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Titel Ausgabe 4



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Zurück Ausgabe 4 vom 23.10.1981 • Seite 10ohne Login!

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Saturn im Kinderhoroskop

Sibil Borg-Tschudi

Seit ich mich mit Astrologie beschäftige, das sind heute schon 9 Jahre, ist es der Saturn, der mir am meisten Probleme und Fragen beschert hat. Nicht nur, weil er in meinem eigenen Horoskop sehr exponiert steht, sondern auch weil er in den Horoskopen meiner drei Kinder stark dominiert.

Bei Bruno Huber habe ich gelernt, dass der Saturn im Kinder-Horoskop zeigt, wie das Kind seine Mutter erlebt, wie es aus seiner eigenen persönlichen Sicht seine Mutter sieht. Das hatte zur Folge, dass ich mich wochen- und monatelang mit dem Saturn in den Horoskopen meiner Kinder beschäftigte. Meine ersten Gedanken waren resigniert, verzweifelt. Ich stellte fest, dass ich meinen Kindern eine harte, überkonsequente und steife Mutter war, sie haben alle drei ihren Saturn zwischen dem 7. und dem 9. Haus. Obwohl es immer mein grösster Wunsch war, meinen Kindern eine «gute» Mutter zu sein, musste ich nun feststellen, dass dem nicht so ist. Meine Kinder erleben mich nicht als Mutter, wie es im Buche steht, sondern eher als eine, die sich zu sehr mit der Aussenwelt beschäftigt, die viel zu sehr auf das «man tut und man tut nicht» achtet, die den Kindern ihre Gefühle nicht zeigen kann, die sich zu hart und zu steif an gegebene Gesellschaftsregeln hält.

Das alles und noch viel mehr hat mich zeitweise zum Verzweifeln gebracht. Der Saturn wurde für mich schwarz und ich träumte wochenlang von Saturnstellungen am IC.

Saturn fühlt sich am wohlsten im dritten oder vierten Haus. Die Erkenntnis, dass ich meinen Kindern nicht die ideale Mutter war, da sie in ihren Horoskopen Saturn im dritten Quadranten haben, hat mich aber auch zum Nachdenken gezwungen.

Durch meine eigene Problematik mit meinen Kindern kam ich auch ins Gespräch mit ändern Müttern, die sich mit der Astrologie und dem Saturn auseinandersetzten, und ich durfte mit Erleichterung erfahren, dass ich nicht allein war mit meinen Fragen und meiner Unsicherheit. Andere Frauen kämpften mit ähnlichen Problemen wie ich. Durch verschiedene Erlebnisse, neue Erfahrungen und gute Diskussionen lernte ich, meiner Situation als Mutter einen neuen Sinn zu geben.

Viele gute Artikel und Bücher haben mir weitergeholfen, ich suchte Hilfe und Antwort in esoterischer Literatur. Der Kontakt zu erfahrenen und wissenden Menschen war in dieser Zeit sehr wichtig für mich.

Doch bis heute habe ich kein General-Rezept für Mütter von schwierigen Saturn-Stellungs-Kindern gefunden. Heute bin ich überzeugt, dass jede Frau für sich allein und mit sich allein

den richtigen Weg und auch die richtige Haltung den Kindern gegenübe finden muss. Meine Gedanken, die mir weiterhalfen, möchte ich hier kurz streifen und weitergeben:

Eine Mutter kann drei Kindern haben und jedes dieser Kinder hat seinen Saturn im Horoskop in einem anderen Haus, in einem anderen Zeichen, und mit andern Aspekten. Bei jedem Kind verursacht dieselbe Mutter diese verschiedenen Saturn-Stellungen, als ob drei verschiedene Mütter da wären Das Kind erlebt seine Mutter nicht so wie sie wirklich ist, sondern bringt seine eigenen Wünsche, Gedanken und Vorstellungen mit in die Mutter-Beziehung. Die Reaktion eines Kinde: auf seine Mutter, die Interpretation eines Kindes seiner Mutter ist immet geprägt von seinen eigenen Erwartungen und Wünschen an dieses Leben.

