Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 4



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 4 vom 23.10.1981 • Seite 8ohne Login!

• Diskussion

Interview mit Liz Greene: 2.Teil: Kinderhoroskope

Redaktion

Doktor der Psychologie in London. Referentin auf dem 1. Astrologie-Weltkongress in Zürich, Ostern 1981

Sophie Grüninger und Holger Marschall interviewten Liz Greene.

1.Teil: Thema Kinderhoroskope

astrolog: Ein ganz anderes Thema: Wie gehen Sie mit dem Horoskop eines Kindes um?

Greene: Das ist ein schwieriges Gebiet. Ich mache tatsächlich manchmal Horoskope für Kinder, aber nur für das Gespräch darüber mit den Eltern. Ich würde niemanden unter 17/18 Jahren direkt als Klienten empfangen. Aber ich glaube, dass ein Gespräch über das Horoskop des Kindes den Eltern helfen kann zu realisieren, dass ihr Kind ein eigenes Individuum ist. Und wenn dieses Gespräch ihnen klar machen kann, dass sie ihre Hände von der Psyche ihres Kindes lassen müssen, dann lohnt es sich. Die eine Sorte von Eltern, die kommen, denkt, sie hätten ein schwieriges Kind, das geheilt werden müsse. Das Kind agiert aber nur die Probleme der Eltern aus. Ein Beispiel: Ein Paar, das nie stritt, das seine Wut und seinen Ärger unterdrückte, brachte sein Kind zu mir, weil es so aggressiv war: das arme Kind spürte all die unbewussten aggressiven Strömungen und lebte sie seinen Eltern vor. In so einem Fall scheint es mir angezeigt, das Horoskop des Kindes zu besprechen und den Eltern zu zeigen - in diesem Falle -dass so ein Verhaltensmuster nicht im Horoskop ihres Kindes, sondern in ihrem eigenen ist. Aus dieser Sicht also mache ich solche Horoskope. Niemals würde ich es in der Art tun, dass ich etwa versuchen würde, das Leben eines Kindes vorauszusagen. Es geht also nur darum, den Eltern zu zeigen, wo ihr Kind anders ist als sie.

astrolog: Interpretieren Sie denn so ein Horoskop - wo ja kein feedback des Inhabers kommt - aus Ihren eigenen Bildern und Erfahrungen?

Greene: Ja, das ist ein Problem und eine Gefahr. Aber für gewisse grundlegende Dinge ist es ziemlich sicher. Ein Kind mit sechs Planeten in Feuerzeichen hat gewisse Qualitäten, die sich im Temperament zeigen werden, und das kann man in sehr, sehr einfachen Worten ausdrücken. Und mehr soll man sicher nicht sagen -man kann ja unmöglich wissen, was das Kind aus seinen Anlagen machen wird.

Aber gewisse Grundzüge kann man ansprechen, und wenn man sich daran hält, wird man sich höchstens minimal mit seinen eigenen Ansichten aufdrängen. Man soll also nicht detaillieren. Auch werden die Eltern von den Aussagen gewöhnlich nicht überrascht sein, da das Kind ihnen ja diese Anlagen vorlebt. Sie können es nur besser verstehen, wenn es so ausgesprochen wurde. Ich zögere aber trotzdem immer wieder und mache nur ungern Kinderhoroskope.

astrolog: Sind es eher bewusste Eltern, die mit ihren Kindern zu Ihnen kommen, Leute, die bereit sind, auch an sich selbst zu arbeiten?

Greene: Es gibt beide Fälle. Die einen kommen auch und denken, etwas stimmt nicht mit dem Kind, die haben dann ein Aha-Erlebnis, wenn sie erkennen, dass das Kind eben anders ist als sie.

astrolog: Seit einiger Zeit werden immer mehr Kinder am Tag geboren und haben also die Sonne über dem Horizont. Das wird aber mit künstlichen Mitteln erreicht: Kaiserschnitt Geburtseinleitung usw. Was ist davon aus astrologischer Sicht zu halten?

(Taggeburten sind immer häufiger in neuerei Zeit. Das ergibt oft kleine Aspektfiguren.)

Greene: Ich weiss wirklich nicht was ich davon halten soll. Es gibl natürlich Argumente auf beiden Seiten. Ich bin mit meinen Überlegungen so weit gediehen: Wenn man sehr pragmatisch oder zynisch ist und nicht an die Seele glaubt, dann ist das Horoskop einfach der Moment der Geburt - sei sie nun eingeleitet oder nicht, ein Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt. Das spielt dann alles keine Rolle Wenn man aber ein Mensch ist, der an die Seele glaubt, der glaubt, dass eine Seele sich ihre Eltern und ihr Horoskop wählt, dann ist diese Seele sicher gescheit genug, den richtigen Arzt zu finden, der ihre Wahl realisiert... Am Schluss kommt man zum selben Punkt: dass es keine Rolle spielt. Das ist eines dieser Themen, über die ich nachdenken und eine Meinung finden kann, aber wissen kann ich das nicht.

astrolog: Ein Referent am Kongress, Herr Dethlefsen, hatte damit gar keine Probleme. Er sagte einfach: alles ist Karma. Für mich bleibt da allerdings die Frage nach dem Warum immer noch bestehen.

