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Titel Ausgabe 4



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Das aktuelle Horoskop – Maria Montessori

Louise Huber

Maria Montessori

31.8.1870/03.30 Uhr Chiaravalle/Italien

In dieser Rubrik bringen wir jedesmal ein oder mehrere aktuelle Geburtsthemen, und benützen diese Gelegenheit, um zu zeigen, wie man anhand sorgfältiger Figurenanalyse die Grundmotivationen und Hauptprobleme herausarbeiten kann.

In dieser Nummer befassen wir uns in einigen Artikeln mit dem Kind und mit Erziehungsfragen. Es schien uns in diesem Zusammenhang interessant, als aktuelles Horoskop dasjenige der grossen Erzieherin Maria Montessori zu besprechen.

Sie war Italienerin und lebte von 1870 bis 1952 in einer Umbruchszeit und in einem Land, das sich schon immer stark mit Erziehungsfragen beschäftigte. Sie gehörte zu jener «heroischen Generation», die die neue Zeit einleiteten. Noch heute profitieren wir von ihrem überragenden Geist. Montesso-ri-Kindergärten gibt es viele in der ganzen Welt.

Wenn wir das Horoskop anschauen, fällt uns sofort auf, dass die Aspektfigur aus zwei Teilen besteht. Einer kleinen Figur im 1. Quadranten mit Sonne, Mond und Merkur, und einer grossen Figur mit Saturn, Neptun, Jupiter und Mars-Uranus. Schon von der sinnlichen Erfassung her wird mit ein wenig Phantasie die tiefe Symbolik in dieser Aspektfigur von Mutter und Kind sichtbar. Die kleine Figur ist das Kind und die grosse die beschützende Mutter. Die Venus steht am As-zendenten alleine, wirkt aber wie eine vereinigende Kraft, die beide Figurenteile zu sich heranzieht. Die Venus ist nicht nur das harmonisierende, sondern auch das verstehende Prinzip, das die auseinanderstrebenden Teile in eine bewegliche Synthese bringt. Wahrscheinlich hat Maria Montessori selbst als Kind stark gelitten und sich ausgeliefert gefühlt, wodurch der starke Wunsch und die enorme Motivationskraft, sich für das Wohl des Kindes einzusetzen, erklärlich wird.

Um Frau Montessori und ihr Werk wirklich zu verstehen, müssen wir uns in eine Zeit zurückversetzen, wo das Kind und seine Rechte noch gar nichts galten. Es war Eigentum der Eltern, Sklave von Vorurteilen und Aggressionen eines mittelalterlichen Erziehungssystems. Das Kind wurde als Besitz angesehen, die Eltern konnten mit ihm machen, was sie wollten. Wie oft wurden damals Kinder misshandelt und zu Frondiensten missbraucht. Ein Klima, in dem es verständlich wird, dass Maria Montessori sich mit ihrer starken Persönlichkeit (Aszendent Löwe, Sonne im 1. Haus, Saturn im Schützen, Mond am IC) dagegen auflehnte und nach besseren Erziehungsmöglichkeiten suchte (Ur-anus/Mars-Konjunktion).

Der unaspektierte Pluto im 10. Haus wirkt wie eine übergeordnete missionarische Kraft, die losgelöst vom ICH wie eine leuchtende Fackel im Himmel steht.

Überpersönliche Ziele, Hingabe an höhere Ideale (Neptun in 9 und Jung-frau-Sonne) gepaart mit Hartnäckigkeit, Mut und Vertrauen in das eigene Selbstbewusstsein (Saturn im Schützen Opposition Jupiter 11. Spitze), verhal-feri ihr zu einem aussergewöhnlichen Aufstieg. Ihre Methoden bekamen rasch einen immer grösseren Einfluss auf die Erziehung in der ganzen Welt, der bis heute noch anhält.

Weil die kleine Ich-Figur losgelöst ist und auf der Ich-Seite eine zusammengeballte Ich-Kraft darstellt, hatte sie den Mut und die Unerschrockenheit, gegen die vorherrschende Meinung aufzutreten und sich energisch für die Freiheit und das Wohl des Kindes einzusetzen. Aber ihr kämpferischer Geist war immer mit geistigen Visionen und subtilen Vorstellungen durchdrungen. Sie hatte eine Vision von der Wichtigkeit des Kindes und brachte es in ihrem Buch: «Kinder sind anders» in folgenden Worten zum Ausdruck: «Nicht das physische Kind ist es, das einen mächtigen, ja entscheidenden Anstoss zum Besserwerden der Menschen geben kann, sondern das psychische.

Der Geist des Kindes kann einen wirklichen Fortschritt der Menschen und unter Umständen sogar den An-bruch einer neuen Kultur herbeiführen.» Diesen Geist des Kindes zu erforschen und seine spezielle, ihm eingegebene Qualität, seinen Auftrag in der Welt zu erkennen, war das tiefste Anliegen der Erzieherin. Maria Montessori glaubte fest daran, dass Kinder im Alter von drei, vier und fünf Jahren bereits alle ein intuitives Ziel haben, nämlich «Selbstentfaltung». Und dies in einer Zeit, in der für die meisten Menschen weder die Möglichkeit noch ein Erziehungs-Konzept zur Entfaltung der Persönlichkeit oder zur Erlangung individueller Freiheit bestand.

Maria Montessori war nicht nur eine grosse Idealistin, sondern sie war gleichzeitig auch praktisch veranlagt. Dies ist aus der kleinen Figur ersichtlich, die im Trieb-Quadranten des Horoskopes steht. Dieser ist tatbezogen und das Ich erlebt sich durch das Tun, durch die Verwirklichung der eigenen Substanz. Sie überlegte alles gründlich (Jungfrau-Sonne) und der Skorpionmond am IC lässt sie tief das Unbewusste erspüren und in die Seele des Kindes eindringen.

