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Titel Ausgabe 5



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Zurück Ausgabe 5 vom 21.12.1981 • Seite 20ohne Login!

• Astrologie & Philosophie

Quo vadis humanitas?

Prof. Arnold Graf Keyserling

(Wohin gehst du, Menschheit?)

Prof. Arnold Graf Keyserling

Vorbemerkung der Redaktion: Es handelt sich beim folgenden Text um einen Auszug aus den Tonband-Protokollen von Keyserlings vier Vorträgen im diesjährigen API-Herbstseminar in Oetz. Dies ist also von uns nur geringfügig korrigierte geredete Sprache, und nicht korrekt gebaute Schreib-Sprache.

Der Frühlingspunkt wandert alle 2116 Jahre in ein anderes Tierkreiszeichen. Man spricht viel davon, dass wir jetzt in das Wasser-mannzeitalter eintreten. Durch diese zyklische Wanderung verändern sich sowohl die Menschen wie auch Ihre Kultur, Zivilisation und Religion. Wenn wir den Weg durch die Zeitalter betrachten, beginnen wir beim Löwen.

Im Löwe-Zeitalter begann die Religion. Löwe war das Paradies, der Homo faber, das war der Mensch, der im Einklang mit der Natur lebte. Vom Menschen später wird diese Zeit von zwei Richtungen her betrachtet: als das goldene Zeitalter der Harmonie und des Sündenfalls, und als der Aufstieg. Selbst in der Bibel finden sich zwei Schöpfungsgeschichten nebeneinander - die Kinder Gottes vereinten sich mit den Kindern der Welt.

Im Krebs-Zeitalter war die erste Zeit die Zeit des Klangs. Die Au-stralneger sind jene, die aus dieser Zeit noch leben. Sie wurden geleitet (Steinbock) von den funk-tionell einteilenden Schamanen. Gott war also hier eine Art Organisator. Es war die Mondgottheit, und Tod und Leben bildeten eine Einheit -der Mensch war zusammen mit der Natur. Am Ende dieser Zeit stand die Sintflut. Es hat zweifellos Fluten gegeben, aber nicht diese Sintflut. Sondern diese Sintflut war ein Zeichen, dass der Mensch in die Triebhaftigkeit zurückversank und nur einige den Schritt ins nächste Zeitalter, in die Zwillinge, gemacht haben: Nämlich der, der eine «Arche Noah» bauen konnte und die Naturgesetze akzeptiert hatte.

Zwillings-Zeitalter: Alle Religionen, die wir kennen, sind Brückenreligionen zwischen zwei Zeitaltern. Z. B. der Paradiesmythos zwischen Löwe und Krebs, der Mythos Arche Noah zwischen Krebs-und Zwillingszeit, das Gilga-meschepos zwischen Zwillingszeit und Stierzeit: Gilgamesch und En-kido, der den Tiermenschen erlösen musste. Der Gottesbegriff aus der Zwillingszeit ist der grosse Geist, indianisch «Wakan-tanka», d. h. «das, was einem begegnet» - der Schütze. Die Indianer sind aus der Zwillingszeit und haben ihre Form seitdem nicht mehr verändert.

In der Stierzeit hatte man viele Götter. In dieser Zeit lebten die Göttergenerationen. Die Götter verlangten Nachschub, dargestellt etwa im ägyptischen Totenbuch. Am Ende dieser Zeit kam die berühmte Revolution, In deutscher Sprache gibt es die Ausgabe des ägyptischen Totenbuches eines Franzosen. Er beschreibt dort, wie plötzlich eine Revolution kam, und das Geheimwissen nicht mehr reserviert war, sondern allen offenstand.

