablierten Meinungen zu exponieren. Dies wird noch durch die losgelöste (unaspek-tierte) MARS-Stellung in Waage («ja kein Widerspruch») an der dritten Spitze (herrschende Meinungen) bestätigt

Die JUPITER-NEPTUN-Stellung im zwölften Haus ist unter diesen Umständen der entscheidende Pol, der als tiefes Anliegen sehr ernst genommen werden muss. Ich zitiere hierzu das Zitat Sandor Belcsaks, eines Schulfreundes von Karol Wojtyla: «Es wird ein Pontifikat der Evangelisation der Welt; er ist ein Apostel, kein Reformer, kein Neuerer».

Die zweite, waagrecht liegende Figur bringt schon von ihrer Struktur her eine «Zwiespältigkeit» (Ambivalenz). Hier steht am Ich-Punkt (AC) der Saturn. Er mag bekanntlich die «unbeständigen» veränderlichen Zeichen nicht besonders, weil sie ihn verunsichern. Im kleinmütigen JUNGFRAU-Zeichen bringt er eine grosse Besorgtheit um die Existenz und Sicherheit des eigenen körperlichen Ichs.

Der gegenüberstehende URANUS am Du-Punkt, der an sich hier zum Wagnis – besonders im missionarischen Sinne (FISCHE) - neigen würde, wird aber durch den ängstlichen Saturn immer wieder geblockt. Die Opposition ist ihrer Natur nach ein saturnischer Aspekt – und bestärkt also den Saturn. Diese «Angststellung» ist nun aber durch PLUTO in 11 im KREBS «entspannt» - wie das mancherorts genannt wird. Psychologisch gesehen bietet der Pluto in seiner besonderen Stellung eine perfekte Kompensation der Ängste auf der Horizontachse an. Und zwar indem er ein Leitbild oder Über-Ich im Bewusstsein erzeugt, das ein Streben nach einer archetypischen Rolle (KREBS) auslöst. Im elften Haus könnte es der Archetyp des Hohepriesters, also ein hoher klerikaler Rang sein. Das bringt dreierlei:

1. lässt sich in einer solchen Rolle das geistig-mystische Anliegen der erstgenannten Figur gradlinig umsetzen;

2. wird das missionarische Wagnis möglich, indem die dem Uranus in dieser Stellung eignende Freude an der theatralischen Gebärde einen dogma-tisch-lithurgischen Sinn erhält;

3. wird die Angst um die eigene Existenz durch die Zugehörigkeit zur «Mutter Kirche» gültig aufgefangen (Saturn).

Stichwort «Mutter Kirche» bringt mich zum nächsten Punkt: In einer ausserordentlichen Häufung finden sich in Horoskopen von Geistlichen, Mönchen, Nonnen und Klerikalen höherer Ränge Angststellungen des Saturn und Uranus.

Im Horoskop des gegenwärtigen Papstes steckt dahinter eine noch etwas komplexere Thematik. Sie ist dargestellt in dem Quadrat des SATURN am AC zur Sonne-Mond-Konjunk-tion (NEUMOND) im zehnten Haus.

(Übrigens war am Tag seiner Geburt, dreieinhalb Stunden zuvor (08.25 Uhr), eine Sonnenfinsternis zu beobachten).

Das Quadrat stellt eine Elternproblematik dar, die der kleine Karol erlebt hat. Das Kind hatte ein gespanntes Verhältnis zur Mutter (Mond Quadrat Saturn). Von ihr ging der obengenannte Angstdruck aus, und dies verursachte beim Kind eine sogenannte negative Mutterbindung. Der Vater muss ein sehr dominanter Patriarch gewesen sein (Sonne in 10 in Stier), was beim Sohn eine weitgehend unbewusste, aber starke Vaterverehrung erzwungen hat (Mond Konjunktion Sonne). Dazu kam ein latent schwelender Konflikt zwischen den beiden Eltern (Saturn Quadrat Sonne links der Meridianlinie).

Solch komplexe Konfliktlage konnte ein wehrloses Kind in der damaligen Zeit nur mit Strebertum bewältigen. Man könnte also der Kürze halber das genannte Quadrat auch als «Muster-knaben-Aspekt» bezeichnen, wenn es nicht gefährlich wäre mit solchen Schlagwörtern zu arbeiten, bei denen der Entstehungshintergrund aus der Formulierung nicht mehr erkennbar ist.

Obschon diese Darstellung keineswegs erschöpfend ist, scheint mir aus dem bisher Gesagten doch schon recht deutlich zu werden, warum selbst in einer breiteren katholischen Bevölkerung eine Abneigung gegen die «dogmatische Sturheit» dieses Papstes, aber - oft von denselben Leuten - auch eine Bewunderung für den missionierenden Diener Gottes besteht. Diese Zwiespältigkeit wird natürlich nicht beseitigt, wenn man gelegentlich den Eindruck gewinnt, dass er ein raffinierter Manipulator seiner direkten, persönlichen Umgebung sei. Diese Eigenschaft findet man häufig bei Saturn-Uranus-Verspannungen am Horizont

Beim Attentat

Am 13. Mai 1981 in Rom erhält denn auch genau diese Konstellation einen exakten Aspekt durch den Alters-punkt. Die Altersprogression ist zu diesem Zeitpunkt bei 5.11.34 Grad KREBS angelangt und wirft ein Sex-til bzw. Trigon auf den Zahlenmittelwert von SATURN (4.55 Jungfrau) und URANUS (5.28 Fische).

Ist er Opfer seines Dranges zu dramatischen Auftritten, zu Posen im Publikum (Uranus) geworden - oder Opfer seiner eigenen, insgeheimen Angst (Saturn) vor ebendiesen (aus seiner Sicht in seiner Rolle notwendigen) Expositionen geworden ?

Anfang August (wenn der ASTRO-LOG schon in Druck gegangen ist) wird der AP die genaue Position von PLUTO in 11 erreichen. Wir wissen, dass der Papst sich von den Folgen der Bauchschüsse (Jungfrau = Verdauungsorgane) noch nicht erholt hat. Bis dahin müssen wir hoffen oder befürchten.