Wenn wir ihrem Lebenslauf folgen, erkennen wir ein stufenweises Aufwärtsschreiten, hinter dem ein planvolles Lebensprogramm, Selbstdisziplin, Fleiss und Zielstrebigkeit verborgen liegen.

Sie selbst beschreibt diese Mondstellung in ihrem Buch «Kinder sind anders»: «Es gilt das Unbekannte im Kind ausfindig zu machen. Von einem Teil seines Seelenlebens wissen wir nichts, und diesen gilt es zu erforschen. Es gibt nicht nur das Kind, das von den Eltern und Erziehern beobachtet und studiert wird, es gibt auch ein von niemandem beachtetes Kind. Dieses verborgene und verkannte Kind gilt es ausfindig zu machen und dazu bedarf es einer Begeisterung und Opferwilligkeit, ähnlich jener, mit der die Goldsucher in die fernsten Länder vorgedrungen sind. Alle Erwachsenen müssen an diesem Entdeckerwerk mithelfen, ohne Unterschied. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres als um die Auffindung eines für den moralischen Fortschritt der Menschheit unerlässlichen Elements.»

Alterspunkt

Nachdem sie ihr Studium an der Universität in Rom absolviert hatte, war sie die erste Frau in Italien, die 1895 einen medizinischen Doktortitel erhielt. Der AP war mit 25 Jahren gerade auf dem Saturn und in Opposition zum Jupiter. Saturn bedeutet häufig das Bestehen einer Prüfung, den Abschluss einer Entwicklung. Das Erreichen dieses Zieles stellte eine für sich abgeschlossene Stufe in ihrer Entwicklung dar. Sie erreichte damit auch die zweite Aspektfigur. Zusammen mit dem Ich-Planeten Saturn, war es für sie wichtig, sich zunächst einmal eine anerkannte Stellung in der Welt zu verschaffen, die ihr Sicherheit und einen festen Stand verlieh. Der Doktortitel war dazu geeignet und für den Start ihres weiteren erfolgreichen Wirkens nützlich.

Beim Durchgang des Alterspunktes durch das 5. Haus arbeitete sie in einer psychiatrischen Klinik in Rom. Dort erwachte ihr Interesse für die Erziehung zurückgebliebener Kinder. Sie machte systematische Forschungen. Die grosse Figur zusammen mit dem dreifarbigen kleinen Entwicklungsdreieck können als Ursache für ihren Forschergeist angesehen werden. Das Quadrat zum Neptun und das Halb-sextil zum Jupiter geben dem forschenden Motor der Mars-Uranus-Konjunktion eine hoffnungsvolle Energie. Dieses kleine Lerndreieck steht auch im Bewusstseinsraum und spornt sowohl die inspirierte Phantasie (Neptun in 9) wie auch die Urteilsfähigkeit (Jupiter in 11) an.

Bald fand sie heraus, dass ihre Methoden auch für normale Kinder gut sind. Nach weiteren Studien und Forschungen eröffnete sie 1907 die erste Montessori-Schulc in den Slums von Rom. Der Alterspunkt war mit 36 gerade über den Horizont aufgestiegen und mit 37 in Trigon zum Jupiter, Sextil Neptun und Sextil Saturn gekommen.

Jetzt war das grosse rotblaue Dreieck «angezündet». Der Saturn im Schützen hat bereits durch das 5. Haus eine spezielle pädagogische Kraft, die jetzt erfolgreich eingesetzt werden konnte. Ihre Fähigkeit, Verantwortung für Kinder zu übernehmen, diese zu erziehen und zu leiten, ihnen eine neue ethische Richtlinie zu geben (Jupiter 11) fand ein reiches Wirkungsfeld. Der Alterspunkt ging ja durch das 7. Haus. Sie lehrte die Kinder auf ihre eigene Sinneswahrnehmungen zu vertrauen und half ihnen, ihre mentalen Fähigkeiten durch das Selbst-Lernen zu entwickeln. Sie ging mit ihnen eine echte Partnerschaft ein und liess sie sich selbst sein.

Während der Alterspunkt das 8. Haus durchlief, brachte sie 3 Bücher heraus, die viel dazu beitrugen, ihre Stellung in der Gesellschaft zu festigen, die notwendige Anerkennung zu finden und ihre Lehre zu verbreiten.

1912, mit 42 Jahren, kam ihr erstes Buch heraus (AP 8. Häuserspitze, Quincunx Venus). 1914, mit 44, das zweite Buch (AP Sextil Pluto). 1917 das dritte Buch (AP Opposition Merkur, Quincunx Mond). Ihre Methode verbreitete sich immer mehr. Der Alterspunkt ging während dieser erfolgreichen Periode durch den oberen Raum des Horoskopes, erreichte 1921 den Neptun. Ihre Methode verbreitete sich besonders in Amerika (Neptun 9. Haus deutet manchmal auf Erfolg im Ausland/ Übersee). Seit ca. 1931 (AP Konjunktion Jupiter) waren immer mehr private Montessori-Schulen und -Klassen in den Volksschulen der Vereinigten Staaten üblich.

Mit 80 Jahren konnte sie auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken. Der AP erreichte das 2. Haus und 1952 mit 81 Jahren und 9 Monaten, am 6. Mai, starb Maria Montessori in Holland. Der Alterspunkt war exakt auf dem Tal- oder Totpunkt des 2. Hauses angelangt.