In der Widderzeit hatten tatsächlich fast alle Völker ein geheiligtes Buch. Es waren die Goten, die Juden, die indischen Brahmanen, die nur einen Gott anerkannten. Zu diesem Zeitpunkt war der Tierkreis gleichlaufend mit dem Konstellationskreis, d. h. das natürliche Leben wurde ritualisiert. Bestimmte Essensgewohnheiten, bestimmte Geschlechtsgewohnheiten unterschieden die Menschen. Wenn also heute einer eine Diät religiös verkündet, so lebt er in der Religion der Widderzeit. Denn genauso, wie wir im Lebenskreis «be our age», «im Moment sein müssen», müssen wir es auch im Weltenjahr. Eine abgestandene Religion nützt uns nichts mehr. D. h. etwas, das früher richtig war, ist nicht mehr richtig. Und es ändert sich auch, so wie die Juden als Vertreter des Widdervolkes gegen das Goldene Kalb, gegen den Stierkult gewettert haben.

Jetzt kommen wir in die Nähe des Frühlingspunktes. Und jetzt öffnen sich die drei Tore für die Menschen: das Tor des Südens, des Nordens und des Ostens.

Das des Nordens wurde noch in der Widderzeit durch Buddha eröffnet. Das Tor des Nordens bedeutet, dass die Meditation zur Erlösung führt. Das kennen wir nicht im Yoga. Der Yoga geht nur bis zum Samadhi. Er geht nicht bis zur Erlösung und bis zu Bodhisattwa. Die geschichtliche Erlösung ist das Tor des Südens: die Kreuzigung, das Finden der Achse auf der Erde, das im Leben Erlöstsein, die historische Auferstehung. Das Tor des Ostens - die Erkenntnis Mekkas als Frühlingspunkt der Erde, die Gottesfreundschaft aller Gläubigen - ist der Übergang zur Fischezeit.

Fischezeit: 5. Haus der Menschheitsgeschichte. Fünftes Haus daher: Tabuisierung der Sexualität gegenüber jungfräulicher Geburt. Gott ist der Herr und Meister, Und wir haben Herren «von oben bis unten!» Die Gerechten der Widderzeit sind verdammt,

Ende der Fischezeit, Beginn der Wassermannzeit: Der Persönlichkeitskult wird bekämpft, Herrschaft darf es nicht mehr geben. Der Mensch ist Arbeiter im Körperdenken, und gegenüber ist das Paradies - die Befreiung der Sexualität, die Befreiung der Nacktheit, die Befreiung des Körpers - und gleichzeitig die Öffnung zum kosmischen Bewusstsein.

Was ist nun die Religion der jetzigen Zeit? Die Bibel vereint Widderzeit und Fischezeit. Das Totenbuch vereint Stierzeit und Widderzeit, das Gügameschepos Zwillingszeit und Stierzeit. Napischtms Religion Krebszeit und Zwillingszeit. Paradiesreligion die beiden ersten. Was hat sich entwickelt in den letzten 2000 Jahren als Neues? Die Wissenschaft, die Gnosis. Die Gnosis ist jetzt das 4, Tor, das westliche Tor, das Tor der Waage. Und um zu «Got» zu kommen, müssen wir durch die Erdmitte durch. Während also die Selbsterlösung verbannt wurde aus dem christlichen Bereich, aus dem muselmanischen, aus jedem, und nur noch weiterbestand bei den sogenannten Heiden, den Naturvölkern, wird jetzt der Weg der Selbsterlösung, der Weg der Selbstfmdung, des eigenen Sinnes, zugänglich.

Satan - Beelzebub - Luzifer sind die Verhärtungen der drei Gehirnsysteme. Das satanische System ist die Grausamkeit des Reptils. Das ist der Mensch, der sich bedroht fühlt und der zum Reptil wird. Das dauernde Sich-anstrengen-Müssen «im Schweisse deines Angesichts» ist das Beelzebub-System. Die grosse Gefahr der Gegenwart ist das Luziferische, dass jemand sagt: Ich bin der Meister und ihr müsst mir folgen. Tatsächlich ist jeder Mensch Gott gleich. Aber er kann es nur sein, wenn er den Weg des Wissens geht. Die Urform des Weges des Wissens, die in der Form, wie wir sie heute haben, aus der Zwillingszeit stammt, aus den Kalenderkulturen, ist die Astrologie.

