Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 6



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 6 vom 19.02.1982 • Seite 18ohne Login!

• Mythologie

Mythologisches: Fasching – Fastnacht -Karneval

Fritz Gehre

Ich möchte im folgenden die Zeit der lärmenden Heiterkeit, der Masken und Bälle anhand zweier Fragen mythologisch beleuchten:

1. Welche Bedeutung haben die beiden Tierkreiszeichen, welche die Sonne in dieser Zeit durchläuft?

2. Welche Rolle spielt die Mondstellung dabei?

1. Die Zeichen Wassermann und Fische

Wassermann entspricht dem 11. Haus, der Fremddarstellung, und ist dem 5. Haus, der Selbstdarstellung, entgegengesetzt. Anders zu sein wie bisher, herauszuschlüpfen aus der üblichen Rolle, das lässt uns Kleider und Masken aussuchen, die uns gefallen. Über die Haut, und das ist Saturn, wird eine andere gelegt, um in dieser die bisherige Begrenzung gleichsam zu sprengen. Saturn bekommt in Wassermann uranische Einfalle und lebt ganz aus der Improvisation, wie wir es an den vielfarbigen Verkleidungen, den Faschingszügen, dem Lärmen und Tanzen sehen. Alles dies wird »genährt« von unten, aus dem 5. Haus, dem kollektiven, dem unbe-wusst-archetypischen Raum und steigt hinauf in das Bewusstsem. Deswegen verkleidet sich der einzelne auf die Art, dass er in seiner Maske fast ganz genau sein inneres Gegengewicht auswählt! So war ich selbst oftmals schon erstaunt und betroffen, Menschen plötzlich ganz anders zu erleben wie sonst, nämlich von ihrer bisher verborgenen Seite.

In Fische steht die Sonne am Ende des karnevalesken Treibens; wobei Karneval alle fleischliche Leidenschaft bedeutet, die stark und kräftig gelebt werden soll. Nach dem letzten Tag kommt der Aschermittwoch, und mit ihm beginnt die Fastenzeit. Symbolisch bedeutet dies ein »Zu-Asche-Werden«, ein Verbrennen des Gewesenen. Jeder wird so mit der »Asche auf seinem Haupt« allein hineingehen in seine Einsamkeit. In Fische soll er auf die sichtbare Nahrung verzichten, um die unsichtbare, geistige Nahrung aufnehmen zu können! Wenn wir die Einzelgänger am Ende des Zuges auf ihrer Flöte spielen sehen, dann spüren wir bereits den weiten, unendlichen Raum des 12. Hauses, die Isolation. Was da geschieht, bei massiger Nahrung, ist für jeden, der bereit ist dazu, innerlich heilend; meditierend kann er seine eigene Weisheit entdecken.

2. Der Neumond

Alljährlich fällt entweder der 2, oder 3. Neumond seit Jahresbeginn in die Nähe des Aschermittwoch (zwischen dem letzteren und Ostern liegen sechs Fastensonntage). Aschermittwoch liegt also in der Ephemeride nahe bei einer Sonne-Mond-Konjunktion in Ende Wassermann oder Anfang Fische (siehe folgende Tabelle).

Aschermittwoch

1981/ 4.3.

1982/24.2.

1983/16.2.

1984/ 7.3.

Neumond

1981/ 6.3. / 15.46

1982/ 23.2. / 4.36

1983/ 13.2. / 23.44

1984/ 2.3. / 12.22

Was bedeutet diese Konjunktion für die Menschen, was soll sie symbolisch aussagen? Die- Spannung von der hellen Sonne des Tages zum dunklen Mond der Nacht soll zusammenfallen in Eines, soll werden zur grossen inneren Stille. Es ist ein inneres Sich-Vorbereiten, wie es in der Natur unter der Erde stattfindet, auf das kraftvolle Hervorbrechen im Frühling. Diese in sich hineinschauende und zugleich alles umfassende Ruhe wird durch die Konjunktion nochmals betont - und diesmal von Planeten! Weil es zwei Persönlichkeitsplaneten sind, bedeutet das für den Menschen, dass er es ganz persönlich umsetzen muss, dass er verwirklichen muss, was er erfahren hat. Mit dem Mond kann er das Kindhafte, das scheinbar Verlorene wiederentdecken. So bleibt ein Stück jener ursprünglichen Naivität oder Unschuld erhalten. Innerlich jung, kann er von vorne beginnen, wie es auch dem Neubeginn des Lebenskreises entspricht.

NOTA BENE DER REDAKTION:

Interessant ist die Tatsache, dass in diese selbe Zeit schon in vorchristlichen Epochen eine ganze Reihe von Fruchtbarkeitsriten und -Feste fielen. Die ursprüngliche Wortbedeutung Faselnacht (das frühneuhochdeutsche 'faseln' bedeutet: gedeihen, fruchtbar sein) wurde wahrscheinlich erst etwa im Barock durch die vom Christentum eingeführte zeitliche Begrenzung durch die Fastenzeit in den passenderen Begriff Fastnacht (Vorabend des Fastens) umgesetzt.

Etwas ähnliches geschah mit dem aus den lateinischen Ländern stammenden Begriff Karneval. Ursprünglich war das wahrscheinlich carrus navalis (lat. Schiffskarren), die Zeit der Schneeschmelze und des Abklingens der Winterstürme, in der man die Schiffe wieder zu Wasser lassen konnte. Im Französischen ist das noch erahnbar in der heutigen Schreibweise Car'na-val. Das änderte sich zu Carne vale' ('Fleisch -lebe wohl', Fleischwegnahme).

Ähnliche Wortspielereien lassen sich in den meisten europäischen Sprachen und sogar Dialekten bei den entsprechenden Fastnachtsbegriffen des 12. und des 17. Jahrhunderts feststellen. Br.