Als Mutter ist man also nicht so, wie die Saturn-Stellung im Kinderhoroskop es zeigt, sondern das Kind erlebt seine Mutter so. Dieser Gedanke kann eine Hilfe sein bei der Klärung der Mutter-Kind-Beziehung.

Allein schon die Idee, dass dieses mein Kind mich als Mutter so erleben will oder muss, kann mir helfen, die notwendige Distanz zu finden, und mir helfen, die Problematik aus einem andern Winkel zu betrachten.

Die wenigsten Menschen haben eine ideale Saturn-Stellung. Die meisten Menschen, die ich kenne, haben irgendwann mit Saturn-Problemen zu kämpfen und denken und üben und ringen und schwitzen sich durch Ihre saturnischen Krisen. Menschen mit leichten und harmonischen Saturn-Stellungen sind sehr selten.

Die Saturn-Frage wird im Laufe des Lebens als erstes durch einen Konflikt mit der Mutter bewusst. Wenn wir uns mit Astrologie beschäftigen, dann lernen wir

A: das ist mein Saturn, und

B: so habe ich meine Mutter erlebt und

C: so hat mich meine Mutter beeinflusst und geprägt, sie hat mir diese Vorschriften gemacht und mir gesagt, was ich tun darf und was ich lassen soll.

Dadurch entsteht ein Konflikt mit der Mutter, und das Bedürfnis, sich selbst zu leben, zu sein und selbst zu entscheiden wird stärker.

Für die eigene Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis sind diese Prozesse, in denen man sich mit seiner eigenen Mutter auseinandersetzt, sehr wichtig. Dadurch kann ein Ablösungs-Prozess in Gang kommen, wenn er nicht schon früher stattgefunden hat. Bei vielen Menschen findet die innere Ablösung von der Mutter erst nach 30 oder noch später statt, andere können sich innerlich schon in jungen Jahren – mit 22 am Talpunkt des 4. Hauses – von der Mutter lösen und einen guten kollegialen und freundschaftlichen Kontakt mit ihr pflegen. Rachegefühle und andere Emotionen werden nicht weiter im Leben mitgetragen.

Jeder Mensch soll irgendwann einmal lernen, den Saturn in sich selbst zu verwirklichen, ihn in sich selbst zu integrieren und sich selbst Mutter zu sein. Jeder Mensch soll lernen, sich selbst zu beschützen und die Sicherheit in sich selbst zu suchen, die er während der Kindheit von seiner Mutter erhoffte.

Mit diesen Gedanken fand ich eine neue Lösungsmöglichkeit für meine Probleme und Unsicherheiten als Mutter.

Mir wurde klar, dass ich mit meiner starken und exponierten Saturn-Stellung (Sonne, Saturn und Uranus in Konjunktion im Zeichen Zwilling am DC) eine teilweise noch ungelöste Mutterproblematik mit mir herumtrug. Mir wurde auch klar, dass meine Kinder mit ihren ebenfalls schwierigen Saturn-Stellungen eine Mutter brauchten, die es ihnen ermöglichte, ihre Saturn-Stellungen zu erleben.

Wie nun aber konnte ich weiterkommen, ohne einfach in eine Haltung zu verfallen, die alles dem Schicksal überlässt?

Meine Kinder kamen auf diese Welt und brachten ihre Saturn-Stellungen mit. Sie «wählten» mich als Mutter und brauchten scheinbar diese «Härten» (manchmal kann ich auch ganz lieb sein) für ihre Weiterentwicklung.

Nun wäre es eigentlich ganz einfach, wenn ich mir dabei gesagt hätte, dass alles gut ist so wie es ist, weil das die Entwicklung meiner Kinder am besten fördert.