Darum, wenn man Astrologie dazu erniedrigt, dass man z. B. mit ihr als Beruf besser Geld verdient, ist das eine Gefahr! Weil eines der Mittel, den Menschen zur Freiheit zu bringen, ignoriert wird. In dieser Zeit offenbart sich der immanente Gott im Tierkreis. Es gibt genug Leute, die behaupten, sie seien die Meister dieser Zeit. Shi-vananda hat das behauptet, das hat Bhagwan behauptet, usw. Das heisst, es ist heute sehr üblich, Messiasse wachsen sozusagen auf den Bäumen. Aber der Krishna-murti hat schon recht, indem er «aus der Firma ausgestiegen» ist. Denn Messias sind wir heute alle, jeder muss in sich die Liebe Christi, die Meditation des Buddha und die Gottesfreundschaft des Propheten erreichen. Aber das kann er nur, wenn er sich selbst ernst nimmt und die drei Stufen der Teufel überwindet. Auf der ersten Stufe, der materiellen Ebene, ist es Satan, der uns die Sicht ms Geistige verdunkelt. Auf der zweiten Stufe, der Gefühlsebene, ist es Beelzebub, der uns Leid schafft, wodurch wir zwischen Gut und Böse unterscheiden lernen. Auf der dritten Stufe, der Denkebene, herrscht Luzifer. Er stürzt uns in ständige Zweifel, verführt uns durch Irrlehren, bis wir die Wahrheit erkennen, die zur Einheit führt.

Was ist eigentlich der Teufel? «Diabolon» ist das Gegenteil von «symbolon». «Symbolon» heisst «zusammenfügen», «diabolon» heisst «auseinandernehmen». Um zusammenzufügen, muss ich erst etwas trennen. Durch die Kenntnis des Körpers, durch die Fähigkeit, einander liebend in unseren Schwächen anzunehmen, d. h. uns in der Seele zu treffen, durch die Anerkennung geistiger Gesetzmässigkeiten und durch das Bewusstsein, dass unsere Loyalität der Erde und allen Menschen gehört, kommen wir in das Bewusstsein des Menschen im Wassermann. Der Wassermann ist ja die Amphora. Wir müssen aus dem Wasser des Geistes schöpfen, um die Erde damit zu befruchten. Das ist das Reich des Friedens. Es sieht sehr anders aus im Augenblick!

Wieso ist es das Reich des Friedens? Weil es die Friedlichen sind, die die Träger werden und weil die, die kämpfen, heute untergehen. Diese ganzen Phantasien ä la Nostradamus vom Weltuntergang betreffen Menschen, die die Freiheit des einzelnen nicht wahrhaben wollen. Und darum sind heute alle, die sich als Guru aufspielen, Verführer. Das System ändert sich: Es heisst nicht mehr Nachfolge, es heisst Wagnis. Was es zu heiligen gilt, ist nicht mehr das Geschlecht, sondern das Wissen, Und alle jene, die den Mut haben – denn es gehört Mut dazu – irgendeinen so absurden Weg zu gehen wie Astrologie, Magie, Geistheilung usw., denen hilft die Erde, und denen hilft der Himmel. Und da wir diese zwei grossen Kräfte auf unserer Seite haben, nämlich die Erde und den Himmel, und die ändern nur ihr Wahlvolk bei sich, so ist auf die Dauer ganz offensichtlich, wer gewinnt.

Es heisst im Zeichen Nr, 13 im Buch der Wandlungen: «Gemeinschaft mit Menschen im Freien: Gelingen. Die gemeinsamen Menschen weinen erst und klagen, aber nachher lachen sie. Nach grossen Kämpfen gelingt es ihnen, sich zu treffen.» Das Wassermannzeitalter wächst unter uns (wie die gotischen Kirchen unter dem Gelächter der damaligen Franzosen gewachsen sind) und es wird vorangebracht von jedem einzelnen von Ihnen, der den Mut hat, sich zu der neuen Zeit zu bekennen.