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Titel Ausgabe 4



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Zurück Ausgabe 4 vom 23.10.1981 • Seite 12ohne Login!

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Symbole: Schütze

Bruno Huber

...und wie sie sich entwickeln: dargestellt am Zeichen Schütze

Wie um die meisten Tierkreiszeichen rankt sich auch um den Schützen eine ganze Gruppe von Symbolen. Beim Schützen kann man diese sogar in einer logischen Abfolge sehen. Es sind im wesentlichen vier Symbole, die in der Geschichte jeweils über längere Zeit eine Rolle gespielt haben.

Das Einhorn

Das Einhornsymbol ist nachweislich das älteste für den Schützen. Es findet sich vor allem bei den nordischen Völkern und wurde durch die einwandernden Dorier und Jonier in den frühgriechischen Kulturraum gebracht. Die Einhörner galten als wilde und unbezähmbare Tiere, und ihr Hörn wurde als Heilmittel gegen Zauber und Vergiftungen verwendet. Nur auf eine Art waren diese furchtlosen und ungezügelten Tiere zu bezähmen, nämlich durch eine 'keusche Jungfrau'. Dies war sozusagen ihre 'Achilles-Ferse' und deutete auf die stark erotische Natur des Schützen.

Nur eine 'reine Jungfrau' also war in der Lage, dem wilden Einhorn Zügel anzulegen (was auch gleichzeitig eine Beziehung zum Zeichen Jungfrau aufzeigt). Darüberhinaus symbolisiert das Einhorn auch den Intellekt: Das eine Hörn nämlich sitzt dem pferdeähnlichen Tier auf der Stirn, dem Ort also, wo wir Menschen das Denken lokalisieren. Auf diese Weise bedeutet es also das direkte und zum Teil geradezu aggressive und herausfordernde 'Vor-sich-Hertragen' des Denkens, welches, wie oben gezeigt, nur eine schwache Seite hat, nämlich die schmeichelnde Emotionalität der 'keuschen Jungfrau'.

Der Kentaur

Während das Einhorn ursprünglich nordischer Herkunft ist und in graue Vorzeiten zurückgeht, kommt der Kentaur aus Babylon, wo er schon im 14. Jahrhundert vor Christus auf einem Grenzstein nachzuweisen ist .

Etwa im sechsten vorchristlichen Jahrhundert übernehmen die Griechen den exakten zwölf-mal-30°-Tierkreis, und damit auch den Kentauren als Symbol für den Schützen, den sie allerdings auf ihre eigenwillige Art deuten. Er ist zu Beginn, ähnlich dem Einhorn, noch ein ausgesprochen wildes Tier. Der Sage nach hielten sich die Kentauren in Horden in den Wäldern auf Ihr Aussehen war ähnlich einem Pferd, welchem an Stelle des Kopfes ein menschlicher Oberkörper wuchs. Diese Kentauren waren berüchtigt dafür, dass sie über Ansiedlungen herfielen und sich die Frauen raubten, was wieder die Beziehung zum Erotischen aufzeigt.

In späterer Zeit nahmen die Kentauren auch eine Funktion der weisen Beratung ein, wobei vor allem ein bestimmter Kentaur mit den Namen Chiron berühmt wurde. Von ihm wird gesagt, dass er die Wildheit überwunden hätte und menschenfreundlich geworden sei, so dass die Menschen in den Wald gingen, wo er wohnte, um weisen Rat von ihm zu holen. Nach der griechischen Mythologie wurden die wilden Kentauren in der Folge ausgerottet.

Das Symbol des Kentauren sagt auch aus, dass in diesem Wesen eine Verschmelzung von Tier und Mensch stattgefunden hat, deren Teile aber noch nicht integriert sind, so dass der menschliche Teil ständig die Triebe und die tierische Wildheit zügeln muss, um schliesslich durch diesen Prozess zur Weisheit zu kommen. Diese Selbstkultivierung des eigenen 'Tieres' in sich ist auch heute noch ein wichtiges Bestreben der Schützenmenschen, nämlich der Wunsch, seine körperliche Natur absolut zu beherrschen.

Der Bogenschütze

In der spätgriechischen Zeit und auch noch im Mittelalter findet sich schliesslich das Symbol des Reiters, des Bogenschützen auf dem Pferd; dargestellt wird er meistens auf einem weis-sen Pferd. In der griechischen Mythologie war es meistens Zeus selbst, der auf dem Ross ritt und seine Blitze schleuderte, also keinen Bogen führte, was wahrscheinlich eine ältere Variation der Thematik war.

Bei diesem Symbol nun sind Pferd und Mensch nicht mehr zusammengewachsen wie beim Kentaur, sondern einzelne Figuren. Es ist nun der Mensch, der das Tier durch seinen Körper beherrscht und lenkt. Dies bedeutet einen weiteren Schritt in der Entwicklung zum bewussten Menschen, der seine Herrschaft über seine Körperlichkeit erreicht hat. Aber auch hier tritt das erotische Moment wieder zu Tage, indem man dem Bogenschützen einen gewissen Jagdinstinkt insbesondere im erotischen Bereich nachsagt.

Wenn man sich darüberhinaus vergegenwärtigt, dass Jupiter oder Zeus als Herrscher des Zeichens in der Mythologie der oberste Herr aller Götter ist, aber auch seiner vielen Liebschaften gedenkt, so tritt uns dasselbe Motiv wieder entgegen. Gleichzeitig jedoch bringt er den Menschen auch Erleuchtung und Erkenntnis der Wahrheit, was dadurch symbolisiert wird, dass er seine Blitze nach unten schleudert - als Gott zu den Menschen. Dies entspricht dann auch der tiefverwurzelten Eigenart des Schützengeborenen, dass er nach Wahrheit sucht und diese Wahrheit auch weitervermitteln will.

Der Pfeil

Als letztes der vier Symbole findet sich in der neueren Zeit schliesslich der Pfeil allein. Dieser Pfeil verläuft nach oben rechts und wird allgemein mit einem Reststück des Bogens gezeichnet. Der eben abgeschossene Pfeil fliegt so einem Ziel zu. Mithin wird in diesem Symbol das ständige Suchen nach geistigen Wahrheiten, nach Gesetzmässigkeiten und Erkenntnis dargestellt. Beim heutigen Schützengeborenen treten vor allem die in den beiden zuletzt genannten Symbolen (Bogenschütze und Pfeil) aufgezeigten Qualitäten hervor und charakterisieren diesen sehr zutreffend.

Wenn man diese Symbolreihe noch einmal durchgeht, so entdeckt man, dass ihr ein sehr interessanter Gedanke eines Entwicklungsablaufes zugrunde liegt: Das Einhorn konnte seinen Intellekt nur im Zweckzusammenhang mit der Existenzbewältigung einsetzen - der Kentaur bereits zur Lustbefriedigung. Der Bogenschütze strebt mit seinem beweglichen Intellekt nach Höherem, und im blitzeschleudernden

Zeus gar zeigt sich die Fähigkeit, andere zu erleuchten. Der Pfeil schliesslich symbolisiert den voll funktionsfähigen Verstand des heutigen Menschen, der nicht mehr an die Körperlichkeit gebunden ist und immer einer Wahrheit zueilt. Wir haben also eine Entwicklungsgeschichte des Menschen vor uns. Auch in den esoterischen Darstellungen des Tierkreiszeichens Schütze gilt dieses Zeichen als der Prototyp des sich entwickelnden menschlichen Geistes.