Doch diese Täuschung ist sehr gefährlich und auch sehr bequem. Damit überlasse ich alles dem sogenannten «Schicksal», ich übertrage die Verantwortung einem nicht genau definierbaren Ding. Diese wollte ich jedoch nicht ablegen und sah mich gezwungen, selbst etwas zu unternehmen und zu ändern.

Was konnte ich nun ändern, was konnte ich gezielt beeinflussen? Natürlich nur mich selbst. Ich kann weder meine Mutter ändern, noch kann ich meine Kinder verwandeln, das einzige, was ich wirklich kann, ist an mir selbst arbeiten, mich selbst verändern und weiterentwickeln.

Mir wurde klar, dass ich meine eigene Mutter-Problematik nicht in die Beziehung zu meinen Kindern hineintragen durfte, weil dadurch die Kind-Mutter-Beziehung um ein vielfaches komplizierter und belasteter wird. Um meinen Kindern Ihr Saturn-Erlebnis zu erleichtern, um Sie von noch mehr belastenden Neben-Pro-blemen zu befreien, schien es mir aus-serordentlich wichtig, dass ich mich erst mal selbst von meinen eigenen inneren Bindungen und Drücken zu meiner Mutter befreite.

Dieser Prozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Doch hat mich in den letzten Jahren die Auseinandersetzung mit diesem Thema und diesen Gedanken freier gemacht. Ich wurde freier und gelöster. Dadurch konnten sich auch meine Kinder freier bewegen, ihre engen Schranken wurden erweitert. Dadurch, dass ich mich durch Arbeit an mir selbst veränderte, veränderten sich auch meine Kinder.

Wenn ich mich als Mutter freier fühlen kann, können sich auch meine Kinder freier fühlen. Wenn ich traurig bin, oder wenn ich zornig oder sonstwie verstimmt bin, reagieren meine Umwelt und meine Kinder dementsprechend auf meine Stimmung.

Dasselbe gilt nun auch für meine ganzheitliche Situation. Bin ich selbst noch verstrickt in irgendein ungelöstes Problem, so ziehe ich meine Kinder mit hinein, sie reagieren auf mich und müssen sich gezwungenermassen, völlig unbewusst, auch mit meinen ungelösten Problemen auseinandersetzen.

Jede Mutter wünscht sich eine gute und möglichst unbelastete Beziehung zu ihren Kindern. Meiner Erfahrung nach ist dies nur möglich, wenn man immer wieder an sich selbst arbeitet und seine Probleme nicht verdrängt, sondern diese zu lösen versucht.

Dafür sind unsere Kinder «Lehrer». Es sind nicht nur immer die Kinder, die eine Erziehung und Hilfe brauchen, sondern es sind oft auch wir Mütter, die von und durch ihre Kinder etwas neu dazulernen können. Wir lernen durch unsere Kinder, und dadurch wiederum können sie freier und unbelasteter erwachsen werden. Sie können uns zur Weiterentwicklung zwingen, und damit, so meine ich, ist es richtig, dass sie ihren Saturn da haben, wo er eben steht.

Der Saturn im Kinder-Horoskop ist also nicht nur für das Kind ein «Meilenstein» sondern auch für die Mutter.

Mit diesen Gedanken habe ich mich mit Saturn weitgehend ausgesöhnt und freue mich auf meine Enkel.

Deine Kinder sind nicht deine Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch dich, aber nicht von dir,

und obwohl sie bei dir sind, gehören sie dir nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken.

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben, aber nicht ihrer Seele,

denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,

das du nicht besuchen kannst,

nicht einmal in deinen Träumen.

Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,

aber suche nicht, sie dir gleich zu machen.

Denn das Leben geht nicht rückwärts

und verweilt nicht beim Gestern.

Du bist der Bogen,

von dem deine Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Lass deine Bogenrundung in der Hand des Schützen Freude bedeuten.

Kahlil Gibran