Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 5



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 5 vom 21.12.1981 • Seite 25ohne Login!

• Astrologie & Religion

Stellt die Astrologie den Schöpfer in Frage?

Ursula Hunkeler

Nachstehend drucken wir einen im Oktober in einer Schweizer Tageszeitung erschienen Leserbrief ab, auf den wir kurz eingehen wollen, weil er Fragen und Missverständnisse enthält, mit denen wir immer wieder bei Menschen, die an der Astrologie zweifeln oder sich dafür zu interessieren beginnen, konfrontiert sind.

Astrologie desavouiert den Schöpfer

Seit nunmehr drei Monaten wird Annika Mutter, die 18jährige Gymnasiastin aus Nürensdorf, vermisst. Wieder und wieder steigt in mir die Frage auf: Wo sind sie nun, die Hellseher und Astrologen? Jetzt könnten sie doch einen brauchbaren Dienst tun mit ihren medialen Fähigkeiten, jetzt könnten sie einem verzweifelten Elternpaar helfen. Doch in dieser Sache schweigen sie. Im Fernsehen und in den Magazinen aber, da nehmen sie einen immer breiteren Raum ein. Unverbindliches Reden ohne entscheidende Fragen mit Tiefgang. Bei allem Verständnis für die Zeitlimite und einen gewissen Unterhaltungseffekt erwarte ich jedesmal, dass in solchen Sendungen die Fragen nicht nur an der Oberfläche bleiben würden. Do.ch stets wurde ich enttäuscht. Dabei gäbe es so manche Fragen, die eine Diskussion beleben und bereichern könnten:

Ist Astrologie Ersatz oder Ergänzung zur Religion?

Kann man im biblischen Sinn Christ sein und an die Astrologie glauben?

Wenn Astrologie etwas Positives darstellt, soll man sie möglichst früh an die Kinder herantragen?

Wie erklärt man die Tatsache, dass die astrologischen Stemzeichen heute um fast ein ganzes Zeichen voraus sind bezüglich der effektiven Sonnenposition im astronomischen Tierkreisgürtel? Ich bin z. B. eine söge nannte Jungfrau. Zur Zeit meiner Geburt stand aber die Sonne im Sternbild des Löwen.

Die Astrologie desavouiert den Schöpfer, indem sie den Werken, also Sonne, Mond und Sternen, göttliche Fähigkeiten zuschreibt.

Wie setzen die Astrologen ihre astrologischen Fähigkeiten zum Wohl des Nächsten ein?

Astrologie hat immer in gröberer oder feinerer Form den menschlichen Egoismus zum Ziel: Die Grundfrage ist immer: Wie wird es mir ergehen? und nicht: Wie geht es meinem Nächsten? Wann werde ich was am besten für wen tun können?

Hans H. Spillmann, Büretswil

Der erste und grundsätzliche Irrtum ist offensichtlich. Hellseher und Astrologen sind nicht in einen Topf zu werfen. Sicher, es gibt viele Astrologen (leider!), die Voraussagen machen. Aber das, meine ich, ist nicht der Sinn der Astrologie. Was nützt es einem Menschen, wenn ich ihm »prophezeie«, dann und dann wirst Du eine Pechsträhne haben, aber dann wirst Du das grosse Los gewinnen? Ich determiniere ihn, ich verneine das, was jeder Mensch in sich trägt, was wir unter »freiem Willen« oder »Seele« verstehen. Denn ich selbst bin mein Schicksal. Ich trage ja das Göttliche in mir, aber ich muss es verwirklichen. Niemand kann mir das abnehmen, kein System und auch kein Hellseher.

Ob Astrologie Religion oder Religionsersatz ist, kann nicht einfach pauschal beantwortet werden. Persönlich kann ich nur sagen, dass mich das Studium der Astrologischen Psychologie dem »Grossen Ganzen«, dem, was viele Menschen »Gott« nennen, näher gebracht hat. Der Sinn der Astrologie ist es, echte Lebenshilfe zu. sein, den Menschen in seiner Freiheit zu belassen und nicht, ihn zu determinieren.

Das individuelle Horoskop ist ein Diagnoseinstrument und dient der Selbstfindung, der Charakterdeutung, der Konfliktklärung. Die Astrologische Psychologie hilft mir, mich selbst in meinen Verhaltensweisen immer besser zu verstehen, meine inneren Lebensziele zu erkennen. Aus diesem Seibsf-Verständnis heraus werde ich als logische Konsequenz auch meine Mitmenschen anders sehen, ich lerne sie zu verstehen; ich werde toleranter. Denn erst wenn ich mich selbst kenne und annehme, also lieben lerne, werde ich fähig, andere Menschen zu lieben. Das wichtigste christliche Grundgebot lautet doch: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst...

Wenn eine Sonne z. B. im Zeichen Jungfrau steht, so heisst das nicht, dass sie im »Sternbild« Jungfrau steht. Es ist vielmehr so, dass die Ekliptik – die scheinbare Kreisbahn, die die Sonne im Laufe eines Jahres am Himmelsgewölbe beschreibt - in zwölf 30° grosse Abschnitte eingeteilt wird, in die Tierkreiszeichen, beginnend mit dem Zeichen Widder.

Wer sagt denn, dass wir in Sonne, Mond und Sternen Götter sehen? Unser Sonnensystem (eines von Milliarden anderer, z. T. wesentlich grös-serer), in das wir hineingeboren wurden, ist ebenso Teil der Schöpfung wie wir Wesen, die wir auf der Erde leben. Kein Mensch wird wohl die für uns sichtbare Wirksamkeit der Naturgesetze bezweifeln. So wie diese Gesetzmässigkeit im Kleinen wirksam ist, ist sie es auch auf eine für uns geheimnisvolle Weise im Grossen: »Wie oben so unten«. Und das ist gerade in der Astrologie sehr schön beobachtbar.

Nein, nicht die Astrologie hat den menschlichen Egoismus zum Ziel sondern der Mensch selbst. Der Fragende ist der Egoist - der Astrologe kann sich auf dieselbe Stufe begeben, das ist dann eben kein astrologisches sondern ein menschliches Problem ...

Wenn wir keine Welt von Egoisten wollen, erreichen wir dieses Ziel sicherlich nicht, indem wir irgendje-manden oder irgendetwas dafür verantwortlich machen, wir lenken nur von uns selbst ab. Der einzige gangbare Weg ist, dass wir bei uns selbst beginnen und unsere eigenen tiefsten Motivationen etwas kritischer unter die Lupe nehmen.