Greene: Ich weiss nicht, ob wir darauf Antwort finden können, bevor jemand wirklich viele Horoskope solcher Menschen vergleicht und herausfindet, ob in ihnen irgendein Grad von grösseren Störungen vorliegt als in Horoskopen von natürlichen Geburten. Mein eigenes Gefühl ist, dass eine eingeleitete Geburt das Horoskop nicht falsch macht, sondern dass diese Geburten am Kollektiv etwas ändern: mehr Kinder werden mit der Sonne über dem Horizont geboren. Und die Sonne am Taghimmel weist auf jemanden, dessen Energien und Ziele sich auf die Welt richten, nicht nach innen. So ist anzunehmen, dass sich die kollektive Orientierung ändern wird und dass das schliesslich die Werte dieser Kultur und dieser Völker beeinflussen wird. Ein kollektiver Trend in dieser Art geschieht gewöhnlich, weil er nötig ist - ich würde das nicht Karma nennen. Aber ich glaube, dass das Kollektiv seine eigene Weisheit hat: Nichts erscheint in der Gesellschaft, ohne dass es durch das kollektive Un-bewusste irgendwie hervorgerufen wurde. Weiter als bis hierher kann ich es nicht durchdenken - ich weiss einfach die Antwort nicht.

astrolog: Aber das Horoskop behält seinen Wert, auch in diesem Fall?

Greene: Ja, ich meine, dass es korrekt ist. Es hängt von den persönlichen

theologischen oder philosophischen Haltungen ab, wie man das beurteilt. Ich habe keine Überzeugung zu der Frage, die stark genug wäre, d.h. es gibt einfach viele Sachen, über die ich nichts weiss, über Reinkarnation zum Beispiel.

astrolog: Glauben Sie nicht, Antworten auf diese Dinge finden zu können durch Beschäftigung damit?

Antwort: Das geht in den Bereich des Glaubens, und damit kann ich nicht arbeiten. Ich persönlich glaube an Reinkarnation, aber es ist ein Glaube, und ich würde das nie gebrauchen, wenn ich ein Horoskop bespreche. Ich werde nichts an einen anderen Menschen weitergeben, von dem ich nichts weiss aus persönlichen Erfahrungen, sonst dränge ich ja dem anderen mein Glaubenssystem auf Mein Glaube, auch der Glaube an Gott, ist meine persönliche Sache, nicht die meiner Klienten, die an einen anderen Gott glauben mögen. Ich will es auch lieber mit den Menschen zu tun haben, wie sie jetzt sind in ihrem Leben. Alles andere wäre unfair.

astrolog: Miss Greene, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


A propos Kinder:

Sophie Grüninger

Zuerst muss man sie ja kriegen. Da gibt es eine alte astrologische Methode, um die empfänglichen Tage bei der Frau zu bestimmen: Nach dieser These ist die Frau dann am empfänglichsten, wenn der Mond im gleichen Abstand zur Sonne steht wie in ihrem Grundhoroskop, und zwar abnehmend, wenn er im Radix abnehmend ist oder umgekehrt. Die optimale Empfänglichkeit bestehe dann, wenn Sonne und Mond in den gleichen Zeichen stehen wie bei der Geburt der Frau. Der tschechoslowakische Arzt Dr. E. Jonas hat diese Methode verfeinert, indem er sie mit jener von Ogino/ Knaus kombinierte und kam dabei auf eine Sicherheit von 98 %. Es wurde ihm dann allerdings von der Ärzteschaft vorgeworfen, er spreche von Fruchtbarkeit, wenn er Empfänglichkeit meine. (Wir wollen Ihnen diese Methode aber nicht blind empfehlen: ich selber habe gefunden, dass der Eisprung wohl meistens (!) stattfindet, wenn der Mond in gleichem Abstand zur Sonne steht wie zur Zeit meiner Geburt, aber nicht abnehmend wie im Radix, sondern zunehmend!)

Andererseits sei die verlässlichste (wenn auch nicht die aufregendste) Methode, keine Kinder zu kriegen, wohl nach wie vor die Apfelmethode. Man isst einen Apfel. Anstatt . . . Für den Fall, dass Sie sich an diese Methode halten, brauchen Sie dieses Heft nicht fertig zu lesen.

Der Kinderreichtum ist kein Kindersegen.

Deck uns schön zu. Ich bild mir ein, es zieht.

Komm, lass uns den Geburtenrückgang pflegen!

Und lösch die Lampe aus. Des Landtags wegen. Damit er es nicht sieht.

Erich Kästner